Kommentar: Griechenland droht beispiellose Radikalisierung

Es war falsch, das Volk zu diesem Zeitpunkt zu den Urnen zu rufen. Es war falsch, weil den Griechen in den vergangenen zwei Jahren politisch und vor allem wirtschaftlich zu viel abverlangt worden ist und zu wenig Perspektiven eröffnet worden sind. Es war falsch, weil mit Lukas Papadimos ein Fachmann die Regierungsgeschäfte führte, der sich auf eine Zweidrittelmehrheit im Parlament stützen konnte. Es trifft zu, dass diese Volksvertreter längst nicht mehr in gleichem Maße das Volk repräsentierten. In dieser Hinsicht hätte das Wahlergebnis deutlicher nicht sein können. Die beiden “großen” Parteien Pasok und Nea Dimokratia sind zusammengefallen wie Ballons, aus denen die Luft entwichen ist.

Banken und Geldverleiher sind bedient worden

Griechenland hat sich durch die Wahlen auf eine gefährliche Schleuderfahrt eingelassen. Die Schuldenkrise ist keineswegs gelöst. Den Gläubigern – und nur ihnen – konnte durch Geld und immer mehr Geld ein Stück weit geholfen werden. Doch schon bald stehen die nächsten Rückzahlungen an. Schon bald will die Troika in Athen auftauchen, um den Fortgang der so genannten Reformen zu bewerten. Heben sie nicht den Daumen, beginnt für die Hellenen wieder das große Zittern. Denn wenn EU, IWF und EZB kein neues Geld fließen lassen, dann droht wieder die große Pleite.

Die vielen Milliarden und Abermilliarden Euro, die bislang nach Athen geflossen sind, haben in Griechenland keine Jobs geschaffen, keine Rente gesichert, keine Armut verhindert. Genau das Gegenteil ist der Fall: Banken und Geldverleiher, die jahrelang ohne jeden Skrupel skrupellosen griechischen Politikern und Geschäftemachern Geld hinterher geworfen haben, sind bedient worden. Gleichzeitig vernichtet das Sparprogramm Wohlstand, Arbeitsplätze und Zukunft.

Die EU muss jetzt handeln

Die Wahl vom Sonntag war hoffentlich nur ein Warnschuss und kein Menetekel. Wenn es der EU als Ganzes nicht gelingt, Griechenland wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen, droht eine beispiellose Radikalisierung – nicht nur in Griechenland. Die Wähler als Souverän haben gesprochen. Der Ausgang der Wahl ist denkbar unsouverän. Die einstmals Großen sind zum Regieren zu klein geworden. Die einst Kleinen – allen vor voran Alexis Tsipras vom Bündnis der Radikalen Linken – sind plötzlich groß, aber gänzlich unerfahren. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie eine Regierungskoalition zusammenbringen.

Sollte es ihnen nicht gelingen, dürften schon im Juni Neuwahlen anstehen. Sollte es ihnen gelingen, müssen sich Europa, der IWF und die Europäische Zentralbank auf harte Neuverhandlungen gefasst machen. Denn viele Forderungen nach Wachstumsprogrammen und sozialer Gerechtigkeit werden nicht nur von den so genannten Protestwählern getragen, sondern sie sind auch mehr als berechtigt.

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Dauerkrise: Sparunwillen der Bürger bringt Europa ins Wanken

Die Regierungen Europas haben Mühe, ihre Bürger von der Notwendigkeit drastischer Budget-Einschnitte zu überzeugen. Das gefährdet das Krisenmanagement der Euro-Zone.

Als wüssten sie es nicht besser, als hätten nicht die vergangenen zwölf Monate eindrucksvoll und immer wieder aufs Neue gezeigt, womit sich die Finanzmärkte, diese schwer zu fassenden Schatten der Politik, besänftigen lassen. Als hätten Italien und Spanien nicht erlebt, dass sie umso weniger Zinsen für ihre Staatsanleihen bieten müssen, je entschiedener sie den Eindruck vermittelten, sich an die Konsolidierung ihrer Haushalte zu machen. Als wäre das Ringen um eine europäische Strategie des angemessenen Wirtschaftens nie geschehen. So scheint es in dieser Woche.

Allenthalben auf dem Kontinent flüchtet der Wähler in die Arme derer, die Unbezahlbares versprechen, die ein Ende der unmittelbaren Pein durch Sparpakete und entschiedene Steuereintreibung geloben, die nicht konsolidieren wollen, sondern Geld ausgeben. Wachstum schaffen, nennen sie das.

Es gilt für die Wahl vom vergangenen Wochenende in Frankreich, es gilt für die bevorstehende in Griechenland. In den Niederlanden und in Tschechien stürzen die Regierungen, weil sich keine Mehrheiten dafür finden, die seit 15 Jahren geltenden Spielregeln der europäischen Währungsunion einzuhalten: Nicht mehr neue Schulden zu machen als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Europa steht ein harter Sommer bevor – einer, der einen Rückschritt hinter das bereits Erreichte darstellen könnte. “Die Ereignisse in Frankreich und den Niederlanden könnten den Beginn einer Kursänderung im Krisenmanagement der Euro-Zone bedeuten”, sagte Carsten Brzeski, leitender Volkswirt bei der belgischen Bank ING.

Der Kampf gegen die Schuldenkrise in der Euro-Zone hat einen Namen: Fiskalpakt. In Berlin wagte Gerda Hasselfeldt eine als Appell zu verstehende Prognose: Die Vereinbarungen des Vertrags seien für alle europäischen Staaten von so großem Vorteil, dass sich dem kein Land verschließen werde, sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Der Vereinbarung für eine strengere Haushaltsdisziplin hätten außerdem die Regierungen zugestimmt, betonte sie – ganz zu Recht. Allein: Wie viel wird diese Zustimmung in naher Zukunft wert sein?

Die Bewährungsprobe steht noch aus. In den Parlamenten – oder durch Volksabstimmung wie in Irland – ratifiziert ist der Vertrag noch in fast keinem Land. Sollte Frankreichs nächster Präsident François Hollande heißen, wird der “nachverhandeln” wollen, wie er ankündigte.

Das erinnert an die Jahre 2002 bis 2004, als der Regelbruch zur Praxis wurde. Die Maastricht-Neuverschuldungsgrenze war kaum etabliert, da drangen die größten europäischen Volkswirtschaften angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten darauf, sie nicht so eng zu sehen. Die Rede ist von Frankreich und Deutschland.

