Wo ist Interpol-Chef Meng Hongwei?

Nach dem rätselhaften Verschwinden des Interpol-Präsidenten fordert die internationale Polizeiorganisation eine Stellungnahme Chinas. Die Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong will mehr wissen.

Interpol habe die chinesischen Behörden um Klärung des „Status‘ des Interpol-Präsidenten“ Meng Hongwei (Artikelbild) gebeten, teilte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock über die Internetseite der Polizeiorganisation und via Twitter mit. Das Generalsekretariat von Interpol erwarte eine Antwort von Chinas Behörden, „um auf die Bedenken über das Wohlergehen des Präsidenten einzugehen“, hieß es weiter.

Die Familie hatte den Kontakt zu Meng verloren, nachdem dieser vergangene Woche von Frankreich nach China gereist war. Seine Frau hatte ihn als vermisst gemeldet. Die französische Justiz in Lyon hatte eine Untersuchung eingeleitet. Frankreich ist zuständig, weil Interpol in der Stadt seinen Sitz hat. Als erster Chinese war der Vizeminister für öffentliche Sicherheit 2016 zum Präsidenten von Interpol gewählt worden – eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

In dem Rätselraten über das Schicksal des 64-Jährigen hatte die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtet, Meng sei „direkt nach der Landung in China“ vergangene Woche in Gewahrsam genommen worden. Gegen ihn werde ermittelt, berichtete das Blatt unter Hinweis auf eine nicht genannte Quelle. Er sei in den Händen der Disziplinarbehörden. Was genau dem Vizepolizeiminister vorgeworfen werde, wurde nicht klar. Aber häufig geht es bei einem solchen Vorgehen um Korruption oder andere Disziplinarverstöße.

In China gab es zunächst keine Bestätigung für die berichtete Festnahme. Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt, ihr Sitz ist Lyon. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen über Interpol unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus. Der Interpol-Präsident wird immer für vier Jahre gewählt und steht dem Exekutivausschuss der Organisation vor. Dieses Gremium wacht über die Umsetzung der Entscheidungen der jährlichen Generalversammlung der Organisation.

nob/hf (afp, dpa)

https://www.dw.com/de/wo-ist-interpol-chef-meng-hongwei/a-45781084

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Ausländer in Japan: Honne oder Tatemae?

Aufgrund der Vergreisung der Bevölkerung werden ausgerechnet von der nationalistischen Regierung mehr Ausländer ins Land gelassen, es fehlen Arbeiter, während die Akademiker-Arbeitslosigkeit hoch ist

Ironischerweise wird es der Amtszeit des rechtskonservativen japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe beschieden sein, eine soziale Revolution in Gang gesetzt zu haben, die das Selbstverständnis der Japaner erschüttern könnte. Ausgerechnet unter seiner Regierung erlebt das traditionell isolationistische und fremdenskeptische Land einen bisher nie gekannten Zustrom von Ausländern. Ihre Zahl ist seit dem Amtsantritt Abes vor fünfeinhalb Jahren geradezu explodiert.

Diese Politik entstammt weniger einer pragmatischen Einsicht oder einer plötzlichen Wandlung der regierenden rechtsnationalistischen Liberaldemokratischen Partei, kurz LDP. Vielmehr war es eine pragmatische, wenn auch desperate Entscheidung, zu der die Regierung gedrängt wurde: Japans Bevölkerung schrumpft derart rasch, dass dem Land Arbeitskräfte ausgegangen sind.

In einer für die japanische Ausdrucksweise typisch vagen Wortwahl meinte der Staatschef demnach, dass eine weitere Öffnung, vor allem für unqualifizierte Arbeiter zwar unabdingbar sei, allerdings mit der Einschränkung, dass es diesen Menschen verwehrt bleiben werde, Teil der japanischen Gesellschaft zu werden. Nach einer festgelegten Periode müssten sie wieder in ihre Länder zurück. Diese Periode wurde erst kürzlich von drei auf maximal fünf Jahre ausgedehnt, eine geplante Gesetzesnovelle wird unter bestimmten Kriterien zusätzliche fünf Jahre erlauben.

Bei der Migrationspolitik entschied man sich für eine „japanische Lösung“. Das soziale Konzept von Honne und Tatemae bezeichnet in Japan den Kontrast zwischen den eigenen persönlichen Gefühlen, Wünschen und den Äußerungen und dem Benehmen nach außen, also der Fassade, die von der Gesellschaft erwartet wird. Das ist das stets freundliche japanische „Gesicht“ in der Öffentlichkeit.

