Serge Dassault, der Sohn des berühmten Ingenieurs Marcel Dassault gilt als neuer Herrscher über den französischen Medienmarkt. Er gehört zu den fünf reichsten Menschen in Frankreich und war neben anderen politischen Ämtern von 1995 bis 2009 Bürgermeister von Corbeil-Essonnes (Département Essonne). Der Industrielle, Schwerpunkt Elektronik und Zivil- und Militärflugzeuge, besitzt vier Fünftel der Anteile am Socpresse-Verlag in Paris und verdrängte den Konzern Lagardère Medias als Marktführer. Der neue Medienzar Frankreichs hat das Sagen über 70 Zeitungstitel wie das konservative Flaggschiff Le Figaro und über florierende Provinzblätter wie Le Progrès (Lyon) und La Voix du Nord (Lille), aber auch Le Soir in Belgien. Dazu kommen Fernseh- und Frauenzeitschriften.
Des Weiteren kontrolliert Serge Dassault über die Dassault Group die französischen Tochterunternehmen Dassault Aviation und Dassault Systèmes.
Serge Dassault ist einer der Finanziers von Reporter ohne Grenzen.
2004 zog er als Mitglied der konservativen Regierungspartei UMP in den Senat ein. Das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel) hält das für zulässig, obwohl Medienjuristen wie Journalisten, Politiker und Gewerkschafter eine politisch-mediale Machtkonzentration wie in Italien unter Premierminister Silvio Berlusconi befürchten.
viaSerge Dassault – Wikipedia.
Artikel vom 06.01.2012
Kopf des Tages: Serge Dassault, eine Erscheinung wie aus einer anderen Epoche
Der französische Flugzeugbauer tritt mit 86 etwas kürzer – aber nur unwesentlich.
Es gibt diese Figuren im französischen Establishment, bei deren Auftritt noch das Ancien Régime durchscheint. Serge Dassault ist so eine Persönlichkeit wie aus einer anderen Epoche: mit feudalistischem Gehabe, eigener Zeitrechnung und ausgeprägtem Konservierungsdrang. Der Grossindustrielle, Zeitungsverleger und rechtsbürgerliche Senator ist ja auch schon lange da.
86 Jahre ist Dassault jetzt alt. Das US-Magazin «Forbes» schätzt sein Privatvermögen auf 9,3 Milliarden Dollar, damit ist er Nummer 4 in Frankreich und unter den Top 100 in der Welt. Höchste Zeit also, die nächste Generation nachrücken zu lassen. Etwa einen seiner drei Söhne oder seine Tochter. Olivier Dassault, der Erstgeborene und natürliche Nachfolger, harrt schon lange seiner Chance. Sehr lange sogar. Er ist 60. Nun hat ihn der Vater zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats des Familienimperiums gemacht. Das klingt zunächst nach viel Verantwortung, ist es aber nur theoretisch. Serge Dassault hält nämlich nicht viel vom Geschäftssinn seines Sohnes, der als Abgeordneter ebenfalls im Parlament sitzt. Operativ belässt er die Geschicke lieber in verlässlichen Händen, den eigenen.
Mit dem Rafale gescheitert
Und so führt er das Stück neu auf, in dem er selber schon in umgekehrter Besetzung spielte, damals mit seinem Vater und Firmengründer Marcel Dassault in der Hauptrolle. Der hatte Sohn Serge auch warten lassen, bis der das ordentliche Rentenalter bereits erreicht hatte, bevor er ihn ins Cockpit liess. Die Metapher drängt sich auf: Die Dassaults sind Flugzeugbauer. Marcel Dassault entwickelte den erfolgreichen Kampfjet Mirage, der sich in seiner Blütezeit nicht nur an den französischen Staat verkaufen liess, sondern an acht weitere Luftwaffen. Serge Dassault wollte ihn mit dem Rafale imitieren, scheiterte aber kläglich.
Jedem Land auf Kampfjetsuche offeriert er ihn, zuweilen mit viel Nachdruck, zuletzt auch der Schweiz. Und fällt immer durch. Nur Frankreich bleibt Dassault treu und kauft ihm Jets zuhauf ab. Trotz der hohen Preise, aus wirtschaftlichem Patriotismus. Serge Dassault steht gewissermassen unter Heimatschutz, zumindest solange seine politischen Freunde regieren. Nicolas Sarkozy ist Dassaults erster Lobbyist. Kaum eine Auslandreise, auf welcher der Präsident nicht die Vorzüge des Rafale preist. Sarkozy beschreibt sich gerne als Aussendienstmitarbeiter der nationalen Industrie, obschon für die Industrie selten Zählbares rausschaut. Am Ende winken immer die Auftragsbücher des französischen Staates, der zuweilen grosszügig auf lästige Ausschreibungen verzichtet.
Unbeeindruckt von Protesten
Dassault weiss also, was er an Sarkozy hat. Und umgekehrt. Die Hauszeitung der Familie, das einst vornehme Pariser Blatt «Le Figaro», ist in den letzten Jahren zu einer Art Zentralorgan von Sarkozys Rechten geworden. Nie ein kritisches Wort gegen den Präsidenten, höchst spärliche Berichterstattung zu Affären und Skandalen aus dessen Umfeld, dafür auch schon mal Wohlwollen für unhübsche Regimes auf Kampfjetsuche. Bald finden Wahlen statt in Frankreich. Und so mutiert «Le Figaro» gerade zur Wahlkampfpostille. In der Redaktion befremdet die Linie. Doch das hindert den Patron nicht am Verschmelzen privater und politischer Interessen.
Serge Dassault liess sich von Protesten noch nie beeindrucken. Er rechnet in grösseren Zeiträumen, in Epochen. Er ist ja auch erst 86. Vater Marcel wurde 94.
viaKopf des Tages: Serge Dassault, eine Erscheinung wie aus einer anderen Epoche – News Wirtschaft: Unternehmen – bazonline.ch.
Artikel vom 15.12.2011
Kopf des Tages: Olivier Dassault – Der Löwenbändiger
Für den Franzosen naht die Machtübernahme beim Rüstungskonzern Dassault. Bisher vertrieb er sich die Zeit als Jäger, Künstler und Politiker
Olivier Dassault hält sich für etwas Besonderes. Spätestens seit 1984, als er auf einer Safari in Afrika von einem Löwen angegriffen wurde und schwer verletzt überlebte. “Da habe ich verstanden, dass mein Schicksal bestimmt ist, dass ich wohl dazu berufen bin, große Dinge zu tun”, sagt er.
Französischer Abgeordneter, Komponist von Filmmusik, weltweit anerkannter Kunstfotograf, Weltrekordhalter als Kampfjetpilot – der Tausendsassa hat schon viel gemacht. Auf seine größte Tat aber wartet er seit Jahrzehnten: Chef der
Dassault-Holding zu werden, jenes Firmenkonglomerats, in dem sich französische Rüstungsgeschäfte, Politik und Medienmacht auf besondere Weise miteinander vermischen.
Jetzt ist er dem Ziel einen Schritt näher: Oliviers 86-jähriger Vater Serge – “Forbes” zufolge 9,3 Mrd. Dollar schwer – hat den Filius diese Woche heimlich zum Verwaltungsratschef der Familienholding mit einem Jahresumsatz von etwa 8 Mrd. Euro befördert. Darin gebündelt sind der Rüstungskonzern Dassault Aviation, die Softwarefirma Dassault Systèmes, Frankreichs größte Tageszeitung “Le Figaro”. Und ein Weingut in der Bordeaux-Bestlage Saint-Émilion.
Die Berufung Oliviers an die Spitze des Verwaltungsrats bedeutet nicht, dass der Vater schon die Macht abgibt: Im Tagesgeschäft bestimmt der Patriarch als Dassault-Präsident zunächst weiter allein. Und erst vor drei Wochen erklärte er: “Meine Nachfolge ist noch offen.”
Das Rätselraten um seine Absichten wurde in Frankreich mit Kreml-Astrologie verglichen. Hier kommt es darauf an, die Zeichen richtig zu deuten, die aus dem Konzernsitz an den Pariser Champs-Élysées dringen: Oliviers Beförderung ist eine Vorentscheidung für ihn – und gegen seine Geschwister Laurent, Thierry und Marie-Hélène. “Die Wartezeit nehme ich gern in Kauf, auch wenn ich es manchmal als Vergeudung empfinde”, erklärt Olivier im Magazin “Le Point”. “Ich stehe voll im Saft, bin immer bereit, hart zu arbeiten.”
Arbeit gibt es. Das Kerngeschäft mit Kampffliegern steckt in der Krise. Mögliche Käufer lehnen den neuen Rafale-Jet reihenweise als zu teuer ab, erst kürzlich kam eine Absage aus der Schweiz. Da ist es gut, dass der französische Staat, zugleich Co-Aktionär bei Dassault Aviation, Treue zeigt.
viaKopf des Tages: Olivier Dassault – Der Löwenbändiger | FTD.de.
Was Nicolas Sarkozy über Dassault denkt
Politische Kontakte unterhält Olivier Dassault bei der Jagd, wenn er Minister und Abgeordnete in sein Privatrevier einlädt. Und natürlich in der Nationalversammlung, für die er nicht nur die Warteschleifenmusik komponiert hat. Er sitzt dort als Abgeordneter der Regierungspartei UMP für denselben Wahlkreis wie einst sein Großvater Marcel, der Konzerngründer. Politisch setzt sich der stramm Konservative ein für die Abschaffung der 35-Stunden-Woche, die Todesstrafe für Kindermörder und gegen die Homoehe. Er fühlt sich als Vollblutpolitiker. Selbst als Dassault-Präsident will er sein Mandat behalten.
Auch sein Freund Nicolas Sarkozy, der Staatschef, habe keinen Zweifel, sagt Olivier: “Es gibt keine andere Option als Olivier Dassault an der Konzernspitze.” Für Vater Serge war das lange nicht so eindeutig. Das Verhältnis ist schwierig. Es gab eine Zeit, da sprachen sie jahrelang nicht miteinander. Und noch vor zwei Jahren zeigte Bruder Laurent öffentlich Ambitionen auf den Dassault-Chefsessel.
Jüngst aber gab der Vater endlich doch seine Präferenz für Olivier zu erkennen: Als gelernter Luftfahrtingenieur sei er “am besten geeignet”, während die Geschwister doch “nichts Interessantes” gemacht hätten.
Harter Umgang hat Tradition im Dassault-Clan. Großvater Marcel machte damals auch kein Hehl aus seinen Zweifeln an den eigenen Kindern. Serge musste warten, bis er 61 Jahre alt war, um den Konzern zu übernehmen. Olivier darf sich nun immerhin etwas früher auf die Machtübernahme vorbereiten. Er ist erst 60.
viaKopf des Tages: Olivier Dassault – Der Löwenbändiger, Seite 2 | FTD.de.