Algorithmische Moral: Wen soll das Roboterauto im Zweifelsfall opfern?

Roboterautos sollen die Zahl der Verkehrsopfer senken. In schlimmen Situationen aber müssen sie zwischen mehreren Übeln wählen. Nur wie? Forscher zeigen, wie janusköpfig wir denken.

Die Fürsprecher autonom fahrender Autos führen ein großes Versprechen im Munde: Wenn einmal Computer selbständig Fahrzeuge steuern, dann kann das Gros der Verkehrsunfälle vermieden werden. Weniger Menschen würden verletzt oder gar getötet. Manche Berechnungen gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller heutigen Unfälle mit autonomen Autos vermeidbar sind. Auf diesem Hoffnungsszenario liegt ein Schatten, nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass ein Fahrer eines Tesla-Autos tödlich verunglückte, der dem Autopiloten seines Fahrzeugs vertraut hatte.

Unabhängig von diesem Todesfall stellt das Konzept autonom fahrender Autos Computer und Algorithmen vor Entscheidungen, die bisher Menschen treffen müssen – und die in Dilemmas enden können. Das verdeutlicht ein unlängst in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Science“ erschienener Artikel.

Der Schutz anderer Verkehrsteilnehmer ist wichtig

Für den Beitrag haben amerikanische und französische Wissenschaftler in sechs nicht-repräsentativen Online-Befragungen im vergangenen Jahr rund 2000 Amerikanern mit unterschiedlichen Fragestellungen konfrontiert. Obwohl die Befragungen unterschiedlich ausgestaltet waren, drehten sie sich im Kern immer um eine Frage: Ob es moralischer wäre, wenn ein autonom fahrendes Auto einen oder auch mehrere Fahrzeuginsassen tötet, um so eine höhere Zahl an Menschenleben außerhalb des Fahrzeugs zu retten? Über alle Befragungen hinweg entschied eine Mehrheit der Teilnehmer, dass der Schutz Außenstehender wichtiger sei. Doch variierten die Zustimmungsraten in den einzelnen Befragungen beträchtlich, je nachdem wie die exakte Fragestellung lautete.

So stimmten zum Beispiel 76 Prozent der rund 180 Teilnehmer der ersten Befragung der Aussage zu, dass es durchaus moralischer sei, wenn ein autonomes Auto einen Fahrzeuginsassen tötet, um zehn Fußgänger zu retten. Später wurden diese Befragten darum gebeten, auf einer Skala von 0 bis 100 anzugeben, ob autonome Autos so programmiert sein sollten, dass sie den Fahrer schützen (0) oder dass sie die Zahl der Todesfälle minimieren (100). Das Medianergebnis lautete dabei 85 – 50 Prozent der Befragten tendierten also deutlich dafür, dass autonome fahrende Autos die Zahl der Todesfälle minimieren sollten.

Kommen Verwandte ins Spiel, wird es kompliziert

In einer zweiten Befragung mit nunmehr 450 Teilnehmern passten die Wissenschaftler sodann die Zahl der Opfer außerhalb des Autos an: Je nach Frage, variierte sie zwischen eins und einhundert. Wenn lediglich ein Menschenleben außerhalb des Autos gerettet werden sollte, waren nun gerade einmal noch 23 Prozent der Befragten dafür, dass der oder die Fahrzeuginsassen geopfert werden sollten. Stieg die Opferzahl außerhalb des Fahrzeug, stieg aber auch wieder die Zustimmung dafür, stattdessen die Fahrzeuginsassen zu opfern und erreichte schnell die Werte der ersten Befragung.

In einer dritten Umfrage stießen die Wissenschaftler dann auf ein Dilemma: Sie wollten von den Teilnehmern unter anderem wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie sich selbst für eines von zwei verschiedenen autonom fahrenden Autos entscheiden: eines, das die Fahrzeuginsassen schützt, und eines, das die Zahl der Opfer außerhalb minimiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Befragten generell immer noch dafür waren, dass ein autonom fahrendes Auto die Zahl der Todesopfer minimieren sollte. Wenn sie oder ihre Familienmitglieder aber selbst in einem solchen säßen, entschieden sie sich im Mittel häufiger für das Fahrzeug, das die Insassen schützt.