Griechen versprechen niedrigere Steuern

Die schlechten Nachrichten wollen einfach nicht abreißen: Die am Boden liegende Wirtschaft Griechenlands schrumpft weiter. Die Zentralbank in Athen rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um fast fünf Prozent, noch einmal ein halbes Prozent mehr als vor vier Wochen vorausgesagt.

2011, im bisher schlimmsten Jahr der griechischen Wirtschaftskrise, war das Bruttoinlandsprodukt 6,9 Prozent geschrumpft. Damit befindet sich das Land nun das fünfte Jahr in Folge in der Rezession. Keine gute Ausgangslage für die beiden großen Regierungsparteien, die am 6. Mai wiedergewählt werden wollen.

So behilft sich Antonis Samaras, dessen Partei Neue Demokratie (ND) zusammen mit den Sozialisten von Pasok das Kabinett von Premier Papademos stützt, mit Wahlversprechen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geht mit leuchtendem Beispiel voran und zeigt, wie viel europäische Überzeugungen im Kampf um Wählerstimmen noch zählen.

In den jüngsten Umfragen hat ND zwar an Zustimmung eingebüßt, die Partei kann aber bei der Wahl im Mai mit rund 22 Prozent der Stimmen rechnen und würde damit die größte Fraktion im Parlament stellen. Weniger Steuern kündigte Samaras also den Griechen an, mehr staatliche Sozialausgaben. Gerade den Spitzensteuersatz will er senken, von 45 auf 32 Prozent.

Das mag den 19 Prozent der Griechen, die nach der Prognose der Zentralbank in diesem Jahr keine Arbeit haben werden, nicht viel helfen; den 300.000 Menschen, deren Arbeitsplätze im vergangenen Jahr auf absehbare Zeit verschwunden sind, erst recht nicht.

Aber auch für sie hält Samaras teuren Trost bereit: Um auch etwas für den Griechen mit geringerem Einkommen zu tun, soll die Mehrwertsteuer um vier Prozentpunkte reduziert werden. Damit soll freilich keine Abkehr von der Zusicherung, die Samaras den europäischen Regierungschefs schriftlich gab, verbunden sein. An den Reformzusagen werde auch nach der Wahl nicht gerüttelt. Eine Glücksspielsteuer soll die Mindereinnahmen ersetzen. Ob das hilft? Die extremen Parteien, links wie rechts im politischen Spektrum Griechenlands, legen nach allen Umfragen zu.

Dabei blenden sie ebenso wie Samaras aus, was die Zentralbank in ihrem Bericht als Schreckensszenario präsentiert: Ohne die den Geldgebern versprochenen Reformen würde alles nur noch schlimmer: Wird das mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbarte Programm nicht umgesetzt, werden wichtige Strukturreformen nicht eingeleitet und auch durchgehalten und wird die versprochene Haushaltskonsolidierung ins Stocken geraten – dann drohe Griechenland “ein Rückfall um mehrere Jahrzehnte” und auch der Austritt aus der Euro-Zone.

Deutschland: Die Angst des Lehrmeisters

Nicht alle Regierungsstürze in der Euro-Krise haben bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble Sorgen ausgelöst. Dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi trauert man in Berlin nicht hinterher. Im Gegenteil. Und dem neuen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy attestiert man zumindest öffentlich mehr Reformwillen als seinem Vorgänger.

Nun könnten allerdings Machtwechsel im Euro-Klub bevorstehen, die in Berlin für Probleme sorgen werden. Kämen in Griechenland extreme Parteien an die Macht, die die EU-Reformauflagen ablehnen, wäre die Rettung des Landes wohl gescheitert. Die Geduld der Bundesregierung war zuletzt ohnehin schon ziemlich erschöpft

Griechenland aber ist nur ein Problem: In ungewohnt deutlicher Weise hatte sich Merkel zum Beispiel im französischen Wahlkampf positioniert und für Nicolas Sarkozy getrommelt. Mit ihm verbindet sie zwei Jahre Krisenbekämpfung. Zuletzt hatte sich der Franzose sogar deutschen Vorstellungen angeschlossen und mit der Kanzlerin den Fiskalpakt in Europa durchgesetzt. Und auch in der niederländischen Regierung fand Merkel bisher stets einen treuen Verbündeten, wenn es um strenge Sparauflagen für die Krisenländer ging.

Deshalb sieht man die neuen Entwicklungen in Frankreich und Holland durchaus als Risiko. Zwar glaubt man in Berlin nicht, dass der Sozialist François Hollande nach einem Wahlsieg den Fiskalpakt tatsächlich kippen würde. Doch es würde mit ihm sicherlich nicht einfacher, den Sparkurs in Europa zu halten.

Ohnehin ist der Druck auf die Bundesregierung zuletzt gestiegen: Sparen alleine reiche nicht, man brauche auch Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums, haben sich Merkel und Schäuble bei Treffen mit ihren Kollegen zuletzt regelmäßig anhören müssen – sei es beim Europäischen Rat in Brüssel oder bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Euro-Länder, die ihren Bürgern harte Sparrunden abfordern, wollen eine Belohnung. Für die Strategie der Bundesregierung ist es entscheidend, wie lange die Geduld in den Ländern reicht. Springt die Konjunktur nicht an, dürften die Zweifel an der von Deutschland verschriebenen Reformmedizin wachsen.

In Deutschland selbst setzt die Regierung auf ein anderes Rezept, das Schäuble als “wachstumsfreundliche Konsolidierung” bezeichnet. Soll heißen: Von einschneidenden Sparmaßnahmen sieht man ab, um die Konjunktur nicht zu gefährden. Die schwarz-gelbe Koalition meint, es reichte aus, die Ausgaben einigermaßen konstant zu halten.

Das fällt nicht sonderlich schwer: Die niedrige Arbeitslosigkeit entlastet den Sozialetat. Und dann profitiert Deutschland auch noch von der Euro-Krise: Die Investoren suchen verzweifelt nach sicheren Anlagemöglichkeiten und reißen sich um deutsche Staatsanleihen. Der Finanzminister kann sich deshalb zu günstigen Konditionen Geld am Kapitalmarkt leihen. Das sparte bares Geld bei den Zinszahlungen.

 

Diesen ohne eigenes Zutun niedrigeren Ausgaben stehen höhere Einnahmen gegenüber. Die Steuerschätzungen werden halbjährlich nach oben korrigiert. Auch bei den Sozialkassen gibt es Überschüsse. Und so kommt der Defizitabbau in Deutschland fast automatisch voran. Im vergangenen Jahr meldete die Bundesregierung ein gesamtstaatliches Defizit von einem Prozent nach Brüssel. Schäuble will nun die Schuldenbremse, die eine strukturelle Neuverschuldung von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorschreibt, bereits 2014 erfüllen – und nicht wie vorgeschrieben erst 2016.

Die FDP wagt sich noch weiter vor. Die Parteispitze fasste gerade den Beschluss, im Jahr 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu wollen. Den Defizitabbau, der anderen Regierungen der EU das Leben schwer macht, wollen Union und FDP im Wahlkampf für sich nutzen.

Dank des starken Wirtschaftswachstums gelingt der schwarz-gelben Regierung die Haushaltskonsolidierung sogar ohne schmerzhafte Sparmaßnahmen. Und es geht noch weiter: Längst haben die Politiker von CDU, CSU und FDP wieder angefangen, Geschenke unterm Volk zu verteilen.

Aktuell streitet die Koalition über das Betreuungsgeld, das 1,2 Milliarden Euro jährlich kosten wird. Und in der Union wird sogar überlegt, den internen Widerstand gegen die neue Leistung mit einer weiteren Ausgabe zu brechen: Durch eine bessere Anerkennung der Erziehungsleistung könnten die Rentenzahlungen um vier Milliarden Euro angehoben werden.

Ökonomen und Wirtschaftsverbände, die der Bundesregierung ohnehin mangelnden Sparwillen vorwerfen, sind entsetzt. Sogar beim Koalitionspartner FDP stößt so viel Großzügigkeit auf Widerstand. Täglich neue Sozialleistungen auflegen zu wollen gefährde die Sanierung des Haushaltes und Deutschlands Vorbildrolle bei der Euro-Rettung, sagt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle deshalb. Sozialdemokraten und Grüne werfen der Bundesregierung Doppelzüngigkeit vor: In Europa predige sie Wasser, zu Hause trinke sie Wein.

Frankreichs Politiker umgarnen die Rechten

Wenn die Prognosen sich erfüllen und Nicolas Sarkozy am 6. Mai tatsächlich die Stichwahl gegen François Hollande verliert, dann wird er dies nicht allein wegen der Krise tun, sondern vor allem, weil er Nicolas Sarkozy ist. Die Abneigung gegen den Amtsinhaber ist in Frankreich für viele Wähler bei der Stimmabgabe ein wichtigeres Motiv als die Wirtschaftsdaten.

Dennoch hat die Krise in Frankreich das politische Klima verändert – und wird dies auch über den 6. Mai hinaus tun. Im Wahlkampf erfreuten sich rechts- wie linkspopulistische Vorstellungen großer Beliebtheit. “Europa” wurde weitgehend als Chiffre für unbegrenzte Zuwanderung und entfesselten Kapitalismus benutzt und musste als Sündenbock für sämtliche Übel herhalten, die Frankreich in der jüngsten Vergangenheit widerfahren sind.

Viele französische Wähler sehen ihr Heil nicht in Reformen, sondern in einer Begrenzung der Zuwanderung oder in Wirtschaftsprotektionismus. Die 18 Prozent der Stimmen für die rechtsextreme Marine Le Pen belegen dies ebenso wie die elf Prozent für den linken Volkstribun Jean-Luc Mélenchon. Der einzige Kandidat, der nüchterne Argumente für solides Haushalten vorbrachte – der Zentrist François Bayrou – büßte derweil im Vergleich zu 2007 die Hälfte seiner Stimmen ein.

Doch nicht nur an den Rändern wurde Kritik am “Spardiktat” aus Brüssel laut. Der Sozialist Hollande gründete seinen Wahlkampf auf das Versprechen, den Fiskalpakt “neu verhandeln” zu wollen und um ein Wachstumsprogramm zu erweitern. Sarkozy schwenkte gegen Ende der Kampagne ebenfalls in diese Richtung und verlangte eine aktivere Rolle der Europäischen Zentralbank, um Wachstum zu bewirken.

Der Wahlerfolg von Marine Le Pen zwingt nun beide Kandidaten, vor der zweiten Runde die Wähler der Rechtsextremen zu umgarnen. Sarkozy tut dies bereits seit Längerem offensiv, aber auch Hollande will versuchen, jene Wählerschaft zu “überzeugen”, die “einen sozialen Zorn” zum Ausdruck bringe.

Holland verlernt das Sparen

Das Königreich der Niederlande hat eine jahrhundertealte calvinistische Tradition des vernünftigen Haushaltens. Holländer lernen schon früh, nicht mehr auszugeben, als sie besitzen. Das haben die Holländer anderen europäischen Ländern auch immer vorgehalten. Als Deutschland vor einigen Jahren die Maastrichter Stabilitätskriterien verletzte, stand der niederländische Finanzminister blitzschnell bei seinem Kollegen in der Berliner Wilhelmstraße vor der Tür, um ihm die Leviten zu lesen.

Nun haben die Niederländer selber Probleme mit ihrem Haushalt, der mit einem Minus von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über der Maastricht-Grenze von 3,0 Prozent liegt. Die liberalkonservative Minderheitsregierung von Premier Mark Rutte, die von dem Rechtspopulisten Geert Wilders geduldet wurde, wollte deshalb etwa 15 Milliarden Euro einsparen.

Am Samstag dann entzog Wilders nach fast zwei Monate dauernden Verhandlungen den Sparplänen seine Unterstützung. Am Montag reichte Rutte bei Königin Beatrix den Rücktritt des Kabinetts ein. Im September gibt es wohl Neuwahlen.

Wilders geißelte im Parlament das “Spar-Diktat von nicht gewählten Eurokraten aus dem Superstaat Brüssel”. Seine Anhänger kommen vor allem aus der unteren Mittelschicht, die Angst vor der Euro-Krise, der Globalisierung und Überfremdung haben.

Die sozialistische Partei SP, die bei der Wahl 2010 knapp zehn Prozent holte, hat eine ähnliche Wählerschaft und lehnt die Sparpläne mit ihren tiefen Einschnitten für Geringverdiener ebenfalls ab. Und sogar die etwa doppelt so starke sozialdemokratische PvdA, die immer eine staatstragende Funktion in den Niederlanden spielte, will die Einsparungen nicht mittragen, jedenfalls noch nicht 2013.

Das verstößt jedoch gegen den im März unterzeichneten europäischen Fiskalpakt. Eine Geldstrafe in Milliardenhöhe wäre die Folge.

Es ist also unsicher, ob der Sparkurs noch eine Mehrheit in den Niederlanden findet. Noch hat das Land das Rating AAA, doch die Agentur Moody’s warnte am Montag schon vor den Folgen einer politischen Krise, die Agenturen S&P und Fitch drohten mit der Herabstufung.

In den Niederlanden herrschte am Montag schon leichte Panik, weil die Risikoaufschläge für Staatsanleihen im Vergleich zu jenen, die Deutschland zahlen muss, stiegen. Doch am Dienstag konnte Den Haag problemlos fast zwei Milliarden Euro zu immer noch eher niedrigen Zinsen aufnehmen.

Koalition in Prag steht auf der Kippe

Dass Tschechiens Mitte-rechts-Regierung wankt und am Freitag nur mit viel Mühe eine Vertrauensfrage im Parlament überstehen dürfte, hat in erster Linie mit innerer Zerstrittenheit und Fällen von Korruption zu tun. Aber auch damit, dass das Kabinett von Petr Necas einen harten Sparkurs fährt, gegen den es am vergangenen Wochenende die größte Demonstration der Gewerkschaften seit 1989 gegeben hat.

Das Haushaltsdefizit soll im kommenden Jahr unter das Maastricht-Kriterium von drei Prozent gedrückt werden. Prag würde damit die Forderungen des EU-Fiskalpakts erfüllen, auch wenn es sich dem offiziell bislang nicht angeschlossen hat. Tschechien ebnet sich damit gleichzeitig den Weg, in ein paar Jahren entsprechend der Verpflichtung aus seinem EU-Beitrittsvertrag den Euro einzuführen, auch wenn dafür bislang kein Datum genannt wird.

Aus gutem Grund: Zwei Drittel der Tschechen wollen – im Einklang mit Staatspräsident Václav Klaus – lieber ihre Krone behalten, sehen das Projekt der Gemeinschaftswährung vor dem Hintergrund der Schuldenkrise als falsch und zum Scheitern verurteilt an.

Die Haushaltskonsolidierung ist deshalb so unbeliebt, weil die zwar über Ausgabenkürzungen, vor allem aber über Steuererhöhungen erreicht werden soll. Die Anhebung der Mehrwertsteuer hat dazu geführt, dass mittlerweile fast alle Lebensmittel in Tschechien teurer sind als im benachbarten Deutschland. Das Einkommensniveau unterscheidet sich aber nach wie vor gravierend zu Ungunsten der Tschechen: In Deutschland ist es durchschnittlich etwa drei Mal so hoch.

Elend auf der Iberischen Halbinsel

Die Nervosität in Madrid am Dienstagmorgen war riesig. Würden die Märkte spanische Papiere kaufen? Und zu welchen Zinsen? Das Aufatmen war groß, als schließlich fast zwei Milliarden Euro bei der Auktion zusammenkamen. Aber die von den Investoren verlangten Risikoaufschläge verdoppelten sich und treffen das ohnehin gebeutelte Land hart.

Spanien verharrt im Griff der Finanzmärkte, hangelt sich von Sparpaket zu Sparpaket, von Emission zu Emission. Mit Argusaugen schauen internationale Investoren, die anderen Euro-Regierungen und die EU-Kommission auf jeden Beschluss.

Der Druck ist gewaltig, den der im November gewählte konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy aushalten muss – aber die Bürger danken es ihm nicht. Seine Umfragewerte sind im Sinkflug, er ist das unbeliebteste Mitglied im eigenen Kabinett. Dabei haben ihn die Spanier, des sozialistischen Zauderers José Luis Zapatero müde, bewusst gewählt. Die Boomjahre sind vorbei, das hat die große Mehrheit verstanden, und so sollte die neue Regierung das deutsche Europadiktat umsetzen und Spanien wenigstens wieder auf einen stabilen Pfad führen: sparen, sparen, sparen.

Genau das tut Rajoy auch, Ende März brachte er den Haushalt mit Kürzungen in Höhe von 27 Milliarden Euro durch das Parlament, um das von Brüssel vorgegebene Defizitziel von 5,8 Prozent zu erreichen. Insgesamt 60 Milliarden Euro müssen es in den kommenden zwei Jahren sein. Es sind die schmerzhaftesten Einschnitte, die Spanien seit Ende der Diktatur aushalten muss.

Aber nur knapp vier Monate nach dem Wechsel machen die Bürger schon nicht mehr mit: Millionen Spanier nahmen am Generalstreik Ende März teil, allein in Madrid protestierten 100.000 Menschen gegen den Sparbeschluss, die Stimmung ist gereizt.

Vergangene Woche boxte Rajoy dann noch einmal zehn Milliarden Euro weniger für Gesundheit und Bildung durch – Bereiche, die für viele Bürger direkt spürbar sind. “Ich bitte die Spanier, diese Maßnahmen zu verstehen, weil sie gerecht und vernünftig sind”, bat Rajoy beinahe flehentlich. Er weiß, dass er sehr wenig Zeit hat. Bereits bei den Wahlen in der wichtigen Region Andalusien im März bekam er die erste schallende Ohrfeige.

Die absolute Mehrheit im Parlament mag den Konservativen vorerst ein Schutzschild bieten – aber der Druck der Straße wird weiter wachsen, die Umfragen für Parteien am linken Spektrum gehen nach oben, der PP versucht es derweil am rechten Rand. Rajoys Sprecher Alfonso Alonso wetterte am Dienstag, das nationale Gesundheitssystem sei “kein Auffangbecken” für illegale Einwanderer.

Auch im Nachbarland Portugal regiert seit bald einem Jahr ein Konservativer mit absoluter Mehrheit und peitscht brutale Sparprogramme durchs Abgeordnetenhaus. Allerdings hat Pedro Passos Coelho den politischen Vorteil, dass sein Land bereits EU-Hilfen bekommt. Die Austeritätspeitsche teilt er sich mit den strengen Kontrolleuren von Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank.

