Bilanz von Obamas Drohneneinsätzen

Kein amerikanischer Präsident ordnete je so viele Einsätze gegen Terroristen an wie Barack Obama. Nun hat er erstmals Opferzahlen genannt.

Heikle Informationen werden in Washington gerne veröffentlicht, wenn das Land gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist. Am Freitag war es wieder so weit. Ein langes Wochenende stand bevor, gekrönt von den Barbecues zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli. Nachmittags, als viele Bürger schon auf dem Weg in den Kurzurlaub waren, veröffentlichte der Geheimdienst-Direktor erstmals Zahlen zu den Opfern des geheimen Drohnenriegs gegen Terroristen. Zwischen dem Amtsantritt Barack Obamas im Januar 2009 und dem Jahresende 2015 kamen demnach 64 bis 116 Personen ums Leben, die als „Nicht-Kombattanten“ eingestuft wurden. Die Zahl der getöteten Kombattanten soll hingegen bei 2372 bis 2581 liegen.

Man kann sich die Zahlen leichter vergegenwärtigen, wenn man sie auf die Zahl der Angriffe umrechnet, insgesamt 473: Im Durchschnitt wurden bei jeder Drohnenattacke fünf Terroristen getötet, bei jeder fünften starb ein Zivilist. Die Angaben beziehen sich auf verdeckte Einsätze gegen Al Qaida und ihre Verbündeten in Pakistan, Jemen und Somalia. Die Angriffe werden in der Regel vom Auslandsgeheimdienst CIA geführt, während das amerikanische Militär für Operationen in Kriegsgebieten zuständig ist. Derzeit sind das Afghanistan, der Irak und Syrien. Allerdings lassen sich die Programme nicht exakt auseinander halten. Denn Obama übertrug 2013 Kompetenzen von der CIA an das Militär, und im Jemen operieren beide gemeinsam.

Quelle: Bilanz von Obamas Drohneneinsätzen

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EU will mit Drohnen Fahrzeuge stoppen

Die EU fördert ein neues Forschungsprojekt, das es ermöglichen soll, mit Drohnen Fahrzeuge zu stoppen. Die EU investiert 3,5 Millionen, der Rest von 1,3 Millionen kommt von den Partnern. Beteiligt sind neben französischen, österreichischen, polnischen und spanischen Forschungsinstituten auch der türkische Automobilhersteller Tofaş und neben dem israelischen Ministerium für öffentliche Sicherheit das israelische Unternehmen Rotem Technological Solution und der israelische Rüstungskonzern IAI, der unter anderem die Heron-Drohnen herstellt.

Ziel des Forschungsprojekts mit dem Namen AEROCEPTOR ist, vermutlich Heron-Drohnen mit Systemen auszustatten, durch die Fahrzeuge gestoppt werden können. Die Sicherheitsbehörden sollen „nicht-kooperative Fahrzeuge“ auf dem Land und auf dem Wasser aus der Ferne und sicher steuern und anhalten können. Die Drohnen sollen mit „verschiedenen Systemen“ ausgestattet werden, um auf Fahrzeuge und Boote einwirken zu können. Mit welchen Mitteln dies geschehen soll, geht aus der Mitteilung von Cordis, dem europäischen Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst, nicht hervor.

Begründet wird das Projekt damit, dass organisiertes Verbrechen vor allem Fahrzeuge und Boote als Mittel zum Schmuggeln von Personen und Drogen verwendet. Die Kontrolle der Fahrzeuge sei aufwändig, oft nicht erfolgreich und mitunter gefährlich für die Insassen und die Polizisten. Die Sicherheitsbehörden würden deswegen „neue Kontroll- und Stoppmöglichkeiten für verdächtige Fahrzeuge“ wünschen, die möglichst risikofrei für alle Beteiligten sind, möglichst wenig gut ausgebildetes Personal benötigen und natürlich kostengünstig sind.

Die geringe finanzielle Ausstattung des Forschungsprojekts verdankt sich dem Umstand, dass weitgehend schon vorhandene Technik benutzt werden soll. Noch gibt es aber noch keine Regelungen für die allgemeine Zulassung von Drohnen im europäischen Luftraum. Bislang werden nur national Sondergenehmigungen erteilt. Die deutsche Bundespolizei testet auch bereits Heron-Drohnen in Spanien.

Die Mitwirkung des Unternehmens Etienne Lacroix aus Frankreich könnte darauf hindeuten, dass mit Leuchtraketen oder Blendschockgranaten die Fahrzeuge gestoppt werden sollen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Pyrotechnik. Allerdings würde dies die Insassen des Fahrzeugs und andere Verkehrsteilnehmer gefährden können. Das Projekt weist vor allem darauf hin, dass Drohnen auch im Inland nicht nur zur Überwachung, sondern auch mit (nichttödlichen) Waffen zum Eingreifen dienen sollen.

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US-Drohnen-Gesetz: Angst vor dem Überwachungsstaat

30.000 Drohnen werden im Jahr 2020 über den USA schweben, schätzt die Luftfahrtbehörde des Landes. Die meisten werden Kameras an Bord haben, Bürgerrechtler sind entsetzt. Auch in Deutschland wächst die Angst vor flächendeckender Überwachung von oben.

Nur das tiefe Surren seiner Flügel verrät, dass der kleine Vogel kein echter Kolibri sein kann. Ansonsten bewegt er sich genauso wie sein Vorbild aus der Natur. Mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitwärts. Er wiegt sogar so viel wie ein echter Kolibri, hat eine Flügelspannweite von 16 Zentimetern.

Doch er ist eine Drohne, ein unbemannter Flugroboter namens „Nano Hummingbird“, hergestellt von der US-Firma AeroVironment und ausgestattet mit einem Spionagesystem samt Videokamera. Ein Bildschirm auf der Fernsteuerung zeigt dem Piloten, was die Drohne sieht.

Flugdrohnen kennt man bisher vor allem aus dem Anti-Terror-Kampf, mit ihnen machen die Amerikaner Jagd auf al-Qaida. Präsident Barack Obama hat den Drohneneinsatz seit seinem Amtsantritt massiv ausgeweitet. Doch bald dürften Flugroboter wie der Nano-Kolibri auch innerhalb der USA immer häufiger abheben, wenn auch nicht, um zu töten. Sie sollen der Beobachtung von Verdächtigen, Gebäuden, Ackerland oder Extremwetterlagen dienen.

Fliegende Grenzwächter

Dies ermöglicht ein Gesetz, das Obama bereits im Frühjahr unterschrieben hat, das aber erst jetzt bei Bürgerrechtlern für Empörung sorgt. Demnach soll der amerikanische Himmel bis spätestens 2015 für Zehntausende Drohnen geöffnet werden. Dann sollen erstmals auch Privatleute und Firmen Drohnen über US-Territorium einsetzen dürfen. Bislang konnten das nur offizielle Stellen wie Polizei oder Militär. So unterhält etwa das Verteidigungsministerium 64 Drohnenstützpunkte im Inland, wie die Datenschutzorganisation „Public Intelligence“ herausgefunden hat. Und das Heimatschutzminsterium lässt bereits die amerikanisch-mexikanische Grenze mit neun unbewaffneten Drohnen überwachen.

Noch fliegen nur gut 300 Drohnen mit offizieller Genehmigung über den USA. Bis 2020 jedoch rechnet die Luftfahrtbehörde FAA wegen des neuen Gesetzes mit 30.000 Flugrobotern. Kleine Spione wie der Nano-Kolibri könnten dann in den USA Alltag werden. In ihrer günstigsten Variante sind sie zudem für jedermann erschwinglich. Kostenpunkt: 300 Dollar. So ist die Drohne als günstige Plattform für alle möglichen Anwendungen denkbar: Für schräge Kamerafahrten bei Hollywood-Filmen, für Reporter – aber auch für Privatpersonen, die ihre Nachbarn bespitzeln möchten. Gerade Selbstbau-Drohnen sind mittlerweile durchaus auch ein Hobby mit wachsender Fangemeinde.

In Deutschland: Drohnen im Polizeieinsatz sind schon Alltag

Kritik kommt keineswegs nur von links. Der republikanische US-Senator Rand Paul, Sohn des Ex-Präsidentschaftsbewerbers Ron Paul, sorgt sich öffentlich um die Privatsphäre der Amerikaner. „Ich möchte nicht, dass eine Drohne über meinem Haus herumschwirrt und Fotos davon macht, ob ich auch meinen Müll trenne“, schrieb Paul in einem CNN-Kommentar. Vor kurzem hat der Senat sogar einen überparteilichen Ausschuss zu dem Thema gegründet.

Wo liegen die Grenzen?, fragen sich die Kritiker. In den USA braucht bisher jeder Roboter, der höher als etwa 130 Meter fliegt, ein Zertifikat der Luftfahrtbehörde FAA. Bislang konnten nur offizielle Stellen so eine Fluggenehmigung beantragen. Künftig soll es praktisch jeder dürfen.

In Deutschland ist ein neues Gesetz zum Thema seit Juni in Kraft. Eine Drohne, die weniger als fünf Kilogramm wiegt, darf bis zu 100 Meter hoch aufsteigen – allerdings nur mit befristeter Erlaubnis und mit – zumindest theoretisch – strengen Auflagen: Katastrophengebiete, Unglücksorte, Menschenansammlungen, Gefängnisse, Industrieanlagen, Kraftwerke, Militärbasen dürfen beispielsweise nicht überflogen werden. Und: Unbeaufsichtigt darf eine Drohne nicht fliegen, der Pilot muss sie immer sehen können. All das zu kontrollieren, ist jedoch schwierig.

Auch der Staat hat hierzulande die Vorteile der Fluggeräte schon für sich erkannt: Polizeibehörden in diversen Bundesländern setzen Drohnen längst ein, sehr zum Unmut von Datenschützern und Bürgerrechtlern.

Naturkatastrophen aus sicherer Entfernung dokumentieren

„Es ist wie mit anderen Errungenschaften auch, die zunächst überwiegend vom Militär genutzt wurden“, sagt Ryan Calo von der Washington State University: „Es gab das Computerzeitalter, dann das Internetzeitalter. Jetzt kommt das Robotikzeitalter.“ Seit vielen Jahren schon forscht der Rechts- und Roboterexperte Calo zu Drohnen.

Die Hersteller sind erfreut über den neuen zivilen Absatzmarkt. „Drohnen helfen, die öffentliche Sicherheit zu verbessern“, sagt Melanie Hinton, Sprecherin der Association for Unmanned Vehicle Systems International. Die Gruppe ist die größte Drohnen-Lobby in den USA und hat die umstrittene Gesetzesnovelle maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Hinton schwärmt: Die Roboter könnten etwa bei gefährlichen Such- und Rettungsaktionen assistieren oder Folgen einer Naturkatastrophe aus sicherer Ferne dokumentieren.

Was aber geschieht mit all den Daten, die die Drohnen auf solchen Ausflügen sammeln? „Die Luftfahrtbehörde hat sich bei den Genehmigungen ausschließlich um Fragen der Flugsicherheit gesorgt“, sagt Experte Calo. Genau darin sehen US-Bürgerrechtsgruppen ein Einfalltor für totale Überwachung.

„Durch den sehr schwachen Schutz der Privatsphäre in den USA besteht durchaus große Gefahr, dass die Polizei Drohnen routinemäßig zur Massenbeobachtung einsetzt“, sagt Jay Stanley von der American Civil Liberties Union. „Stellen Sie sich eine Demonstration vor, bei der eine Polizeidrohne jeden Teilnehmer beobachtet. Das wäre ein Einschnitt in die freie Meinungsäußerung und damit in die Verfassung“, fügt Jennifer Lynch von der Electronic Frontier Foundation (EFF) hinzu.

Elektroschockpistolen und Gummigeschosse?

Unter dem neuen Gesetz muss die Luftfahrtbehörde FAA nahezu bedingungslos den Einsatz von Polizei- oder Rettungsdrohne genehmigen. Einzige Bedingung: Die Drohne muss leichter als zwei Kilo sein. Bislang waren solche Genehmigungen eher die Ausnahme.

Nach Angaben der EFF testen derzeit acht Polizeistationen den Drohneneinsatz bei Observationen oder im Kampf gegen Verkehrssünder. Einige Sheriffs hätten nach der Gesetzesänderung gar angekündigt, im Einzelfall auch Drohnen einzusetzen, die mit Elektroschockpistolen oder Gummigeschossen ausgestattet sind, berichtet die US-Zeitung „The Daily“. Das lässt an den neuen Thriller von Bestsellerautor Daniel Suarez denken: In „Kill Decision“ wird die US-Bevölkerung aus der Luft terrorisiert – mit schwer bewaffneten, autonomen Drohnen.

Der größte zivile Nutzer von Drohnen in den USA sind bisher Universitäten. Laut EFF sind die Flieger an 17 amerikanischen Unis im Einsatz – bislang jedoch ausschließlich im Dienst der Wissenschaft. „Wir haben kleine, selbstgebaute Flugkörper, um in und um Gewitter und Tornados zu fliegen“, erklärt Bronsen Hillard von der University of Colorado in Boulder. „Wir verwenden keine Drohnen oder Ähnliches, um auf dem Campus für Sicherheit zu sorgen.“

Rechtsexperte Calo warnt dennoch: „Es gibt jede Menge Anreize, Drohnen zur Überwachung einzusetzen, und sehr wenig, was rechtlich dagegen spricht.“

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Waffen: Juristen attackieren Obamas Drohnen-Krieg | Politik

„In den USA ist die herrschende Meinung, dass die Drohnen-Einsätze in Pakistan ein wirksames und chirurgisch präzises Instrument darstellen, das die USA sicherer gemacht hat, indem es die gezielte Tötung von Terroristen mit minimalen Nachteilen und Kollateralschäden ermöglicht“, heißt es in dem Bericht, den die Juristen nach einer neunmonatigen Recherche und zahlreichen Interviews mit Ärzten, Helfern und Bewohnern der pakistanischen Region Nord-Wasiristan vorlegten. „Diese Meinung ist falsch.“

24 Stunden am Tag Angst

Die US-Regierung behaupte stets, dass bei den Drohnen-Angriffen kaum je Zivilisten zu Schaden kämen, schreiben die Experten von Stanford und NYU. Tatsächlich sei es schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln, weil die USA das Drohnen-Programm vor demokratischer Kontrolle abschirmten.

Unabhängige Schätzungen ergäben aber, dass von Juni 2004 bis September 2012 in Pakistan zwischen 2562 und 3325 Menschen bei Drohnen-Angriffen getötet worden seien. Zwischen 474 und 881 von ihnen seien Zivilisten gewesen, darunter auch 176 Kinder.

Jenseits von Tod und Verletzung beeinträchtigten die Drohnen den Alltag der ganz normalen Menschen, heißt es in dem Bericht „Leben unter Drohnen“. „Über den Gemeinden im Nordwesten Pakistans kreisen Drohnen 24 Stunden am Tag. Sie treffen Häuser, Fahrzeuge und öffentliche Plätze ohne jede Vorwarnung. Ihre Präsenz terrorisiert Männer, Frauen und Kinder und führt bei den Zivilisten zu Angst und psychologischen Traumata.“

Weil die USA oft mehrere Raketen nacheinander auf ein Ziel abfeuerten, trauten sich die Dörfler nach einem Drohnen-Angriff nicht, den Verletzten zu Hilfe zu kommen, heißt es in dem Bericht. Eltern schickten ihre Kinder nicht mehr in die Schule. Selbst zu Beerdigungen wagten sich viele Dörfler nicht mehr, weil sie fürchteten, die USA könnten die Menschenmenge mit einer Zusammenkunft von Taliban- oder Al-Kaida-Kämpfern verwechseln.

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Militärkooperation: Frankreich und Großbritannien planen Drohnen-Entwicklung

Frankreich und Großbritannien wollen gemeinsam zwei Typen von Kampfdrohnen entwickeln, teilten die Regierungen am Freitag nach einem französisch-britischem Gipfel in Paris mit. Zum einen geht es um eine neue „Male“-Drohne („Male“ steht für Medium Altitude, Long Endurance, also mittlere Höhe, hohe Ausdauer). Die Unternehmen BAE Systems und Dassault Aviation werden das unbemannte Kampfflugzeug entwickeln, 2020 soll es einsatzbereit sein. Zu diesem Zeitpunkt wollen Paris und London auch einen zusammen konstruierten Flugzeugträger präsentieren. Der ebenfalls geplante zweite Drohnentyp soll bis 2030 startklar sein.

Weitere gemeinsame Militärkooperationen sind in den Bereichen Nukleartechnik, Raketenbau und satellitengestützte Kommunikation geplant. Hinten angestellt hätten die Länder dagegen die gemeinsame Entwicklung von Atom-U-Booten, sagte der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet. Unterm Strich wollen beide Länder durch die Zusammenarbeit Kosten im Rüstungsbereich sparen.

„Wir sind pragmatisch, wir wollen, dass es vorangeht“, kommentierte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Gesprächen mit Großbritanniens Premierminister David Cameron. Andere europäische Partner seien willkommen, wenn sie das gleiche Tempo mitgehen wollten. Die Drohne soll von den Unternehmen BAE Systems und Dassault Aviation entwickelt werden.

Bei der verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Nukleartechnik geht es vor allem um den Bau von Druckwasserreaktoren vom Typ EPR nahe der südenglischen Stadt Bridgwater. Bei dem sogenannten Hinkley-Point-Projekt wird die Kooperation zwischen dem britische Rolls-Royce-Konzern und die französischen Unternehmen Areva und EDF weiter ausgebaut.

Cameron bezeichnete die verteidigungs- und energiepolitische Zusammenarbeit der beiden Länder am Freitag als so gut, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die traditionellen Differenzen im Bereich der Europapolitik änderten nichts daran. Sarkozy und Cameron waren im Dezember über die Regulierung der Finanzmärkte in Europa heftig in Streit geraten.

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Pakistan: Obama bestätigt erstmals US-Drohnenangriffe

Es ist die erste offizielle Bestätigung des US-Präsidenten: Barack Obama hat öffentlich zugegeben, dass sein Militär Drohnen in Pakistan einsetzt. Er verteidigte die Angriffe der unbemannten Flugzeuge als „präzise Angriffe gegen al-Qaida“.

US-Präsident Barack Obama hat erstmals den umstrittenen Einsatz von Drohnen in Pakistan eingeräumt. „Allgemein handelt es sich um sehr präzise Angriffe gegen al-Qaida und seine Verbündeten und wir sind sehr vorsichtig bei ihrer Verwendung“, sagte der US-Präsident bei einem Chat mit Wählern.

Die Vorstellung, dass es einen Haufen wahlloser Angriffe gebe, sei falsch. Es sei wichtig, dass alle verstünden, dass die Einsätze sehr genau kontrolliert würden, betonte Obama. Auf die zivilen Opfer angesprochen entgegnete er, er wolle klarstellen, dass die Angriffe der unbemannten Flugzeuge „keine große Anzahl ziviler Opfer“ verursachen.

Die US-Regierung hat den Drohneneinsatz in Pakistan bisher nicht offiziell bestätigt. Er ist in dem Land heftig umstritten, da immer wieder unbeteiligte Menschen dabei getötet werden.

Erst am Freitag demonstrierten etwa 100.000 Menschen in Karatschi. Angesichts der Proteste schwankt die Regierung in Islamabad zwischen stillschweigender Tolerierung und öffentlicher Verurteilung. Während in Afghanistan die Drohnen von der US-Armee gesteuert werden, ist in den pakistanischen Stammesgebieten der US-Auslandsgeheimdienst CIA zuständig.

Erst kürzlich soll eine Drohne den Terroristenführer Aslam Awan getötet haben. Zuvor hatten die USA hatten ihre Drohneneinsätze in Pakistan fast zwei Monate lang ausgesetzt, nachdem Ende November bei einem Nato-Luftangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan irrtümlich 24 pakistanische Soldaten getötet worden waren.

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Verseuchte Air-Force-Rechner: US-Drohnenlenker kämpfen mit Virenbefall

Eine peinliche Panne ist es in jedem Fall, aber wie groß ist das Sicherheitsrisiko? Auf der US-Luftwaffenbasis Creech sind offenbar diverse Rechner von einem Virus befallen, der unter anderem alle Tastatureingaben protokolliert. Mit diesen Computern werden US-Kampfdrohnen ferngelenkt.

Washington – „Niemand ist in Panik – bis jetzt.“ Mit diesen Worten zitiert das Magazin „Wired“ eine ungenannte Quelle aus der US-amerikanischen Luftwaffe. Im „Wired“-Blog Danger Room wird über den Grund der Besorgnis berichtet: Ein Computervirus habe die Rechner infiziert, von denen aus US-Kampfdrohnen gesteuert werden. Die ferngelenkten Kleinflugzeuge sind derzeit die bevorzugten Waffen im Kampf gegen Aufständische im Irak, Afghanistan und auch im Jemen. Auch der Qaida-Terrorist Anwar al-Awlaki wurde im Jemen vermutlich durch einen Drohnenangriff getötet.

 

Gesteuert werden viele der Drohnen mit den Bezeichnungen „Predator“ und „Reaper“ von der Creech Air Force Base in Nevada aus. Dort hat sich nun offenbar ein Virus eingenistet, der alle Tastatureingaben auf den jeweiligen Rechnern protokolliert. Dem „Wired“-Bericht zufolge bemüht man sich in Creech derzeit vergeblich, den Eindringling wieder loszuwerden. „Wir löschen ihn immer wieder, und er kommt immer wieder zurück“, zitiert das Magazin eine ungenannte Quelle. Man gehe davon aus, dass der Virus „gutartig“ sei, aber: „Wir wissen es einfach nicht genau.“

Auch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte eine weitere ungenannte Quelle die Existenz des Virus auf Air-Force-Rechnern: „Es ist etwas los, aber das hat auf die Missionen in Übersee keinen Einfluss“, zitiert die Agentur ihre Quelle.

Gezielter Angriff oder zufällige Infektion?

„Wired“ zufolge wurde der nun präziser beschriebene Virus in Creech schon vor zwei Wochen vom Sicherheitssystem des US-Militärs entdeckt, was die Fernsteuerungspiloten nicht davon abgehalten hätte, weitere Missionen zu durchzuführen. Noch immer scheint unklar, ob es sich um einen gezielten Angriff oder eine zufällige Infektion mit einem der zahllosen Viren handelt, die im Netz ununterbrochen unterwegs sind.

Eigentlich sollten militärisch genutzte Rechner vor solchen Angriffen generell gefeit sein: Sie sind in aller Regel nicht mit dem Internet verbunden, weil das als die einzige Methode gilt, sich vor derartigem Befall und vor Hacker-Attacken sicher zu schützen. Die Rechner in Creech jedoch erlauben, anders als viele andere Militärrechner, „Wired“ zufolge den Anschluss externer Laufwerke. So würden beispielsweise aufgezeichnete Drohnen-Videos oder Kartendaten von einem Rechner zum anderen transportiert. Wenn ein solches Laufwerk vorher an einem mit dem Internet verbundenen Rechner hing, könnte der Virus auf diesem Weg in die „entnetzten“ Militärrechner gelangt sein. Der Einsatz externer Laufwerke sei nun weltweit auf allen Air-Force-Basen verboten worden, berichtet „Wired“.

Auf ähnlichem Weg schädigte beispielsweise der Stuxnet-Virus das iranische Atomprogramm. Er wurde wohl über einen verseuchten USB-Stick in die eigentlich vom Netz getrennten Rechnersysteme der iranischen Atomanlage Natans eingeschleust. Auch US-Militärrechner sind schon zuvor durch auf externen Laufwerken eingeschleppte Viren kompromittiert worden.

Jeden Tastendruck protokolliert

Der nun aufgetauchte Virus transportierte offenbar einen sogenannten Keylogger. Ein solches Schadprogramm protokolliert jede Tasteneingabe des befallenen Rechners und reicht diese Information an den- oder diejenigen weiter, die das Programm in Umlauf gebracht haben. Das allerdings sollte bei vom Netz getrennten Rechnern unmöglich sein.

 

Die ferngelenkten Kampfflugzeuge sind nicht zum ersten Mal von einem Sicherheitsproblem betroffen. Im Dezember 2009 wurde bekannt, dass irakische Aufständische mit kommerziell verfügbarer, sehr billiger Technik Videoübertragungen aus den Drohnen abfingen. Das „Wall Street Journal“ berichtete damals, auf bei Festnahmen sichergestellten Laptops hätten US-Soldaten „Stunden und Stunden“ von Material aus Drohnenkameras entdeckt. Viele der Fluggeräte senden ihre Videoübertagungen unverschlüsselt an ihre Bodenstationen.

Ein Militärsprecher wollte den Bericht über den Virus „Wired“ gegenüber nicht offiziell kommentieren. Man gebe zu Sicherheitslücken oder Angriffen auf die eigenen Systeme grundsätzlich keine Stellungnahmen ab. Es werde aber viel investiert, „um unsere Systeme zu schützen und zu überwachen, um Bedrohungen zu kontern und die Sicherheit zu gewährleisten“. Dazu zähle auch „eine umfassende Antwort auf Viren, Würmer und andere Malware, die wir entdecken“.

Auch die CIA nutzt „Reaper“- und „Predator“-Drohnen, Reuters zufolge im Jemen, in Afghanistan und Libyen. Der „Washington Post“ zufolge haben US-Drohnen seit dem Jahr 2001 über 2000 Aufständische und Zivilisten getötet.

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