Die vierte Umfrage bestätigte diese Einstellung. Darin gaben die Wissenschaftler nun die Programmierung des Autos vor: Wenn Fußgänger auf der Straße wären, würde das Auto diesen stets ausweichen und damit womöglich die Fahrzeuginsassen oder aber unbeteiligte Fußgänger am Straßenrand gefährden. Außerdem variierten sie die Zahl der möglichen Todesopfer außerhalb des Fahrzeugs. Generell bewerteten die Teilnehmer dieser Umfrage nun wieder jenen Algorithmus positiv, der dazu führt, dass ein unbeteiligter Fußgänger am Straßenrand getötet wird, um zehn Menschen auf der Straße zu retten. Weniger Zustimmung erhielt aber jener Algorithmus, der lediglich einen unbeteiligten Fußgänger opfern würde, um einen Menschen auf der Straße zu retten. Der Algorithmus jedoch, der seinen Fahrer opfern würde um zehn Menschen auf der Straße zu retten wurde gemischt eingeschätzt.

Ein Trittbrettfahrer-Problem

In Punkto allgemeiner Moral bewerteten ihn die Befragten sehr positiv. Sie waren auch dafür, dass andere Nutzer autonomer Autos genau diesen Algorithmus verwenden sollten. Wenn es aber darum ging, selbst ein so programmiertes Auto zu kaufen, sank die Zustimmung. Das zeige dreierlei, schreiben die Autoren des „Science“-Beitrags. Zwar befürworten die Befragten autonome Autos, die die Zahl der Todesfälle minimieren und dafür womöglich den Fahrer opfern. Sie fänden auch gut, wenn andere Verkehrsteilnehmer solchermaßen programmierte Autos fahren würden. Aber für sich selbst würden sie sie eben nicht in Erwägung ziehen.

Die Autoren sehen in dieser Reaktion ein klassisches gesellschaftliches Dilemma, das auf dem Feld der Trittbrettfahrer-Theorie fußt. Jeder potentielle Nutzer eines autonomen Autos, das die Zahl der Todesfälle minimieren soll, habe die Versuchung, es eben gerade nicht zu nutzen. So komme es dazu, dass das gesellschaftlich bestmögliche Ergebnis nicht eintrete, nämlich die Verletzten und Toten im Straßenverkehr zu reduzieren.

Regulierung stößt an Grenzen

Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte Regulierung sein, dass also der Gesetzgeber vorgibt, wie ein autonomes Auto programmiert sein muss. In ihren beiden abschließenden Befragungen erkundeten die Wissenschaftler daher, wie die Teilnehmer zur Regulierung stehen. Es stellte sich unter anderem heraus, dass die Neigung sehr gering ist, ein autonom fahrendes Auto zu kaufen, für das der Gesetzgeber vorschreibt, dass es den Fahrer opfert, um Außenstehende zu schützen. Die Autoren schließen daraus, dass Regulierung für autonom fahrende Autos zwar notwendig sei aber auch kontraproduktive Folgen zeitigen könnte. Insbesondere seien Regulierer mit zwei Schwierigkeiten konfrontiert. Auf der einen Seite scheinen die Menschen autonom fahrende Autos nicht zu wollen, die die Zahl der Menschenleben minimieren und dafür womöglich den Fahrer opfern. Schlimmer wiegt aber laut den Wissenschaftler, dass genau diese Art der Regulierung die Einführung der autonomen Autos verhindert, obwohl sie ja eigentlich Menschenleben retten soll. Es liege daher in der Verantwortung des Gesetzgebers sowie der Autohersteller, diese Hürde aus dem Weg zu räumen.