Aber ob in Lissabon oder Madrid, das Elend ist dasselbe: Die Einschnitte und Reformprogramme sind tief greifend, aber die ökonomische Erholung wird auf Sicht nicht kommen. Die Wirtschaft schrumpft, die Banken geben keine Kredite, die Arbeitslosigkeit steigt, vor allem die der jungen Menschen. Dass die Regierung im Triple-A-Land Niederlande über ihr Sparpaket stürzt, verschärft die Unsicherheit der Südwesteuropäer nur noch mehr. Wie lange machen die iberischen Bürger den Kurs ihrer Regierungen noch mit?

Italien: Nur noch jeder Dritte würde Monti wählen

Mario Monti würde derzeit bei einer Wahl immerhin noch 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können, so viel wie kein Parteiführer Italiens. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte liest sich so: Mittlerweile würde nur noch jeder dritte Italiener den parteilosen Mario Monti wählen.

Vieles spricht für die zweite Lesart, denn der Premier-, Wirtschafts- und Finanzminister verliert keine sechs Monate nach seiner Ernennung durch Staatspräsident Giorgio Napolitano am 16. November 2011 stetig an Zustimmung in der Bevölkerung. Dass der ehemalige EU-Kommissar für Binnenmarkt und Wettbewerb die Ministerien seiner “technischen Regierung” wie angekündigt auf Sparkurs gesetzt hat, macht ihn nicht populärer. Die euphorische Stimmung des Aufbruchs und der Hoffnungen, die ihn in den ersten Monaten seiner Regierung herrschte, ist verflogen.

Sogar der Rechnungshof und die Zentralbank warnen inzwischen vor den negativen Folgen des Sparprogramms für das Wachstum, das Italien am allernötigsten brauche. Hier bahne sich die Gefahr eines “Kurzschlusses” zwischen Sparmaßnahmen und Wachstum an.

Noch hält Rom im stürmischen Europa ruhig am eingeschlagenen Kurs fest. Das Dekret zur Steuervereinfachung wurde in der vergangenen Woche durch den Senat und dann durch das Parlament verabschiedet. Es ermöglicht unter anderem die Einführung einer neuen Immobiliensteuer und die freie Versteigerung der TV-Lizenzen.

Vor allem in Norditalien trotzen nicht wenige Qualitätsunternehmen mit hohen Exportquoten der Krise – fast so wie in Deutschland. Der Spagat zwischen einer Rentenreform mit all ihren Opfern, die sie der Bevölkerung abverlangt, und der nötigen Reform des Arbeitsmarktes bleibt der Regierung aber dennoch als enorm große Herausforderung erhalten.

Artikel 18 des Arbeitsgesetzes mit seinem rigiden Kündigungsschutz, der Italiens Volkswirtschaft von Bozen bis Palermo fesselt, macht Monti die Arbeit besonders schwer. An der Reform dieses Wachstumshemmnisses haben sich bisher noch alle Premiers Italiens die Zähne ausgebissen.

 

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Vorstoß gegen Schengen-Abkommen: Deutschland und Frankreich wollen Europa abriegeln

Sie werden konkreter, die Pläne von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, die Binnengrenzen in Europa wieder stärker kontrollieren zu lassen. Grenzkontrollen sollten “als ultima ratio und für einen begrenzten Zeitraum” möglich sein, verlangen Innenminister Hans-Peter Friedrich CSU und sein französischer Kollege Claude Guéant in einem Brief, berichtet die “Süddeutsche Zeitung” SZ.Deutschland und Frankreich fordern demnach schärfere Kontrollen, falls die europäischen Außengrenzen im Süden und Osten nicht ausreichend gesichert werden.Konkret sprechen sich die Innenminister in dem drei Seiten umfassenden Schreiben vom 17. April dafür aus, dass nationale Regierungen ,,die Möglichkeit einer auf 30 Tage befristeten Wiedereinführung der Binnen-Grenzkontrollen haben” sollten. Ob die Voraussetzungen dafür vorliegen, sollen die Regierungen selbst bestimmen, berichtet die Zeitung.Der Vorschlag steht demnach bereits am kommenden Donnerstag bei einem Treffen der EU-Innenminister zur Verhandlung. Die Entscheidung dürfte aber frühestens im Juni fallen, sagte ein Vertreter der dänischen Ratspräsidentschaft der SZ. Die Dänen führen noch bis Sommer die Geschäfte der EU und bereiten die Ministertreffen vor.Mit ihren Forderungen würden die beiden Innenminister sowohl das bestehende Schengen-Abkommen für weitgehend kontrollfreie Reisefreiheit aushebeln als auch den Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reform des Abkommens.Friedrich warnte vor “Einfallstor für illegale Migrationsbewegungen”Völlig neu ist die Forderungen allerdings nicht: Bereits vor wenigen Wochen hatte Friedrich die Debatte über innereuropäische Grenzkontrollen angeheizt – und dafür Kritik geerntet. “Wir brauchen Binnenkontrollen nicht nur bei einzelnen Ereignissen wie Fußballspielen oder großen Kongressen, sondern auch wenn Mitgliedsländer ihre Pflichten nicht mehr erfüllen”, sagte Friedrich damals der Düsseldorfer “Rheinischen Post”.Die offenen Grenzen im Schengen-Raum dürften “kein Einfallstor für illegale Migrationsbewegungen werden”, sagte der Minister und kündigte an, gemeinsame mit seinem französischen Amtskollegen für eine Reform des Regelwerks zu kämpfen.Ein hoher EU-Diplomat bezeichnete die deutsch-französische Initiative jetzt als ,,überraschend”, berichtet die “Süddeutsche Zeitung”. Zwar habe Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy schon mehrmals gedroht, aus Schengen auszusteigen; zudem sei der Kampf gegen illegale Einwanderer ein zentrales Thema seines aktuellen Wahlkampfes. Von der Bundesregierung seien ähnlich starke Vorbehalte gegen Schengen jedoch bisher nicht bekannt.Kontrolle der Grenzen soll national verwaltet werdenIn Berliner Regierungskreisen hieß es dem Bericht zufolge, der Brief sei nicht als deutsche Wahlkampfhilfe für Sarkozy zu verstehen. Man wolle vielmehr betonen, dass Grenzkontrollen von den nationalen Regierungen und nicht von Brüssel entschieden werden.Das Schengen-Abkommen erlaubt den Bürgern, innerhalb des Schengen-Raumes ohne Grenzkontrollen zu reisen. Nur die Außengrenzen des Gebiets werden kontrolliert. In Ausnahmefällen, zum Beispiel während internationaler Großveranstaltungen, darf an den Binnengrenzen befristet kontrolliert werden.Das Abkommens soll reformiert werden, weil es zunehmend schwieriger wurde, die südlichen und östlichen Außengrenzen zu schützen. Vor allem Griechenland wird vorgeworfen, den Zustrom illegaler Einwanderer nicht bremsen zu können.

