Chinesen kaufen den Flughafen Frankfurt-Hahn

Der Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn an einen chinesischen Bieter ist unter Dach und Fach. Nach Informationen vom Sonntag ist der Kaufvertrag notariell besiegelt. Bereits Ende Mai war bekannt geworden, dass das Land Rheinland-Pfalz den Regionalflughafen an chinesische Investoren verkaufen will.

Zuletzt hatten die Flughafenbesitzer mit drei chinesischen Unternehmen verhandelt,darunter dem Mischkonzern HNA. Letzterer wollte jedoch nur einen symbolischen Kaufpreis zahlen, verlangte Subventionen und sei deshalb nicht mehr im Rennen. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge dürfte der Airport in Kürze für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag den Besitzer wechseln.

Kein Erfolgsmodell für Regionalflughäfen

Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Rheinland-Pfalz – mit 82,5 Prozent Haupteigner des Flughafens – musste wiederholt Geld nachschießen. Das Land hatte die Mehrheit an der Betreibergesellschaft Ende vorigen Jahrzehnts von Frankfurter Flughafen übernommen. Zweiter Anteilseigener an dem Airport im Hunsrück ist mit 17,5 Prozent Hessen.

Eines des größten Probleme von Hahn ist, dass Hauptnutzer Ryanair seit Jahren sein Angebot dort schrumpft und seine Flugzeuge lieber an großen Flughäfen wie Köln einsetzt. Voriges Jahre zählte Hahn nur noch 2,7 Millionen Passagiere nach knapp vier Millionen vor zehn Jahren. Zudem liegt Hahn 120 Kilometer von Frankfurt entfernt, die Fahrt dauert zwei Stunden. Im zweiten Geschäftsfeld Luftfracht hat sich Hahn einen festen Platz in der Branche erarbeitet und rangiert in Deutschland an fünfter Stelle. Allerdings kämpfen Cargo-Airlines derzeit weltweit wegen Überkapazitäten mit fallenden Preisen. Nach Aussage eines Branchenbeobachters müsste der neue Flughafeneigner am besten ein eigenes Frachtgeschäft mitbringen, um Hahn besser auszulasten.

Zudem ist unter hiesigen Airports nach einigen prominenten Fehlschlägen mit chinesischen Geldgebern die Vorsicht groß. 2014 etwa hatte ein Investor aus dem Reich der Mitte den insolventen Flughafen Lübeck gekauft und wollte dort den Medizintourismus ausbauen. Die Pläne floppten, ein Jahr später war der Airport erneut Pleite. In den Schlagzeilen war auch die Übernahme des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern 2007 durch einen ansonsten unbekannten chinesischen Geschäftsmann. Der angekündigte Ausbau des alten Militärflughafens in ein Fracht- und Passagierdrehkreuz geht bis heute nur sehr langsam voran.

Quelle: Chinesen kaufen den Flughafen Frankfurt-Hahn

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Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder

Zu viele Teenager und junge Erwachsene sterben an Krebs, wie eine europaweite Studie ermittelt hat. Laut den in „Lancet Oncology“ veröffentlichten Ergebnissen ist ihre Überlebensrate bei Erkrankungen wie Leukämie deutlich geringer als bei jüngeren Kindern. Die Forscher gehen davon aus, dass Unterschiede bei den Tumoren, Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung sowie der Mangel an klinischen Studien für diese Altersgruppe verantwortlich sind. Deutlich schlechtere Aussichten Für die Studie wurden Daten aus 27 Ländern zu fast 57.000 Krebserkrankungen bei Kindern und 312.000 Erkrankungen bei Teenagern und jungen Erwachsenen analysiert. Insgesamt waren die Fünf-Jahres-Überlebensraten bei Teenagern und jungen Erwachsenen mit 82 Prozent im Vergleich zu 79 Prozent bei Kindern höher. Diese besseren Aussichten waren jedoch großteils dadurch bedingt, dass die älteren Betroffenen an Krebsarten erkranken, die über eine bessere Prognose verfügten. Der Gesamtwert verbarg jedoch jene Besorgnis erregenden Bereiche, in denen bei acht in beiden Altersgruppen häufig auftretenden Krebsarten die Aussichten deutlich schlechter waren. Laut Forschungsleiterin Annalisa Trama von der Fondazione IRCCS Istituto Nazionale Tumori http://bit.ly/1TIyORT leben in Europa mehr Kinder, Heranwachsende und junge Erwachsene fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch. „Dennoch sterben Teenager und junge Erwachsene bei bestimmten Krebsarten vor allem an Erkrankungen des Blutes früher als Kinder.“ Überblick über Krebserkrankungen Die Fünf-Jahres-Überlebensrate lag bei akuter lymphatischer Leukämie bei Teenagern und jungen Erwachsenen bei 56 Prozent, bei Kindern jedoch bei 85,8 Prozent. Bei akuter myeloischer Leukämie lagen die Unterschiede bei 50 Prozent im Vergleich zu 61 Prozent. Beim Hodgkin-Lymphom gab es mit 93 beziehungsweise 95 Prozent bei Kindern eine geringere Differenz. Beim Non-Hodgkin-Lymphom war der Unterschiede zwischen Teenagern, jungen Erwachsenen und Kindern mit 77 zu 83 Prozent wieder deutlicher ausgeprägt. Bei Astrozytomen, einer Krebserkrankung des Gehirns, befand sich die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 46 Prozent bei den älteren Patienten und bei 62 Prozent bei den Kindern. Beim Ewing-Sarkom zeigten sich mit 49 Prozent und 67 Prozent ebenfalls deutliche Unterschiede. Beim Rhabdomyosarkom, einer Erkrankung der Weichteile, klaffte die Differenz mit 38 beziehungsweise 67 Prozent noch weiter auseinander. Bei Osteosarkomen standen 62 Prozent bei Teenagern und jungen Erwachsenen 67 Prozent bei Kindern gegenüber.

Quelle: Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder – Krebs: Junge Menschen sterben häufiger als Kinder

„Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall“

Arbeitsministerin Nahles:
„Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall“

Die Arbeitslosenzahlen werden wegen der Flüchtlinge wohl steigen, sagt Arbeitsministerin Andrea Nahles. Denn die meisten könnten nicht sofort in einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung vermittelt werden.

Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat dafür geworben, Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Allerdings bringe nicht einmal jeder Zehnte die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden, sagte die SPD-Politikerin während der Haushaltsberatungen im Bundestag an diesem Donnerstag. „Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“

Dies werde sich auch in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen. Daran sollten sich in einem Jahr alle erinnern, die nun, wie sie, für die Aufnahme der Flüchtlinge einträten: „Das ist dann kein Zeichen einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik, sondern ein Zeichen, dass wir eine andauernde Aufgabe bewältigen müssen.“

Flüchtlinge sollen schnell „Nachbarn und Kollegen“ werden
In der Bundestagsdebatte über den Haushaltsentwurf für ihr Ministerium unterstrich Nahles, dass sie in ihrem Etat 2016 voraussichtlich zusätzlich drei Milliarden Euro benötigen werde. Allein für den Lebensunterhalt von Flüchtlingen, die in Deutschland bleiben dürften, rechne sie mit Mehrausgaben von ein bis zwei Milliarden Euro. Für Programme zur Integration in den Arbeitsmarkt veranschlage sie 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro. Für berufsbezogene Sprachkurse seien zusätzlich 180 Millionen Euro erforderlich.

„Aus den Flüchtlingen sollen möglichst schnell Nachbarn und Kollegen werden“, sagte Nahles: „Die Menschen wollen lernen, und sie wollen arbeiten.“ Für Westbalkan-Bürger plant Nahles ein jährliches Kontingent von bis zu 20.000 Arbeitsvisa, wenn sie einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag für Deutschland haben.

