Wenige Langzeitarbeitslose finden Job

Die Wirtschaft brummt, trotzdem haben Langzeitarbeitslose in Deutschland nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Trick schönt die Statistik.

Trotz der guten Konjunktur haben Langzeitarbeitslose in Deutschland nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Lediglich 13 Prozent der Langzeitarbeitslosen, die im vergangenen Jahr ihre Arbeitslosigkeit beendeten, hätten tatsächlich eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, zitierten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben) aus einer Antwort der Bundesagentur der Arbeit auf eine Anfrage der Linksfraktion. Der überwiegende Teil dieser Langzeitarbeitslosen sei einfach aus der Statistik gestrichen worden.

Danach wechselten im vergangenen Jahr 54 Prozent jener Langzeitarbeitslosen, die nicht mehr als arbeitslos erfasst wurden, offiziell in die Nichterwerbstätigkeit: 36 Prozent wurden als erwerbsunfähig eingestuft, elf Prozent wurden wegen fehlender Verfügbarkeit oder Mitwirkung gestrichen, hinzu kamen Sonderregelungen etwa zum Vorruhestand.

Den zitierten Angaben der Bundesagentur zufolge verharrt die Langzeitarbeitslosigkeit seit Jahren trotz des Aufschwungs auf hohem Niveau: Seit 2011 habe die Zahl der Arbeitslosen, die mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung sind, nur um 2,7 Prozent abgenommen. Sie liege bei 1,04 Millionen.

„Erfolglosigkeit der Regierung“

Die Anfrage an die Bundesagentur hatte die Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, gestellt. Zimmermann sagte den Funke-Zeitungen, die Zahlen belegten „die Erfolglosigkeit und Untätigkeit der Bundesregierung“. Zimmermann forderte eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik, um mehr für Langzeitarbeitslose zu tun: „Es müssen ausreichend Gelder für Weiterbildung und gute öffentlich geförderte Beschäftigung zur Verfügung gestellt werden.“

Zudem müsse über Verpflichtungen für Arbeitgeber nachgedacht werden. Sie dürften nicht wie bisher aus Vorurteilen Langzeiterwerbslose bei Stellenbesetzungen nicht berücksichtigen. Die Arbeitsmarktexpertin warnte, eine Konzentration der Politik nur auf leichter vermittelbare Arbeitslose, die den Rest seinem Schicksal überlasse, sei „mehr als unsozial“.

Quelle: Wenige Langzeitarbeitslose finden Job

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Algorithmische Moral: Wen soll das Roboterauto im Zweifelsfall opfern?

Roboterautos sollen die Zahl der Verkehrsopfer senken. In schlimmen Situationen aber müssen sie zwischen mehreren Übeln wählen. Nur wie? Forscher zeigen, wie janusköpfig wir denken.

Die Fürsprecher autonom fahrender Autos führen ein großes Versprechen im Munde: Wenn einmal Computer selbständig Fahrzeuge steuern, dann kann das Gros der Verkehrsunfälle vermieden werden. Weniger Menschen würden verletzt oder gar getötet. Manche Berechnungen gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller heutigen Unfälle mit autonomen Autos vermeidbar sind. Auf diesem Hoffnungsszenario liegt ein Schatten, nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass ein Fahrer eines Tesla-Autos tödlich verunglückte, der dem Autopiloten seines Fahrzeugs vertraut hatte.

Unabhängig von diesem Todesfall stellt das Konzept autonom fahrender Autos Computer und Algorithmen vor Entscheidungen, die bisher Menschen treffen müssen – und die in Dilemmas enden können. Das verdeutlicht ein unlängst in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Science“ erschienener Artikel.

