IPPNW: Fukushima-Folgen werden vertuscht

Vertuscht, verharmlost und verschwiegen: Mit scharfen Worten kritisiert die internationale Ärzteorganisation IPPNW die japanische Regierung. Drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe werde jegliche Untersuchung möglicher strahlenbedingter Erkrankungen verhindert, sagte die Vertreterin der deutschen IPPNW-Sektion, Angelika Claußen, in Berlin. Der Verdacht liege nahe, dass die Behörden kein tieferes Interesse an der Aufklärung gesundheitlicher Folgen der Katastrophe hätten.

Ärzte würden in Japan von Regierungsberatern, Krankenversicherungen und Fachverbänden unter Druck gesetzt, wenn sie die medizinische Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima erforschen wollten. Unter anderem seien dadurch spezifische Blutuntersuchungen verhindert worden, berichtete Angelika Claußen.

Die „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) sind ein Zusammenschluss von Medizinern aus mehreren Ländern, die sich unter anderem für die Abrüstung atomarer Waffen einsetzen. 1985 wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

„Täglich neue Lecks“

IPPNW befürchtet einen Anstieg der Säuglingssterblichkeit oder eine Häufung von Leukämieerkrankungen bei Säuglingen wie nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl. Statistiken, mit denen solche Veränderungen untersucht werden könnten, lägen aus Japan jedoch nicht vor. Es sei lediglich eine gestiegene Anzahl von Schilddrüsenkrebsfällen festgestellt worden. Allerdings würde die Präfektur Fukushima bestimmen, wer entsprechende Krebs-Screenings durchführen dürfe, heißt es.

Die japanische Journalistin Oshidori Mako teilt diese Kritik: „Der Unfall ist noch nicht unter Kontrolle“, sagte sie in Berlin. Jeden Tag würden neue Strahlenlecks entdeckt. Zugleich versuchten die Behörden von den Folgen der Radioaktivität abzulenken. Dazu würden etwa Schulen oder Einrichtungen gezwungen, Lebensmittel aus der Region Fukushima zu verwenden, um deren Unbedenklichkeit zu demonstrieren. Eine freie Berichterstattung über die Atomkatastrophe werde es auch künftig nicht geben, befürchtet Oshidori Mako und verweist auf ein Ende 2012 verabschiedetes Gesetz zum besseren Schutz von Staatsgeheimnissen. Die Journalistin steht unter Beobachtung der japanischen Regierung.

„Viele Opfer, keine Anklagen“

Am Wochenende hatten in der japanischen Hauptstadt Tokio mehrere hundert Menschen dagegen protestiert, dass noch immer niemand für die Atomkatastrophe juristisch zur Verantwortung gezogen wurde. „Es gibt viele Opfer, aber keine Anklagen“, sagte die Organisatorin der Veranstaltung, Ruiko Muto. Im Jahr 2012 hatten 15.000 Betroffene eine Klage gegen den Atomkraftwerkbetreiber Tepco eingereicht. Im September 2013 entschied die Staatsanwaltschaft jedoch, keine Anklage zu erheben. Dagegen läuft ein Berufungsverfahren.

Bei dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011 war das Kernkraftwerk Fukushima so schwer beschädigt worden, dass die Kühlanlagen ausfielen und es in der Folge zu einer Kernschmelze in mehreren Reaktoren kam. Nach dem Desaster wurde eine Sperrzone um das Kraftwerk eingerichtet, rund 160.000 Menschen verließen das Katastrophengebiet.

viaIPPNW: Fukushima-Folgen werden vertuscht | Aktuell Asien | DW.DE | 03.03.2014.

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19-Milliarden-Euro-Projekt: Frankreich und China bauen Atomkraftwerk in Großbritannien

Artikel vom 21.10.2013

 

Ein französisch-chinesisches Konsortium baut für knapp 19 Milliarden Euro ein Atomkraftwerk in Großbritannien. Die britische Regierung habe ein entsprechendes Abkommen mit dem französischen Versorger EDF unterzeichnet, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Die Anlage soll in rund zehn Jahren in Betrieb gehen. Die endgültige Entscheidung über den Bau ist für kommenden Sommer geplant. Premierminister David Cameron sprach in der Mitteilung davon, dass durch den Bau 25.000 Stellen geschaffen würden. „Das markiert die nächste Generation der Atomkraft in Großbritannien, die eine wichtige Rolle in unserer Energieversorgung spielen wird.“

Das Kraftwerk Hinkley Point C mit zwei Druckwasserreaktoren des französischen Herstellers Areva soll in Somerset in Südwest-England entstehen. Es ist der erste Neubau eines Atomkraftwerks in Großbritannien seit rund 20 Jahren.

An dem Konsortium ist den Angaben zufolge EDF mit 45 bis 50 Prozent beteiligt. Die chinesischen EDF-Partner, der Staatskonzern China General Nuclear Power (CGN), und CNNC halten demnach zwischen 30 und 40 Prozent, Areva zehn Prozent. Andere Partner könnten bis zu 15 Prozent erhalten. Für die Chinesen ist die Zusammenarbeit eine Gelegenheit, einen Fuß in den britischen Markt zu bekommen.

Das Abkommen, das der britische Finanzminister George Osborne in der vergangenen Woche bei einem Staatsbesuch in China bereits angekündigt hatte, stellt für die weltweite Atomindustrie einen Lichtblick dar. Seit der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima kämpft sie mit gestiegenen Akzeptanzproblemen.

Deutschland hat sich für den Ausstieg aus der Atomkraft entschieden, Italien ein geplantes Atomprogramm gestrichen und Frankreich strebt eine Verringerung seiner Abhängigkeit vom Atomstrom an.

via19-Milliarden-Euro-Projekt: Frankreich und China bauen Atomkraftwerk in Großbritannien – Wirtschaftspolitik – FAZ.

Tsunami-Folgen : Abfall-Insel so groß wie Texas treibt auf USA zu

Ein tonnenschweres schwimmendes Trümmermonstrum treibt über den Pazifik geradewegs auf das Festland des US-Bundesstaates Kalifornien zu. Es ist eine gigantische Abfall-Insel von der Größe des Staates Texas, der mit einer Fläche von 696.241 Quadratkilometern nahezu doppelt so groß ist wie Deutschland. Die künstliche Insel setzt sich aus Trümmern zusammen, die nach dem verheerenden Tsunami in Japan 2011 ins Meer geschwemmt wurden.

Fünf Millionen Tonnen Schutt, der sich aus Überresten von Häusern, Booten, Fabriken und anderem zerstörten Leben zusammensetzt. Dies verdeutlicht ein aktueller Bericht der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA). Momentan befindet sich die künstliche Insel nordöstlich von Hawaii, wie eine Computersimulation der Behörde veranschaulicht. Die Situation ist ernst. Der Müll mit all seinen Giftstoffen könnte katastrophale Folgen für die Flora und Fauna der US-Westküste haben, heißt es.

Seit Monaten landet immer neuer Müll aus Japan in Kanada oder an den Stränden der US-Bundesstaaten Alaska, Kalifornien, Washington und Oregon. Schon im März 2012 tauchte ein 60 Meter langes Geisterschiff aus Japan in Kanada auf. Nach der 8000 Kilometer langen Reise über den Ozean wurde es von der US-Küstenwache spektakulär versenkt.

„Auf riesige Reinigungsaktion gefasst machen“

Andere vereinzelte Gegenstände wie etwa ein japanischer Bootsanleger oder ein Motorrad wurden ebenfalls angespült. Auch ein Fußball mit dem Namen eines japanischen Studenten darauf wurde gefunden – und an den Eigentümer in der Stadt Rikuzentakata zurückgegeben. Immer wieder werden auch japanische Plastikkanister und Styropor-Bojen, die für die Austernzucht genutzt wurden, aus dem Meer gefischt.

