Gebiet um Bengasi: Ölreiche Region in Ostlibyen erklärt Autonomie

Bricht Libyen bald auseinander? Im Osten das Landes haben Stammes- und Milizenführer eine autonome Region ausgerufen – obwohl die Zentralregierung in Tripolis sich mehrfach dagegen ausgesprochen hatte. Das Gebiet ist reich an Öl.

Die ölreiche Region Cyrenaika im Osten Libyens um die Stadt Bengasi hat am Dienstag ihre Autonomie erklärt. Die Schaffung eines föderalen Systems sei der Wille der Region, erklärten Stammesführer bei einem Treffen mit Tausenden Teilnehmern. Demnach wurde Scheich Ahmed Al-Zubair zum Chef der Region bestimmt, die sich von der Küstenstadt Sirt bis zur ägyptischen Grenze im Osten erstreckt.

Subair, der unter Gaddafi lange Jahre aus politischen Gründen inhaftiert war, ist auch Mitglied des Nationalen Übergangsrats (NTC), der offiziellen Vertretung des Landes. Er kündigte an, die Rechte der Region zu schützen. Gleichzeitig versicherte er, sein Rat erkenne an, dass der Übergangsrat die internationalen Angelegenheiten des Landes regele. Die Übergangsregierung in Tripolis lehnt den 1963 in Libyen abgeschafften Föderalismus jedoch ab und sprach sich wiederholt gegen die Ausrufung der autonomen Region aus. Der Rat warnte vor einem Auseinanderbrechen des Landes.

Tausende Stammesmitglieder, Milizionäre und Politiker nahmen an der Autonomiezeremonie teil. Der neue Rat in Bengasi lehnt ein neues Wahlgesetz ab, demzufolge nur 60 der 200 Parlamentssitze für die östlichen Gebiete vorgesehen sind.

In der Region hatte im vergangenen Jahr der Aufstand gegen den langjährigen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi begonnen, der am 23. Oktober unter ungeklärten Umständen von Rebellen in seiner Heimatstadt Sirt festgenommen und getötet worden war. Der Übergangsrat hatte während des Aufstands gegen Gaddafi seinen Sitz in Bengasi.

Der Rat war nach und nach vom Ausland als rechtmäßige Vertretung Libyens anerkannt worden. Mustafa Abd al-Dschalil ist am Montag als Präsident des NTC wiedergewählt worden. Der Übergangsrat wird weiterhin die Geschicke des Landes leiten, bis im Juni Wahlen zu einer Verfassunggebenden Versammlung stattfinden.

Der Premierminister der Übergangsregierung, Abd al-Rahim al-Kib, rief die libysche Bevölkerung in einem Interview auf, die staatlichen Institutionen zu schützen. Es sei an der “schweigenden Mehrheit”, den Staat gegen “Pseudorevolutionäre” zu verteidigen und vor dem Versinken im Chaos zu bewahren. Regierung und Volk müssten solidarisch miteinander sein, sagte er und bekräftigte, er wolle kein neues Blutvergießen in Libyen. Menschenrechtsorganisationen hatten zuletzt verstärkt vor außer Kontrolle geratenen Milizen gewarnt, die derzeit die größte Gefahr für den Neuanfang in Libyen darstellten.

viaGebiet um Bengasi: Ölreiche Region in Ostlibyen erklärt Autonomie – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Ein Großhafen als Drehkreuz für den Osten Afrikas

Begleitet von heftigen Protesten ist nahe der kenianischen Ferieninsel Lamu der Startschuss für ein Mega-Projekt gefallen, mit dem der Schwarze Kontinent Verbindung mit den internationalen Märkten halten soll.

In Kenia haben die Bauarbeiten für eine riesige Hafenanlage begonnen, die das Land einmal zu einem wirtschaftlichen Drehkreuz für Ostafrika machen soll. An dem Projekt in unmittelbarer Nähe der Ferieninsel Lamu sind auch die Regierungen von Äthiopien und Südsudan beteiligt. Die Pläne umfassen nicht nur einen Großhafen, sondern ebenso eine Ölraffinerie, eine Pipeline zum Südsudan, eine Eisenbahnlinie von Lamu nach Juba im Südsudan mit einer Abzweigung nach Äthiopien, eine Autobahn für die gleiche Strecke und einen neuen internationalen Flughafen.