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Immunität bei Nazi-Kriegsverbrechen – Erfolg für Deutschland im Entschädigungsstreit mit Italien

Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat im Streit um Entschädigungszahlungen wegen Nazi-Verbrechen zugunsten Deutschlands geurteilt. Italienische Gerichte hätten die deutsche Staatenimmunität nicht anerkannt und seien damit ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, hieß es in der Urteilsbegründung, die Richter Hisashi Owada in Den Haag vortrug. Italien müsse auf gesetzgeberische oder andere Weise sicherstellen, dass dies nicht geschehen könne.

Die Bundesregierung hatte den IGH Ende 2008 angerufen, um prüfen zu lassen, ob in Italien gefällte Urteile zu Entschädigungszahlungen wegen Nazi-Verbrechen mit dem Völkerrecht vereinbar sind. Konkret ging es um Klagen in Italien, die zwischen September 1943 und Mai 1945 während der deutschen Besatzung in dem Land begangene Taten betrafen und auf Entschädigungsurteile gegen die Bundesrepublik abzielten. Im Kern ging es um die Frage, ob Privatpersonen Klagen vor den Gerichten eines Staats gegen einen anderen Staat erheben dürfen.

Der italienische Kassationsgerichtshof hatte in diesem Zusammenhang entschieden, dass Deutschland die Hinterbliebenen eines Massakers der Wehrmacht im toskanischen Civitella im Juni 1944 mit mehr als 200 getöteten Zivilisten entschädigen müsse. Deutschland argumentierte, dass diese und ähnliche Gerichtsentscheidungen gegen die Staatenimmunität verstoßen, die als ein Grundsatz des Völkerrechts gilt. Privatpersonen dürften demnach keine Klagen vor den Gerichten eines Staates gegen einen anderen Staat erheben.

Auch Griechenland war in den Prozess involviert, weil sich griechische Überlebende wegen Naziverbrechen an italienische Gerichte gewandt hatten. Die Angehörigen von Opfern eines SS-Massakers im Juni 1944 im zentralgriechischen Dorf Distomo bekamen von der italienischen Justiz das Recht zugesprochen, ihre Ansprüche in Italien vollstrecken zu lassen.

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Fekter gegen eine “Liste der Schande” – Während die Regierung geheim das Sparpaket berät, fordern AK und ÖGB, Steuersünder zu bekämpfen

Auf 120 bis 130 Milliarden Euro schätzt der Chef des nationalen italienischen Steueramtes die Summe, die dem Staat jährlich an Einnahmen durch die Lappen geht. Die “Evasione” ist in Italien eine Art Volkssport vor allem von Besserverdienenden, die sich dem Finanzamt gegenüber als arm deklarieren. Griechenland hat Steuer-Außenstände von 15 Milliarden Euro. Um diese einzutreiben, veröffentlichte die griechische Regierung eine 170 Seiten lange Liste, die “Liste der Schande”, mit 4000 Namen und Höhe der Steuerschulden.

In der gesamten Europäischen Union dürften 240 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen werden, schätzt der frühere EU-Kommissar Laszlo Kovacs, auf Österreich heruntergebrochen wären das 10 Milliarden Euro, sagt Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Er fordert auch für Österreich eine “Liste der Schande”.

16 bis 20 Milliarden in der Schweiz angelegt

Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter fordert rigorose Maßnahmen gegen Steuerhinterzieher. Allein in der Schweiz sollen 16 bis 20 Milliarden an Schwarzgeld aus Österreich geparkt sein. Arbeiterkammer und ÖGB fordern eine scharfe Verfolgung der Steuersünder und hoffen, damit einen Teil des Sparpakets abwenden zu können.

Aus der schwarzen Reichshälfte steht man der Veröffentlichung der Steuersünder ablehnend gegenüber. Für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner wäre das ein “ziemliches Armutszeugnis” – außerdem sei die österreichische Steuermoral hoch und mit jener Griechenlands nicht vergleichbar. Die Liste schüre Neideffekte und habe einen klassenkämpferischen Hintergrund, sagt Mitterlehner.

Im Finanzministerium hält man von dieser Idee ebenfalls nichts. So eine Maßnahme wäre schon rechtlich “ganz klar nicht möglich”, heißt es aus dem Ressort. Inhaltlich sei sie ebenfalls nicht sinnvoll, würde sie doch keine hinterzogenen Steuern, sondern lediglich Steuerrückstände auflisten können. Und diese treibe die Finanzverwaltung ohnedies ein, sobald sie vollstreckbar seien. 2011 betrugen diese Rückstände 1,7 Milliarden Euro, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Mit Griechenland sei die Situation in Österreich schlichtweg nicht vergleichbar.

Ratingagentur stuft Bundesländer herab

Auch der Finanzrechtsexperte Werner Doralt kann einer Liste wenig abgewinnen, plädiert aber für hohe Finanzstrafen bei Verstößen. Hinterzogene Abgaben lägen ja naturgemäß im Dunkeln, könnten damit also auch nicht erfasst werden, sagt Doralt. Auch er rechnet damit, dass eine solche Liste überdies eine Gesetzesänderung erfordern würde, wahrscheinlich sogar im Verfassungsrang. “Sehr viel wichtiger und einfacher wäre es, vor allem jene, die im hohen Ausmaß Steuern verkürzen, mit entsprechend hohen Strafen zu belegen”, findet Doralt. “Soweit die Praxis bekannt ist, wird der Strafrahmen nicht einmal zur Hälfte ausgenützt.”

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Wie hart trifft das Öl-Embargo den Iran?

Das EU-Embargo gegen iranisches Öl trifft ausgerechnet Griechenland hart, denn das Land muss derzeit für Lieferungen nicht zahlen – Teheran stundet Athen die Schulden. Der Iran dürfte nun versuchen, sein Öl in Asien loszuwerden. Das aber versuchen die EU und die USA zu verhindern.

Der Iran exportiert täglich rund 2,5 Millionen Fass Öl. Mehr als drei Viertel der iranischen Deviseneinnahmen kommen aus dem Verkauf von Öl und Gas. “Wenn du mit allen Mitteln verhinderst, dass der Iran diese Einnahmen hat, dann hast du dem Iran den Krieg erklärt. Du zerstörst damit die Existenz des islamischen Regimes”, meint Politikprofessor Zibakaram von der Universität Teheran.

Gut 75 Milliarden Dollar hat der Iran letztes Jahr durch den Verkauf von Öl und Gas eingenommen. Wie viel Geld ins Nuklearprogramm geflossen ist, ist völlig unklar. Klar ist, dass vor allem westliche Länder davon überzeugt sind, dass Teheran Ölgeld nutzt, um Nuklearwaffen zu entwickeln.

“Wir wollen die Verbreitung von Nuklearwaffen im Nahen Osten verhindern”, sagt Londons Außenminister William Hague. “Denn dadurch könnte ein Wettrüsten in der Region ausgelöst und das Überleben des Nichtverbreitungsvertrags [für Atomwaffen] in Frage gestellt werden.”

Frankreich, so versichert Präsident Nicolas Sarkozy, werde alles tun, um eine militärische Intervention zu verhindern. Es gebe nur eine Lösung: “Wir brauchen strengere, entschlossenere Sanktionen, die den Verkauf iranischen Öls unterbinden und die Guthaben der iranischen Zentralbank einfrieren.”

Etwa 20 Prozent der iranischen Ölausfuhren gehen in die EU. Vor allem nach Spanien, Italien und Griechenland. Für die Griechen ist iranisches Öl fast unentbehrlich: Athen zahlt nicht für iranisches Öl, Teheran stundet Athens Ölschulden. Wer wird die hochverschuldeten Griechen künftig mit bezahlbarem Öl versorgen? Deutschland, Frankreich, die EU-Kommission? Sie alle drängen auf eine wirtschaftliche Gesundung Griechenlands.

USA werben bei asiatischen Staaten für Ölboykott

Der Iran könne den Wegfall des europäischen Marktes verkraften, glaubt Professor. Zibakaram. Dramatischer wäre ein Embargo durch die asiatischen Großkunden. Über 60 Prozent des ausgeführten iranischen Öls gehen nach China, Japan, Indien und Südkorea. Die USA haben in den vergangen Tagen in allen vier Ländern heftig für ein umfassendes Ölembargo gegen den Iran geworben. Tokio und Seoul werden Washington zähneknirschend folgen. Indiens Außenminister Rajan Mathai aber hat unlängst erklärt, sein Land fühle sich nur an UN-Sanktionen gebunden. Indien werde deshalb weiterhin Öl im Iran kaufen.

Chinas Außenamtssprecher Liu Weimin drückt es diplomatischer aus: Die Probleme mit Iran könnten nicht durch Sanktionen gelöst werden. Sein Land sei sehr besorgt. Gleichzeitig schließt Peking mit Saudi-Arabien neue Lieferverträge ab.

Sollte es mittelfristig zu einem vollständigen Boykott iranischen Öls kommen, könnte schon allein Saudi-Arabien den Ausfall der 2,5 Millionen Fass auf dem Weltmarkt durch eine Produktionssteigerung wettmachen. Teheran warnt die Golf-Araber aber eindringlich vor einem solchen Schritt.

Droht die Blockade der Straße von Hormus?

Im Iran leben rund 75 Millionen Menschen. Die Wirtschaft lahmt, die Inflation ist hoch, die heimische Währung verliert gegenwärtig dramatisch an Wert – in den vergangenen zwölf Monaten um fast die Hälfte gegenüber Dollar und Euro. “Damit das Regime überleben kann, wird es zurückschlagen. Die einzige logische, die einzige natürliche Waffe, die Iran hat, ist, die Straße von Hormus zu blockieren”, sagt der Politologe Zibarakam.

Damit, so hat Washington unmissverständlich erklärt, würde der Iran die rote Linie überschreiten. Im Klartext: es käme zum Krieg.

viaWie hart trifft das Öl-Embargo den Iran? | tagesschau.de.

Burgas-Alexandroupolis-ölpipeline

Die Burgas-Alexandroupolis-Ölpipeline ist eine Pipeline die den bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas mit dem griechischen Hafen Alexandroupolis an der Ägäis verbinden soll.

Sie wird dem Transport von Öl aus Russland, Kasachstan und den Kaukasusrepubliken dienen. Mit ihr kann[1] der Öltransport durch die Meerengen in der Türkei, den Bosporus und die Dardanellen vermieden werden. Zum einen ist der Seeweg durch die türkischen Meerengen bereits jetzt sehr stark ausgelastet. Es können sich für Tanker kostspielige Wartezeiten ergeben. Zum anderen ist die Durchfahrt durch die Meerengen, insbesondere durch den Bosporus in der Millionenstadt Istanbul, der zum Teil nur wenige Hundert Meter breit ist, riskant. Verunglückt ein Tanker, könnten große Schäden verursacht werden.

Der Bau der rund 279 km langen Pipeline mit einem Durchmesser von 900 mm (36 inch) soll 2008 beginnen und 2011 abgeschlossen werden.

Ihre Kapazität soll anfänglich zwischen 15 und 23 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr betragen. Im Endausbau soll die Pipeline bis zu 35 Millionen Tonnen Rohöl transportieren.

Das Projekt umfasst den Ausbau der Ölhäfen, damit Öltanker mit einer Kapazität bis 600.000 Tonnen in Burgas und 1.200.000 Tonnen in Alexandroupolis anlegen können.

Die Pipeline soll auch Rohöl für die LUKoil Neftochim Raffinerie bei Burgas und eine weitere bei Alexandroupolis liefern.

Die Mehrheit an der Transbalkan Oil Pipeline Company’ halten mit 51% die russischen Staatsfirmen Rosneft, Transneft und Gazprom Neft.

Bulgarischen und griechischen Unternehmen gehören jeweils 24,5%. Auf griechischer Seite ist dies das Jointventure Greece Bapline consortium, an dem Hellenic Petroleum, die Latsis group, Petroleum Gas und der griechische Staat(1%) Anteile besitzen. Auf bulgarischer Seite ist es die „Project company Burgas – Alexandroupolis BG“, an der die Staatsfirmen „Bulgargas“ und „Technoexportstroj“ EAD jeweils zur Hälfte beteiligt sind.