Dass das nicht einfach wird, ist den „Science“-Autoren bewusst. „Herauszufinden, wie eine ethisch handelnde autonome Maschine gestaltet sein muss, ist eine der größten Herausforderungen, vor der die Forschung an künstlicher Intelligenz heute steht. Doch weil wir anfangen Millionen Autos mit Autonomie auszustatten, ist es dringend nötig, dass wir uns über algorithmische Moral Gedanken machen.“

Quelle: Algorithmische Moral: Wen soll das Roboterauto im Zweifelsfall opfern? – Wirtschaftspolitik – FAZ

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Schweden: Erneut Dutzende sexuelle Übergriffe auf Musikfestivals

Auf Musikfestivals in Schweden sollen erneut mehrere Männer junge Frauen begrapscht haben. Es gab Dutzende Anzeigen, auch Vergewaltigungen wurden gemeldet.

Die Übergriffe erinnern an die Kölner Silvesternacht: Auf mehreren Musikfestivals in Schweden hat es laut schwedischen Medienberichten sexuelle Übergriffe auf Mädchen und Frauen gegeben. Allein nach dem Festival „Putte i Parken“ am Wochenende in Karlstad habe es bislang rund 25 entsprechende Anzeigen gegeben. Das jüngste Opfer ist demnach gerade einmal 12 Jahre alt.

Im Gedränge vor der Bühne hätten junge Männer sie aus einer Gruppe heraus am Hintern betatscht, berichtete etwa eine 17-Jährige der Zeitung „Göteborgs Posten“. Als sie sich umdrehte, habe sie nicht sicher sagen können, wer sie belästigt habe. Dann habe sie begonnen zu schreien. Der Vater eines Mädchens schilderte Sveriges Radio, wie er mitbekam, dass ein Mann seiner Tochter in den Schritt packte.

Bei zwei Festivals nahe Norrköping und Växjö soll es in den vergangenen Tagen zudem nicht bei Belästigungen geblieben sein. Wie unter anderem die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“ berichtet, wurden auf dem Bråvalla Festival fünf Vergewaltigungen angezeigt, zudem soll eine 19-Jährige auf dem Säljerydsfestival vergewaltigt worden sein.

Ähnliche Übergriffe hatte es bereits in vergangenen Jahren auf Festivals gegeben. Erst zu Beginn des Jahres hatte die schwedische Polizei einräumen müssen, mehrere sexuelle Übergriffe durch mutmaßlich ausländische junge Männer bei Musikfestivals heruntergespielt zu haben. Polizeichef Dan Eliasson argumentierte damals in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE: „Es ist egal, ob die Täter Afghanen waren oder nicht.“

Ein Polizeisprecher mutmaßte laut „Svenska Dagbladet“ zu den nun angezeigten Übergriffen, dass inzwischen mehr Mädchen und Frauen die Übergriffe auch meldeten. „Früher hat man es vielleicht nicht gewagt“, sagte er demnach. Das „Peace and Love“-Festival in Borlänge, das am Donnerstag startet, hat nach den jüngsten Vorfällen im schwedischen Staatsfernsehen jedenfalls nun angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.

Quelle: Schweden: Erneut Dutzende sexuelle Übergriffe auf Musikfestivals – SPIEGEL ONLINE

Musikfestivals in Stockholm: Schwedens Polizei vertuschte sexuelle Übergriffe

„Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen“: Die Polizei in Schweden hat eingeräumt, mehrere sexuelle Übergriffe durch mutmaßlich ausländische junge Männer bei Musikfestivals heruntergespielt zu haben. Ministerpräsident Stefan Löfven spricht von einem „doppelten Betrug an jungen Frauen“.

Die schwedische Polizei hat eine Vertuschung von sexuellen Übergriffen durch mutmaßlich ausländische junge Männer eingeräumt. Bei Musikfestivals in Stockholm im August 2014 und 2015 habe es insgesamt 38 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegeben, in zwei Fällen wurden Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht, gaben die Behörden am Montag bekannt.

„Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen“, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Doch tatsächlich hatte die Polizei nach den Festivals jeweils nur mitgeteilt, es habe „angesichts der vielen Teilnehmer relativ wenige Delikte und Festnahmen gegeben“. Wie viele Verdächtige tatsächlich festgenommen wurden, sei nie festgehalten worden. Es ist zu keiner Verurteilung gekommen.

Die Zeitung „Dagens Nyheter“ zitierte aus einem Polizeibericht, der Verdacht habe sich gegen eine Gruppe von rund 50 jungen Asylbewerbern aus Afghanistan gerichtet. Wegen der großen Menschendichte seien die Ermittlungen schwierig gewesen.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven reagierte erbost auf die Enthüllung. Er empfinde eine „große Wut“, dass junge Frauen nicht auf ein Musikfestival gehen können, „ohne belästigt oder angegriffen zu werden“. Dass die Polizei die Vorfälle unter den Teppich gekehrt habe, sei „ein Problem der Demokratie für unser Land“.

Es handle sich „um einen doppelten Betrug an diesen jungen Frauen“, sagte er der Zeitung „Expressen“. Zum einen seien die Übergriffe nicht angemessen verfolgt worden. Zum anderen habe die Polizei nicht über diese Probleme informiert.

Laut „Guardian“ waren rund 170.000 Besucher auf dem fünftägigen Festival, sie sollen hauptsächlich zwischen 13 und 19 Jahren alt gewesen sein. Polizeichef Dan Eliasson versprach auf einer Pressekonferenz eine vollständige Untersuchung. In dem Bericht wird auch ein Sprecher der Polizei in Stockholm zitiert: „Natürlich war das ernst“, sagte demnach Varg Gyllander. Es seien zu viele Fälle gewesen – aber gemessen an der Anzahl der Besucher des Festivals auch nicht übermäßig viele. Dass die Übergriffe nicht öffentlich gemacht wurden, sei keine geplante Vertuschung gewesen, sondern „Selbstzensur“ einzelner Beamter. „Es gibt Polizeimitarbeiter, die aufgrund der aktuellen Flüchtlingsdebatte Sorgen davor haben, über diese Dinge zu sprechen.“

Der Fall aus Schweden erinnert an die sexuellen Übergriffe in Köln Ende Dezember: Dort hatte die Polizei noch in der Silvesternacht zunächst von einem ruhigen Abend gesprochen. Inzwischen sind bei der Polizei mehr als 500 Anzeigen eingegangen, Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zuletzt warf Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger der Kölner Polizei schwere Fehler vor. Dabei verwies er unter anderem auf die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit von der Polizei über die Ermittlungen informiert wurde.

Quelle: Spiegel online

EU-Parlament stellt Weichen für Websperren gegen Terror

Der Innenausschuss des EU-Parlaments drängt darauf, terroristische Webseiten zu löschen und notfalls auch zu sperren. Entwickler von Malware für Terrorakte sollen sich strafbar machen. Wenn Anschläge befürwortet werden, soll auch das strafbar sein.

EU-Abgeordnete fordern, dass Provider deutlich schärfer gegen extremistische Propaganda im Internet vorgehen. Als „wirksamstes Mittel“ gegen illegale terroristische Inhalte empfiehlt der federführende Innenausschuss, diese „an der Quelle“ zu entfernen. Die Mitgliedsstaaten sollten daher „alles in ihrer Macht Stehende unternehmen“, um darauf auch gemeinsam mit Drittländern hinzuarbeiten. Lässt sich der inkriminierte Content nicht löschen, sollen die EU-Nationen aber auch Maßnahmen treffen können, mit denen der Zugang dazu blockiert wird.

„Nicht-legislative“Maßnahmen

Die Ausschussmitglieder skizzieren in ihren mehrheitlich befürworteten Änderungsanträgen für eine neue Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung einen ähnlichen Kompromiss, wie in der Richtlinie zum schärferen Vorgehen gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern von 2011. Als zulässig erachtet werden sollen dieses Mal aber auch „nicht-legislative“ Maßnahmen, was Kritikern zufolge den Anforderungen an ein rechtsstaatliches transparentes Verfahren kaum genügen dürfte, auch wenn diese dem Beschluss nach prinzipiell eingehalten werden sollen.

Strafbar macht sich künftig den Innenpolitikern zufolge, wer „Schadprogramme“ entwickelt oder bereitstellt, mit denen terroristische Akte begangen oder gefördert werden können. Auch Malware-Programmierer, die es ermöglichen, sich an den Handlungen einer terroristischen Gruppe zu beteiligen, will der Ausschuss kriminalisieren.

Befürwortung strafbar

Die Mitgliedsstaaten sollen laut dem Votum generell verhindern, dass online Botschaften verbreitet werden, die zu Terrorismus anstiften oder terroristische Delikte verherrlichen. Dies soll schon dann strafbar sein, wenn etwa Anschläge „unmittelbar oder indirekt befürwortet“ werden und davon eine „eindeutige und erhebliche Gefahr“ ausgeht.

Die Mehrheit der Volksvertreter folgte mit dem Beschluss zum Teil einem Vorschlag der Berichterstatterin Monika Hohlmeier (CSU). Die Tochter des früheren CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß hatte auch gefordert, Anonymisierungssoftware wie Tor und Verschlüsselungsprogramme als Hindernisse für polizeiliche Ermittlungen zu brandmarken. Dafür fand sie aber keine Mehrheit.

Kriminalisierung von Absichten

Die Linksfraktion stimmte gegen die Initiative. Ihre Netzexpertin Cornelia Ernst kritisierte, dass Schlüsselbegriffe wie „Terrorismus“ oder „radikalisierte Personen“ gar nicht klar definiert würden und schon Absichten kriminalisiert werden sollten. Dies sei „ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg in Richtung eines Präventionsstaates, der die eigentliche Handlung nicht mehr voraussetzt, um eine Strafe auszusprechen“. Bürgerrechtsorganisationen wie European Digital Rights (EDRi) oder die „Digitale Gesellschaft“ monierten, dass das unausgegorene Vorhaben ohne Folgenabschätzung durchgeboxt werden solle und in „blindem Aktionismus Freiheiten“ opfere.

Der EU-Rat hatte sich schon im März für den Ansatz „Löschen und Sperren“ von Terror-Webseiten ausgesprochen. Verhandlungsführer der Mitgliedsstaaten, des Parlaments und der Kommission sollen nun im sogenannten Trilogverfahren eine gemeinsame Linie festzurren, die die Abgeordneten dann ohne ordentliche 1. Lesung in der Regel im Plenum nur noch durchwinken.

Quelle: EU-Parlament stellt Weichen für Websperren gegen Terror | heise online

„World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

Die Zahl der Millionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 1.198.700 gestiegen. Damit gehört Deutschland neben den Vereinigten Staaten, Japan und China zu den vier Ländern mit den meisten Millionären auf der Welt und hatte auch im globalen Vergleich überdurchschnittliche Zuwächse. Das geht aus dem „World Wealth Report 2016“ hervor, den die Unternehmensberatung Capgemini in Frankfurt vorgelegt hat. Für diesen Bericht werden jährlich seit nunmehr 20 Jahren umfangreiche statistische Daten ausgewertet. Zudem wurden mehr als 5200 Millionäre aus 23 Ländern sowie mehr als 800 Vermögensverwalter befragt.

Als Millionär, genauer als „High Net Worth Individual“ (HNWI) gilt man in dieser Zählweise, wenn man ein investierbares Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzt, selbstgenutzte Immobilien würden dabei nicht mitgerechnet, heißt es. In dieser Zählweise gibt es weltweit ungefähr 15,4 Millionen Millionäre, deren Vermögen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar gewachsen ist. Seit 1996 habe sich hat Vermögen der Millionäre auf der Welt demnach vervierfacht, heißt es in der Studie. Capgemini wagte die Prognose, unter optimistischen Annahmen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde das Vermögen der Millionäre bis zum Jahr 2025 die Grenze von 100 Billionen Dollar übersteigen.

Als einen wichtigen Grund für die überdurchschnittliche Entwicklung der Millionärszahlen in Deutschland nannte Klaus-Georg Meyer, Vice President  bei Capgemini, den überproportionalen Anstieg der Immobilienpreise. Millionäre, die über ihre selbstgenutzte Immobilie hinaus in diesem Bereich investiert seien, hätten davon profitiert.

Starke Millionärszuwächse in China

Global betrachtet gab es offenbar eine Verschiebung hinsichtlich der Regionen mit den meisten Millionären. Der asiatisch-pazifische Raum hat mittlerweile Nordamerika nicht nur bei der Zahl der Millionäre, sondern auch beim Volumen des Millionärs-Vermögens überholt. In der Asien-Pazifik-Region gab es demnach 2015 rund 5,1 Millionen Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 17,4 Billionen Dollar, in Nordamerika hingegen besaßen 4,8 Millionen Millionäre rund 16,6 Billionen Dollar.

Auffällig starke Zuwächse bei der Zahl der Millionäre gab es in China (plus 16 Prozent auf 1,03 Millionen) und Japan (plus 11 Prozent auf 2,7 Millionen). In den Vereinigten Staaten hingegen hat die Millionärszahl unterdurchschnittlich zugenommen (plus 2 Prozent auf 4,5 Millionen), in Kanada war sie sogar leicht rückläufig (minus 3 Prozent auf 321.000).

Die Krise vor allem in Brasilien machte sich für die Zahl der Millionäre in Lateinamerika bemerkbar, sie ging um 2,2 Prozent zurück. Auch in Afrika nahm die (ohnehin niedrige) Zahl von Millionären ab, um 1,8 Prozent. Russland und Brasilien tauschten in der Rangfolge der Länder mit den meisten Millionären ihren Platz: Russland verlor etwa 3000 Millionäre auf  152.000, Brasilien verlor 12.000 Millionäre auf 149.000 und landete damit hinter Russland. Auch Taiwan und Mexiko tauschten die Plätze, weil Mexiko 2000 Millionäre verlor, während Taiwan 2000 mehr verzeichnete. Indien konnte etwas aufsteigen und hat jetzt 200.000 Millionäre, etwa 2000 mehr als im Vorjahr.

In Spanien (plus 8 Prozent) und  in Frankreich (plus 6 Prozent) hat die Zahl der Millionäre zwar prozentual stärker zugenommen als in Deutschland, insgesamt gibt es der Studie zufolge dort aber deutlich weniger als hierzulande.

Große Ungleichheit auch unter Millionären

Zu der grundsätzlichen Frage, ob sich die Schere zwischen Arm und Reich in der Welt öffnet, hält der „World Wealth Report“ sich bedeckt. Er streicht vor allem heraus, dass sich das Vermögen der Reichen weiter erhöht hat. Zudem differenziert er nochmal zwischen ärmeren, mittelreichen und ganz reichen Millionären. Und zeigt, dass es auch dort keineswegs eine gleichmäßige Verteilung des Vermögens gibt.

Die oberste Gruppe, die „Ultra-HNWI“ mit einem Vermögen von 30 Millionen Dollar oder mehr, machten weltweit zahlenmäßig nur 0,9 Prozent aus, also einen verschwindend kleinen Anteil unter den Reichen insgesamt. Diese Superreichen aber besäßen 34,1 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die mittlere Gruppe, mit 5 bis 30 Millionen Dollar, machten zahlenmäßig 9 Prozent aller Millionäre aus und besäßen etwa 22,5 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die unterste Gruppe mit 1 bis 5 Millionen Dollar Vermögen, die „Millionaires Next Door“, die „Millionäre von Nebenan“, wie der Bericht es formuliert, kämen zwar zahlenmäßig auf 90 Prozent aller Reichen – sie besäßen aber „nur“ 43,3 Prozent des gesamten Millionärsvermögens.

Immobilien und Aktien besonders beliebte Geldanlagen

Der Bericht beschäftigt  sich auch damit, wie die Reichen ihr Geld anlegen. Dabei fällt global für 2015 ein hoher Anteil von Aktien (26,8 Prozent), aber auch von Cash (25,6 Prozent) auf. Regional gibt es offenbar noch Unterschiede. Die Millionäre in Nordamerika stecken mehr in Aktien, die in Europa mehr in Immobilien. Auch die Anlage in börsengehandelte Indexfonds (ETF) ist offenbar unter Millionären insgesamt beliebter geworden. Hinsichtlich der Digitalisierung bescheinigt der Report den Millionären noch Nachholbedarf, allerdings äußern sie sich grundsätzlich aufgeschlossen, auch digitalen Instrumenten bei der Vermögensverwaltung zu vertrauen.

In Deutschland sollen die Millionäre ihr Geld zu 26,4 Prozent in Aktien gesteckt haben, zu 22,2 Prozent in Immobilien, zu 16,6 Prozent in Anleihen, zu 15,3 Prozent in alternative Investments wie Private Equity, Hedgefonds oder Rohstoffe und zu 19,5 Prozent in Bar oder in Bargeld entsprechenden Anlagen halten. Damit war der Anleihen-Anteil deutlich kleiner als im weltweiten Durchschnitt und vor allem der Immobilienanteil deutlich größer. Anders als der Durchschnittsdeutsche sind die Millionäre in Deutschland aber offenbar sogar leicht überdurchschnittlich in Aktien investiert.

Für die Zukunft hat Capgemini unterschiedliche Szenarien untersucht und daraus Prognosen abgeleitet. Unter dem optimistischen Wachstumsszenario kämen die Millionäre bis 2025 auf ein Vermögen von zusammen immerhin 106 Billionen Dollar. Damit würde erstmals die Grenze von 100 Billionen Dollar überschritten. Das wäre nahezu eine Verdreifachung des Vermögens der Reichen seit 2006. Starke Zuwächse zwischen 2015 und 2025 hätten nach dieser Prognose vor allem die Millionäre im asiatisch-pazifischen Raum (plus 142 Prozent) und im Mittleren Osten (plus 92 Prozent). In Europa würden die Reichen ihr Vermögen in diesen zehn Jahren um rund 46 Prozent steigern. Als besonders interessante Branchen werden dabei die Finanzindustrie und die High-Tech-Branche eingestuft, als besonders interessante Märkte China, die Vereinigten Staaten und Indien.

Quelle: „World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

Waffenindustrie: Deutsche Rüstungsexporte verdoppeln sich nahezu

Die deutschen Rüstungsexporte haben sich einem Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr fast verdoppelt. 2015 seien Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 7,86 Milliarden Euro erteilt worden, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den „Rüstungsexportbericht 2015“ des Wirtschaftsministeriums, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will.2014 hat die Regierung lediglich Rüstungsexporten im Wert von 3,97 Milliarden Euro eine Ausfuhrgenehmigung erteilt. Die Rüstungsexporte seien damit auf den höchsten Stand in diesem Jahrhundert gestiegen, schreibt die Zeitung.Mit 7,86 Milliarden Euro habe das Volumen im vergangenen Jahr auch jene 7,5 Milliarden Euro übertroffen, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Februar unter Berufung auf vorläufige Zahlen genannt hatte.

Quelle: Waffenindustrie: Deutsche Rüstungsexporte verdoppeln sich nahezu – Wirtschaftspolitik – FAZ

Geldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt

In vielen Ländern können die Bürger nicht mehr überall bar bezahlen. Jetzt will Dänemark dem Handel erlauben, Geldscheine abzulehnen. Was hinter den weltweiten Verboten von cash money steckt.

Eigentlich ist die Sache eindeutig. Paragraf 128 des EU-Vertrags legt fest, dass die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten die einzigen sind, die in der Union als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gelten. Mit einem gesetzlichen Zahlungsmittel kann man immer zahlen – es sei denn, dass vertraglich ein anderes Zahlungsmittel vereinbart wurde.

Cash is king? Trotz dieser rechtlich garantierten Stellung der vom Staat herausgegebenen Banknoten führen die Regierungen vieler EU-Staaten eine Kampagne zur Verdrängung des Bargelds. Sie wird in staatskritisch-libertären Kreisen als „Krieg gegen das Bargeld“ gegeißelt.

Einen spektakulären Schritt in Richtung bargeldlose Zukunft erwägt die dänische Regierung. Sie hat ausgerechnet in ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Cash is king?

Die romanischen Länder Europas gehen seit einigen Jahren mit dem Ziel der Eindämmung der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung einen anderen Weg, Bargeld zurückzudrängen. Sie verbieten das Bezahlen größerer und inzwischen schon mittlerer Rechnungen mit Scheinen. So plant die französische Regierung für Inländer die Grenze von 1.500 Euro auf 1.000 Euro zu senken, ab der man nicht mehr bar bezahlen darf.

In Italien gilt diese Obergrenze für Barzahlungen bereits seit Ende 2011. Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der wenige Wochen vorher zurückgetreten war, sprach damals von „der realen Gefahr, die Grenze zum Fiskal-Polizeistaat zu überschreiten“.

Cash-Obergrenzen in Griechenland

In Griechenland wurde die Barzahlungs-Obergrenze bereits auf 500 Euro abgesenkt und in den Verhandlungen mit den Geldgebern soll sogar die viel niedrigere Grenze von 70 Euro im Gespräch sein. Der US-Bundesstaat Louisiana verbot jüngst den Verkauf jeglicher Gebrauchtwaren gegen Bares. Der libertäre Finanzblogger Martin Armstrong spricht angesichts solcher Entwicklungen vom „Zeitalter des ökonomischen Totalitarismus“.

Auch in Deutschland, wo Bargeld noch sehr stark genutzt wird, hat der Staat ein gespaltenes Verhältnis zum Bargeld. Im Bundesbankgesetz hat er festgelegt, dass Euro-Banknoten einziges „unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel“ sind.

Als Fiskus weigert er sich aber, zur Begleichung von Steuerschulden dieses „unbeschränkte“ gesetzliche Zahlungsmittel anzunehmen. Jedenfalls steht auf Steuerbescheiden, Bargeld werde nicht akzeptiert.

viaGeldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt – Rohstoffe + Devisen – Finanzen – Handelsblatt.

Sicherheitspolitik: Im Ernstfall sollen EU-Battlegroups eingreifen

Frankreich, Deutschland und Polen reagieren auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Eine bereits seit 2007 existierende EU-Kampftruppe soll im Ernstfall nun wirklich zum Einsatz kommen.

Die Staaten des „Weimarer Dreiecks“ – Frankreich, Deutschland und Polen – wollen zu einem Motor für die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU werden. Das kommt in einem am Montag formulierten gemeinsamen Brief an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zum Ausdruck, den nach den Verteidigungsministern der drei EU-Staaten auch ihre Außenminister noch unterzeichnen wollen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, ihr französischer Kollege Jean-Yves Le Drian und der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak vereinbarten in Schwielowsee bei Potsdam unter anderem, sich dafür stark zu machen, dass die sogenannten EU-Battlegroups als erste Kräfte in ein Krisengebiet gehen.

EU will der NATO keine Konkurrenz machen

Die jeweils mindestens 1500 Soldaten starken EU-Einheiten existieren zwar bereits seit 2007. Sie kamen allerdings aufgrund divergierender außenpolitischer Interessen der Mitgliedstaaten bislang nie zum Einsatz.

Außerdem stellten die verschiedenen EU-Staaten Truppen mit sehr unterschiedlichen militärischen Fähigkeiten zur Verfügung. Von der Leyen betonte: „Unser Vorhaben steht nicht im Widerspruch zur Nato.“ Es gehe vielmehr darum, „eine starke und leistungsfähige europäische Säule“ innerhalb der Nato zu schaffen.

Reaktion auf die Annexion der Krim

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Frankreich und Polen will sich von der Leyen „in besonderem Maße“ für die Umsetzung der Beschlüsse des Nato-Gipfels in Wales engagieren. Diese waren unter dem Eindruck der russischen Annexion der Krim und der Moskauer Außenpolitik der vergangenen Monate getroffen worden.

Zu diesen Beschlüssen gehörte vor allem die Bildung einer schnellen Nato-Eingreiftruppe (Speerspitze). „Europa ist heute mehr denn je von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen umgeben“, stellten die Verteidigungsminister fest.

Der Begriff „Weimarer Dreieck“ geht auf ein Treffen zwischen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und seinen französischen und polnischen Kollegen, Roland Dumas und Krzyztof Skubiszewski, in Weimar 1991 zurück.

viaSicherheitspolitik: Im Ernstfall sollen EU-Battlegroups eingreifen – DIE WELT.

http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Gendarmerietruppe