Schweden: Erneut Dutzende sexuelle Übergriffe auf Musikfestivals

Auf Musikfestivals in Schweden sollen erneut mehrere Männer junge Frauen begrapscht haben. Es gab Dutzende Anzeigen, auch Vergewaltigungen wurden gemeldet.

Die Übergriffe erinnern an die Kölner Silvesternacht: Auf mehreren Musikfestivals in Schweden hat es laut schwedischen Medienberichten sexuelle Übergriffe auf Mädchen und Frauen gegeben. Allein nach dem Festival „Putte i Parken“ am Wochenende in Karlstad habe es bislang rund 25 entsprechende Anzeigen gegeben. Das jüngste Opfer ist demnach gerade einmal 12 Jahre alt.

Im Gedränge vor der Bühne hätten junge Männer sie aus einer Gruppe heraus am Hintern betatscht, berichtete etwa eine 17-Jährige der Zeitung „Göteborgs Posten“. Als sie sich umdrehte, habe sie nicht sicher sagen können, wer sie belästigt habe. Dann habe sie begonnen zu schreien. Der Vater eines Mädchens schilderte Sveriges Radio, wie er mitbekam, dass ein Mann seiner Tochter in den Schritt packte.

Bei zwei Festivals nahe Norrköping und Växjö soll es in den vergangenen Tagen zudem nicht bei Belästigungen geblieben sein. Wie unter anderem die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“ berichtet, wurden auf dem Bråvalla Festival fünf Vergewaltigungen angezeigt, zudem soll eine 19-Jährige auf dem Säljerydsfestival vergewaltigt worden sein.

Ähnliche Übergriffe hatte es bereits in vergangenen Jahren auf Festivals gegeben. Erst zu Beginn des Jahres hatte die schwedische Polizei einräumen müssen, mehrere sexuelle Übergriffe durch mutmaßlich ausländische junge Männer bei Musikfestivals heruntergespielt zu haben. Polizeichef Dan Eliasson argumentierte damals in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE: „Es ist egal, ob die Täter Afghanen waren oder nicht.“

Ein Polizeisprecher mutmaßte laut „Svenska Dagbladet“ zu den nun angezeigten Übergriffen, dass inzwischen mehr Mädchen und Frauen die Übergriffe auch meldeten. „Früher hat man es vielleicht nicht gewagt“, sagte er demnach. Das „Peace and Love“-Festival in Borlänge, das am Donnerstag startet, hat nach den jüngsten Vorfällen im schwedischen Staatsfernsehen jedenfalls nun angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.

Quelle: Schweden: Erneut Dutzende sexuelle Übergriffe auf Musikfestivals – SPIEGEL ONLINE

Musikfestivals in Stockholm: Schwedens Polizei vertuschte sexuelle Übergriffe

„Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen“: Die Polizei in Schweden hat eingeräumt, mehrere sexuelle Übergriffe durch mutmaßlich ausländische junge Männer bei Musikfestivals heruntergespielt zu haben. Ministerpräsident Stefan Löfven spricht von einem „doppelten Betrug an jungen Frauen“.

Die schwedische Polizei hat eine Vertuschung von sexuellen Übergriffen durch mutmaßlich ausländische junge Männer eingeräumt. Bei Musikfestivals in Stockholm im August 2014 und 2015 habe es insgesamt 38 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegeben, in zwei Fällen wurden Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht, gaben die Behörden am Montag bekannt.

„Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen“, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Doch tatsächlich hatte die Polizei nach den Festivals jeweils nur mitgeteilt, es habe „angesichts der vielen Teilnehmer relativ wenige Delikte und Festnahmen gegeben“. Wie viele Verdächtige tatsächlich festgenommen wurden, sei nie festgehalten worden. Es ist zu keiner Verurteilung gekommen.

Die Zeitung „Dagens Nyheter“ zitierte aus einem Polizeibericht, der Verdacht habe sich gegen eine Gruppe von rund 50 jungen Asylbewerbern aus Afghanistan gerichtet. Wegen der großen Menschendichte seien die Ermittlungen schwierig gewesen.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven reagierte erbost auf die Enthüllung. Er empfinde eine „große Wut“, dass junge Frauen nicht auf ein Musikfestival gehen können, „ohne belästigt oder angegriffen zu werden“. Dass die Polizei die Vorfälle unter den Teppich gekehrt habe, sei „ein Problem der Demokratie für unser Land“.

Es handle sich „um einen doppelten Betrug an diesen jungen Frauen“, sagte er der Zeitung „Expressen“. Zum einen seien die Übergriffe nicht angemessen verfolgt worden. Zum anderen habe die Polizei nicht über diese Probleme informiert.

Laut „Guardian“ waren rund 170.000 Besucher auf dem fünftägigen Festival, sie sollen hauptsächlich zwischen 13 und 19 Jahren alt gewesen sein. Polizeichef Dan Eliasson versprach auf einer Pressekonferenz eine vollständige Untersuchung. In dem Bericht wird auch ein Sprecher der Polizei in Stockholm zitiert: „Natürlich war das ernst“, sagte demnach Varg Gyllander. Es seien zu viele Fälle gewesen – aber gemessen an der Anzahl der Besucher des Festivals auch nicht übermäßig viele. Dass die Übergriffe nicht öffentlich gemacht wurden, sei keine geplante Vertuschung gewesen, sondern „Selbstzensur“ einzelner Beamter. „Es gibt Polizeimitarbeiter, die aufgrund der aktuellen Flüchtlingsdebatte Sorgen davor haben, über diese Dinge zu sprechen.“

Der Fall aus Schweden erinnert an die sexuellen Übergriffe in Köln Ende Dezember: Dort hatte die Polizei noch in der Silvesternacht zunächst von einem ruhigen Abend gesprochen. Inzwischen sind bei der Polizei mehr als 500 Anzeigen eingegangen, Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zuletzt warf Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger der Kölner Polizei schwere Fehler vor. Dabei verwies er unter anderem auf die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit von der Polizei über die Ermittlungen informiert wurde.

Quelle: Spiegel online

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Afghanistan: Bund zahlt 5000 Dollar für getöteten Zivilisten

Durchschnittlich 5000 Dollar zahlte die Bundesregierung für Zivilisten, die versehentlich im Afghanistan-Krieg getötet wurden. Für zerstörte Fahrzeuge zahlte sie laut einer neuen Auswertung teils das Doppelte.

Rund 1,1 Millionen Dollar hat das deutsche Militär laut einer neuen Auswertung für die von ihr in Afghanistan verursachten Kriegsschäden gezahlt – mehr als die Hälfte davon, um die Opfer der von der Bundeswehr veranlassten Bombardierung zweier Tanklaster bei Kunduz zu entschädigen. Nun gibt es Proteste über die Höhe der Entschädigung.

 

In der Nacht zum 4. September 2009 hatte ein amerikanischer F15-Kampfjet auf deutschen Befehl zwei von den radikalislamischen Taliban gekaperte Tanklaster bombardiert. Der Bundeswehroberst Georg Klein befürchtete, dass die Aufständischen die Fahrzeuge als fahrende Bomben gegen die Truppen verwenden könnten – obwohl die Laster auf einer Sandbank im Kunduz-Fluss feststeckten. Gut hundert Menschen starben, viele von ihnen wollten einfach nur Benzin abzapfen.

Der Bremer Anwalt Karim Popal kämpft derzeit in zweiter Instanz mit zwei Musterklagen für 81 afghanische Familien, die sich von der Bundesrepublik Deutschland ungerecht behandelt fühlen. Die Bundesregierung hatte an 90 Opferfamilien jeweils 5000 Dollar gezahlt – als freiwillige Kompensation ohne Schuldeingeständnis. Popal fordert 39.000 Euro für jeden getöteten Angehörigen. „Afghanen sind nicht so billig“, sagt er.

Die genaue Höhe der Entschädigungen im Afghanistan-Krieg war bislang nicht bekannt. Erst auf Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Jan van Aken hat das Verteidigungsministerium jetzt die Akten nach Entschädigungszahlungen in 13 Jahren Afghanistan-Einsatz durchforsten lassen. Für die Zeit ab 2010 stellte das Ministerium eine detaillierte Liste mit 186 Einzelfällen zusammen:

 

  • Im Oktober 2011 raste demnach ein Bundeswehrfahrzeug in einen Stall. Für das Gebäude und die Tiere erhielt der Besitzer 6000 Dollar.
  • Nur wenige Tage später erlegte ein abgerissenes Stromkabel ein Kamel. Die Bundeswehr zahlte dem Besitzer 1000 Dollar für das Tier.
  • Für ein erschossenes Pferd gab es 2500 Dollar.
  • Auch getötete oder verletzte Hunde (50 Dollar), Schafe (200 Dollar), Esel (150 Dollar) und Ziegen (50 Dollar) finden sich auf der Liste.
  • Im Oktober 2010 setzte ein Bundeswehrsoldat mit einer Signalpistole ein Feld in Brand. Kostenpunkt: 14.850 Dollar – für afghanische Verhältnisse ein Vermögen.
  • Ein durch Panzer angerichteter Flurschaden kostete die Bundeswehr sogar 25.200 Dollar.
  • Nach der Operation „Halmazag“, der größten Offensive gegen die Taliban, zahlte die Bundeswehr insgesamt 78.000 Dollar für zerstörte Felder.

Auch Entschädigungen für im Kampf versehentlich getötete Zivilisten finden sich auf der Liste. Neunmal steht dort der Eintrag „Schussabgabe“, viermal war damit ein „Personenschaden“ verbunden. Die Zahlungen reichen von 1500 bis 7800 Dollar. Für zerstörte Fahrzeuge wurden indes bis zu 10.000 Dollar gezahlt. Der Linken-Politiker van Aken wirft der Bundeswehr nun vor, „eiskalt gerechnet“ zu haben.

USA und Großbritannien zahlen noch weniger

Im Vergleich zu den großen Bündnispartnern in Afghanistan entschädigt die Bundeswehr die Opfer allerdings noch relativ großzügig. Die USA zahlen nach Recherchen der US-Menschenrechtsorganisation Center for Civilians in Conflict 2000 bis 2500 Dollar pro getötetem Zivilisten.

 

Das britische Verteidigungsministerium gab Medienberichten zufolge Anfang Januar bekannt, dass es für 186 getötete Zivilisten in Afghanistan durchschnittlich 3000 britische Pfund Entschädigung bereitgestellt hat. Das sind ungefähr 4500 Dollar.

Die 5000 Dollar aus Deutschland sind für afghanische Verhältnisse viel Geld. Die Summe entspricht dem achtfachen jährlichen Durchschnittseinkommen von 585 Dollar. Zum Vergleich: Die Angehörigen gefallener Bundeswehrsoldaten erhalten mit 100.000 Euro das Dreifache von dem, was ein Deutscher im Durchschnitt pro Jahr verdient.

Popal machen solche Vergleiche wütend. Erst kürzlich bekam er eine neue Mail eines vermeintlichen Opfers. „Das Schlimmste ist“, schrieb man ihm, „dass man uns nach dem Angriff vergessen hat.“

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Kampf gegen Taliban in Afghanistan: Auch Bundeswehr erstellte Todeslisten

Der frühere deutsche NATO-General Egon Ramms hat bestätigt, dass Deutschland Zieldaten für die Tötung von Taliban-Kämpfern in Afghanistan geliefert hat. Dies habe begonnen, nachdem die Bundesregierung die Situation im Februar 2010 als Krieg eingestuft habe, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Tötungslisten hätten nicht nur die USA und Großbritannien erarbeitet, sagte Ramms weiter: „Sie können sie auch als NATO-Listen bezeichnen.“ Die Listen seien auf den verschiedenen Ebenen der Regionalkommandos in Afghanistan und auch im Hauptquartier der internationalen Schutztruppe ISAF erarbeitet worden. Die Bundeswehr führt seit 2006 das ISAF-Regionalkommando Nord. Ramms war bis September 2010 Befehlshaber der NATO-Kommandozentrale im niederländischen Brunssum, die den Afghanistan-Einsatz leitet.

Bundeswehr-Einheit nur für gezielte Tötungen?

Der „Spiegel“ hatte am Wochenende über Todeslisten berichtet, auf denen zeitweise 750 Namen gestanden haben sollen.

Die „Bild“-Zeitung meldete heute unter Berufung auf Geheimdokumente, es habe im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif eine Einheit zur Ermittlung von Zieldaten gegeben. Sie habe den Auftrag gehabt, „Informationen für die Nominierung möglicher Personenziele zu sammeln“.

Ein deutscher Generalmajor habe 2011 persönlich „Personenziele“ ausgewählt. Bei einer Besprechung im Mai 2011 habe er beispielsweise gefordert, es als „Priorität“ zu behandeln, einen Aufständischen namens Kari Hafis „festzunehmen oder zu neutralisieren“.

In dem „Bild“-Bericht heißt es weiter, der Bundesnachrichtendienst (BND) habe genehmigt, dass von ihm gesammelte Informationen im Fall eines drohenden Angriffs zur gezielten Tötung von „Personenzielen“ eingesetzt würden.

Internationale Diskussion

Die Praxis gezielter Tötungen von Aufständischen ist international sehr umstritten. Besonders die US-Streitkräfte fliegen in Afghanistan und Pakistan seit Jahren regelmäßig Angriffe auf mutmaßliche Rebellenführer und andere Extremisten.

Auch in Deutschland wird seit langem darüber diskutiert, welchen Anteil BND und die Bundeswehr an den umstrittenen Drohnenangriffen haben. Dabei geht es insbesondere um die Weitergabe von Telefonnummern von Verdächtigen, die von Geheimdiensten zu ihrer Ortung benutzt werden können.

Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte 2010, gezielte Tötungen in Afghanistan seien völkerrechtlich gesehen in Ordnung. Gegnerische Kämpfer in einem nicht-internationalen bewaffneten Konflikt dürften „gezielt bekämpft werden“. Der FDP-Politiker ergänzte: „Ob es uns gefällt oder nicht, so ist die Lage.“

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Afghanistan: USA verlieren Kontrolle über Hunderttausende Gewehre

Die Vereinigten Staaten haben bei ihrem Militäreinsatz in Afghanistan die Kontrolle über große Waffenkontingente verloren. Hunderttausende Waffen könnten in die Hände der aufständischen Taliban gelangen, warnte der US-Rechnungsprüfer für Afghanistan Sigar, John Sopko, in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

Weder die amerikanische Regierung noch die afghanischen Behörden hätten die Waffen ordentlich registriert, kritisierte Sopko. Zusätzliche Risiken entstünden dadurch, dass die Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte in den kommenden Jahren von 352.000 auf 228.500 verringert werden soll.

Seit 2004 seien allein mehr als 747.000 Schnellfeuergewehre vom Typ Kalaschnikow AK-47 geliefert worden, heißt es laut AFP in dem Report. Der Gesamtwert der Schnellfeuerwaffen, Granatwerfer und sonstiger Waffen belaufe sich auf rund 626 Millionen Dollar.

Die Nachrichtenagentur AP meldete, dass der US-Regierung über eine Vielzahl der 465.000 Waffen, die sie an das afghanische Militär und Armee geliefert habe, keine genauen Informationen mehr vorliegen. Auf welchen Zeitraum sich die Anzahl bezieht, schrieb AP nicht.

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Nato-Krieg macht Afghanistan zur Nummer 1 der Opium-Produktion

Artikel vom 03. April 2013

Die Heroin-Produktion in Afghanistan ist laut dem Chef von Russlands Drogenaufsicht, Viktor Iwanow, seit dem Einmarsch der Nato-Truppen in Afghanistan 2001 um das Vierzigfache angestiegen. Eine Folge davon war der Tod von über einer Million Menschen weltweit.

„In die transnationale Kriminalität wurde über eine Billion Dollar investiert, die aus dem Heroin-Verkauf erwirtschaftet worden war“, sagte Iwanow bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Moskau.

Im Vorfeld des Abzugs der Nato-Truppen aus Afghanistan sei es an der Zeit, eine effiziente Haltung Russlands zu konzipieren, die eine enge Kooperation mit Afghanistan und der Weltgemeinschaft, in erster Linie mit Pakistan und dem Iran, voraussetzen würde, so Iwanow. Der Hauptfaktor für die Instabilität in Afghanistan sei die in den zurückliegenden zehn Jahren entstandene „Drogenproduktion von planetarischem Ausmaß“, betonte er.

viaRusslands Drogenaufsicht: Heroin-Produktion in Afghanistan seit Nato-Einzug 40-fach gewachsen | Panorama | RIA Novosti.

Artikel vom 11.12.2013

Nach zwölf Jahren Besatzung durch amerikanische und europäische Truppen, stellt Afghanistan ein neues Allzeithoch für den Anbau von Schlafmohn auf. Das geht aus einem Bericht des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) hervor.

Aus Schlafmohn wird Roh-Opium gewonnen. Dieses stellt den Hauptbestandteil der Heroin-Produktion dar. Dem Bericht zufolge wurde Schlafmohn im Jahr 2013 auf 209,000 Hektar Landfläche angebaut. Das entspricht in etwa der Größe des Saarlandes. Der vormalige Rekord wurde im Jahr 2007 mit einer Anbaufläche von 193,000 Hektar aufgestellt. Im Vergleich zum Jahr 2012 wurde die Produktion um 36 Prozent ausgeweitet. Die größten Anbauflächen befinden sich in den Provinz Helmand und Kandahar.

Seit der Stationierung amerikanischer Truppen im Jahr 2001 wachsen der Schlafmohn-Anbau und die Opiumproduktion in Afghanistan kontinuierlich an. Im Jahr 2001 waren es noch 8,000 Hektar und 135 Tonnen Opium. Das war der tiefste Stand seit Aufzeichnung der Daten durch die UNODC. Ein Jahr später wurden schon 74,000 Hektar genutzt, um 3,400 Tonnen Opium zu produzieren. Diese Tendenz setzte sich weiter fort, bis die Produktion im Jahr 2009 leicht einbrach. Dies wird mit dem Wiedererstarken der Taliban in Verbindung gebracht. Diese verbieten den Anbau von Schlafmohn und den Handel mit Drogen.

Unter Präsident Obama wurde die Truppenstärke des amerikanischen Militärs dann mehr als verdreifacht. Bei seinem Amtsantritt im Januar 2009 waren etwa 32,000 Soldaten in Afghanistan. Im September 2010 waren es schon 98,000 Soldaten. Es folgte eine Großoffensive gegen die Taliban in Helmand und Kandahar. Unter der verstärkten Präsenz von U.S. Truppen in den Provinzen, erholte sich auch die lokale Opium-Produktion von 3,600 Tonnen im Jahr 2010 auf 5,800 Tonnen im folgenden Jahr.

Afghanistan stellt mehr Anbaufläche für Schlafmohn zur Verfügung als alle anderen Länder der Welt zusammen. Aus einem Bericht des UNODC zur weltweiten Drogenproduktion geht hervor, dass Afghanistan 2011 etwa 131,000 Hektar Land für den Schlafmohn-Anbau nutzte. Zweitgrößter Produzent der Welt war Myanmar mit etwa 76,000 Hektar Landfläche. Darauf folgten Mexiko mit 12,000 Hektar und Laos mit 4,100 Hektar. Alle übrigen Länder kamen zusammen auf etwa 16,100 Hektar.

Die afghanischen Landwirte bauen den Schlafmohn vorwiegend aufgrund des hohen Verkaufspreises an. Dieser sank zuletzt von 163 Dollar auf 142 Dollar pro Kilogramm Opium. Allerdings werden im weiteren Handel mit Opium und Heroin ganz andere Beträge umgesetzt. Der Wert des gesamten afghanischen Opiums aus diesem Jahr wird auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Daraus wird das deutlich teurere Heroin hergestellt, das in reiner Form für bis zu 400 US-Dollar pro Gramm verkauft wird. Afghanistan ist also nur der Ausgangspunkt für weltweiten einen Milliarden-Markt.

In einem Interview mit CNN äußerte sich der ehemalige Chef des UNODC, Antonio Maria Costa, zum sogenannten „Krieg gegen die Drogen“. Er sagte, dieser Krieg sei inszeniert und von Korruption gekennzeichnet. Regierungsbehörden würden häufig mit den Kartellen gemeinsame Sache machen. Zudem profitierten große Banken durch Geldwäsche vom Drogenhandel. Als Beispiel nennt Costa die Wachovia Bank, die im Jahr 2010 für die illegale Geldwäsche von 460 Milliarden US-Dollar für schuldig befunden wurde. Ähnlich verhalte es sich mit Citigroup und HSBC, die ebenfalls in Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Drogenhandel verstrickt sind.

viaNato-Krieg macht Afghanistan zur Nummer 1 der Opium-Produktion | DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN.

Dokumentarfilm: Schmutzige Kriege

Die geheimen Kommandoaktionen der USA

Mit der Dokumentation „Schmutzige Kriege“ führen Jeremy Scahill und Richard Rowley in eine völlig unbekannte Welt von geheimen Kriegseinsätzen der USA in Afghanistan, Jemen, Somalia und weiteren Gebieten.

Teils Politthriller, teils Detektivfilm beginnt „Schmutzige Kriege“ als investigative Reportage über einen nächtlichen Angriff von US-Einheiten in Afghanistan, bei dem viele Zivilisten starben, darunter zwei schwangere Frauen. Schnell entwickelt sich eine weltweite Recherche über eine bis dahin unbekannte Parallelwelt der mächtigen und streng geheimen Spezialeinheit der Amerikaner, genannt Joint Special Operations Command (JSOC).

Scahill findet immer mehr über das JSOC heraus, deckt brutale Einsätze auf, die sorgfältig vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden, ausgeführt von Soldaten, über die es keinerlei Unterlagen gibt. Sie können somit auch nie vom Kongress vernommen werden und müssen offenbar keine Rechenschaft über ihr Handeln ablegen. Im Militärjargon arbeitet die JSOC nach dem Motto „Finden, fixieren und erledigen“. Die Teams arbeiten eine geheime Tötungsliste ab. Es gibt kein Ziel, das für diese Truppe nicht legitim wäre, auch amerikanische Staatsbürger werden nicht verschont.

Ein Krieg außer Kontrolle

Jeremy Scahill deckt die Folgen eines Krieges auf, der völlig außer Kontolle ist. CIA-Agenten, Kämpfer der Special Forces, Generäle und von den USA finanzierte Warlords – sie alle treten aus dem Dunkel der Geheimhaltung vor die Kamera und reden über ihre Einsätze, viele von ihnen zum ersten Mal. Auch die Überlebenden der meist nächtlichen Attacken und Drohnenangriffe kommen zu Wort, darunter auch die Familie des ersten amerikanischen Staatsbürgers, der von seiner eigenen Regierung gejagt und getötet wurde. 

„Schmutzige Kriege“ führt die Zuschauer in die entlegensten Ecken der Welt und zeigt auf, wie schmutzig die USA heute Krieg führen. Am Ende bleiben quälende Fragen nach Freiheit und Demokratie, Krieg und Gerechtigkeit

viaSchmutzige Kriege – Schmutzige Kriege – ARD | Das Erste.

Afghanistan: Schlafmohn-Anbaufläche auf Rekordhoch

Immer mehr Bauern bauen in Afghanistan Schlafmohn an: Die Fläche hat in diesem Jahr Rekordmaße erreicht – sie ist fast so groß wie das Saarland. Aus Schlafmohn wird Rohopium gewonnen – Basisstoff für Heroin. Doch das große Geschäft damit machen nicht die Bauern, sondern andere.

Die internationale Intervention in Afghanistan ist im 13. Jahr. Die Bundeswehr hat vor kurzem ihren zweitgrößten Stützpunkt im Norden verlassen und an die Afghanen übergeben. Auch anderswo läuft der Rückzug der NATO-Kampftruppen auf Hochtouren.

Doch gemessen an der Anbaufläche für Schlafmohn hat die westliche Mission nichts erreicht. Aus Schlafmohn wird Rohopium gewonnen, der Basisstoff für Heroin – und afghanisches Rohopium ist für mehr als zwei Drittel des weltweit produzierten Heroins verantwortlich.

In diesem Jahr hat die Anbaufläche für Schlafmohn zum ersten Mal 200.000 Hektar überschritten. Das entspricht fast der Größe des Saarlands, und es ist der höchste Wert, seit die Vereinten Nationen den Anbau in Afghanistan überwachen. Insgesamt haben afghanische Bauern in diesem Jahr nach Angaben des UN-Drogenbekämpfungsprogramms 5500 Tonnen Rohopium produziert.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Produktion damit fast verdoppelt. Die Provinzen Faryab und Balkh im nördlichen Einsatzgebiet der Bundeswehr zählten im vergangenen Jahr noch zu den Gebieten, in denen kein Schlafmohn angebaut wurde. In diesem Jahr haben sie ihren opiumfreien Status eingebüßt.

Der hohe Marktpreis von fast 150 Dollar pro Kilogramm Rohopium verleitet immer mehr Bauern dazu, auf ihren Feldern Schlafmohn anzubauen. Vielen fehlt die Alternative, andere werden unter Druck gesetzt. Wiederum andere haben Angst vor der Zukunft und wollen sich finanziell absichern. Doch das große Geschäft machen nicht die Bauern, sondern Drogenbarone, kriminelle Banden und korrupte Sicherheitskräfte und Politiker. Auch die Taliban profitieren im großen Stil vom Drogengeschäft.

Rund die Hälfte der Schlafmohn-Anbaufläche liegt in der südlichen Unruheprovinz Helmand, in der die Taliban besonders stark sind.

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