Der Schutz anderer Verkehrsteilnehmer ist wichtig

Für den Beitrag haben amerikanische und französische Wissenschaftler in sechs nicht-repräsentativen Online-Befragungen im vergangenen Jahr rund 2000 Amerikanern mit unterschiedlichen Fragestellungen konfrontiert. Obwohl die Befragungen unterschiedlich ausgestaltet waren, drehten sie sich im Kern immer um eine Frage: Ob es moralischer wäre, wenn ein autonom fahrendes Auto einen oder auch mehrere Fahrzeuginsassen tötet, um so eine höhere Zahl an Menschenleben außerhalb des Fahrzeugs zu retten? Über alle Befragungen hinweg entschied eine Mehrheit der Teilnehmer, dass der Schutz Außenstehender wichtiger sei. Doch variierten die Zustimmungsraten in den einzelnen Befragungen beträchtlich, je nachdem wie die exakte Fragestellung lautete.

So stimmten zum Beispiel 76 Prozent der rund 180 Teilnehmer der ersten Befragung der Aussage zu, dass es durchaus moralischer sei, wenn ein autonomes Auto einen Fahrzeuginsassen tötet, um zehn Fußgänger zu retten. Später wurden diese Befragten darum gebeten, auf einer Skala von 0 bis 100 anzugeben, ob autonome Autos so programmiert sein sollten, dass sie den Fahrer schützen (0) oder dass sie die Zahl der Todesfälle minimieren (100). Das Medianergebnis lautete dabei 85 – 50 Prozent der Befragten tendierten also deutlich dafür, dass autonome fahrende Autos die Zahl der Todesfälle minimieren sollten.

Kommen Verwandte ins Spiel, wird es kompliziert

In einer zweiten Befragung mit nunmehr 450 Teilnehmern passten die Wissenschaftler sodann die Zahl der Opfer außerhalb des Autos an: Je nach Frage, variierte sie zwischen eins und einhundert. Wenn lediglich ein Menschenleben außerhalb des Autos gerettet werden sollte, waren nun gerade einmal noch 23 Prozent der Befragten dafür, dass der oder die Fahrzeuginsassen geopfert werden sollten. Stieg die Opferzahl außerhalb des Fahrzeug, stieg aber auch wieder die Zustimmung dafür, stattdessen die Fahrzeuginsassen zu opfern und erreichte schnell die Werte der ersten Befragung.

In einer dritten Umfrage stießen die Wissenschaftler dann auf ein Dilemma: Sie wollten von den Teilnehmern unter anderem wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie sich selbst für eines von zwei verschiedenen autonom fahrenden Autos entscheiden: eines, das die Fahrzeuginsassen schützt, und eines, das die Zahl der Opfer außerhalb minimiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Befragten generell immer noch dafür waren, dass ein autonom fahrendes Auto die Zahl der Todesopfer minimieren sollte. Wenn sie oder ihre Familienmitglieder aber selbst in einem solchen säßen, entschieden sie sich im Mittel häufiger für das Fahrzeug, das die Insassen schützt.

Die vierte Umfrage bestätigte diese Einstellung. Darin gaben die Wissenschaftler nun die Programmierung des Autos vor: Wenn Fußgänger auf der Straße wären, würde das Auto diesen stets ausweichen und damit womöglich die Fahrzeuginsassen oder aber unbeteiligte Fußgänger am Straßenrand gefährden. Außerdem variierten sie die Zahl der möglichen Todesopfer außerhalb des Fahrzeugs. Generell bewerteten die Teilnehmer dieser Umfrage nun wieder jenen Algorithmus positiv, der dazu führt, dass ein unbeteiligter Fußgänger am Straßenrand getötet wird, um zehn Menschen auf der Straße zu retten. Weniger Zustimmung erhielt aber jener Algorithmus, der lediglich einen unbeteiligten Fußgänger opfern würde, um einen Menschen auf der Straße zu retten. Der Algorithmus jedoch, der seinen Fahrer opfern würde um zehn Menschen auf der Straße zu retten wurde gemischt eingeschätzt.

Ein Trittbrettfahrer-Problem

In Punkto allgemeiner Moral bewerteten ihn die Befragten sehr positiv. Sie waren auch dafür, dass andere Nutzer autonomer Autos genau diesen Algorithmus verwenden sollten. Wenn es aber darum ging, selbst ein so programmiertes Auto zu kaufen, sank die Zustimmung. Das zeige dreierlei, schreiben die Autoren des „Science“-Beitrags. Zwar befürworten die Befragten autonome Autos, die die Zahl der Todesfälle minimieren und dafür womöglich den Fahrer opfern. Sie fänden auch gut, wenn andere Verkehrsteilnehmer solchermaßen programmierte Autos fahren würden. Aber für sich selbst würden sie sie eben nicht in Erwägung ziehen.

