IPPNW: Fukushima-Folgen werden vertuscht

Vertuscht, verharmlost und verschwiegen: Mit scharfen Worten kritisiert die internationale Ärzteorganisation IPPNW die japanische Regierung. Drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe werde jegliche Untersuchung möglicher strahlenbedingter Erkrankungen verhindert, sagte die Vertreterin der deutschen IPPNW-Sektion, Angelika Claußen, in Berlin. Der Verdacht liege nahe, dass die Behörden kein tieferes Interesse an der Aufklärung gesundheitlicher Folgen der Katastrophe hätten.

Ärzte würden in Japan von Regierungsberatern, Krankenversicherungen und Fachverbänden unter Druck gesetzt, wenn sie die medizinische Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima erforschen wollten. Unter anderem seien dadurch spezifische Blutuntersuchungen verhindert worden, berichtete Angelika Claußen.

Die „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) sind ein Zusammenschluss von Medizinern aus mehreren Ländern, die sich unter anderem für die Abrüstung atomarer Waffen einsetzen. 1985 wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

„Täglich neue Lecks“

IPPNW befürchtet einen Anstieg der Säuglingssterblichkeit oder eine Häufung von Leukämieerkrankungen bei Säuglingen wie nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl. Statistiken, mit denen solche Veränderungen untersucht werden könnten, lägen aus Japan jedoch nicht vor. Es sei lediglich eine gestiegene Anzahl von Schilddrüsenkrebsfällen festgestellt worden. Allerdings würde die Präfektur Fukushima bestimmen, wer entsprechende Krebs-Screenings durchführen dürfe, heißt es.

Die japanische Journalistin Oshidori Mako teilt diese Kritik: „Der Unfall ist noch nicht unter Kontrolle“, sagte sie in Berlin. Jeden Tag würden neue Strahlenlecks entdeckt. Zugleich versuchten die Behörden von den Folgen der Radioaktivität abzulenken. Dazu würden etwa Schulen oder Einrichtungen gezwungen, Lebensmittel aus der Region Fukushima zu verwenden, um deren Unbedenklichkeit zu demonstrieren. Eine freie Berichterstattung über die Atomkatastrophe werde es auch künftig nicht geben, befürchtet Oshidori Mako und verweist auf ein Ende 2012 verabschiedetes Gesetz zum besseren Schutz von Staatsgeheimnissen. Die Journalistin steht unter Beobachtung der japanischen Regierung.

„Viele Opfer, keine Anklagen“

Am Wochenende hatten in der japanischen Hauptstadt Tokio mehrere hundert Menschen dagegen protestiert, dass noch immer niemand für die Atomkatastrophe juristisch zur Verantwortung gezogen wurde. „Es gibt viele Opfer, aber keine Anklagen“, sagte die Organisatorin der Veranstaltung, Ruiko Muto. Im Jahr 2012 hatten 15.000 Betroffene eine Klage gegen den Atomkraftwerkbetreiber Tepco eingereicht. Im September 2013 entschied die Staatsanwaltschaft jedoch, keine Anklage zu erheben. Dagegen läuft ein Berufungsverfahren.

Bei dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011 war das Kernkraftwerk Fukushima so schwer beschädigt worden, dass die Kühlanlagen ausfielen und es in der Folge zu einer Kernschmelze in mehreren Reaktoren kam. Nach dem Desaster wurde eine Sperrzone um das Kraftwerk eingerichtet, rund 160.000 Menschen verließen das Katastrophengebiet.

viaIPPNW: Fukushima-Folgen werden vertuscht | Aktuell Asien | DW.DE | 03.03.2014.

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Gefahr für Atomunfälle wächst in Europa

Die Gefahr eines großen Atomunfalls wächst in Europa. Derzeit sind in der EU, der Schweiz und der Ukraine 151 Atomkraftwerke in Betrieb – davon sind 66 Reaktoren älter als 30 Jahre und 25 Reaktoren sogar über 35 Jahre. „Wenn man sich anschaut, dass die Reaktoren meistens für eine Laufzeit von nur 30 Jahren ausgelegt sind, haben sie ihre Lebensdauer einfach schon überschritten“, warnt Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedel.

Laut der 146 Seiten umfassenden Studie, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat, wächst die Gefahr aus mehreren Gründen: In vielen Ländern sollen die Atomkraftwerke zukünftig wesentlich länger betrieben werden als ursprünglich geplant, und zudem mehr Strom erzeugen. Die Leistungserhöhung belaste die Kraftwerke jedoch zusätzlich und zusammen mit der Alterung wächst die potenzielle Bedrohung für die Sicherheit.

Altanlagen sind besonders riskant

Die Probleme der Altanlagen entstehen nach Angaben der Experten zum einen durch physische Alterung der Komponenten, Systeme und Bauwerke, zum anderen aufgrund des veralteten technischen und konzeptionellen Aufbaus. So wurden früher geringere Anforderungen an die Sicherheit gestellt als dies heute der Fall wäre. Alte Kernkraftwerke sind so oft schlechter gegen Hochwasser, Erdbeben oder Flugzeugabsturz gerüstet, erklärt Nuklearexpertin Simone Mohr vom Öko-Institut in Darmstadt und Mitautorin der Studie. „Alle genannten Aspekte führen zu einer fortschreitenden Absenkung des Sicherheitsniveaus der älteren Reaktoren in Europa“.

Nach Einschätzung von Mycle Schneider, Herausgeber des jährlich erscheinenden „World Nuclear Industry Status Report“, kommt noch ein weiteres Risiko hinzu. Schneider bezeichnet es als Kompetenzlücke: Denn EDF als größter Atomkraftwerksbetreiber der Welt wird „innerhalb von fünf Jahren etwa die Hälfte des Betriebspersonal ersetzen müssen“, dadurch ginge wichtiges Fachwissen in den Kraftwerken verloren, besonders in Krisenfällen wäre auch dies ein Problem, sagt Schneider.

Betreiber sollen für Risiken selber haften

Nach Ansicht von Greenpeace reagieren weder die Betreiber noch Politik und Atomaufsicht auf die wachsenden Gefahren. Problematisch dabei ist auch, dass Atomkraftwerksbetreiber für nukleare Unfälle nur sehr begrenzt haften. Die Experten der Studie fordern, dass die Kraftwerksbetreiber und Zulieferer das komplette Haftungsrisiko übernehmen und nicht mehr Staat und Steuerzahler das Risiko eines Unfalles tragen. Zum einen würden so die künstlichen Wettbewerbsvorteile der Atomkraft abgebaut, zum anderen würden für die Betreiber wirtschaftliche Anreize geschaffen, das Risiko eines Atomunfalls zu senken. Eine höhere Haftpflicht „käme nicht nur den Opfern eines Unfalls zugute, sondern hätte eine wichtige Präventivwirkung“, schreiben die Experten.

Um die Sicherheitsrisiken bestmöglich zu minimieren, schlagen die Autoren der Studie ein kollektives Haftungssystem der Kraftwerksbetreiber vor. „Die Zusammenlegung der unbeschränkten Haftung für ganz Europa würde die Betreiber motivieren sich gegenseitig zu kontrollieren.“

Aufforderung an die Politik

Angesichts des zunehmenden Risikos zeigt sich Greenpeace besorgt und fordert dringend Maßnahmen. Neben dem schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien, zählt die sofortige Abschaltung von Atomreaktoren – die älter als deren ursprüngliche Auslegungsdauer sind – dazu. Darüber hinaus fordert Greenpeace die „volle Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit an den Entscheidungsprozessen“.

Zeitgleich zur Greenpeacestudie veröffentlichte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Studie zu einem ähnlichen Aspekt. Nach Berechnungen der technischen Universität Wien und der Stiftung Umweltenergierecht Würzburg kann Europa bis 2030 komplett aus der Atomkraft aussteigen und dies auch mit den ambitionierten Klimazielen vereinbaren.

viaGefahr für Atomunfälle wächst in Europa | Wissen & Umwelt | DW.DE | 05.03.2014.

Japan : Atom-Befürworter gewinnt Gouverneurswahl in Tokio

Ein Atomkraft-Befürworter hat nach Medienberichten die Wahl zum Gouverneur der japanischen Hauptstadt Tokio gewonnen. Ersten Prognosen zufolge lag der frühere Gesundheitsminister Yoichi Masuzoe am Sonntag vor seinen Herausforderern, wie der Fernsehsender NHK und andere japanische Medien berichteten. Die Wahlbeteiligung war mit rund 34 Prozent sehr niedrig.

Der Urnengang galt als Stimmungstest für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe und die künftige Atompolitik in Japan. Der bisherige Gouverneur Naoki Inose war im Dezember wegen eines Spendenskandals zurückgetreten.

Abes Regierung ist grundsätzlich für die weitere Nutzung der Atomenergie und den Bau neuer Reaktoren, sieht sich aber mit starken Vorbehalten in der Bevölkerung konfrontiert. Das Atomkraftwerk Fukushima war 2011 von einem Erdbeben und einem Tsunami schwer beschädigt worden, die Umgebung wurde weiträumig radioaktiv verstrahlt.

Insgesamt traten 16 Bewerber zur Wahl des Gouverneurs an, unter ihnen auch der frühere Regierungschef Morihiro Hosokawa. Hosokawa hatte für den Ausstieg aus der Atomenergie geworben.

viaJapan : Atom-Befürworter gewinnt Gouverneurswahl in Tokio – Nachrichten Politik – Ausland – DIE WELT.

Fukushima: Japan lockert Bestimmungen für Evakuierungszone

Es ist ein kleiner Schritt zurück in Richtung Normalität. Drei Gemeinden am Rand der Sperrzone von Fukushima werden teilweise wieder freigegeben. Bis zu 16.000 Menschen dürfen in ihre Heimat zurückkehren – dort aber noch nicht übernachten.

Der Schritt sei „die Grundlage für den Wiederaufbau der betroffenen Städte“, sagte Wirtschafts- und Handelsminister Yukio Edano am Freitagabend. Bis zu 16.000 der 100.000 aus der Evakuierungszone vertriebenen Menschen können ohne Sondergenehmigung nach Hause zurückkehren – dürfen dort allerdings nicht übernachten. Bürger aus der Stadt Kawauchi müssen dort in bestimmten Gebieten Schutzbekleidung tragen.

Die Städte in den am wenigsten mit Radioaktivität belasteten Bereichen der Zone werden in drei Kategorien eingeteilt. Für die beiden Orte Kawauchi und Tamura treten die neuen Bestimmungen am Sonntag in Kraft, für Minamisoma Mitte April. Teile der Städte werden allerdings weiter wegen hoher Strahlenbelastung gesperrt bleiben. Für acht weitere weniger belastete Gemeinden steht eine Entscheidung noch aus.

Für eine dauerhafte Rückkehr müssen die Gebiete allerdings erst komplett dekontaminiert werden. In den Teilen der Städte mit der höchsten Strahlenkonzentration sei frühestens in fünf Jahren der Zugang wieder erlaubt.

viaFukushima: Japan lockert Bestimmungen für Evakuierungszone – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama.

Wegen fehlerhafter Teile an Brennelementen: Kernkraftwerk Brokdorf nach Inspektion vom Netz genommen

Das teilte das Justizministerium in Kiel und der Betreiber, der Energiekonzern Eon , mit. Es bleibe voraussichtlich bis Freitag abgeschaltet, sagte eine Eon-Sprecherin auf Anfrage.

Bei der Inspektion von Brennelementen aus dem Lagerbecken seien einzelne gebrochene Niederhaltefedern entdeckt worden. Die Brennelemente verfügten über jeweils acht Niederhaltefedern. Sie sollen ein Abheben von Brennelementen beim Betrieb der Anlage verhindern.

Die Brennelemente würden hauptsächlich durch ein unteres und ein oberes Gerüst gehalten, erläuterte die Eon-Sprecherin. Die Federn würden vor allem die Ausdehnung der Brennelemente bei Wärmeentwickung auffangen.

Die Aufsichtsbehörde sei über das meldepflichtige Ereignis der Kategorie N am Mittwoch informiert worden. Die Atomaufsicht habe Sachverständige zur Klärung hinzugezogen.

viaWegen fehlerhafter Teile an Brennelementen: Kernkraftwerk Brokdorf nach Inspektion vom Netz genommen – Wirtschaftsticker – FOCUS Online – Nachrichten.

Energiekonzern E.ON steigt in Brasilien ein

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON steigt in den stark wachsenden brasilianischen Markt ein. E.ON erwerbe zehn Prozent der Anteile an dem brasilianischen Versorger MPX, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Sie bestätigten damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Vortag. E.ON zahle für die Beteiligung rund 350 Mio. Euro.

Die Konzerne kündigten an, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, das in Brasilien und Chile Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 20.000 Megawatt betreiben will. Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2012 über die Bühne gebracht werden. E.ON war seit über einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Auslandsmarkt, da die Wachstumschancen in Europa begrenzt sind.

viaAPA – Austria Presse Agentur – Energiekonzern E.ON steigt in Brasilien ein.

Entdeckung in Chile: Biologen staunen über Riesenvirus

Viren leben nicht, sie lassen sich leben – denn sie sind keine Lebewesen im herkömmlichen Sinn. Statt sich selbständig zu vermehren, nutzen sie die Reproduktionsmaschinerie fremder Zellen, in die sie eindringen und ihr eigenes Erbgut einschleusen. Dafür, so glaubte man lange, reicht einem Virus eine kleine Zahl eigener Gene. Den Rest, der für die Vermehrung notwendig ist, liefere die Wirtszelle.

Doch in den vergangenen Jahren wurden wiederholt große Viren entdeckt, die ein weitaus komplexeres Genom in sich tragen, als eigentlich notwendig wäre. Seither stellen Virologen die Evolution von Viren immer wieder in Frage. Ein Forscherteam um den Genetiker Jean-Michel Claverie vom französischen Wissenschaftszentrum CNRS hat jetzt ein Virus entdeckt, das alle anderen in den Schatten stellt: Megavirus chilensis, wie die Forscher den Erreger nennen, ist nicht nur in seiner Dimension größer als alle bisher bekannten Viren. Es besitzt auch das bislang größte Genom.

So groß wie ein Bakterium

Wie die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten, besteht das Erbgut von Megavirus chilensis aus 1.259.197 Basenpaaren, den einzelnen Bausteinen der DNA. Darin befinden sich den Genetikern zufolge rund 1100 Gene – jene Baupläne, aus denen die Wirtszelle Proteine herstellt. Rekordhalter war zuvor das Mimivirus, das im Wasser lebende Amöben befällt und mit einem Durchmesser von rund 400 Nanometern etwa so groß ist wie ein kleines Bakterium. Als Forscher 1992 den Erreger im Wasser eines Kühlturms in England entdeckten, glaubten sie zunächst, dass es sich um eine Mikrobe handele.

Megavirus chilensis aber bringt es nach Angaben von Claverie und seinen Kollegen auf einen Durchmesser von durchschnittlich 440 Nanometern, wie Elektronenmikroskop-Aufnahmen zeigten. Zusammen mit seiner Hülle aus Fibrillen – haarähnliche Strukturen an der Außenseite – misst das Megavirus insgesamt etwa 680 Nanometer. „Man braucht kein Elektronenmikroskop, um es zu sehen“, sagte Claverie der britischen BBC. „Man sieht es auch schon durch ein gewöhnliches Lichtmikroskop.“

Das Riesenvirus befällt ebenfalls im Wasser lebende Amöben und vermehrt sich in ihnen. Im Labor infizierten die Forscher Amöben künstlich mit dem Virus. Dabei fanden sie heraus, dass der Erreger spezielle Strukturen ausbildet: kleine „trojanische Organellen“, die für die Vervielfältigung des Virus sorgen. Claverie und seine Kollegen gehen davon aus, dass das Riesenvirus all seine Gene benötigt, um diese Virenfabrik aufbauen zu können.

Die Biologen hatten das Riesenvirus in Wasserproben an Chiles Pazifikküste nahe des Ortes Las Cruces in Amöben der Art Acanthamoeba castellanii entdeckt. Die Genome von Megavirus chilensis und Mimivirus ähneln sich in vielen Bereichen, schreiben die Forscher. Vor allem die Tatsache, dass das Megavirus eine Reihe von zellulären Genen enthält, die für eine Reproduktion benötigt werden, lege den Schluss nahe, dass die Theorie über die Evolution von Viren geändert werden müsse.

Einige Virologen nehmen an, dass Riesenviren Gene von ihren Wirtszellen übernommen haben und sozusagen aus ihnen entstanden sind. Andere Forscher gehen davon aus, dass die Erreger von parasitischen Einzellern abstammen, die sich im Laufe der Evolution zurückzogen – Experten sprechen von der sogenannten reduktiven Evolution. So glauben die Entdecker des Mimivirus, dass Riesenviren bereits zu Beginn des Lebens auf der Erde entstanden seien. Claverie und seine Kollegen glauben, dass Megavirus chilensis von der gleichen Linie abstammt.

viaEntdeckung in Chile: Biologen staunen über Riesenvirus – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft.