Bilanz von Obamas Drohneneinsätzen

Kein amerikanischer Präsident ordnete je so viele Einsätze gegen Terroristen an wie Barack Obama. Nun hat er erstmals Opferzahlen genannt.

Heikle Informationen werden in Washington gerne veröffentlicht, wenn das Land gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist. Am Freitag war es wieder so weit. Ein langes Wochenende stand bevor, gekrönt von den Barbecues zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli. Nachmittags, als viele Bürger schon auf dem Weg in den Kurzurlaub waren, veröffentlichte der Geheimdienst-Direktor erstmals Zahlen zu den Opfern des geheimen Drohnenriegs gegen Terroristen. Zwischen dem Amtsantritt Barack Obamas im Januar 2009 und dem Jahresende 2015 kamen demnach 64 bis 116 Personen ums Leben, die als „Nicht-Kombattanten“ eingestuft wurden. Die Zahl der getöteten Kombattanten soll hingegen bei 2372 bis 2581 liegen.

Man kann sich die Zahlen leichter vergegenwärtigen, wenn man sie auf die Zahl der Angriffe umrechnet, insgesamt 473: Im Durchschnitt wurden bei jeder Drohnenattacke fünf Terroristen getötet, bei jeder fünften starb ein Zivilist. Die Angaben beziehen sich auf verdeckte Einsätze gegen Al Qaida und ihre Verbündeten in Pakistan, Jemen und Somalia. Die Angriffe werden in der Regel vom Auslandsgeheimdienst CIA geführt, während das amerikanische Militär für Operationen in Kriegsgebieten zuständig ist. Derzeit sind das Afghanistan, der Irak und Syrien. Allerdings lassen sich die Programme nicht exakt auseinander halten. Denn Obama übertrug 2013 Kompetenzen von der CIA an das Militär, und im Jemen operieren beide gemeinsam.

Quelle: Bilanz von Obamas Drohneneinsätzen

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US-Drohnen töten 76 Kinder statt diesen Mann

Der Ägypter Aiman al-Zawahiri gilt seit dem Tod von Osama Bin Laden als Nummer eins der Terrorgruppe Al Kaida. Seit Jahren versucht das US-Militär, den Mann zu töten, unter anderem mit zwei Drohnenangriffen im Jahr 2006. Zawahiri überlebte – im Gegensatz zu 76 Kindern und 29 Erwachsenen, die bei den Attacken starben.

Auch der Taliban-Führer Qari Hussain sollte durch Drohnen getötet werden: Sechs Versuche waren nötig, bis er tödlich verletzt wurde – neben insgesamt 115 Erwachsenen und 13 Kindern.

41 Terroristen im Visier – 1147 Menschen tot

Das sind zwei Ergebnisse, die die Menschenrechtsorganisation Reprieve in einer neuen Studie vorlegt. Die Organisation wertete Berichte aus, welche das Bureau of Investigative Journalism gesammelt hatte. Untersucht wurden Angriffe in Jemen und Pakistan zwischen November 2002 und November 2014.

Die Bilanz ist bitter: Für 41 Männer, die im Visier der Drohnenangriffe waren, verloren mindestens 1147 Menschen das Leben. In Jemen sorgten Angriffe gegen 17 Terroristen für 273 Tote, in Pakisten starben 874 Menschen (darunter 142 Kinder) bei Attacken auf 24 Terroristen.

Alles streng geheim

Das Resultat steht in krassem Gegensatz zu den Angaben der USA zu ihren Drohnenangriffen. Als «hochpräzis» bezeichnen US-Regierungsmitglieder, die Nachrichtendienste und die Armee diese. «Wir feuern Drohnen nur gegen eindeutig identifizierte, hochrangige Terroristen, und das auch nur nach gründlichen Abklärungen», sagte etwa Aussenminister John Kerry vergangenes Jahr laut «The Guardian». Drohnenangriffe gelten denn auch als das bevorzugte Mittel von Präsident Barack Obama im Kampf gegen Terroristen.

Die Drohnenangriffe werden von den US-Behörden unter Verschluss gehalten. Die Regierung veröffentlicht nur vereinzelte Erfolgsmeldungen. Menschenrechtsorganisationen und Investigativjournalisten stützen sich bei ihren Recherchen auf Berichte von Menschen vor Ort, wie « The Guardian» weiter berichtet.

via20 Minuten – US-Drohnen töten 76 Kinder statt diesen Mann – News.