Die Autoren sehen in dieser Reaktion ein klassisches gesellschaftliches Dilemma, das auf dem Feld der Trittbrettfahrer-Theorie fußt. Jeder potentielle Nutzer eines autonomen Autos, das die Zahl der Todesfälle minimieren soll, habe die Versuchung, es eben gerade nicht zu nutzen. So komme es dazu, dass das gesellschaftlich bestmögliche Ergebnis nicht eintrete, nämlich die Verletzten und Toten im Straßenverkehr zu reduzieren.

Regulierung stößt an Grenzen

Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte Regulierung sein, dass also der Gesetzgeber vorgibt, wie ein autonomes Auto programmiert sein muss. In ihren beiden abschließenden Befragungen erkundeten die Wissenschaftler daher, wie die Teilnehmer zur Regulierung stehen. Es stellte sich unter anderem heraus, dass die Neigung sehr gering ist, ein autonom fahrendes Auto zu kaufen, für das der Gesetzgeber vorschreibt, dass es den Fahrer opfert, um Außenstehende zu schützen. Die Autoren schließen daraus, dass Regulierung für autonom fahrende Autos zwar notwendig sei aber auch kontraproduktive Folgen zeitigen könnte. Insbesondere seien Regulierer mit zwei Schwierigkeiten konfrontiert. Auf der einen Seite scheinen die Menschen autonom fahrende Autos nicht zu wollen, die die Zahl der Menschenleben minimieren und dafür womöglich den Fahrer opfern. Schlimmer wiegt aber laut den Wissenschaftler, dass genau diese Art der Regulierung die Einführung der autonomen Autos verhindert, obwohl sie ja eigentlich Menschenleben retten soll. Es liege daher in der Verantwortung des Gesetzgebers sowie der Autohersteller, diese Hürde aus dem Weg zu räumen.

Dass das nicht einfach wird, ist den „Science“-Autoren bewusst. „Herauszufinden, wie eine ethisch handelnde autonome Maschine gestaltet sein muss, ist eine der größten Herausforderungen, vor der die Forschung an künstlicher Intelligenz heute steht. Doch weil wir anfangen Millionen Autos mit Autonomie auszustatten, ist es dringend nötig, dass wir uns über algorithmische Moral Gedanken machen.“

Quelle: Algorithmische Moral: Wen soll das Roboterauto im Zweifelsfall opfern? – Wirtschaftspolitik – FAZ

„World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

Die Zahl der Millionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 1.198.700 gestiegen. Damit gehört Deutschland neben den Vereinigten Staaten, Japan und China zu den vier Ländern mit den meisten Millionären auf der Welt und hatte auch im globalen Vergleich überdurchschnittliche Zuwächse. Das geht aus dem „World Wealth Report 2016“ hervor, den die Unternehmensberatung Capgemini in Frankfurt vorgelegt hat. Für diesen Bericht werden jährlich seit nunmehr 20 Jahren umfangreiche statistische Daten ausgewertet. Zudem wurden mehr als 5200 Millionäre aus 23 Ländern sowie mehr als 800 Vermögensverwalter befragt.

Als Millionär, genauer als „High Net Worth Individual“ (HNWI) gilt man in dieser Zählweise, wenn man ein investierbares Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzt, selbstgenutzte Immobilien würden dabei nicht mitgerechnet, heißt es. In dieser Zählweise gibt es weltweit ungefähr 15,4 Millionen Millionäre, deren Vermögen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar gewachsen ist. Seit 1996 habe sich hat Vermögen der Millionäre auf der Welt demnach vervierfacht, heißt es in der Studie. Capgemini wagte die Prognose, unter optimistischen Annahmen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde das Vermögen der Millionäre bis zum Jahr 2025 die Grenze von 100 Billionen Dollar übersteigen.

Als einen wichtigen Grund für die überdurchschnittliche Entwicklung der Millionärszahlen in Deutschland nannte Klaus-Georg Meyer, Vice President  bei Capgemini, den überproportionalen Anstieg der Immobilienpreise. Millionäre, die über ihre selbstgenutzte Immobilie hinaus in diesem Bereich investiert seien, hätten davon profitiert.

Starke Millionärszuwächse in China

Global betrachtet gab es offenbar eine Verschiebung hinsichtlich der Regionen mit den meisten Millionären. Der asiatisch-pazifische Raum hat mittlerweile Nordamerika nicht nur bei der Zahl der Millionäre, sondern auch beim Volumen des Millionärs-Vermögens überholt. In der Asien-Pazifik-Region gab es demnach 2015 rund 5,1 Millionen Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 17,4 Billionen Dollar, in Nordamerika hingegen besaßen 4,8 Millionen Millionäre rund 16,6 Billionen Dollar.

Auffällig starke Zuwächse bei der Zahl der Millionäre gab es in China (plus 16 Prozent auf 1,03 Millionen) und Japan (plus 11 Prozent auf 2,7 Millionen). In den Vereinigten Staaten hingegen hat die Millionärszahl unterdurchschnittlich zugenommen (plus 2 Prozent auf 4,5 Millionen), in Kanada war sie sogar leicht rückläufig (minus 3 Prozent auf 321.000).

Die Krise vor allem in Brasilien machte sich für die Zahl der Millionäre in Lateinamerika bemerkbar, sie ging um 2,2 Prozent zurück. Auch in Afrika nahm die (ohnehin niedrige) Zahl von Millionären ab, um 1,8 Prozent. Russland und Brasilien tauschten in der Rangfolge der Länder mit den meisten Millionären ihren Platz: Russland verlor etwa 3000 Millionäre auf  152.000, Brasilien verlor 12.000 Millionäre auf 149.000 und landete damit hinter Russland. Auch Taiwan und Mexiko tauschten die Plätze, weil Mexiko 2000 Millionäre verlor, während Taiwan 2000 mehr verzeichnete. Indien konnte etwas aufsteigen und hat jetzt 200.000 Millionäre, etwa 2000 mehr als im Vorjahr.

In Spanien (plus 8 Prozent) und  in Frankreich (plus 6 Prozent) hat die Zahl der Millionäre zwar prozentual stärker zugenommen als in Deutschland, insgesamt gibt es der Studie zufolge dort aber deutlich weniger als hierzulande.

Große Ungleichheit auch unter Millionären

Zu der grundsätzlichen Frage, ob sich die Schere zwischen Arm und Reich in der Welt öffnet, hält der „World Wealth Report“ sich bedeckt. Er streicht vor allem heraus, dass sich das Vermögen der Reichen weiter erhöht hat. Zudem differenziert er nochmal zwischen ärmeren, mittelreichen und ganz reichen Millionären. Und zeigt, dass es auch dort keineswegs eine gleichmäßige Verteilung des Vermögens gibt.

Die oberste Gruppe, die „Ultra-HNWI“ mit einem Vermögen von 30 Millionen Dollar oder mehr, machten weltweit zahlenmäßig nur 0,9 Prozent aus, also einen verschwindend kleinen Anteil unter den Reichen insgesamt. Diese Superreichen aber besäßen 34,1 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die mittlere Gruppe, mit 5 bis 30 Millionen Dollar, machten zahlenmäßig 9 Prozent aller Millionäre aus und besäßen etwa 22,5 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die unterste Gruppe mit 1 bis 5 Millionen Dollar Vermögen, die „Millionaires Next Door“, die „Millionäre von Nebenan“, wie der Bericht es formuliert, kämen zwar zahlenmäßig auf 90 Prozent aller Reichen – sie besäßen aber „nur“ 43,3 Prozent des gesamten Millionärsvermögens.

Immobilien und Aktien besonders beliebte Geldanlagen

Der Bericht beschäftigt  sich auch damit, wie die Reichen ihr Geld anlegen. Dabei fällt global für 2015 ein hoher Anteil von Aktien (26,8 Prozent), aber auch von Cash (25,6 Prozent) auf. Regional gibt es offenbar noch Unterschiede. Die Millionäre in Nordamerika stecken mehr in Aktien, die in Europa mehr in Immobilien. Auch die Anlage in börsengehandelte Indexfonds (ETF) ist offenbar unter Millionären insgesamt beliebter geworden. Hinsichtlich der Digitalisierung bescheinigt der Report den Millionären noch Nachholbedarf, allerdings äußern sie sich grundsätzlich aufgeschlossen, auch digitalen Instrumenten bei der Vermögensverwaltung zu vertrauen.

In Deutschland sollen die Millionäre ihr Geld zu 26,4 Prozent in Aktien gesteckt haben, zu 22,2 Prozent in Immobilien, zu 16,6 Prozent in Anleihen, zu 15,3 Prozent in alternative Investments wie Private Equity, Hedgefonds oder Rohstoffe und zu 19,5 Prozent in Bar oder in Bargeld entsprechenden Anlagen halten. Damit war der Anleihen-Anteil deutlich kleiner als im weltweiten Durchschnitt und vor allem der Immobilienanteil deutlich größer. Anders als der Durchschnittsdeutsche sind die Millionäre in Deutschland aber offenbar sogar leicht überdurchschnittlich in Aktien investiert.

Für die Zukunft hat Capgemini unterschiedliche Szenarien untersucht und daraus Prognosen abgeleitet. Unter dem optimistischen Wachstumsszenario kämen die Millionäre bis 2025 auf ein Vermögen von zusammen immerhin 106 Billionen Dollar. Damit würde erstmals die Grenze von 100 Billionen Dollar überschritten. Das wäre nahezu eine Verdreifachung des Vermögens der Reichen seit 2006. Starke Zuwächse zwischen 2015 und 2025 hätten nach dieser Prognose vor allem die Millionäre im asiatisch-pazifischen Raum (plus 142 Prozent) und im Mittleren Osten (plus 92 Prozent). In Europa würden die Reichen ihr Vermögen in diesen zehn Jahren um rund 46 Prozent steigern. Als besonders interessante Branchen werden dabei die Finanzindustrie und die High-Tech-Branche eingestuft, als besonders interessante Märkte China, die Vereinigten Staaten und Indien.

Quelle: „World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

Waffenindustrie: Deutsche Rüstungsexporte verdoppeln sich nahezu

Die deutschen Rüstungsexporte haben sich einem Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr fast verdoppelt. 2015 seien Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 7,86 Milliarden Euro erteilt worden, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den „Rüstungsexportbericht 2015“ des Wirtschaftsministeriums, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will.2014 hat die Regierung lediglich Rüstungsexporten im Wert von 3,97 Milliarden Euro eine Ausfuhrgenehmigung erteilt. Die Rüstungsexporte seien damit auf den höchsten Stand in diesem Jahrhundert gestiegen, schreibt die Zeitung.Mit 7,86 Milliarden Euro habe das Volumen im vergangenen Jahr auch jene 7,5 Milliarden Euro übertroffen, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Februar unter Berufung auf vorläufige Zahlen genannt hatte.

Quelle: Waffenindustrie: Deutsche Rüstungsexporte verdoppeln sich nahezu – Wirtschaftspolitik – FAZ

Deutschland war 2015 weltweit drittgrößter Waffenexporteur

Deutschland ist im vergangenen Jahr hinter den Vereinigten Staaten und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit gewesen. Wie der Branchendienst „Jane’s“ in seinem jährlichen Rüstungsbericht feststellt, verkauften deutsche Unternehmen 2015 Rüstungsgüter im Wert von rund 4,78 Milliarden Dollar (4,2 Mrd Euro) ins Ausland – Kleinwaffen und Munition nicht mitgerechnet.

Davon ging etwas weniger als ein Drittel (29 Prozent) in den Krisengürtel Nahost-Nordafrika. Wichtigster Abnehmer in dieser Region war im vergangenen Jahr Saudi-Arabien, gefolgt von Algerien, Ägypten und Qatar. Laut „Jane’s“ werden die Lieferungen nach Nordafrika und Nahost 2018 sogar 40 Prozent der deutschen Rüstungsexporte ausmachen. Danach fällt der Anteil voraussichtlich wieder ab, auf 28 Prozent.

 Im Vorjahr hatte Deutschland in der Liste der größten Exporteure noch auf dem fünften Platz gelegen. Dass es 2016 wohl nur für den vierten Platz reichen wird, liegt nach Auskunft des Autors Ben Moores allerdings nicht daran, dass Deutschland seine Rüstungsexporte zurückfährt. Im Gegenteil: Der Gesamtbetrag wird den Berechnungen zufolge sogar noch einmal minimal steigen.

Rüstungs-Großmacht Frankreich

Grund sei vielmehr die Tatsache, dass Frankreich seine Rüstungsindustrie „wiederbelebt“ habe, sagte Moores. Die Gesamtsumme der französischen Rüstungsexporte in diesem Jahr schätzt er auf rund sechs Milliarden Dollar. Seinen Berechnungen zufolge wird Frankreich 2018 sogar Russland überrunden und zum zweitgrößten Exporteur von Rüstungsgütern aufsteigen.

Der weltweit größte Importeur von Waffen und Ausrüstung ist und bleibt Saudi-Arabien. Laut „Jane’s“ wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von rund 9,3 Milliarden Dollar in das islamische Königreich geliefert. In diesem Jahr liegen die saudischen Militär-Importe sogar knapp über zehn Milliarden Dollar.

Indien belegte in der Liste der wichtigsten Importeure in diesem und im vergangenen Jahr jeweils den zweiten Platz. Die Emirate steigern ihre Rüstungsausgaben den Angaben zufolge massiv. In diesem Jahr sollen sie Material im Wert von rund drei Milliarden Dollar erhalten. Damit sind sie aktuell der drittgrößte Importeur von Rüstungsgütern.

Quelle: Deutschland war 2015 weltweit drittgrößter Waffenexporteur

Chinesen kaufen den Flughafen Frankfurt-Hahn

Der Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn an einen chinesischen Bieter ist unter Dach und Fach. Nach Informationen vom Sonntag ist der Kaufvertrag notariell besiegelt. Bereits Ende Mai war bekannt geworden, dass das Land Rheinland-Pfalz den Regionalflughafen an chinesische Investoren verkaufen will.

Zuletzt hatten die Flughafenbesitzer mit drei chinesischen Unternehmen verhandelt,darunter dem Mischkonzern HNA. Letzterer wollte jedoch nur einen symbolischen Kaufpreis zahlen, verlangte Subventionen und sei deshalb nicht mehr im Rennen. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge dürfte der Airport in Kürze für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag den Besitzer wechseln.

Kein Erfolgsmodell für Regionalflughäfen

Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Rheinland-Pfalz – mit 82,5 Prozent Haupteigner des Flughafens – musste wiederholt Geld nachschießen. Das Land hatte die Mehrheit an der Betreibergesellschaft Ende vorigen Jahrzehnts von Frankfurter Flughafen übernommen. Zweiter Anteilseigener an dem Airport im Hunsrück ist mit 17,5 Prozent Hessen.

Eines des größten Probleme von Hahn ist, dass Hauptnutzer Ryanair seit Jahren sein Angebot dort schrumpft und seine Flugzeuge lieber an großen Flughäfen wie Köln einsetzt. Voriges Jahre zählte Hahn nur noch 2,7 Millionen Passagiere nach knapp vier Millionen vor zehn Jahren. Zudem liegt Hahn 120 Kilometer von Frankfurt entfernt, die Fahrt dauert zwei Stunden. Im zweiten Geschäftsfeld Luftfracht hat sich Hahn einen festen Platz in der Branche erarbeitet und rangiert in Deutschland an fünfter Stelle. Allerdings kämpfen Cargo-Airlines derzeit weltweit wegen Überkapazitäten mit fallenden Preisen. Nach Aussage eines Branchenbeobachters müsste der neue Flughafeneigner am besten ein eigenes Frachtgeschäft mitbringen, um Hahn besser auszulasten.