Doch nicht immer lassen sich die Trümmer derart identifizieren. Oft fällt es schwer, den alltäglichen inländischen Müll von dem der Tsunami-Folgen in Japan zu unterscheiden. Auch Geigerzähler würden dabei nicht helfen, denn es sei keine radioaktive Strahlung auszumachen.

Und trotzdem: „Das ist gerade mal der Anfang“, meinte im April 2012 der Ozeanograf Curtis Ebbesmeye. „Wir sollten uns auf eine riesige Reinigungsaktion gefasst machen“, prophezeite der pensionierte Meereskundler schon damals. Nun droht den USA eine regelrechte Invasion in Form der tonnenschweren schwimmenden Abfall-Insel.

viaTsunami-Folgen : Abfall-Insel so groß wie Texas treibt auf USA zu – Nachrichten Panorama – Weltgeschehen – DIE WELT.

Atommüllverklappung

Radioaktive Abfälle konnten legal im Meer verklappt werden, bis diese Vorgehensweise zumindest für Feststoffe 1994 von der International Maritime Organisation (IMO) verboten wurde. Sämtliche Atommüll-produzierenden Länder hatten bis dahin in weniger als 50 Jahren wesentlich mehr als 100.000 Tonnen radioaktiven Abfall im Meer versenkt.

Die USA haben gegenüber der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) eingeräumt, von 1946 bis 1970 über 90.000 Container mit radioaktivem Abfall vor ihren Küsten versenkt zu haben.

Laut Nuclear Energy Agency (NEA) und der IAEO haben 9 Staaten an 15 Stellen im Nordostatlantik bis 1982 insgesamt 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern versenkt.[6].

Die Briten haben hierbei mit 80 % den größten Anteil beigesteuert, gefolgt von der Schweiz, die bis 1982 schwach- und mittelaktive Abfälle sowie radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung unter der Führung der OECD im Nordatlantik versenkt hat.[7] Aus Deutschland wurden einige hundert Tonnen Atommüll im Meer entsorgt[8][9] – das Referat III B4 im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung initiierte die erste internationale Versenkungsaktion. Dabei verklappten Deutschland, England, Frankreich, Belgien und die Niederlande 1967 insgesamt 10.895 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfall 400 Kilometer vor der Küste Portugals. Der deutsche Atommüll stammte von der Gesellschaft für Kernforschung mbH in Karlsruhe. Es folgten weitere internationale Verklappungen.

Jahrzehntelang wusste die Öffentlichkeit nichts davon. Erst in den 1980er Jahren machte Greenpeace mit spektakulären Aktionen auf das Problem aufmerksam. Im Jahre 2000 veröffentlichte Greenpeace Unterwasseraufnahmen von aufgeplatzten und löchrigen Atommüllfässern, die in einer Tiefe von etwa 100 Metern im Ärmelkanal gefunden wurden. Im selben Jahr untersuchte die Bundesforschungsanstalt für Fischerei das deutsche Versenkungsgebiet im iberischen Atlantikbecken und stellte in ihrem Abschlussbericht fest, „dass aus den Abfallbehältern frei gesetzte Radioaktivität in der Biosphäre angekommen ist“. Im Jahr 2005 wurden die letzten Untersuchungen in den Versenkungsgebieten durchgeführt, allerdings waren die Messergebnisse aufgrund technischer Probleme unbrauchbar.[10] Dabei wird dort intensiv Fisch gefangen.

Die IAEO arbeitet derzeit (2011) an einem aktualisierten Bericht über Alpha-, Beta- und Gammastrahler im versenkten radioaktiven Material.

Atommülleinleitungen

Die direkte Einleitung von radioaktiven Abwässern in das Meer ist jedoch nach wie vor legal und wird auch noch praktiziert: Die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague spült über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in den Ärmelkanal.[11] Auch in Sellafield werden ganz legal radioaktive Abwässer in die Irische See eingeleitet. Diese Einleitungen übersteigen die Einleitungen aus La Hague für fast alle Nuklide.

viaAltlasten in den Meeren – Wikipedia.

Radioaktivität : Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert versenkten acht europäische Staaten Tausende Fässer mit Atommüll in Atlantik und Ärmelkanal. Vergessen sollte man den Müll nicht – denn er strahlt noch immer.