Im weitesten Sinne dient dieser Verhaltenskodex der Erhaltung der gesellschaftlichen Harmonie. In diesem Geiste werden nun unqualifizierte Gastarbeiter in großer Zahl ins Land geholt, ohne diese als solche zu bezeichnen und ohne sich seitens der Regierung einer öffentlichen Debatte über Einwanderung stellen zu müssen. Dass ausgerechnet nationalistische Politiker, allen voran der Premierminister Shinzō Abe, diese Diskussion unterdrücken, zeugt von der puren Not, die sie antreibt. Offiziell verbietet die Regierung Ausländern, unqualifizierte Tätigkeiten auszuüben, eingeladen werden ausschließlich hochqualifizierte Fachleute für eng definierte Industriesparten.

Die meisten der Neuankömmlinge stammen aus China, gefolgt von Vietnam, Philippinen und Nepal. Junge Nepalesen fallen aufgrund ihres Äußeren besonders auf. Die meisten kommen mit einem Studentenvisum ins Land. Schon in ihrer Heimat müssen sie sich verpflichten, in Japan einen Sprachkurs zu absolvieren, der aus eigener Tasche zu bezahlen ist. Nach dem Unterricht, so der Deal der Rekrutierungsfirmen, können sie sich bis in späte Abendstunden und am Wochenende in Fabriken und Betrieben als „Trainees“ etwas dazu verdienen. Der Stundenlohn liegt zwischen 700 und 1000 Yen (5 bis 8 Euro). Davon sind die Sprachschule, die Wohnung und die Verpflegung zu bezahlen – keine leichte Aufgabe in einem Land mit deutlich höherem Preisniveau als in Westeuropa.

Weil sie offiziell als nicht angestellt gelten, sind sie rechtlos und auf das Wohlwollen ihrer Arbeitgeber angewiesen. Erst in April 2018 machten Fälle mehrerer Vietnamesen Schlagzeilen, die, statt wie vereinbart, bei einer Baufirma ausgebildet zu werden, zu Aufräumarbeiten an kontaminierten Orten in Fukushima oder gar am Gelände des havarierten Atomkraftwerks eingesetzt wurden. Dabei hatte die Firma ihre Gefahrenzulagen einbehalten. Andere vietnamesische Arbeiter berichteten von Misshandlungen, Zahlungsweigerung, wahllosen Kündigungen oder von vertuschten Arbeitsunfällen. Die Anzahl der Vietnamesen hat sich innerhalb von fünf Jahren vervierfacht und lag Mitte 2017 bei rund 230.000. Ähnlich ist die Entwicklung bei chinesischen Migranten. Diese tendieren allerdings dazu, selbst kleine Unternehmen, etwa Restaurants oder Geschäfte zu gründen.

https://www.heise.de/tp/features/Auslaender-in-Japan-Honne-oder-Tatemae-4158391.html

Studie des Weltwirtschaftsforums Maschinen verrichten bald mehr Arbeit als Menschen

Unsere Arbeitswelt wandelt sich radikal. Laut einer neuen Studie werden bis 2025 mehr Aufgaben von Robotern erledigt als von Menschen. Millionen Jobs werden dadurch wegfallen – aber noch mehr neue entstehen.

Noch sind es Menschen, die weltweit die meisten Aufgaben im Wirtschaftskreislauf erledigen – doch nicht mehr lange, wenn man einer neuen Studie glauben darf. Werden bisher noch 71 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen verrichtet, soll dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf 48 Prozent fallen. Die übrigen 52 Prozent, also den Großteil der Arbeit, erledigen dann Maschinen und Algorithmen. Das ist das Ergebnis des Berichts „The Future of Jobs“, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) am Montag veröffentlicht und der dem SPIEGEL vorab vorliegt.

Demnach könnten schon bis 2022 weltweit rund 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen beziehungsweise durch Maschinen ersetzt werden. Für die betroffenen Menschen ist das eine düstere Prophezeiung. Doch es gibt auch einen großen Lichtblick: Denn zugleich sollen laut der Studie in den kommenden fünf Jahren 133 Millionen neue Stellen geschaffen werden, für die teilweise aber ganz neue Fachkenntnisse nötig sein werden.

Einen großen Bedarf an neuen Jobs gibt es vor allem bei Datenanalysten, Wissenschaftlern, Softwareentwicklern, E-Commerce- und Social-Media-Spezialisten. Zeitgleich soll auch die Zahl jener Jobs wachsen, die besondere menschliche Fähigkeiten benötigen – wie etwa Verkaufs- und Marketing-Manager, Innovationsentwickler und Kundenberater. Überflüssig werden dürften dagegen klassische Bürojobs sowie Stellen wie Lohnbuchhalter oder Sachbearbeiter.

Die Experten des Weltwirtschaftsforums haben für ihre Studie eine Arbeitgeberumfrage zugrunde gelegt. Dafür wurden Top-Manager und Personalchefs von mehr als 300 Unternehmen weltweit befragt, die zusammengenommen mehr als 15 Millionen Arbeitnehmer in 20 Industrie- und Schwellenländer repräsentieren. Neben der Gesamtanalyse enthält der Bericht 12 Branchenprofile und 29 Länder- und Regionsprofile.

Die Frage, inwieweit Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze gefährden, wird seit Jahren heiß diskutiert – auch in der Wissenschaft. Dabei kommen verschiedene Studien immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen. Klar scheint aber: Die Veränderungen haben das Potenzial, Arbeitswelt und Gesellschaft radikal umzuwälzen.

Die neue Studie des WEF zeigt, wie unterschiedlich die Effekte dieses Wandels sind. 50 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiterzahl bis 2022 durch die Automatisierung insgesamt sinken wird. 38 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl dagegen erhöhen – und mehr als ein Viertel (28 Prozent) erwartet, dass gerade die Automatisierung die Mitarbeiterzahl erhöhen wird. Damit habe sich die Sicht auf die neuen Technologien seit der letzten Befragung 2016 verbessert, stellen die Experten fest.

85 Prozent der deutschen Unternehmen wollen automatisieren

Auch in Deutschland tut sich offenbar etwas. So wollen knapp 85 Prozent der Unternehmen ihre Arbeit in den nächsten fünf Jahren automatisieren. 83 Prozent wollen dazu neues, qualifiziertes Personal einstellen.

Deutsche Unternehmen planen demnach den Einsatz vieler neuer Technologien: 91 Prozent etwa wollen bis 2022 große Datenanalysen nutzen – damit ist die Bundesrepublik einer der Spitzenreiter und liegt damit knapp vor China, Japan, den USA und Indien.

Zwei weitere viel genutzte Technologien in Deutschland sollen der App-Markt mit 84 Prozent sowie die Entwicklung von intelligenten Maschinen mit 79 Prozent werden. Besser schneiden hier unter anderem die Philippinen, Russland und Singapur ab.

Am wenigsten planen deutsche Unternehmen mit Biotechnik (30 Prozent), menschenähnlichen Robotern (28 Prozent) sowie Unterwasser-Robotern (22 Prozent).

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-weltwirtschaftsforum-maschinen-verrichten-bald-mehr-arbeit-als-menschen-a-1228108.html

„Das Great Barrier Reef ist 2016 gestorben“

Höchste Alarmstufe: 2016 war ein Horrorjahr für das Great Barrier Reef. Die beispiellose Korallenbleiche über Hunderte Quadratkilometer hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Und: Es könnte noch schlimmer kommen.

Wie ein Nachruf auf eines der spektakulärsten Naturwunder hört sich der Text auf einem populären Wissenschaftsportal an: „Das Great Barrier Reef in Australien ist nach langer Krankheit 2016 gestorben. Es war 25 Millionen Jahre alt.“ Natürlich ist es eine Polemik, mit der Autor Rowan Jacobsen im Oktober 2016 wachrütteln wollte. Aber Wissenschaftler schlagen selbst Alarm: das größte Korallenriff der Welt ist nach der schlimmsten je registrierten Korallenbleiche sozusagen auf der Intensivstation.

„Die Korallen haben 400 Millionen Jahre Veränderungen auf dem Planeten überlebt, aber wenn jetzt nicht weltweit deutlich mehr gegen den Klimawandel getan wird, haben wir im Jahr 2100 höchstens noch hier und da ein paar Korallen, aber keine Riffe mehr“, sagt David Wachenfeld, bei der Marineparkbehörde (GBRMPA) für die Wiederherstellung des Riffs verantwortlich.