Geheimdienst CIA: Obama gesteht Folter nach 9/11 ein

US-Präsident Barack Obama hat die Folter von Terrorverdächtigen durch den Geheimdienst CIA nach den Angriffen vom 11. September 2001 ausdrücklich als Fehler bezeichnet. „Wir haben einige Dinge gemacht, die falsch waren“, sagte Obama. „Wir haben einige Leute gefoltert. Wir haben einige Dinge gemacht, die unseren Werten widersprochen haben.“

Der Präsident sagte allerdings auch, die Nervosität und der Druck bei den Sicherheitsbehörden seien nach den Anschlägen von Al-Kaida auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington sehr groß gewesen. „Die Leute wussten nicht, ob weitere Attacken unmittelbar bevorstehen“, sagte er.

Die USA hatten nach den Anschlägen vom 11. September unter Obamas Vorgänger George W. Bush ein weltweites System aufgebaut, um mutmaßliche Al-Kaida-Anhänger zu verhören. Die Verdächtigen wurden verschleppt, ohne richterlichen Beschluss an geheimen Orten außerhalb der USA festgehalten und mit brutalen Methoden befragt. Nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 beendete Obama das Programm. Der Geheimdienstausschuss des Senats leitete eine Untersuchung ein und verfasste im Dezember 2012 einen 6.300 Seiten umfassenden Bericht, der mit dem Geheimdienst CIA hart ins Gericht geht.

Die Ergebnisse sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Dass dieser Bericht sehr kritisch ausfallen wird, ist bereits bekannt. Er erzähle „eine Geschichte, auf die kein Amerikaner stolz ist“, heißt es in einer internen Stellungnahme des Außenministeriums.

Obama spricht von Folter

Obama äußerte die Hoffnung, dass dieses schwierige Kapitel der Geschichte der USA durch die Veröffentlichung aufgearbeitet werde. „Wenn wir einige dieser verstärkten Verhörtechniken angewandt haben – Techniken, die ich und jeder aufrichtige Mensch für Folter halten würden – haben wir eine Grenze überschritten“, sagte er. „Das muss verstanden und akzeptiert werden.“ Die USA müssten Verantwortung übernehmen, damit sich so etwas in Zukunft nicht wiederhole.

Die CIA selbst vermeidet den Begriff Folter und spricht stets von „erweiterten Verhörmethoden“. Dazu gehören das berüchtigte Waterboarding (simuliertes Ertränken), Dunkelhaft und der Zwang, in Dauerbeschallung mit Musik oder schmerzhafter Körperstellung auszuharren. Auch Obamas Vorgänger George W. Bush und dessen enge Berater nehmen das Wort Folter bis heute nicht in den Mund.

Der Präsident sprach auch die Affäre um das Ausspähen von Senatsmitarbeitern an, die vor einigen Jahren den Bericht über den Umgang mit Terrorverdächtigen verfasst hatten. Eine interne Untersuchung der CIA mache deutlich, dass Vertreter des Geheimdienstes „sehr schlechtes Urteilsvermögen“ bewiesen hätten. CIA-Chef John Brennan sprach Obama aber sein volles Vertrauen aus. Brennan habe sich für die Aufklärung des Skandals eingesetzt und einen Arbeitsstab eingerichtet, „um sicherzustellen, dass die Lektionen gelernt und die Fehler beseitigt werden“.

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Geheimdienste: Verfassungsschutz übermittelt mehr Daten an US-Dienste

Der Bundesamt für Verfassungsschutz hat seine Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten in den vergangenen Jahren ausgebaut. Das gehe aus geheimen Regierungsdokumenten hervor, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Demnach hat die Zahl der Datensätze erheblich zugenommen, die der Verfassungsschutz an US-Dienste übermittelt. Teil der Daten sollen unter anderem Handynummern, Reisebewegungen und Aufenthaltsorte verdächtiger Personen sein.

Im Jahr 2013 soll der Verfassungsschutz 1.163 Datensätze an die US-Geheimdienste geschickt haben, schreibt das Blatt. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es bereits knapp 400. Die Zahl soll sich in den vergangenen vier Jahren verfünffacht haben.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR übermittelte der Verfassungsschutz die Daten zuletzt an die Nachrichtendienste des US-Heeres und der Luftwaffe sowie an die Bundespolizei FBI. Insgesamt seien aber die meisten Daten an den US-Geheimdienst CIA gesendet worden.

Der Verfassungsschutz darf als Inlandsgeheimdienst nur in Deutschland arbeiten. Die an die US-Dienste weitergegebenen Daten könnten somit in Deutschland erhoben worden sein, schreibt die SZ weiter.

Bereits im vergangenen September war bekannt geworden, dass die CIA mit dem Bundesnachrichtendienst und dem Verfassungsschutz ein gemeinsames Geheimprojekt betrieben hatte. Die Nachrichten sollten unter dem Namen Projekt 6 eine Anti-Terror-Datenbank aufgebaut haben, berichtete der Spiegel. Die Software PX soll es Spionen ermöglicht haben, das Umfeld von mutmaßlichen Terrorunterstützern zu untersuchen.

Der frühere Verfassungsschutzchef Heinz Fromm sagte unterdessen, er habe erst durch die Enthüllungen von Edward Snowden vom US-Spähprogramm Prism gehört. Den Begriff Prism habe er zuvor nicht gekannt, sagte er als Zeuge vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Dort wird seit fast zwei Jahren gegen mutmaßliche Terroristen einer Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle ermittelt.

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Illegale CIA-Gefängnisse: Menschenrechtsgericht ermittelt gegen Polen

Im Zusammenhang mit illegalen Anti-Terroraktionen des US-Geheimdienstes CIA hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Dienstag Vorwürfe gegen Polen geprüft. Die beiden Kläger, ein Palästinenser und ein Mann aus Saudi-Arabien, werfen der Regierung in Warschau vor, sie habe ihre monatelange Inhaftierung in einem geheimen CIA-Gefängnis in Polen und ihre spätere Verschleppung in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba geduldet.

Die heute 42 und 48 Jahre alten Männer werden seit 2003 unter Terrorverdacht in Guantánamo festgehalten – ohne jedes Gerichtsurteil. Die polnische Regierung habe mit der CIA zusammengearbeitet, sie habe die Inhaftierung und Folter der Verdächtigten „in voller Kenntnis der Umstände“ erlaubt, betonte die Anwältin des saudiarabischen Klägers, Amrit Singh. Ihr Klient sei wiederholt gefoltert worden. Die Peiniger hätten ihm außerdem gedroht, sie würden seine Mutter vorladen und vor seinen Augen sexuell missbrauchen.

Die Straßburger Richter müssten der Straffreiheit der Verantwortlichen in Polen ein Ende zu setzen, plädierte die Anwältin. „Die Verschwörung des Schweigens muss gebrochen und der Rechtsstaat muss verteidigt werden.“

Der Rechtsvertreter der polnischen Regierung, Artur Nowak-Far, nahm während der dreistündigen Anhörung zu den Vorwürfen nicht Stellung. Er verwies auf die in Polen laufenden Ermittlungen, die vertraulich seien. Nach seinen Angaben wurden die Ermittlungen im Jahre 2008 eingeleitet – fünf Jahre nach der Verschleppung der beiden Männer – und sind noch nicht abgeschlossen.

Fünf Jahre lang habe der polnische Staat nichts unternommen, kritisierte der Anwalt des palästinensischen Klägers, Mikolaj Pietrzak. Polen habe sich auch nicht an den Untersuchungen des Europarats zu den Aktivitäten der CIA in Europa beteiligt. Und heute arbeite Warschau nicht mit dem Gerichtshof für Menschenrechte zusammen. Mit dem Urteil des Straßburger Gerichts ist nicht vor mehreren Monaten zu rechnen.

Ähnliche Klagen gegen Rumänien und Litauen

Polen ist nicht das einzige europäische Land, dem vorgeworfen wird, illegale Praktiken der USA im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Qaida geduldet oder sogar unterstützt zu haben. Ähnliche Klagen sind derzeit vor dem Straßburger Gericht gegen Rumänien und Litauen anhängig.

Im Dezember 2010 hatte der Gerichtshof für Menschenrechte bereits Mazedonien wegen des Falls Khalid El Masri verurteilt. Der aus dem Libanon stammende Deutsche war in der mazedonischen Hauptstadt Skopje festgenommen, der CIA übergeben und später in einem Gefängnis in Afghanistan misshandelt worden. Die US-Agenten hatten ihn fälschlicherweise bezichtigt, Verbindungen zu Al-Qaida zu haben. Die Richter in Straßburg verurteilten Mazedonien zu einer Schadensersatzzahlung von 60.000 Euro an El Masri.

Bisher habe nur Italien einen seiner Agenten wegen der Unterstützung illegaler Aktivitäten verurteilt, betonte Ben Emmerson, der bei den Vereinten Nationen für den Schutz der Menschenrechte im Zuge der Terror-Bekämpfung zuständig ist. Dabei ging es um einen ägyptischen Imam, der in Mailand auf offener Straße entführt und nach Ägypten verschleppt wurde. Dafür wurden 23 CIA-Mitarbeiter im Dezember 2010 von einem Mailänder Berufungsgericht in Abwesenheit zu Haftstrafen zwischen sieben und neun Jahren verurteilt.

viaIllegale CIA-Gefängnisse: Menschenrechtsgericht ermittelt gegen Polen – WSJ.de.

Bericht der Vereinten Nationen: US-Drohnen töteten in Pakistan mindestens 400 Zivilisten

Die Vereinten Nationen beschuldigen die USA, dass bei amerikanischen Drohnenangriffen weit mehr Zivilisten getötet wurden, als die Regierung bislang eingeräumt hat. Ein 24-seitiger Bericht des UN-Sondergesandten Ben Emmerson hier als PDF spricht von mindestens 400 toten Zivilisten allein in Pakistan seit 2004. Die neuen, explizit \“vorläufigen\“ Zahlen beruhen auf Informationen der pakistanischen Regierung, die Emmerson mit Berichten unabhängiger Organisationen und Medien verglichen hat.

Zahlen der USA gibt es nicht, was in dem Bericht ebenfalls kritisiert wird. Die Vereinten Nationen fordern daher von der amerikanischen Regierung, jeden Drohnenangriff offenzulegen, bei dem Zivilisten zu Schaden kamen. Es sei nicht akzeptabel, dass unter Berufung auf die nationale Sicherheit statistisches Material dieser Art zurückgehalten werde, sagte der UN-Sondergesandte für den Schutz der Menschenrechte und der Grundrechte in der Terrorismus-Bekämpfung.

Wenn die USA Drohnen losschicken, ist praktisch immer der Geheimdienst CIA an der Aktion beteiligt und oft auch der Nachrichtendienst NSA. Der äußert sich grundsätzlich nicht zu Berichten über \“Anti-Terror\“-Operationen. Die UN kritisieren, mit der Einbindung der CIA habe die Regierung \“ein fast unüberwindliches Hindernis für Transparenz\“ geschaffen. Das mache es unmöglich, die Zahl der zivilen Opfer in Pakistan, Somalia, dem Irak und dem Jemen abzuschätzen.

Menschenrechtsaktivisten kritisieren die Angriffe seit langer Zeit.

Dem Sender NBC sagte der Sondergesandte, es gebe keinen Grund, die Zahlen der pakistanischen Regierung anzuzweifeln. Man habe 33 Drohnenanschläge in Pakistan identifiziert, die sehr wahrscheinlich Zivilisten getötet hätten. Insgesamt starben bei Angriffen mit Drohnen in Pakistan mindestens 2.200 Menschen.

Genaue Opferzahlen zu berechnen, sei schwierig, da es unterschiedliche Definitionen von „Zivilist“ gebe. Die pakistanischen Behörden würden – im Unterschied zur US-Regierung – einen Hausbesitzer, der Al-Kaida-Mitglieder beherberge, als „Nicht-Kombattanten“ einstufen.

Nach dieser Definition sind bei den Drohnenangriffen in Pakistan demnach nicht nur 400 Zivilisten, sondern auch 200 „Nicht-Kombattanten“ getötet worden.

Wer ist Zivilist, wer ist Kämpfer?

Die USA hingegen definieren den Begriff Kombattant sehr viel weiter, daher werden nach ihrer Rechnung sehr viel weniger Zivilisten getötet: Als Militanter oder Kämpfer gilt ihnen praktisch jeder erwachsene Mann, der sich im Gebiet eines Drohneneinsatzes aufhält.

Für den Jemen setzte Emmerson die Zahl der vermutlich durch Drohnen getöteten Zivilisten von 21 auf 58 herauf. Insgesamt starben dort laut dem Bericht 393 Menschen bei Drohnenangriffen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte laut NBC die von Emmerson vorgelegten Zahlen „aussagekräftig“. Es sei das erste Mal, dass ein Ermittler der Vereinten Nationen seinem Bericht spezifizierte Opferzahlen für Zivilisten angefügt habe. Alle Zahlen seien aber nur Schätzungen, „wir bewegen uns alle in einem Informations-Blackout“.

Emmerson schrieb außerdem von „einer Reihe offener juristischer Fragen“ beim Kampf mit Drohnen. Diese könnten nur international beantwortet werden. Der Brite fürchtet, dass der Einsatz von Drohnen unkontrollierbar wird. Immer mehr Länder würden die unbemannten Flugkörper beschaffen. Er forderte daher auch Israel und Großbritannien auf, ihre Daten zu Drohnenangriffen offenzulegen.

Emmersons Bericht soll am 25. Oktober der UN-Vollversammlung präsentiert werden. Das Weiße Haus kündigte eine sorgfältige Prüfung des Berichts an.

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Terrorangst hilft USA bei Wirtschaftsspionage

Die im digitalen Zeitalter anfallenden Datenberge bieten Geheimdiensten, Unternehmen und Finanzmarktakteuren völlig neue Möglichkeiten, um Wirtschaftsspionage zu betreiben. Dabei spielen die im Zuge der globalen Terrorbekämpfung beschlossenen diversen Datenabkommen vor allem einem Akteur in die Hände – den USA.

Dass Geheimdienste ihre Ressourcen zur Stützung der heimischen Wirtschaft einsetzen und auch kaum davor zurückschrecken, Wirtschafts- und Industriespionage im Dienste des eigenen Landes zu betreiben, ist seit Jahrzehnten Teil des politischen Geschäfts. Allein in Österreich soll sich das Schadenspotenzial auf drei bis zehn Milliarden Euro jährlich belaufen. Um Marktbewerber (anderer Nationen) aus dem Rennen zu werfen oder an der Börse den entscheidenden Vorsprung zu haben, wird das dafür notwendige „Vorwissen“ aber zunehmend aus den wachsenden digitalen Datenbergen filtriert.

Strategien statt Produkte

„Technisch hoch entwickelte Staaten wie die USA sind mittlerweile weniger an konkreten Technologien oder Produkten interessiert als an Markt- und Absatzstrategien“, meint Datenexperte Friedrich Wimmer. Beim Security Forum des Hagenberger Kreises vergangene Woche warnte Wimmer vor der Gefahr der „unbeherrschbaren externen Datenhalden“, die sich zum Teil ohne Zutun und ohne Kontrolle der Unternehmen anhäufen.

Seit längerem in der Kritik steht etwa das SWIFT-Abkommen „Terrorist Finance Tracking Programme“ (TFTP), das den Austausch von europäischen Bankdateninformationen mit den USA regeln soll. Offiziell zur Terrorismus-Bekämpfung eingesetzt, erlaubt das Abkommen den USA auf Verdacht den Zugriff auf die von über 8800 Banken und Finanzinstitute kommunizierten Kontobewegungen ihrer Kunden. Datenschützer, aber auch EU-Parlamentarier warnen hingegen, dass die USA sich nicht an die Vereinbarungen hält und europäische Bankdaten praktisch uneingeschränkt, ohne Anlass und auf Vorrat speichern.

CIA als Wirtschaftshelfer
Von Ex-CIA-Direktor James Woosley ist laut Wimmer unter anderem die Aussage bekannt, dass „die CIA die nationale amerikanische Industrie im Konkurrenzkampf mit ausländischen Firmen mit allen Mitteln unterstützt“. Als ebenso gesichert gilt, dass sich die CIA nach dem 11. September geheimen Zugriff zum SWIFT-System verschaffen wollte. Ebenfalls gut ins Bild passt zudem, dass die angeblich unabhängige externe Audit-Firma Booz Allen Hamilton unter anderem den genannten Ex-CIA-Direktor sowie den ehemaligen Direktor der National Security Agency (NSA) zu seinen Führungskräften zählt. Booz Allen Hamilton soll eigentlich dafür sorgen, dass die von SWIFT abgefragten Daten nur zur Terrorismus-Verfolgung genutzt wird.

„Über entsprechende Analyse-Tools können Markttrends, aber auch Geschäftsbeziehungen sowie der Lieferanten- und Kundenstamm von Unternehmen leicht aufgedeckt werden“, meint Wimmer im Gespräch mit der futurezone. „Wenn man den SWIFT-Datenpool mit den umfangreichen Zolldaten – etwa im Frachtschiff-Bereich – und schließlich mit den Flug- und Bewegungsdaten verknüpft, kann man sich genaue Profile von Unternehmen und ihren Geschäftsfeldern erstellen“, so Wimmer.

EU gibt USA Daten in die Hand
Erst vergangene Woche hat das EU-Parlament der Weitergabe von Fluggastdaten an die USA zugestimmt. Auch in diesem Fall versicherte die USA stets, das Abkommen solle ausschließlich zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität beschlossen werden. „Der Terrorismus ist leider ein Totschlagargument, der ja auch von Staaten wie Russland ständig angeführt wird, um umstrittene Vorgehensweisen zu rechtfertigen“, sagt Wimmer.

Dass die EU den USA derartige Zugriffsrechte auf Daten einräumt, kann sich der Datenexperte eigentlich nur historisch erklären. „Ich denke, das geht immer noch auf die positiv besetzte Rolle der USA im zweiten Weltkrieg und beim Wiederaufbau zurück. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Staaten wie Russland oder China ähnliche Rechte eingeräumt werden könnten, was derartige Datenabkommen betrifft“, so Wimmer.

Andere Ausgangslage in China

China spiele in puncto Wirtschaftsspionage derzeit aber ohnehin noch in einer anderen Liga. Anders als die USA sei das Land derzeit noch ungleich stärker an Technologien und Produktentwicklungen interessiert, für die das Know-how im Land mitunter noch fehle. Markt- und Absatzstrategien würden derzeit noch eine untergeordnete Rolle spielen. „China ist bislang vor allem durch das Eindringen in Computersysteme aufgefallen“, meint Wimmer.

Dass chinesische Unternehmen sich über manipulierte Hardware – Stichwort Netzwerk-Komponenten und Router –  Zugang zu sensiblen Daten im Ausland verschaffen könnten, hält Wimmer hingegen für weniger wahrscheinlich: „Solange Software so fehleranfällig und angreifbar bleibt, ist es eigentlich nicht notwendig, sich über die Hardware einen Weg in ein System zu schaffen. Der Weg über Software-Bugs hat zudem den Charme, dass eine Backdoor-Absicht der Hersteller nicht nachgewiesen werden kann.“

Gutes Geschäft für Kapitalmarkt-Akteure
Geheimdienste und Konkurrenzunternehmen sind heute nicht die einzigen, die von Wirtschaftsspionage profitieren können. Gerade auch für Kapitalmarktakteure erweist sich der Vorab-Zugang zu volkswirtschaftlichen oder unternehmerischen Entwicklungen als wahre Goldgrube. „Dass man mit Geheiminformationen bzw. einem Informationsvorsprung eine Überrendite erzielen kann, liegt auf der Hand“, so Datenexperte Wimmer. Auch hier sei es wohl kaum ein Zufall, dass gerade die US-Hedgefonds in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erfolgreich waren.

Gefährdeten Unternehmen rät der Datenexperte daher, sich der neuen Bedrohungsszenarien bewusst zu werden. „Die Sichtweise ist insofern eine veränderte, weil ich als Unternehmen nicht nur die internen Daten beschützen muss, sondern auch meine externen Daten berücksichtigen muss, über die ich teilweise gar keine Kontrolle habe.“

Die neuesten Erkenntnisse zum Thema „Wirtschaftsspionage und Intelligence Gathering“ wird Wimmer zusammen mit Co-Autor Alexander Tsolkas in wenigen Monaten in einem Buch beim Springer Verlag veröffentlichen.

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