Das Projekt werde den Binnenstaaten einen direkten und zuverlässigen Zugang zum Meer verschaffen, sagte der kenianische Präsident Mwai Kibaki bei einer Zeremonie, an der auch der äthiopische Regierungschef Meles Zenawi und der südsudanesische Präsident Salva Kiir teilnahmen. Auch werde es dabei helfen, die ganze Region Ost- und Zentralafrika mit den internationalen Märkten zu verbinden.

China ein wichtiger Geldgeber

Die Gesamtkosten werden auf umgerechnet 16,6 Milliarden Euro geschätzt. Nach Schätzungen von Finanzexperten muss die kenianische Regierung für das Vorhaben sechs Jahre lang etwa sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 16 Prozent des Staatshaushalts investieren. Ein wichtiger Geldgeber für das Projekt ist zudem China, der Hauptabnehmer von Erdöl aus dem Südsudan.

Das lange geplante Projekt ist dringlicher geworden, da der Nord- und der Südsudan über die Nutzung von Pipelines und Häfen für den Erdölexport zerstritten sind. Der Südsudan ist seit Juli 2011 unabhängig. Im Januar stellte der Südsudan seine Ölförderung ein, die 85 Prozent der Fördermenge im alten Sudan ausmachte. Grund war ein Streit über die Gebühren für die Nutzung der sudanesischen Pipelines ein. Während fast alle Erdölvorkommen des alten Gesamtstaats im Süden lagen, verfügt nur der Norden über Raffinerien und einen Zugang zum Meer.

Warnung vor Schäden für Natur und Tourismus

Der Großhafen ist jedoch sehr umstritten. Bewohner der Ferieninsel Lamu werfen der Regierung in Nairobi vor, ihre Belange bei den Planungen nicht berücksichtigt zu haben. Umweltschützer fürchten um die Mangrovenwälder und Korallenriffe des Lamu-Archipels. Fischer und andere Bewohner der Region warnen auch vor Einbußen im Tourismus, wenn Öltanker und andere Frachtschiffe in dichter Folge an Lamu vorbeifahren.

Die Altstadt Lamu ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Das Lamu-Archipel im Indischen Ozean ist bei Touristen sehr beliebt. Zahlreiche Prominente aus dem Ausland besitzen auf den Inseln Villen und Strandgrundstücke. Präsident Kibaki kündigte “Maßnahmen” an, um das “empfindliche Ökosystem und das kulturelle Erbe” nicht zu stören.

viaEin Großhafen als Drehkreuz für den Osten Afrikas | Aktuell Afrika | DW.DE | 02.03.2012.

 

Wie hart trifft das Öl-Embargo den Iran?

Das EU-Embargo gegen iranisches Öl trifft ausgerechnet Griechenland hart, denn das Land muss derzeit für Lieferungen nicht zahlen – Teheran stundet Athen die Schulden. Der Iran dürfte nun versuchen, sein Öl in Asien loszuwerden. Das aber versuchen die EU und die USA zu verhindern.

Der Iran exportiert täglich rund 2,5 Millionen Fass Öl. Mehr als drei Viertel der iranischen Deviseneinnahmen kommen aus dem Verkauf von Öl und Gas. “Wenn du mit allen Mitteln verhinderst, dass der Iran diese Einnahmen hat, dann hast du dem Iran den Krieg erklärt. Du zerstörst damit die Existenz des islamischen Regimes”, meint Politikprofessor Zibakaram von der Universität Teheran.

Gut 75 Milliarden Dollar hat der Iran letztes Jahr durch den Verkauf von Öl und Gas eingenommen. Wie viel Geld ins Nuklearprogramm geflossen ist, ist völlig unklar. Klar ist, dass vor allem westliche Länder davon überzeugt sind, dass Teheran Ölgeld nutzt, um Nuklearwaffen zu entwickeln.

“Wir wollen die Verbreitung von Nuklearwaffen im Nahen Osten verhindern”, sagt Londons Außenminister William Hague. “Denn dadurch könnte ein Wettrüsten in der Region ausgelöst und das Überleben des Nichtverbreitungsvertrags [für Atomwaffen] in Frage gestellt werden.”

Frankreich, so versichert Präsident Nicolas Sarkozy, werde alles tun, um eine militärische Intervention zu verhindern. Es gebe nur eine Lösung: “Wir brauchen strengere, entschlossenere Sanktionen, die den Verkauf iranischen Öls unterbinden und die Guthaben der iranischen Zentralbank einfrieren.”

Etwa 20 Prozent der iranischen Ölausfuhren gehen in die EU. Vor allem nach Spanien, Italien und Griechenland. Für die Griechen ist iranisches Öl fast unentbehrlich: Athen zahlt nicht für iranisches Öl, Teheran stundet Athens Ölschulden. Wer wird die hochverschuldeten Griechen künftig mit bezahlbarem Öl versorgen? Deutschland, Frankreich, die EU-Kommission? Sie alle drängen auf eine wirtschaftliche Gesundung Griechenlands.

USA werben bei asiatischen Staaten für Ölboykott

Der Iran könne den Wegfall des europäischen Marktes verkraften, glaubt Professor. Zibakaram. Dramatischer wäre ein Embargo durch die asiatischen Großkunden. Über 60 Prozent des ausgeführten iranischen Öls gehen nach China, Japan, Indien und Südkorea. Die USA haben in den vergangen Tagen in allen vier Ländern heftig für ein umfassendes Ölembargo gegen den Iran geworben. Tokio und Seoul werden Washington zähneknirschend folgen. Indiens Außenminister Rajan Mathai aber hat unlängst erklärt, sein Land fühle sich nur an UN-Sanktionen gebunden. Indien werde deshalb weiterhin Öl im Iran kaufen.

Chinas Außenamtssprecher Liu Weimin drückt es diplomatischer aus: Die Probleme mit Iran könnten nicht durch Sanktionen gelöst werden. Sein Land sei sehr besorgt. Gleichzeitig schließt Peking mit Saudi-Arabien neue Lieferverträge ab.

Sollte es mittelfristig zu einem vollständigen Boykott iranischen Öls kommen, könnte schon allein Saudi-Arabien den Ausfall der 2,5 Millionen Fass auf dem Weltmarkt durch eine Produktionssteigerung wettmachen. Teheran warnt die Golf-Araber aber eindringlich vor einem solchen Schritt.

Droht die Blockade der Straße von Hormus?

Im Iran leben rund 75 Millionen Menschen. Die Wirtschaft lahmt, die Inflation ist hoch, die heimische Währung verliert gegenwärtig dramatisch an Wert – in den vergangenen zwölf Monaten um fast die Hälfte gegenüber Dollar und Euro. “Damit das Regime überleben kann, wird es zurückschlagen. Die einzige logische, die einzige natürliche Waffe, die Iran hat, ist, die Straße von Hormus zu blockieren”, sagt der Politologe Zibarakam.

Damit, so hat Washington unmissverständlich erklärt, würde der Iran die rote Linie überschreiten. Im Klartext: es käme zum Krieg.

viaWie hart trifft das Öl-Embargo den Iran? | tagesschau.de.

Irans Atomprogramm: EU beschließt „beispiellose“ Sanktionen gegen Iran

Spätestens vom 1. Juli an soll kein iranisches Öl mehr in die EU importiert werden. Auch Konten der iranischen Zentralbank werden gesperrt. „Wir können nicht akzeptieren, dass Iran nach der Atombombe greift“, sagt Guido Westerwelle nach dem Beschluss der EU-Außenminister.

Das Ölembargo trifft die wichtigste Einnahmequelle Irans. Etwa die Hälfte der staatlichen Einnahmen stammt aus Öllieferungen; sie machen achtzig Prozent der iranischen Exporte aus. Westerwelle bezifferte den von Europa bisher abgenommenen Teil auf gut ein Viertel der iranischen Ölexporte. Als Anteil am gesamten Außenhandel Irans waren es im ersten Halbjahr 2011 18 Prozent. Iran bleiben als große Abnehmer noch China (22 Prozent), Japan (14), Indien (13) und Südkorea (10). Die amerikanische Regierung, die selbst kein iranisches Öl importiert, versucht allerdings, asiatische Länder ebenfalls zu einer Rückführung ihrer Öleinfuhren zu bewegen. Die japanische Regierung hat sich dazu schon bereit erklärt. Es gibt Berichte, dass auch China seine Importe aus Iran ebenfalls drosseln wolle.

viaIrans Atomprogramm: EU beschließt „beispiellose“ Sanktionen gegen Iran – Ausland – FAZ.

Ohne Iran geht es nicht – oder vielleicht doch?

Rohöl: Die Lage an den internationalen Ölmärkten ist angespannt – Kein Land kann einen Ausfall Irans ersetzen – Saudi-Arabien hebt Preisziel auf 100 $ an

Rohöl ist der wichtigste Rohstoff der Welt – für die globale Wirtschaft ebenso wie in Bezug auf Umsatz und Liquidität an den internationalen Rohwarenmärkten. Rohöl hält die Weltwirtschaft am Laufen, sein Preis ist Konjunkturbarometer und Alarmsignal gleichermassen. Die magische Grenze liegt zurzeit bei 100 $ pro Fass der US-Sorte WTI. Analysten, Ökonomen und Staatschefs sind sich für einmal einig: Einen höheren Ölpreis können weder die in eine Rezession abgleitenden europäischen Länder noch die sich zögerlich erholenden USA verkraften.

Das Angebot in Rohöl ist zwar strukturell knapp, aber die Nachfrage ist im kühlen Konjunkturumfeld auch nicht überwältigend. Diese Fundamentalfaktoren würden Preise zwischen 80 und 90 $ nahelegen, die Marke von 100 $ wäre also kein Problem – wenn sich nicht die geopolitische Risikoprämie hartnäckig immer mehr in den Vordergrund drängte.

Handelsfinanzierung stockt

Der arabische Frühling mit einhergehenden Produktionsausfällen in Libyen hatte die Märkte im Frühjahr aufgeschreckt, die Notierungen haben sich in der Folge trotz genügend hoher Ölförderung nicht entspannt. Aber so richtig brenzlig wurde die Situation erst durch das atomare Säbelrasseln Irans und die Drohung einer Blockade der Strasse von Hormus, durch die 32% des weltweit auf dem Seeweg verschifften Öls sowie fast 30% des Flüssigerdgases transportiert werden. Gegendrohungen der USA, Sanktionen anderer Länder sowie Diskussionen um Embargos folgten umgehend. Dazu gesellte sich in den letzten zwei Wochen die Eruption von Problemen in Nigeria, das ebenfalls zu den Top Ten der Ölproduzenten gehört. Wahrlich keine angenehme Situation.

Die sich wegen anhaltender Krise und Misstrauen an den internationalen Finanzmärkten verknappende Handelsfinanzierung ist der Sache auch nicht dienlich. Französische Banken, traditionell wichtige Protagonisten der Handelsfinanzierung, leiden unter dem Vertrauensverlust der Investoren. Es fliessen ihnen deutlich weniger Mittel bspw. amerikanischer Geldmarktfonds zu. Sie müssen ihre Bilanzen entschlacken und fahren demzufolge auch ihre risikoreicheren Kreditengagements herunter.

Die Lage rund um die Versorgung der Weltwirtschaft mit Rohöl ist so angespannt wie schon lange nicht mehr. Die alte Feindschaft der zwei Opec-Giganten Iran und Saudi-Arabien ist aufgeflackert. Für Teheran sind die USA der «grosse Satan», Riad hingegen ist der wichtigste Verbündete Washingtons in der arabischen Welt. Iran warnt das Ölkartell allgemein und Saudi-Arabien im Besonderen davor, den Förderausstoss zu erhöhen, um die für den Westen schmerzhaften Folgen der Sanktionen gegen Teheran – sprich drastisch tiefere Ölexporte – zu lindern.

Seitens der Europäischen Union werden die Aussenminister nächste Woche nochmals über ein Embargo diskutieren und dessen Ausgestaltung festlegen, abgesegnet ist es im Prinzip. Die EU ist nach China der grösste Abnehmer iranischen Öls. Manche Stimmen fordern einen Aufschub um sechs Monate, um Zeit zu haben, alternative Öllieferanten zu finden.

Kapazitätsgrenze ist nah

Und genau dort liegt das Problem: Iran ist mit zurzeit noch rund 3,5 Mio. Fass pro Tag der fünftgrösste Ölproduzent (nach Saudi-Arabien, Russland, den USA und China) und die Nummer zwei der Opec sowie drittgrösster Exporteur weltweit. Kein Land kann einen Produktionsausfall Irans ersetzen – auch Saudi-Arabien nicht, das eifrig bekräftigt, seine Reservekapazitäten bei Bedarf auszuschöpfen und allenfalls gar 12,5 Mio. Fass pro Tag zu fördern, 2,5 Mio. Fass mehr als heute. Dann gäbe es allerdings keine freien Kapazitäten mehr, was die Ölmärkte in höchste Alarmbereitschaft versetzen würde.

Neben Saudi-Arabien verfügt kein anderes Land, zumindest nicht mittelfristig, über Reservekapazitäten. Zudem sind die Angaben zu Produktionsmenge und Kapazitäten nicht gesichert, manche Experten werfen den Saudis diesbezüglich Übertreibungen vor. Das Land gab am Montag an, den Ölpreis um 100 $ halten zu wollen, was deutlich höher ist als das letzte offizielle Preisziel um 75 $.

All diese Faktoren scheinen jedoch von den Märkten noch nicht vollumfänglich wahrgenommen zu werden. Dazu kommt die Unbekannte Israel: das Land will nicht in Reichweite nuklearer iranischer Waffen liegen und könnte präventiv agieren. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.

Ölmultis dürften mehr ausschütten

Die Aktionäre der grossen multinationalen Öl- und Gaskonzerne können sich dieses Jahr wahrscheinlich freuen. Anhaltend hohe Ölpreise werden viel Geld in die Kassen der Unternehmen spülen, was diese wiederum veranlassen dürfte, die Ausschüttungen an die Anteilseigner zu erhöhen.

Im laufenden Jahr könnten sich zwar die Gaspreise angesichts des Booms beim Schiefergas in den USA und anderswo etwas abkühlen. Dagegen dürften die Ölpreise wegen der Spannungen zwischen dem Iran und den westlichen Industriestaaten sowie der Nachschubprobleme in Nigeria hoch bleiben.

Da hohe Preise derzeit auch hohe Geldschöpfung bedeuten, werden die Öl- und Gasmultis nach Ansicht der Analysten das Geld an die Aktionäre weitergeben. «Ein solider Cashflow sollte Spielräume geben, die Anleger mit Dividenden oder Rückkäufen zu belohnen», heisst es etwa bei Credit Suisse. Nach Ansicht der Deutschen Bank gibt es noch «viel Luft nach oben». Die Dividenden könnten im Branchendurchschnitt 5% steigen.

Der Konzern, der mittelfristig mit der höchsten Wahrscheinlichkeit die Dividenden erhöhen wird, ist nach Meinung der Analysten von Nomura Royal Dutch Shell. Das niederländisch-britische Unternehmen profitiere von seinen langfristigen Investitionen in Grossprojekte in Kanada und Katar. Für 2012 erwarten die Analysten für Shell eine Dividendenrendite von 5%.

Auch andere Öl- und Gasmultis wie Eni (6,3%), Total (5,9%) oder ConocoPhillips (4%) dürften im laufenden Jahr mit attraktiven Renditen glänzen. Selbst von BP wird erwartet, dass sie die nach der Katastrophe im Golf von Mexiko zeitweilig ausgesetzte Dividende erhöhen wird, weil die Folgekosten des Unglücks jetzt klarer bezifferbar werden. 2012 sollte nach Meinung der Analysten beim britischen Konzern eine Dividendenrendite von 4,2% drinliegen.

viaAktuelle Ausgabe – Finanz und Wirtschaft.

Oeldorado für Exxon Mobile

Beim Erdgas sind die regionalen Ungleichgewichte zwischen Reserven, Förderung und Bedarf noch deutlich ausgeprägter als beim Erdöl. Wie bei den Ölreserven gehören auch fünf Länder des Nahen Ostens zu den zehn gasreichsten Regionen der Welt. Mit Abstand verfügt jedoch Russland über die höchsten Vorkommen, wo auch am meisten gefördert wird. Der Verbrauch in diesem Staat liegt ebenfalls an der Spitze gleich hinter den USA, wo die zweithöchsten Fördermengen erreicht wer-den. Dank neuer Funde auch an unkonventionellen Vorkommen konnten sich die USA bei den Reserven an fünfter Stelle hinter Saudi-Arabiens Gasreichtum einreihen. Obwohl weder Kanada noch Norwegen, die Niederlande, Großbritannien oder China über Gasreserven verfügen, die zu den zehn größten der Welt gehören, liegen sie bei der Förderung an der Spitze. Davon gehören jedoch nur Kanada und Großbritannien auch zu den größten Verbrauchern, unter denen hingegen Japan, Deutschland, Italien und die Ukraine zu finden sind.

Angesichts dieser regionalen Strukturen sowie der rasanten technischen Entwicklungen, mit denen sich immer neue Vorkommen finden und wirtschaftlich fördern lassen, bleibt in Zukunft die Überwindung der geopolitischen Hürden eine schwierige Herausforderung für die sichere Energieversorgung.

via‘Oeldorado’.

Das öl in der Arktis

Wir setzen unser Gespräch mit dem stellvertretenden Direktor der Gesellschaft „Arktis und Weltozean“, dem Leiter des Labors „Schelf“ an der russischen staatlichen Universität für Erdöl- und Erdgasförderung Prof. Wassilij Bogojawlenskij. Voriges Mal sind wir bei den Zahlen der Erschließung des arktischen Festlandsockels stehen geblieben. Verlauten Sie diese, bitte. Die Zahlen wirken ja so überzeugend.

„Ich würde keine konkreten Zahlen nennen, weil es langweilig ist, sich diese anzuhören. Die faktische Erschließung des arktischen Festlandsockels wurde 1986 auf der Halbinsel Alaska gestartet. Es handelt sich um eine Zone, wo eine der weltweit größten Vorkommen erschlossen wurde. Es heißt Pradho-Bay. Es hat auch mehrere Begleitungsvorkommen, die sich weiter auf den Festlandsockel erstrecken. Es sind also neun Erdöl- und Erdgasvorkommen insgesamt. Ein weiteres Vorkommen wird bereits seit vier Jahren in der Barentssee in den norwegischen Hochheitsgewässern erschlossen. Es heißt Snevit, was so gut wie Schneewittchen übersetzt werden kann. Und dazu kommt auch ein russisches Vorkommen in dem Tasbusen.“

Wo das Wasser süß ist, wie ich es mir vorstelle.

„Das stimmt. Es geht um 40 bis 50 km breite Golfe, deren Küste man nicht immer sehen kann. Diese Gewässer gehören im Prinzip zur Karasee, obwohl ihr Wasser süß ist.

Dort wurde 2003 die Erschließung eines Vorkommens gestartet, das gleichzeitig zu Lande und auf dem Grund des Tasbusens liegt. Fast 90 Prozent der Bodenschätze lagern unter dem Wasser. In diesem Fall kann man das Feld ein Meeresvorkommen nennen.

Es heißt Jurcharowskoe und wird von der Gesellschaft Nowatek erschlossen, die von Jahr zu Jahr ihre Fördermengen steigert. Diese übertreffen die restliche Förderung auf dem Festlandsockel weltweit.“

Welche Gründe dafür können sie anführen?

„ Der erste Grund dafür ist, dass Russland über reiche Gas- und Ölfelder verfügt. Es geht um nördlichen Teil Westsibiriens. In dieser Region wurde eine ganze Reihe von seltenen Vorkommen entdeckt. Auf solche stößt man auch im Ausland, aber Russland ist ihnen besonders reich.

Zu solchen seltenen Vorkommen kann auch das Jurcharowskoje-Feld gezählt werden. Seine Vorräte belaufen sich auf bis zu 450 Mrd. Kubikmeter. Dazu kommen noch 30 Mio. Tonnen Flüssiggas. Also, das Vorkommen ist wirklich groß.“

viaNördliche Seeweg und seine Perspektiven. Teil 2: Stimme Russlands.

In USA begann ein Erdölboom

Die Ölerzeugung wurde in den USA traditionell als ein sterbender Industriezweig betrachtet. Seit 1970, als in den USA 3,5 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert wurde, nahm die Ölgewinnung ständig ab. Am wenigsten war die Ölförderung im Jahre 2008 – 1,81 Millionen Barrel pro Tag. Danach stieg die Förderungsmenge unbeachtlich an, aber 2011 kam es zu einem drastischen Sprung, die Gewinnung erreichte 7,5 Millionen Barrel.

Die Ursache war die Entdeckung der Riesenvorkommen von Brennschiefer. Meldungen über die Entdeckung neuer Vorkommen folgen beinahe täglich nacheinander. Nach dem Gewinnungsumfang nahmen die USA die dritte Stelle in der Welt nach Russland (10,54 Millionen Barrel) und Saudi-Arabien (8,8 Millionen Barrel) ein.

Gegen 2017 wird der Erdölförderungsumfang in den USA 10,9 Millionen Barrel pro Tag ausmachen und somit den Förderungsumfang in Saudi-Arabien übertreffen. Wenn in Betracht gezogen wird, dass Russland keinen beträchtlichen Gewinnungszuwachs plant, so können die USA in 5 Jahren zum größten Erzeuger von Rohöl werden.

viaIn USA begann ein Erdölboom: Stimme Russlands.

Mineralölunternehmen

Erdöl ist einer der wichtigsten und meistverwendeten Rohstoffe überhaupt, insbesondere als Rohstoff in der Chemieindustrie, als Treibstoff im Transport und als Brennstoff in der Wärmeerzeugung. Dank dem enormen Stellenwert des Erdöls bildet die Erdölindustrie den größten Wirtschaftszweig der Welt. Die Abhängigkeit der industrialisierten Staaten vom Erdöl verhilft der Erdölindustrie zu einer strategischen Machtposition. Mineralölkonzerne sind daher weltweit sehr einflussreich und haben eine starke Lobby, was von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oft kritisiert wird.

Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts waren die Erdölmärkte von Kartellbildung und Oligopolisierung geprägt. So bildete sich nach dem Abkommen von Achnacarry 1928 ein Kartell führender Ölkonzerne, die sog. „Sieben Schwestern“. Dieses Kartell erlangte besonders in den 1950er Jahren eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt.[1]

Grundsätzlich lassen sich Mineralölunternehmen in zwei Gruppen aufteilen, die privaten, börsennotierten Konzerne und die staatlich kontrollierten Erdölfördergesellschaften. Während in den USA und in Großbritannien die Mineralölunternehmen traditionell schon immer private, börsennotierte Konzerne waren, waren diese in Kontinentaleuropa bis in die 80er und 90er Jahre meist unter staatlicher Kontrolle und wurden erst in den letzten 10 bis 20 Jahren größtenteils privatisiert. In praktisch sämtlichen erdölexportierenden Ländern hingegen stehen die Erdölfördergesellschaften unter staatlicher Kontrolle.

Der Anteil der westlichen Multis wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, BP, Chevron, Total und ConocoPhillips an der weltweiten Ölförderung beträgt derzeit 15 Prozent. Den weitaus größten Anteil an der weltweiten Ölförderung haben die staatlich kontrollierten Unternehmen der erdölexportierenden Länder. So ist mit einer Fördermenge von 10,3 Millionen boe am Tag die staatliche Ölgesellschaft Saudi Arabiens, Saudi Aramco, das größte Erdölunternehmen der Welt.

Wegen der knapper werdenden Erdölressourcen steigen die westlichen Erdöl-Konzerne zunehmend auch in den Bereich der erneuerbaren Energien ein.

Durch die in den letzten Jahren stark gestiegene Nachfrage nach Erdöl und Erdgas und die damit verbundenen starken Preissteigerungen konnten die Erdölkonzerne ihre Umsätze und ihre Gewinne erheblich steigern. Am Umsatz gemessen befinden sich unter den 20 größten börsennotierten Unternehmen der Welt gleich sieben Erdölkonzerne.

Größte private Mineralölkonzerne [Bearbeiten]

Unternehmen Umsatz (2008) 1 2

in Mrd. USD Gewinn (2008) 1 2

in Mrd. USD Fördermenge 1

in Mio. boe pro Tag Sichere Reserven 1

in Mrd. boe Sitz

Exxon Mobil 477,4 45,2 4,237 22,8 USA

Royal Dutch Shell 458,4 24,5 3,473 11,8 Großbritannien

BP 365,7 21,7 3,926 17,7 Großbritannien

Chevron 273,0 23,9 2,667 8,6 Brasilien, USA

Total 180,0 16,2 2,356 10,9 Frankreich

ConocoPhillips 246,2 -16,9 1,936 9,4 USA

Eni 108,9 9,6 1,770 6,4 Italien

Die großen international tätigen Mineralölunternehmen werden oft auch als Ölmulti bezeichnet. Der Begriff wird häufig in kritischer Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Unternehmen gegenüber Arbeitnehmern, Fragen des Umweltschutzes und der Globalisierung benutzt.

Diesen steht eine zunehmende Rolle der mehrheitlich staatlich kontrollierten oder stark unter staatlichem Einfluss stehenden Erdölfördergesellschaften gegenüber wie Saudi Aramco (10,3 Millionen boe pro Tag), Pemex (3,7 Millionen), China National Petroleum Corporation (3,5 Millionen), Petróleos de Venezuela S.A. (3,3 Millionen), Kuwait Petroleum Corporation (2,5 Millionen), Nigerian National Petroleum Corporation (2,3 Millionen), Petrobras (2,0 Millionen), Lukoil (1,9 Millionen) und Rosneft (1,7 Millionen).

Probleme und Fragwürdige Aktivitäten [Bearbeiten]

viaMineralölunternehmen – Wikipedia.

Krieg gegen Afghanistan, USA, Öl-Interessen

Afghanistan und die Jagd nach Öl

… Bereits im Jahr 1991, nach der Niederlage des Irak im Golfkrieg, veröffentlichte das amerikanische Nachrichtenmagazin “Newsweek” einen Artikel unter der Überschrift: “Operation Steppenschild?” Darin wurde berichtet, dass das amerikanische Militär eine Unternehmung in Kasachstan vorbereite, die sich am Modell der “Operation Wüstenschild” in Saudi Arabien, Kuwait und Irak orientiere.

Die Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 eröffnete die Möglichkeit zur Ausdehnung des amerikanischen Einflusses nach Zentralasien, die Entdeckung riesiger Öl- und Gasreserven lieferte den Anreiz dazu. Zwar war die aserbaidschanische Küste des Kaspischen Meeres (Baku) bereits seit hundert Jahren ein Zentrum der Ölförderung gewesen, doch die riesigen neuen Reserven im Nordwesten (Kasachstan) und im Umfeld des Südwestens (Turkmenistan) des Kaspischen Beckens wurden erst während der vergangenen zehn Jahre entdeckt.

Die amerikanischen Ölgesellschaften haben sich die Rechte an nicht weniger als 75 Prozent der zu erwartenden Förderung aus diesen neuen Feldern gesichert, und US-Regierungsbeamte verweisen hoffnungsvoll auf das Kaspische Becken und Zentralasien als mögliche Alternative zur Abhängigkeit von den Ölvorkommen in der instabilen Region am Persischen Golf. Den Verträgen über Förderrechte folgte amerikanisches Militär. Im Jahr 1997 nahmen Sondereinsatztruppen der USA gemeinsame Manöver mit der Armee Kasachstans auf. Entsprechende Manöver mit Usbekistan begannen ein Jahr später. Trainiert wurden insbesondere Interventionen im gebirgigen Süden, wo sich Kirgisien, Tadschikistan und der Norden Afghanistans befinden.

Das Hauptproblem bei der Ausbeutung der Energieressourcen Zentralasiens besteht darin, das Öl und Gas aus dieser Region, die über keinen Zugang zu den Weltmeeren verfügt, auf den Weltmarkt zu bringen. Die amerikanische Regierung wollte dazu weder das russische Pipelinenetz benutzen noch den einfachsten Landweg, der quer durch den Iran zum Persischen Golf führen würde. Stattdessen erkundeten die Ölkonzerne und die Regierung der USA im Verlauf der letzten zehn Jahre eine Reihe alternativer Pipelinerouten – in westlicher Richtung durch Aserbaidschan, Georgien und die Türkei ans Mittelmeer, in östlicher Richtung durch Kasachstan und China zum Pazifik und, was hinsichtlich der gegenwärtigen Krise besonders bedeutsam ist, in südlicher Richtung durch Turkmenistan, Westafghanistan und Pakistan zum Indischen Ozean.

Der in den USA ansässige Ölkonzern Unocal setzte sich für einen Pipelineverlauf durch Afghanistan ein und führte intensive Verhandlungen mit dem Talibanregime. Als sich infolge der Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania, für die Osama bin Laden verantwortlich gemacht wurde, die Beziehungen zwischen den USA und Afghanistan verschlechterten, wurden diese Gespräche jedoch ergebnislos abgebrochen. Im August 1998 griff die Clinton-Regierung angebliche Ausbildungslager bin Ladens im Osten Afghanistans mit Marschflugkörpern an. Die US-Regierung forderte von den Taliban die Auslieferung bin Ladens und verhängte Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Die Verhandlungen über Pipelines schleppten sich hin.

viaKrieg gegen Afghanistan, USA, Öl-Interessen (Friedensratschlag).