Die Pipelinegesellschaft soll in den Niederlanden als ein Offshore-Unternehmen registriert werden.

Für den Transport von Erdöl aus dem kaspischen Raum nach Westen steht bereits heute die BTC-Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan zur Verfügung. Sie führt von Aserbaidschan durch Georgien an die Südküste der Türkei nach Ceyhan.

In der Diskussion ist außerdem eine Pipeline von Burgas zur Adria, die AMBO-Ölpipeline.

Seit 2008 reg sich besonders in den bulgarischen Schwarzemeergemeinden Burgas, Pomorie und Sosopol der Widerstand gegen die Ölpipeline. Die undurchsichtige Politik der Regierung Stanischews und Putin die, führte zu den ersten Bürgerbegehren in der Geschichte der Republik Bulgariens und Protesten von Umweltschützer. Problemfragen sind dabei wie und wo das Öl in der Bucht von Burgas von den Tankern zur Pipeline gelangt und wie die Ölpipeline das größte Schutzgebiet Bulgariens – der Naturpark Strandscha und die geschützte Seelandschaft Burgasseen passiert.

Um die Stimmung zu besänftigen starte 2010 das Betreiberkonsortium Trans Bolkan Pipeline das Internetportal Istinata za Projekta (bulg. Истината за проекта, zu dt. Die Wahrheit über das Projekt)[2].

viaBurgas-Alexandroupolis-Ölpipeline – Wikipedia.

Griechen protestieren gegen Sparkurs – Troika in Athen

In Griechenland haben Tausende Menschen mit Protesten ihrem Ärger über den rigiden Sparkurs der neuen Regierung von Ministerpräsident Lukas Papademos Luft gemacht.

In einem Marsch zum Parlament forderten sie, keine weiteren Sparmaßnahmen umzusetzen. “EU, IWF raus!” war auf ihren Plakaten zu lesen. “Sie verkaufen Griechenland”, sagte ein 51-jähriger Hafenarbeiter. “Sie bringen unser Land an den Rand des Zusammenbruchs.” Zudem wurden die meisten öffentlichen Verkehrsmittel bestreikt. Die U-Bahn der Hauptstadt Athen war weitgehend lahmgelegt, auch die meisten Fähren legten nicht ab. Nur wenige Busse fuhren.

Unterdessen trafen Mitglieder der sogenannten Troika aus Vertretern der Europäischen Union (EU), Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) in der griechischen Hauptstadt ein, um die Fortschritte der Regierung im Kampf gegen das hohe Haushaltsdefizit unter die Lupe zu nehmen. Der Einsatz der Troika steht in engem Zusammenhang mit den zähen Verhandlungen des Landes über einen Schuldenschnitt. Die Gespräche wurden am Freitag unterbrochen. Die Regierung in Athen muss eigentlich zügig eine Einigung vorweisen, um nicht Ende März vor der Pleite zu stehen, wenn 14,5 Milliarden Euro an Anleihen fällig werden. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s sieht das Land bereits kurz vor dem Bankrott.

Während Papademos eine Einigung innerhalb von drei Wochen für ausreichend hält, muss nach Einschätzung des Internationalen Bankenverbandes (IIF), der als Vertreter der privaten Gläubiger agiert, dringend eine Grundsatzeinigung auf den Tisch. Aktueller Zankapfel sind die Zinsen, die Griechenland für neue Bonds zahlen soll. Bankenkreisen zufolge stehen derzeit weniger als vier Prozent im Raum – die meisten Gläubiger halten dies für deutlich zu wenig. Die Gespräche sind bis Mittwoch ausgesetzt.

viaGriechen protestieren gegen Sparkurs – Troika in Athen | Ausland | Reuters.

Hedgefonds-Spekulanten bringen Griechenland gezielt unter Druck

Ob Griechenland Pleite geht, oder nicht – internationale Hedgefonds wollen in jedem Fall profitieren. Nach einem Bericht der Agentur Reuters haben Finanzspekulanten in den letzten Wochen in großem Umfang griechische Schrittpapiere erworben, die am 20. März fällig werden. An diesem Tag muß Griechenland Papiere im Wert von 14,4 Milliarden Euro bedienen. Zugleich sicherten sich die Fonds über Kreditausfallversicherungen (CDS) ab. Die Logik der Fonds lautet: die eine oder andere Seite muß zahlen. Dabei werden Befürchtungen laut, daß erneut die griechischen Arbeitnehmer für den Schuldendienst Kürzungen hinnehmen müssen.

Damit rückt auch der von der Europäischen Union angepeilte Schuldenschnitt unter Beteiligung der privaten Gläubiger in weitere Ferne. Geplant war, daß Banken auf die Hälfte der Forderungen von 206 Milliarden Euro verzichten. Das Geschäftsmodell der Hedgefonds ist jedoch, genau dies nicht zu tun. Insgesamt sollen sie 25 Prozent der Papiere halten; sogar die Hälfte aller Anleihen soll sich im Besitz von Gläubigern befinden die keinen Schuldenverzicht zugesagt hatten. “Man kann am Ende froh sein, wenn mehr als 50 Prozent der Gläubiger mitziehen,” zitiert die Agentur einen namentlich nicht genannten Banker mit Zugang zu Verhandlungskreisen. Daß Griechenland politisch gegen die Fonds vorgeht, ist angesichts der bisherigen Politik Brüssels und Athens gegenüber dem Finanzkapital nicht zu erwarten.

viaHedgefonds-Spekulanten bringen Griechenland gezielt unter Druck.

Griechenland gegen Rückzahlung illegaler Agrarhilfen

Griechenland und die EU-Kommission steuern auf einen langwierigen Rechtsstreit zu. Brüssel fordert 425 Millionen Euro unrechtmäßig verwendeter Subventionen zurück. Athen will das mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof verhindern.

viaGriechenland gegen Rückzahlung illegaler Agrarhilfen | Regionalpolitik | EurActiv.de – Portal: EU-Informationen, EU-Nachrichten, EU-Debatten mit News, Hintergrund und Politikpositionen – Europa und Europe, EU-Kommission, EU-Parlament, EU-Rat und EU-Stakeholder.