Korallenriffe sind zwar auch eine Touristenattraktion und ein Wirtschaftsfaktor. So bringen die Besucher rund fünf Milliarden australische Dollar (etwa 3,5 Milliarden Euro) pro Jahr ins Land, und der Sektor beschäftigt 70.000 Menschen. Eine entscheidende Rolle haben Korallenriffe jedoch für den Lebensraum Meer: Sie sind die Kinderstube zahlreicher Fischarten. Wenn sich die kleinen Fische nicht mehr vor Raubfischen in den Korallen verstecken können, werden sie gefressen, bevor sie ausgewachsen sind und sich fortpflanzen. Die Folge: ein dramatischer Rückgang der weltweiten Fischbestände.
Horrorjahr für Great Barrier Reef

2016 war ein Horrorjahr für das Great Barrier Reef. Extrem hohe Wassertemperaturen, teils 33 Grad, haben besonders im nördlichen, bislang intaktesten Teil des 2300 Kilometer langen Riff-Systems mit unzähligen Korallenbänken verheerende Folgen gehabt. Korallen sind Nesseltiere, die mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen leben. Bei hohen Temperaturen werden die Algen giftig, die Korallen stoßen sie ab und verlieren ihre Farbe. Aus der Luft waren im Frühjahr kilometerweit weiße Korallenstöcke zu sehen.

Ihm seien bei einem Überflug die Tränen gekommen, berichtete Terry Hughes, der das Institut für Korallenforschung an der James Cook-Universität leitet, freimütig. In einer 700 Quadratkilometer großen Region seien mehr als zwei Drittel der Korallen abgestorben. Es gab schon zwei Bleichen, 1998 und 2002, aber nichts von derartigem Ausmaß. Auch früher nicht, wie Hughes betont: Ähnlich wie bei Bäumen an den Jahresringen kann man in Korallenstöcken sehen, ob sie in längst vergangenen Jahren Stresssituationen erlebt haben. Nichts dergleichen sei je passiert.

Quelle: http://www.n-tv.de/wissen/Das-Great-Barrier-Reef-ist-2016-gestorben-article19421891.html

Reisen Erreger auf Mikroplastik durchs Meer?

Es wimmelt bedenklich: Unmengen winziger Kunststoffpartikel wirbeln in den Meeren umher und machen den Lebewesen zu schaffen. Nun haben deutsche Forscher eine weitere mögliche Bedrohung durch das Mikroplastik aufgezeigt: Sie entdeckten potenziell krankheitserregende Bakterien auf den schwimmenden Partikeln in Nord- und Ostsee. Sie wollen nun die mögliche Rolle des Mikroplastiks bei der Verbreitung von Erregern genauer untersuchen.

Bakterien mögen’s warm: Mit den steigenden Temperaturen im Rahmen des Klimawandels können sich die Mikroben in Nord- und Ostsee stärker vermehren. In den vergangenen Jahren waren darunter auch ausgesprochen problematische: Bakterien der Gattung Vibrio, die Durchfallerkrankungen oder schwere Entzündungen hervorrufen können. „Vibrionen sind Klimawandel-Gewinner, weil ihre Anzahl bei hohen Temperaturen in die Höhe schnellt“, sagt Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland. Gerade in küstennahen Gebieten der Ostsee kam es in der Vergangenheit bei Hitzewellen immer wieder zu Krankheits- und auch Todesfällen, für die das Bakterium Vibrio vulnificus verantwortlich war.

Krankheitserreger an Bord?

Gerdts und seine Kollegen sind nun der Frage nachgegangen, ob sich diese Erreger auch auf einem vergleichsweise neuen Lebensraum breit machen: auf den Oberflächen der winzigen Plastikpartikel. Schon lange prangern Umweltschützer das Problem des Mikroplastiks an. Es handelt sich um Teilchen von unter fünf Millimetern Größe, die sich vor allem durch den Zerfall von Kunststoffen im Meer bilden. Auf den Partikeln können sich bekanntermaßen Lebewesen ansiedeln – Bakterien, Pilze und Algen bilden auf ihnen schleimige Schichten, sogenannt Biofilme. Enthalten sie aber auch die problematischen Vibrionen?

Um das zu klären, haben die AWI-Wissenschaftler an 62 Stationen in Nord- und Ostsee Wasserproben genommen sowie Mikroplastikpartikel gezielt von unterhalb der Wasseroberfläche abgefischt. Die Laboruntersuchungen zeigten: Bei 19 der insgesamt 185 Proben fanden die Forscher Vibrionen auf den Plastikpartikeln. Es handelte sich bei ihnen allerdings nicht um die schlimmsten Formen dieser Bakterien. Bei Vibrionen unterscheidet man neben Arten auch Genotypen, deren krankheitserregendes Potential unterschiedlich ist. Doch in jedem Fall scheint klar: Die Mikropartikel bieten diesen Mikroben Lebensraum.

Wachsamkeit ist angesagt

„Das zeigt das Potenzial auf, dass die Krankheitserreger möglicherweise auf den Partikeln hitchhiken, sich also per Anhalter innerhalb eines Ökosystems verteilen und auch darüber hinaus verbreiten können“, sagt Gerdts. „An der Nord- und Ostseeküste untersuchen die Landesuntersuchungsämter bereits exemplarisch Wasserproben hinsichtlich Vibrio-Spezies. Sollte sich in der Zukunft zeigen, dass mit Vibrionen aufgeladene Mikroplastikpartikel regelmäßig vorkommen, gibt das Anlass zur Sorge, da Biofilme allgemein höhere Bakterien-Dichten aufweisen als das Freiwasser“, sagt der AWI-Forscher.

Er und seine Kollegen wollen die Rolle der Partikel für die Anreicherung und mögliche Verbreitung dieser Bakterien nun noch genauer untersuchen. Eine wichtige Frage ist dabei, wie dicht die Partikel mit den Problem-Bakterien besiedelt sind. Denn bisher konnten die Wissenschaftler ausschließlich nachweisen, ob Vibrionen an den Mikroplastikpartikeln leben oder nicht. „In Zukunft wollen wir daher die Anzahl der Vibrionen auf den Plastikpartikeln zusätzlich mittels der sogenannten quantitativen Polymerase-Kettenreaktion bestimmen, die dann auch quantitative Vergleiche ermöglicht“, sagt Gerdts.

Quelle: Reisen Erreger auf Mikroplastik durchs Meer? – bild der wissenschaft

Hirnforschung: Fehlerhafte MRT-Software schürt Zweifel an Zehntausenden Studien

Hirnforscher greifen für die Auswertung von Magnetresonanztomographen auf Software zurück, die viel zu hohe Fehlerraten hat. Das haben Forscher jetzt ermittelt und entkräften damit möglicherweise rund 40.000 Studien.

Die am häufigsten genutzte Software zur Auswertung von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) weist offenbar viel zu hohe Fehlerraten auf, was Jahrzehnte an Hirnforschung entwerten könnte. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Gruppe von Forschern um den Schweden Anders Eklund, wie dessen Universität von Linköping zusammenfasst. Sie überprüften die Analysemethoden der meistgenutzten Software-Pakete für die fMRI-Analyse (SPM, FSL, AFNI) und fanden Raten von sogenannten False Positives – also Hirnaktivität, wo gar keine war – die teilweise 70 Prozent erreichten. Akzeptabel und theoretisch zu erwarten seien jedoch lediglich 5 Prozent.

Hirnforschung von außen

Bei der funktionellen Magnetresonanztomographie werden Durchblutungsprozesse im Gehirn quasi live gefilmt, ohne dass dafür störend in den Körper eingegriffen werden muss, erklärt Spektrum der Wissenschaft. Weil sauerstoffreiches Blut andere magnetische Eigenschaften hat als sauerstoffarmes, können starke Magnetfelder die Sauerstoffsättigung in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns mit großer Auflösung sichtbar gemacht werden. Hirnforscher hatten diese Technik jahrelang als Segen verstanden und unzählige Untersuchungen dazu unternommen, welche Hirnareale bei bestimmten Tätigkeiten aktiv sind und daraus die unterschiedlichsten Schlüsse gezogen.

Wie die Wissenschaftler um Eklund nun erläutern, werden bei der fMRI-Forschung beispielsweise die 3D-Aufnahmen von 20 gesunden Probanden mit denen von 20 kranken verglichen, also beispielsweise Patienten mit Hirnverletzungen oder bestimmten Schädigungen. Die dabei gefundenen Unterschiede werden ausgewertet und Forschungsgrundlage. Eklund und seine Kollegen verglichen nun aber stattdessen die Aufnahmen des Ruhezustands von 20 gesunden Probanden mit denen von anderen 20, ebenfalls Gesunden. Die Software sollte dabei eigentlich keine statistisch signifikanten Unterschiede finden (also weniger als 5 Prozent), stattdessen seien aber 60 bis 70 Prozent herausgekommen.

Grund für die Fehler sind den Wissenschaftlern zufolge jene Algorithmen, die aus den einzelnen gemessenen Bildpunkten im dreidimensionalen Raum größere Cluster bildet. Werden zwischen solchen Clustern auf zwei Aufnahmen Unterschiede erkannt, heben sie Cluster hervor. An der Zuverlässigkeit und der Reproduzierkarbeit dieses Verfahrens hatte es schon vorher Kritik gegeben. So hatte Spektrum der Wissenschaft das Vorgehen einiger Forscher mit dem eines Revolverhelden verglichen, der wahllos auf ein Scheunentor schießt und danach Zielscheiben um die Einschlusslöcher malt, die am nächsten beieinander liegen. Andere Forscher hätten mit den etablierten Methoden auch schon Hirnaktivität bei einem toten Lachs festgestellt.

Rechenpower als Lösung

Eklunds Ergebnisse mit der mathematisch untermauerten Kritik wurden nun in der Wissenschaftspublikation Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Es sei möglich, dass ungefähr 40.000 Studien davon betroffen sind, erklärt der Forscher. Einige seien vor mehr als zehn Jahren durchgeführt worden und es sei nicht einmal klar, ob das dafür verwendete Datenmaterial noch existiere. Er selbst schlägt jedenfalls vor, die Software zur Auswertung auf weniger Hypothesen zu begründen und dafür mehr Rechenzeit zu veranschlagen. Dank moderner Grafikkarten könne die dafür benötigte Zeit inzwischen auf akzeptable Maße gesenkt werden.

Quelle: Hirnforschung: Fehlerhafte MRT-Software schürt Zweifel an Zehntausenden Studien | heise online

Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs

Eine Analyse der Statistik Austria hat ergeben: Rund 70 Prozent der Österreicher, die im Vorjahr verstorben sind, litten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs

Rund vier von zehn Verstorbenen (44 Prozent) des Jahres 2015 hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Konkret waren das 35.537 Menschen. An zweiter Stelle der Todesursachen verzeichnet die Statistik Austria Krebs, dem 20.349 Menschen (24,5 Prozent) zum Opfer fielen. Damit entfallen etwa sieben von zehn Sterbefällen auf diese beiden Gruppen.

Die übrigen Todesfälle verteilten sich im Vorjahr auf Krankheiten der Atmungsorgane (4.464 bzw. 5,4 Prozent), der Verdauungsorgane (2.855 bzw. 3,4 Prozent), auf sonstige Krankheiten (15.343 bzw. 18,5 Prozent) und nichtnatürliche Todesursachen (Verletzungen und Vergiftungen; 4.525 Personen bzw. 5,4 Prozent).

2015 starben in Österreich 83.073 Personen, davon 52 Prozent Frauen. Berücksichtigt man die wachsende Bevölkerung und ihre kontinuierliche demografische Alterung, so sank die Sterblichkeit in den vergangenen zehn Jahren altersstandardisiert um elf Prozent. Ausschlaggebend dafür war vor allem die Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Lebensmitte

Zwischen Sterbealter und Todesursachen zeigt sich ein klarer Zusammenhang: So waren 2015 gut drei Viertel (77,6 Prozent) aller Verstorbenen 70 Jahre oder älter. Am häufigsten in dieser Altersgruppe sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Krebs sowie mit großem Abstand Krankheiten der Atmungsorgane und Ernährungs- bzw. Stoffwechselkrankheiten.

Rund ein Fünftel aller Todesfälle trat zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf, wobei der Großteil davon auf Krebserkrankungen zurückzuführen war. Vier von zehn Sterbefällen in dieser Altersgruppe werden durch ein Karzinom verursacht. Weiters sind im mittleren Erwachsenenalter bereits die Herz-Kreislauf-Krankheiten als Todesursache von Bedeutung: Rund jeder fünfte Todesfall war darauf zurückzuführen.

Frühes Sterben

Bei Jugendlichen und Erwachsenen unter 40 Jahren, zusammen knapp zwei Prozent aller Sterbefälle, zählten Unfälle zur häufigsten Todesursache. Ebenfalls relativ häufig waren Suizide und Krebs.

Bei den wenigen Todesfällen von Kindern im Alter von ein bis unter zehn Jahren (69 Todesfälle bzw. 0,1 Prozent) waren neben Krebs, Transportmittelunfälle und Fehlbildungen die häufigsten Ursachen. Bei Säuglingen (259 Todesfälle bzw. 0,3 Prozent) führten Geburtskomplikationen und angeborene Fehlbildungen am öftesten zum Ableben. (APA, 6.7.2016)

Quelle: Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs – Krankheit – derStandard.at › Gesundheit