Die Sünden liegen Jahrzehnte zurück, doch sie strahlen weit in die Zukunft. Und das im wörtlichen Sinn: Acht europäische Staaten hatten zwischen 1949 und 1982 atomaren Abfall einfach dem Meer überlassen, insgesamt versenkten sie 222.732 mit Beton oder Asphalt verstärkte Metallfässer an 14 Stellen westlich der europäischen Küste sowie in einem „Hurd Deep“ genannten Gebiet im Ärmelkanal.

Viele Fässer sind längst verrostet und geben allmählich ihren radioaktiven Inhalt frei. Der Sender Arte widmet dem „Endlager Meeresgrund“ am Dienstag einen Themenabend. Er machte sich auf die Suche nach der Altlast.

114.726 Tonnen Atommüll schlummern vor dem europäischen Kontinentalsockel, meist in Tiefen von mehr als 4000 Metern. Nach offiziellen Angaben enthalten sie schwach- bis mittelradioaktiven Abfall der Atomindustrie, aus Forschung und Medizin; Kritiker wie der britische Atomphysiker John Large gehen jedoch davon aus, dass zum Teil auch hochradioaktiver Müll beigemischt war.

Nach einer Aufstellung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA summiert sich die in Fässern verpackte Radioaktivität auf 42.320 Terrabecquerel (TBq) – zum Vergleich: Die Gesamtaktivität im maroden Atommülllager Asse II betrug Anfang 2010 rund 2900 TBq.

Was genau strahlt ist ungewiss

Allein 35.000 TBq stammen aus Großbritannien. Weitere 6500 TBq steuerten die Schweiz und Belgien bei. Deutschland hat nur im Jahr 1967 Atommüll mit einer Gesamtaktivität von 0,2 TBq versenken lassen. Allerdings ist die Gesamtaktivität nur ein Anhaltspunkt für das Ausmaß des Problems. Denn die Zusammensetzung des Mülls aus den verschiedenen Radionukleide (radioaktiven Atomsorten) ist nicht vollständig bekannt.

Deshalb lässt sich anhand von Halbwertszeiten kaum kalkulieren, wie hoch die Gesamtaktivität heute ist. „Zudem können sich Isotope gebildet haben, die noch stärker strahlen als die Ausgangssubstanzen“, sagt Susanne Neubronner, Atomexpertin bei Greenpeace in Hamburg.

1981 waren die Versenkungsaktionen von Atommüllfässern ins Gerede gekommen. Greenpeace dokumentierte damals den bis dahin weitgehend unbekannten „Entsorgungsweg“ der europäischen Atomindustrie. Mit Schlauchbooten manövrierten sich die Aktivisten unter die Abrollrampen der Versenkungsschiffe.

Diese stellten das Dumpen aber nicht ein, so dass mehrmals ein mehrere 100 Kilo schweres Fass ein Schlauchboot traf. Die Umweltschützer gerieten in Lebensgefahr und mussten die Aktionen einstellen. Aber sie hatten die Abfallentsorgung auf Kosten der Meere öffentlich gemacht.

20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney

Harald Zindler, 68, saß damals in einem der Greenpeace-Schlauchboote. Vor einigen Monaten fuhr er mit dem Arte-Filmteam zu dem besonders brisanten Versenkungsgebiet: Bis 1963 hatte Großbritannien Atomfässer auch im Ärmelkanal verklappt. Hier fielen die Behälter nur 90 bis 140 Meter tief und liegen nur rund 20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney.

Schon bei der ersten Suche mit einem Unterwasserroboter entdeckte das Team eine Tonne, äußerlich unversehrt. Beim zweiten Anlauf wurde es wieder fündig: Ein völlig verrostetes Fass geriet ins Visier der Kamera.

Der von Rost zerfressene Behälter versinnbildlicht das damalige Entsorgungskonzept: Dilution is the solution (Verdünnung ist die Lösung). „Die Fässer waren nicht konzipiert, um einen dauerhaften Einschluss der Radionukleide am Meeresboden zu gewährleisten. Insofern muss davon ausgegangen werden, dass sie zumindest teilweise nicht mehr intakt sind und Radionukleide freigesetzt wurden“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Grünen im August 2012.

Wird im Meer alles verdünnt?

Doch was genau geschieht am Meeresboden? Nur vereinzelt gab es in der Vergangenheit Forschungsfahrten in die Versenkungsgebiete. So machte die damalige Bundesforschungsanstalt für Fischerei mit ihrem Schiff „Walter Herwig III“ in den Jahren 1996, 1998 und 2000 Fahrten in die Iberische Tiefsee vor Spanien, um zu prüfen, ob sich in den dortigen Meerestiefen von 4700 Meter radioaktive Spuren im Ökosystem Meer finden lassen. Gesucht wurde nach Plutonium, Cäsium und Strontium.

„Die ermittelte Gesamt-Plutonium-Aktivität war nicht signifikant von der des Vergleichsgebietes oder des übrigen Atlantiks verschieden“, heißt es in der Regierungsantwort im August 2012. Auch für Cäsium-137 und Strontium-90 seien keine erhöhten Aktivitäten gemessen worden. Zudem seien andere Studien zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko, dass die Radioaktivität über Meerestiere in „höher gelegene Wassertiefen der kommerziellen Fischerei“ transportiert wird, vernachlässigbar sei.

Der französische Molekularbiologe Pierre Barbey (Universität Caen) sieht das anders: Über die Nahrungskette könne sich die Radioaktivität anreichern, sagte er dem Sender Arte, wenn Fische am Meeresboden fressen, könnten sie die Radioaktivität in höhere Wasserschichten transportieren.

„Über die Nahrungskette kommt die Strahlung nach oben“, sagt auch Greenpeacerin Neubronner. Zudem könnten Meeresströmungen die radioaktiven Altlasten weiträumig transportieren. Sie fordert, die ehemaligen Versenkungsgebiete zu kartieren und nach den Hinterlassenschaften des frühen Atomzeitalters zu suchen. Dort, wo noch intakte Fässer liegen, sollten diese geborgen werden.

Auch Wiederaufbereitung schadet der Umwelt

Allerdings weist Neubronner auch darauf hin, dass die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague am Nordwestzipfel Frankreichs und Sellafield im Nordwesten an der Irischen See noch heute im noch größerem Maße mit Radioaktivität belasten, wobei Sellafield den Hauptbeitrag leistet. Beide Anlagen nahmen auch ausgediente Brennstäbe aus deutschen Kernkraftwerken entgegen – als Entsorgungsnachweis, damit die deutschen Kraftwerke überhaupt betrieben werden konnten.

Weiträumige Einflüsse der Anlagen zeigten Messungen im Rahmen des Meeresschutzabkommens für den Nordostatlantik OSPAR. Demnach driften Radionukleide aus La Hague durch den Ärmelkanal und von Sellafield mit einem Golfstrom-Ableger in die Nordsee und darüber hinaus bis nach Nordnorwegen und in die Barentssee. Auch Untersuchungen des Thünen-Instituts für Fischerei (ehemals Bundesforschungsanstalt für Fischerei) zeigten den Einfluss der Wiederaufarbeitungsanlagen in der Nordsee.

Nach dem in 2011 veröffentlichten Bericht waren Ostseefische noch durch den Reaktor-GAU in Tschernobyl belastet, Sprotten und Heringe der Nordsee jedoch durch die Wiederaufarbeitungsanlagen. „Seit Ende der 1990er Jahre überwog in dem Sellafield-Eintrag in die Nordsee das aus dem Sediment der Irischen See remobilisierte ,alte‘ Sellafield-Cäsium-137 gegenüber den deutlich reduzierten direkten jährlichen Einleitungen“, heißt es in dem Bericht. Auch in der Irischen See schlummert also eine atomare Altlast.

viaRadioaktivität : Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal – Nachrichten Wissenschaft – Natur & Umwelt – DIE WELT.

Erneut radioaktive Stoffe aus AKW Fukushima ausgetreten

Im Grundwasser nahe der japanischen Atomruine Fukushima ist nach Angaben der Betreiberfirma erneut stark erhöhte radioaktive Belastung gemessen worden. Werte der radioaktiven Substanz Cäsium-134 seien seit Freitag um das 90-fache angestiegen auf 9000 Becquerel pro Liter gestiegen, gab die Betreiberfirma Tepco bekannt. Der zulässige Grenzwert liegt bei 60 Becquerel. Zudem seien stark erhöhte Konzentrationen von Cäsium-137 gemessen worden.Erst im Juni waren an der Stelle erhöhte Werte der Substanzen Strontium-90 und Tritium gemessen worden. Gemessen wurde in einem Testbrunnen in der Nähe des Turbinenhauses von Reaktor 2, nur wenige Meter vom Meer entfernt. Radioaktives Cäsium, Strontium und Tritium können im Körper zu Strahlenschäden führen.

viaErneut radioaktive Stoffe aus AKW Fukushima ausgetreten | tagesschau.de.

US-Atomruine Hanford: Sechs lecke Atommüll-Tanks verseuchen Grundwasser – Katastrophen

Neuer Vorfall in der US-Atomanlage Hanford: Sechs der 149 Atommüll-Tanks sind undicht, mittlerweile 1,8 Billionen Liter Wasser verseucht. Hanford ist der radioaktiv am schwersten verstrahlte Ort der westlichen Hemisphäre. Gouverneur Jay Inslee behauptet: Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.Im Atommülllager von Hanford im US-Bundesstaat Washington sind Lecks an sechs unterirdischen Behältern entdeckt worden. Es bestehe aber keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung, erklärte der Gouverneur des Bundesstaats, Jay Inslee, am Freitag Ortszeit.Trotz allem sei dies eine „beunruhigende Nachricht“ für alle Einwohner des Bundesstaats, sagte Inslee nach einem Treffen mit Energieminister Steven Chu in Washington. So werfe die Entdeckung der Lecks die Frage auf, wie sicher die fast 150 weiteren Behälter in Hanford seien, in denen radioaktiver Müll lagere.Umgebung kontaminiertBetroffen ist die Hanford Nuclear Reservation, die 1943 im Rahmen des Manhattan-Projekts zum Bau der ersten Atombombe gegründet wurde. Schätzungen zufolge treten dort je nach Tank zwischen knapp 70 Liter und 1100 Liter pro Jahr aus.Auf dem Gelände mit einer Fläche von rund 1500 Quadratkilometern – etwa zweimal so groß wie Hamburg – wurde noch bis 1989 mit Plutonium gearbeitet. Wie „CNN“ berichtet, lagert hier fast das gesamte Atommaterial, das für den Kalten Krieg produziert wurde.1,8 Billionen verseuchtes WasserDie US-Umweltbehörde EPA schätzt, dass in Hanford über Jahrzehnte insgesamt 1,8 Billionen Liter verseuchtes Wasser ausgetreten sind. Die milliardenteuren Aufräumarbeiten dürften sich noch Jahre hinziehen. Die Beseitigung der Umweltschäden könnte etwa 114,8 Milliarden Dollar verschlingen, schätzt „The Ballingham Herald“ in seiner Onlineausgabe. Möglicherweise wird sich die Sanierung bis 2060 oder sogar bis 2070 hinziehen, schreibt das Portal.Das Energieministerium bestätigte die undichten Stellen an den Behältern und erklärte, mit den Behörden des Bundestaats sowie „anderen Partnern“ zusammenzuarbeiten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bestehe indes nicht, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die US-Armee produzierte früher in der Anlage in Hanford, rund 300 Kilometer südöstlich von Seattle, Plutonium für Atombomben. Heute lagern dort Unmengen an Nuklearabfällen.

viaUS-Atomruine Hanford: Sechs lecke Atommüll-Tanks verseuchen Grundwasser – Katastrophen – FOCUS Online – Nachrichten.