Zudem ist unter hiesigen Airports nach einigen prominenten Fehlschlägen mit chinesischen Geldgebern die Vorsicht groß. 2014 etwa hatte ein Investor aus dem Reich der Mitte den insolventen Flughafen Lübeck gekauft und wollte dort den Medizintourismus ausbauen. Die Pläne floppten, ein Jahr später war der Airport erneut Pleite. In den Schlagzeilen war auch die Übernahme des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern 2007 durch einen ansonsten unbekannten chinesischen Geschäftsmann. Der angekündigte Ausbau des alten Militärflughafens in ein Fracht- und Passagierdrehkreuz geht bis heute nur sehr langsam voran.

Quelle: Chinesen kaufen den Flughafen Frankfurt-Hahn

Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder

Zu viele Teenager und junge Erwachsene sterben an Krebs, wie eine europaweite Studie ermittelt hat. Laut den in „Lancet Oncology“ veröffentlichten Ergebnissen ist ihre Überlebensrate bei Erkrankungen wie Leukämie deutlich geringer als bei jüngeren Kindern. Die Forscher gehen davon aus, dass Unterschiede bei den Tumoren, Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung sowie der Mangel an klinischen Studien für diese Altersgruppe verantwortlich sind. Deutlich schlechtere Aussichten Für die Studie wurden Daten aus 27 Ländern zu fast 57.000 Krebserkrankungen bei Kindern und 312.000 Erkrankungen bei Teenagern und jungen Erwachsenen analysiert. Insgesamt waren die Fünf-Jahres-Überlebensraten bei Teenagern und jungen Erwachsenen mit 82 Prozent im Vergleich zu 79 Prozent bei Kindern höher. Diese besseren Aussichten waren jedoch großteils dadurch bedingt, dass die älteren Betroffenen an Krebsarten erkranken, die über eine bessere Prognose verfügten. Der Gesamtwert verbarg jedoch jene Besorgnis erregenden Bereiche, in denen bei acht in beiden Altersgruppen häufig auftretenden Krebsarten die Aussichten deutlich schlechter waren. Laut Forschungsleiterin Annalisa Trama von der Fondazione IRCCS Istituto Nazionale Tumori http://bit.ly/1TIyORT leben in Europa mehr Kinder, Heranwachsende und junge Erwachsene fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch. „Dennoch sterben Teenager und junge Erwachsene bei bestimmten Krebsarten vor allem an Erkrankungen des Blutes früher als Kinder.“ Überblick über Krebserkrankungen Die Fünf-Jahres-Überlebensrate lag bei akuter lymphatischer Leukämie bei Teenagern und jungen Erwachsenen bei 56 Prozent, bei Kindern jedoch bei 85,8 Prozent. Bei akuter myeloischer Leukämie lagen die Unterschiede bei 50 Prozent im Vergleich zu 61 Prozent. Beim Hodgkin-Lymphom gab es mit 93 beziehungsweise 95 Prozent bei Kindern eine geringere Differenz. Beim Non-Hodgkin-Lymphom war der Unterschiede zwischen Teenagern, jungen Erwachsenen und Kindern mit 77 zu 83 Prozent wieder deutlicher ausgeprägt. Bei Astrozytomen, einer Krebserkrankung des Gehirns, befand sich die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 46 Prozent bei den älteren Patienten und bei 62 Prozent bei den Kindern. Beim Ewing-Sarkom zeigten sich mit 49 Prozent und 67 Prozent ebenfalls deutliche Unterschiede. Beim Rhabdomyosarkom, einer Erkrankung der Weichteile, klaffte die Differenz mit 38 beziehungsweise 67 Prozent noch weiter auseinander. Bei Osteosarkomen standen 62 Prozent bei Teenagern und jungen Erwachsenen 67 Prozent bei Kindern gegenüber.

Quelle: Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder – Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder