Briten bremsen EU-Einigung auf Kapitalregeln

Großbritannien hat einen einmütigen Beschluss der EU-Staaten zu schärferen Banken-Eigenkapitalregeln verhindert.

Schatzkanzler George Osborne habe dem Kompromissvorschlag der dänischen EU-Ratspräsidentschaft “noch nicht” zugestimmt, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am frühen Donnerstagmorgen. Die dänische Finanzministerin Margrethe Vestager erklärte nach dem Verhandlungsmarathon, es sei im Prinzip nichts mehr offen. Die Finanzminister hätten sich verständigt, dass nationale Aufseher ihren Banken zusätzliche Kapitalpuffer auferlegen können. Der formelle Beschluss zur Position des Ministerrates zu dem Gesetzespaket sei nach der Klärung “technischer Fragen” bei der nächsten regulären Sitzung am 15. Mai zu erwarten.

Mit der Zustimmung zu national höheren Quoten gaben die EU-Staaten der Forderung Großbritanniens und Schwedens nach. Doch Osborne reichten diese Änderungen nicht. Er forderte mehr Spielraum für die nationale Aufsicht auch bei anderen Instrumenten zur stärkeren Absicherung der Risiken von Banken. Dieses Thema hätten die Briten in monatelangen Verhandlungen bisher nicht angesprochen, sagte ein EU-Diplomat. In den Verhandlungen wächst der Zeitdruck, denn die Regeln sollen ab Anfang 2013 gelten. Das Europäische Parlament will seine Position zu dem Gesetzespaket am 14. Mai festzurren. Die Verhandlungen von Rat und Parlament müssen vor dem Sommer abgeschlossen werden, um den Zeitplan einzuhalten.

Theoretisch hätten die anderen Minister Osborne überstimmen können, da für die Einigung nur eine qualifizierte Mehrheit notwendig war. Doch die dänische EU-Ratspräsidentschaft und wohl auch die meisten anderen Staaten wollen Großbritannien bei der wichtigsten Neuregelung für den Bankensektor nach der Finanzkrise nicht außen vor lassen.

Die bessere Kapitalausstattung der Banken soll weitere Finanzkrisen verhindern helfen. Viele Banken waren in der Vergangenheit zu hohe Risiken eingegangen, die Steuerzahler mussten Banken mit zig Milliarden Euro retten. Ab 2013 sollen Banken schrittweise bis 2019 die Quote des harten Kernkapitals, also eigene Aktien oder Gewinne, von derzeit zwei auf sieben Prozent erhöhen. Diese Regeln hatten die globalen Bankenaufseher im Baseler Ausschuss Ende 2010 erarbeitet. Die Umsetzung ist in der EU schwierig, da die Regeln auf sämtliche rund 8300 Banken angewendet werden sollen und die Bankensektoren in den einzelnen Staaten traditionell noch sehr unterschiedlich sind.

OSBORNE: NICHT BEREIT, WIE EIN IDIOT DAZUSTEHEN

Großbritannien und Schweden hatten das Lager der Länder angeführt, die mehr Handlungsfreiheit für ihre nationalen Aufsichtsbehörden forderten. Sie wollen von den Banken im Fall einer systemweiten Krise verlangen, mehr Kapital zum Schutz vor Verlusten beiseite zu legen als nach Basel III vorgeschrieben. Die Steuerzahler sollen so vor neuen Rettungsaktionen für die Banken bewahrt werden. Deutschland, Frankreich und andere Staaten wollten das nur zulassen, wenn die Extra-Kapitalpuffer von der EU-Kommission genehmigt werden. Damit sollte verhindert werden, dass die schärferen Standards in einem Land zu Problemen in anderen EU-Staaten führen. Höhere Quoten in einem der Haupt-Bankenländer könnte die dort ansässigen Großbanken dazu veranlassen, sich aus anderen EU-Ländern zurückzuziehen. Darunter würden vor allem osteuropäische Staaten leiden, wo ein Großteil des Bankensektors von Auslandsbanken dominiert wird.

Briten und Schweden setzten ihre Vorstellungen weitgehend durch. Dennoch verhinderte vor allem der britische Schatzkanzler George Osborne die endgültige Einigung. Er forderte noch mehr nationalen Entscheidungsspielraum bei der Anwendung der globalen Regeln. Andererseits kritisierte er, der Gesetzentwurf weiche zu stark von den einheitlichen Vorgaben von Basel III ab. “Ich bin nicht bereit dazu, dort rauszugehen und etwas zu sagen, was mich fünf Minuten später wie einen Idioten aussehen lässt”, sagte er. Osborne monierte, dass anders als bei Basel vorgesehen, die EU keine bindenden Standards zur Definition von Eigenkapital einführe. Damit kritisierte er erneut, dass die bei den Landesbanken verbreiteten stillen Einlagen gleichermaßen zur Verlustabsicherung herangezogen werden können wie Bankaktien. Schäuble sagte, das Thema Rechtsformneutralität sei nicht mehr umstritten. Die Bundesregierung habe ihr Anliegen erreicht.

Nach dem jetzt absehbaren Kompromiss können einzelne Staaten die geforderte Kernkapitalquote von maximal sieben Prozent um bis zu fünf Prozentpunkte erhöhen. Bis zu einer Erhöhung um drei Punkte haben die nationalen Aufseher freie Hand. Mit einem Kapitalpuffer von fünf Prozent zur Abdeckung von Risiken aus Inlandsforderungen der Banken müssten die EU-Kommission und die europäische Bankenaufsicht EBA sowie der Risikorat der Zentralbanken ESRB einverstanden sein.

viaBriten bremsen EU-Einigung auf Kapitalregeln | Konjunktur | Reuters.

Extreme Dürre: England droht Rationierung des Trinkwassers

“Schon wieder eine sehr trockene Woche für England”, vermeldet die britische Umweltbehörde in ihrem aktuellen Report. Große Teile des Landes seien betroffen, die Grundwasserspiegel liegen zum Teil so niedrig wie seit 35 Jahren nicht mehr, als zahlreiche Flüsse trocken fielen. In manchen Gegenden blieb die Niederschlagsmenge um 70 Prozent unter den normalen Werten. Längst hat die anhaltende Trockenheit Folgen. “Das Risiko, dass es landesweit einen trockenen Sommers geben wird, ist sehr groß”, sagt Caroline Spelman, Sprecherin der staatlichen Umweltamts.

Während in großen Teilen Englands die trockensten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurden, bekamen Schottland und Nordwest-England ausreichend Regen ab; derweil erlebten die Menschen in Schottland die stärksten Niederschläge seit Beginn der Messungen vor rund hundert Jahren.

Am Montag trafen britische Umweltexperten mit Abgesandten der größten nationalen Wasserwerken und des Landwirtschaftsministeriums zusammen, um Wege aus der drohenden Krise zu finden. Bereits im Vorfeld waren Sondergenehmigungen erteilt worden, Wasser aus zusätzlichen Quellen zu fördern. Nun soll ein neues Dürre-Gesetz die Nutzung des gewonnenen Wassers regeln.

Auf den Feldern vertrocknen Weizen und Kartoffeln

Bereits jetzt dürfen in rund 65.000 Haushalten Gartenschläuche gar nicht oder im Wechsel eingesetzt werden. Noch drohen keine Szenen wie 1976, als Menschen in langen Schlangen für Wasser anstanden, doch Experten befürchten, dass durch die Trockenheit weitere schlechte Ernten erfolgen, was die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben wird.

“Im vergangenen Jahr waren es mehr die Landwirte, die von der Dürre betroffen waren. Dieses Jahr könnten es alle sein”, sagt Spelman. Dass im vergangenen Jahr der Einsatz von Gartenschläuchen nicht verboten wurde, habe allein daran gelegen, dass die Industrie durch Schließung zahlreicher undichter Stellen in Pipelines seit den neunziger Jahren rund 36 Prozent Verluste ausgleichen konnte.

Schon jetzt hat die Trockenheit deutliche Folgen für die Natur. Während viele Fische sterben, wuchern die Algen. Auf den Feldern schrumpfen die Bestände an Korn und Kartoffeln. Dafür gedeihen die meisten Früchte gut. Wassertransporte in die trockensten Gegenden des Landes seien aktuell nicht geplant, sagt die Sprecherin der Umweltbehörde. “Zu teuer”, heißt es.

viaExtreme Dürre: England droht Rationierung des Trinkwassers – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft.

Großbritannien will schärfere Datenüberwachung

Festnetz- und Mobiltelefon-Firmen sowie Bandbreiten-Anbieter in Großbritannien müssen ihre Daten für ein Jahr speichern und für die Sicherheits-Services verfügbar machen. Wie “The Telegraph” berichtet, nehmen die Datenbanken keine Inhalte von Anrufen, Nachrichten oder E-Mails auf, jedoch die E-Mail-Adressen und Anzahl sowohl der Aussender als auch der Empfänger.

Zentraldatenbank als Zukunftsplan

Das Innenministerium hat in den vergangenen zwei Monaten mit mehreren Internet-Firmen begonnen zu verhandeln. So werden die Sicherheits-Services erstmals großflächligen Zugang zu Information haben, die verraten, wer mit wem über soziale Netzwerke, wie Facebook, kommuniziert hat. Darunter fällt auch das Abspeichern von direktem Nachrichtenverkehr zwischen Usern auf Webseiten wie Twitter sowie von Online-Video-Spielern.

“Wenn man mit dem Sammeln von formalen Verhaltensmustern Verbrechen bekämpfen will, muss man das noch um einiges mehr ausweiten”, urteilt Hans Zeger von der ARGE Daten http://www.argedaten.at gegenüber pressetext.

Zudem würden Sicherheits-Services Echtzeit-Zugang zu Telefon- und Internetaufnahmen von Personen, die sie unter Beobachtung setzen wollen, gewinnen. Auch das Rekonstruieren ihrer Schritte in den Datenbanken würde zur Verfügung stehen. Schon früher hatte die Labour-Regierung Pläne für eine zentrale Datenbank, die nun überarbeitet wurden.

Betrüger überglücklich

Beim Speicherplanentwurf wurden die Behörden vom Inlandsgeheimdienst MI5, dem Auslandsgeheimdienst MI6 sowie vom GCHQ, der “Horchposten” der Regierung, unterstützt. Zudem besteht die Gefahr, dass Hacker Zugang zu den Aufzeichnungen erlangen könnten. Für Betrüger und Spam-Versender wäre dies äußerst willkommen.

viaGroßbritannien will schärfere Datenüberwachung – Großbritannien will schärfere Datenüberwachung.

G4S

Die Gruppe G4S beschäftigte 2006 über 470.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Der Umsatz lag 2006 bei 8,525 Milliarden US-Dollar. Bereits 1901 wurde das Vorgängerunternehmen der heutigen G4S gegründet. Am 1. Juni 2007 nannte sich die Group 4 Securicor plc in G4S plc um.[2]

In Deutschland hat das Unternehmen etwa 7.000 Beschäftigte. Der deutsche Ableger wurde durch die Fusion mit Securicor das zweitgrößte Sicherheitsunternehmen im deutschen Markt. Tätigkeitsfelder in Deutschland sind speziell Geld- und Wertdienste, Sicherheitsdienste, Sicherheitstechnik sowie Bankenservice.

In Österreich ist die Erste Wiener Wach- und Schließgesellschaft die größte Tochterfirma. Sie wurde 1904 als GmbH gegründet und ist somit fast gleich alt wie der Vorgänger der G4S.

viaG4S – Wikipedia.

Die in Deutschland noch relativ unbekannte G4S plc ist in diesem Monat unsere Empfehlung nach der 3-Filter-Strategie von James O’Shaughnessy.

Der britische Sicherheitsdienstleister ist der größte Arbeitgeber Europas und schützt, bewacht und begleitet alles, was wertvoll ist.

Seit Jahren wächst G4S profitabel. Und so dürfte es auch weitergehen. Denn glaubt man den Experten, wird sich der Markt für Sicherheit bis 2020 auf 180 Mrd € verdoppeln.

G4S macht die Welt sicherer…

Der Konzern ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens nahezu allgegenwärtig. Heerscharen von G4S-Mitarbeitern durchleuchten auf europäischen Flughäfen das Gepäck der Passagiere, sorgen bei Sportveranstaltungen und Konzerten für Sicherheit und Ordnung, wickeln Geldtransporte für Banken und den Einzelhandel ab und unterstützen die Polizei bei ihren Ermittlungen.

Auch gefährliche Einsätze stehen auf der Tagesordnung. G4S sichert die Anlagen der Ölindustrie in Krisengebieten, beschützt Geschäftsleute in Kolumbien oder gibt Handelsschiffen vor der Küste Somalias Begleitschutz gegen Piratenüberfälle. Karitative Organisationen sind ebenfalls bei der Verteilung von Hilfsgütern auf G4S angewiesen.

…und das zahlt sich aus

Denn seit 2004 hat G4S den Gewinn kontinuierlich gesteigert. Und auch im aktuell schwierigen Umfeld ist der Konzern nicht von seinem profitablen Wachstumskurs abgekommen. Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz um 3,6% auf 3,76 Mrd £ und der Gewinn um 14,9% auf 108 Mio £.

Dabei wuchs das Hauptgeschäft mit Sicherheitslösungen um 6,5% auf 3,09 Mrd £. Zuwächse gab es in allen Regionen besonders in den sog. New Markets Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

Diese Märkte gewinnen immer mehr an Bedeutung und machen bereits 29% des Gesamtumsatzes aus. In vielen Ländern konnte G4S neue Aufträge mit Gefängnissen, Flughäfen, Botschaften und Kunden aus der Ölindustrie abschließen. Zudem wird G4S im kommenden Jahr für die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in London sorgen.

In der kleineren Sparte Cash Solutions lief das Geschäft mit einem Plus von 0,3% auf 675 Mio £ eher schleppend. Der Grund: In Europa wurden viele Aufträge nicht verlängert, da die Zahl der Überfälle auf Geldtransporte und Banken zurückging.

Zudem halten sich die Geldinstitute in den entwickelten Staaten aufgrund der angespannten Finanzlage mit neuen Aufträgen zurück. Die New Markets stachen jedoch mit einem Wachstum von 8,8% hervor.

Marktvolumen kann sich auf 180 Mrd € verdoppeln

Der Erfolg von G4S im expandierenden Markt für private und militärische Sicherheitsdienste wurde von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen. Branchenexperten schätzen, dass der Markt zwischen 2004 und 2009 um mehr als ein Drittel auf rund 90 Mrd € gewachsen ist.

Und die Perspektiven sind hervorragend. Bis Ende des Jahrzehnts soll sich das Marktvolumen angesichts der hohen Nachfrage aus Asien nochmals verdoppeln.

Dass G4S das Marktpotenzial besser als viele Konkurrenten nutzen kann, hat der Konzern bewiesen: Zwischen 2005 und 2010 ist der Umsatz um mehr als 80% gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Gewinn nahezu verdreifacht. In diesem Tempo wird es zwar nicht weitergehen, aber bis 2015 könnte sich der Gewinn durchaus nochmals verdoppeln.

Denn die Grenzen der Aktivitäten werden immer weiter hinausgeschoben. Dabei spielt die angespannte Haushaltslage dem Konzern in die Karten. G4S rechnet Behörden und Regierungen vor, wie viel Geld sie sparen können, wenn sie öffentliche Aufgaben an private Sicherheitsfirmen auslagern. 

„Krumme Sachen“ schaden dem Geschäft

Das Vordringen privater Sicherheitsdiensleister ist allerdings umstritten. Welche Aufgaben darf der Staat privatisieren und welche nicht? Kritisiert werden die in vielen Ländern mangelhafte staatliche Aufsicht und das Fehlen international geltender Standards.

Andererseits gibt es keine empirischen Belege dafür, dass private Sicherheitsanbieter schlechter arbeiten als Staatsbedienstete. Für G4S-CEO Nick Buckles geht Seriosität jedenfalls über alles. Zweifelhafte Geschäftspraktiken kann er sich gar nicht leisten. „Unser größtes Geschäftsrisiko ist, dass wir unsere Reputation verlieren“, so Buckles.

Für G4S sprechen nicht nur die langfristig ausgezeichneten Wachstumschancen, sondern auch die solide Finanzausstattung. Die Eigenkapitalquote hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert und beträgt aktuell 30%. Der Cashbestand hat sich seit Jahresbeginn um 22% auf 429 Mio £ erhöht.

Die Aktie wird zwar auch in Frankfurt in kleiner Stückzahl gehandelt, der liquidere Börsenplatz ist jedoch London.

Unternehmensprofil

Die britische G4S plc gilt als der weltweit führende Sicherheitsdienstleister. Der Konzern hat seine Wurzeln in der Kjøbenhavn Frederiksberg Nattevagt, die bereits 1901 in Dänemark gegründet wurde.

In mehr als 100 Jahren entstand durch Übernahmen und Fusionen ein Branchenführer, der rund 625.000 Mitarbeiter beschäftigt und in über 125 Ländern auf allen Kontinenten vertreten ist. Die heutige G4S ging 2004 aus der Fusion der Securicor plc und der dänischen Group 4 Falck hervor. Im Juni 2007 wurde die fusionierte Group 4 Securicor in G4S umbenannt.

Tätigkeitsgebiete des größten Arbeitgeber Europas sind Geld- und Werttransporte, Sicherheits- und Wachdienste in Häfen, Flughäfen, Banken sowie für Energiekonzerne auf Öl- und Gasfeldern. Hinzu kommen Sicherheitstechnik, Gebäude- und Personenschutz, der Betrieb von Gefängnissen und Militärdienstleistungen.

Die Dienste werden staatlichen Institutionen, Kunden aus Industrie und Handel sowie bedeutenden Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen angeboten. Konkurrenten sind die spanische Prosegur Cia de Seguridad, die schwedische Securitas AB und die United-Technologies-Tochter Fire & Security.

viaG4S – mit Sicherheit Wachstum – GeVestor.de.

 

Private Polizeiwache in Großbritannien: G4S, übernehmen Sie!

Lincolnshire, sagt Alan Hardwick, sei eigentlich eine ziemlich sichere Gegend. Die größte Stadt heißt Lincoln, 120.000 Einwohner. “Der Rest ist ländlich und ruhig”, sagt der Sprecher der Polizeibehörde Lincolnshire.

Ausgerechnet hier startet nun das bisher radikalste Outsourcing-Experiment in der britischen Justizgeschichte. Ab April wird die Sicherheitsfirma G4S viele Polizeiaufgaben in der mittelenglischen Grafschaft übernehmen. Die Firma soll sogar ein komplettes Polizeirevier mit 30 Zellen bauen und verwalten.

“Es ist das erste Mal, dass die große Mehrheit der Aufgaben in einer Polizeibehörde einer Privatfirma übertragen wird”, sagt Nicola Savage von G4S. Der Vertrag, der in den nächsten Tagen unterzeichnet werden soll, bringt der weltweit größten Sicherheitsfirma Einnahmen von 200 Millionen Pfund über zehn Jahre.

Das Sagen in allen Polizeiwachen haben zwar auch künftig uniformierte Beamte. Doch die vielen kleinen Alltagsarbeiten sollen von Angestellten der privaten Firma erledigt werden. “Nur Polizisten können jemanden festnehmen”, sagt Savage. “Aber alle Aktivitäten, die keine richterliche Anordnung benötigen, wie Fingerabdrücke, Alkoholtests oder medizinische Versorgung, übernehmen wir.” Auch für die Datenverarbeitung, Personalverwaltung, den Betrieb der Funkleitstelle und die Lizenzierung von Schusswaffen ist künftig G4S zuständig.

Die Polizei von Lincolnshire rechnet mit Einsparungen von bis zu 20 Millionen Pfund im Jahr. Allein die Personalkosten dürften sich deutlich verringern: 540 von derzeit 980 Mitarbeitern der Polizeibehörde werden von G4S übernommen und bezahlt. An ihren Arbeitskonditionen soll sich vorerst nichts ändern. Deshalb regt sich bislang auch kein Protest. Längerfristig fürchten Gewerkschafter aber Gehaltskürzungen.

Keine Firma hat so sehr vom Privatisierungstrend profitiert wie G4S

Anlass für die weitreichende Privatisierung ist der Sparkurs der liberalkonservativen Koalition in London. Schatzkanzler George Osborne hatte 2010 allen regionalen Polizeichefs eine Budgetkürzung von 20 Prozent bis 2014 verordnet. Wenn Lincolnshire die Zahl der 1100 Einsatzbeamten konstanthalten wolle, müsse man eben an die Verwaltung ran, sagt Polizeisprecher Hardwick.

Der Glaube an die Vorteile einer teilprivatisierten Justiz ist in Großbritannien tief verwurzelt. Bereits 1992 eröffnete das erste private Gefängnis Europas in der Grafschaft Yorkshire. Schon damals hieß der Betreiber G4S. Inzwischen sitzen rund zwölf Prozent der britischen Häftlinge in privaten Haftanstalten, Tendenz steigend.

Keine Firma hat so sehr von diesem Trend profitiert wie G4S. Das Unternehmen mit Sitz in Crawley bei London beschäftigt inzwischen über 600.000 Mitarbeiter in 130 Ländern.

Gerade in der britischen Hauptstadt führt kaum ein Weg an den Privatcops vorbei: G4S-Leute helfen bei den Grenzkontrollen in Heathrow, sichern die Olympischen Spiele, unterstützen Anti-Terror-Einheiten und wollen künftig auch die Asylbewerberheime landesweit verwalten. In Süd-Wales, Lancashire und Staffordshire sind sie bereits seit Jahren damit betraut, festgenommenen Personen ihre Fingerabdrücke abzunehmen und sie während ihrer Verwahrung in der Zelle zu betreuen.

Zehn Grafschaften haben bereits Interesse signalisiert

Politischen Widerstand gegen die Privatisierung sensibler Staatsaufgaben gibt es kaum. Die Labour-Opposition hatte in ihren 13 Regierungsjahren von 1997 bis 2010 das Outsourcing an G4S und Co. mit ähnlich großer Begeisterung vorangetrieben wie jetzt die liberal-konservative Koalitionsregierung.

Und das, obwohl G4S in der Vergangenheit einige Male in die Schlagzeilen geraten war. Zuletzt im September 2011, als die Gefängnisaufsichtsbehörde einigen G4S-Mitarbeitern Regelverstöße vorwarf. Bei der Abschiebung von Asylbewerbern hätten sie unnötige Gewalt angewandt und untereinander die Gefangenen mit rassistischen Begriffen bezeichnet.

So etwas soll bei der Polizei allerdings auch bisweilen vorkommen. Wahrscheinlich deshalb hat der Ruf von G4S unter dem Vorfall nicht nennenswert gelitten.

Die private Polizeiwache in Lincolnshire soll für G4S nun die Tür zu weiteren Geschäftsfeldern aufstoßen. Beide Partner preisen ihre Zusammenarbeit als Modell für das ganze Land. “Nicht jede Polizeibehörde braucht ihre eigene Personalabteilung und Buchhaltung”, sagt Savage.

Zehn Grafschaften haben bereits Interesse signalisiert. G4S ist im Gespräch mit all diesen Polizeibehörden. Am Ende könnte aus dem Millionen-Deal in Lincolnshire ein Milliardengeschäft im ganzen Königreich werden.

viaPrivate Polizeiwache in Großbritannien: G4S, übernehmen Sie! – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft.

Militärkooperation: Frankreich und Großbritannien planen Drohnen-Entwicklung

Frankreich und Großbritannien wollen gemeinsam zwei Typen von Kampfdrohnen entwickeln, teilten die Regierungen am Freitag nach einem französisch-britischem Gipfel in Paris mit. Zum einen geht es um eine neue “Male”-Drohne (“Male” steht für Medium Altitude, Long Endurance, also mittlere Höhe, hohe Ausdauer). Die Unternehmen BAE Systems und Dassault Aviation werden das unbemannte Kampfflugzeug entwickeln, 2020 soll es einsatzbereit sein. Zu diesem Zeitpunkt wollen Paris und London auch einen zusammen konstruierten Flugzeugträger präsentieren. Der ebenfalls geplante zweite Drohnentyp soll bis 2030 startklar sein.

Weitere gemeinsame Militärkooperationen sind in den Bereichen Nukleartechnik, Raketenbau und satellitengestützte Kommunikation geplant. Hinten angestellt hätten die Länder dagegen die gemeinsame Entwicklung von Atom-U-Booten, sagte der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet. Unterm Strich wollen beide Länder durch die Zusammenarbeit Kosten im Rüstungsbereich sparen.

“Wir sind pragmatisch, wir wollen, dass es vorangeht”, kommentierte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Gesprächen mit Großbritanniens Premierminister David Cameron. Andere europäische Partner seien willkommen, wenn sie das gleiche Tempo mitgehen wollten. Die Drohne soll von den Unternehmen BAE Systems und Dassault Aviation entwickelt werden.

Bei der verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Nukleartechnik geht es vor allem um den Bau von Druckwasserreaktoren vom Typ EPR nahe der südenglischen Stadt Bridgwater. Bei dem sogenannten Hinkley-Point-Projekt wird die Kooperation zwischen dem britische Rolls-Royce-Konzern und die französischen Unternehmen Areva und EDF weiter ausgebaut.

Cameron bezeichnete die verteidigungs- und energiepolitische Zusammenarbeit der beiden Länder am Freitag als so gut, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die traditionellen Differenzen im Bereich der Europapolitik änderten nichts daran. Sarkozy und Cameron waren im Dezember über die Regulierung der Finanzmärkte in Europa heftig in Streit geraten.

viaMilitärkooperation: Frankreich und Großbritannien planen Drohnen-Entwicklung – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft.

Briten schicken Kriegsschiff vor Falklandinseln

Großbritannien hat angekündigt, eines seiner neuesten und modernsten Kriegsschiffe zu den Falklandinseln zu schicken. Es sei seit langem geplant gewesen, die “HMS Dauntless” dort zu stationieren, teilte das Verteidigungsministerium mit. Es handle sich nicht um eine Reaktion auf die jüngsten Spannungen zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich wegen der Inselgruppe. Das Schiff soll in den kommenden Wochen aufbrechen und vor Ort ein anderes ersetzen.

Die argentinische Regierung protestierte gegen “den britischen Versuch, einen Konflikt zu militarisieren, in dem die Vereinten Nationen mehrfach zu einer Lösung durch bilaterale Verhandlungen aufgerufen haben”. Die Regierungen sollten der Versuchung widerstehen, in der Wirtschaftskrise mit falschem Patriotismus die Öffentlichkeit von den Sparmaßnahmen und der Arbeitslosigkeit abzulenken, heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums in Buenos Aires.

viaBriten schicken Kriegsschiff vor Falklandinseln | tagesschau.de.