Dass die vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, auch eine große Chance darstellen, finden derweil auch die Ökonomen am Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird. Mittel- bis langfristig dürften insbesondere die vielen jungen Zuwanderer die Sozialsysteme entlasten, sagen die Forscher in ihrer Herbstprognose voraus.

Dazu sei es allerdings nötig, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch wegen des demografischen Wandels stehen die Chancen hierfür laut den Essener Ökonomen nicht schlecht.

via http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitslosenzahl-steigt-durch-fluechtlinge-laut-andrea-nahles-13795574.html?GETS=pt;7;pcp;newsletter;pcc;newsletter.redaktionell.Themen+des+Tages&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Themen+des+Tages

Geldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt

In vielen Ländern können die Bürger nicht mehr überall bar bezahlen. Jetzt will Dänemark dem Handel erlauben, Geldscheine abzulehnen. Was hinter den weltweiten Verboten von cash money steckt.

Eigentlich ist die Sache eindeutig. Paragraf 128 des EU-Vertrags legt fest, dass die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten die einzigen sind, die in der Union als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gelten. Mit einem gesetzlichen Zahlungsmittel kann man immer zahlen – es sei denn, dass vertraglich ein anderes Zahlungsmittel vereinbart wurde.

Cash is king? Trotz dieser rechtlich garantierten Stellung der vom Staat herausgegebenen Banknoten führen die Regierungen vieler EU-Staaten eine Kampagne zur Verdrängung des Bargelds. Sie wird in staatskritisch-libertären Kreisen als „Krieg gegen das Bargeld“ gegeißelt.

Einen spektakulären Schritt in Richtung bargeldlose Zukunft erwägt die dänische Regierung. Sie hat ausgerechnet in ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Cash is king?

Die romanischen Länder Europas gehen seit einigen Jahren mit dem Ziel der Eindämmung der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung einen anderen Weg, Bargeld zurückzudrängen. Sie verbieten das Bezahlen größerer und inzwischen schon mittlerer Rechnungen mit Scheinen. So plant die französische Regierung für Inländer die Grenze von 1.500 Euro auf 1.000 Euro zu senken, ab der man nicht mehr bar bezahlen darf.

In Italien gilt diese Obergrenze für Barzahlungen bereits seit Ende 2011. Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der wenige Wochen vorher zurückgetreten war, sprach damals von „der realen Gefahr, die Grenze zum Fiskal-Polizeistaat zu überschreiten“.

Cash-Obergrenzen in Griechenland

In Griechenland wurde die Barzahlungs-Obergrenze bereits auf 500 Euro abgesenkt und in den Verhandlungen mit den Geldgebern soll sogar die viel niedrigere Grenze von 70 Euro im Gespräch sein. Der US-Bundesstaat Louisiana verbot jüngst den Verkauf jeglicher Gebrauchtwaren gegen Bares. Der libertäre Finanzblogger Martin Armstrong spricht angesichts solcher Entwicklungen vom „Zeitalter des ökonomischen Totalitarismus“.

Auch in Deutschland, wo Bargeld noch sehr stark genutzt wird, hat der Staat ein gespaltenes Verhältnis zum Bargeld. Im Bundesbankgesetz hat er festgelegt, dass Euro-Banknoten einziges „unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel“ sind.

Als Fiskus weigert er sich aber, zur Begleichung von Steuerschulden dieses „unbeschränkte“ gesetzliche Zahlungsmittel anzunehmen. Jedenfalls steht auf Steuerbescheiden, Bargeld werde nicht akzeptiert.

viaGeldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt – Rohstoffe + Devisen – Finanzen – Handelsblatt.

Frankreich: Parlament beschließt Überwachungsgesetz

Das Unterhaus des französischen Parlaments hat mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den Geheimdiensten mehr Macht gibt. Ein zentraler Punkt: Internet-Überwachung im Stil der NSA.

Frankreichs Nationalversammlung hat, unter dem Eindruck der „Charlie Hebdo“- und HyperCacher-Attentate, ein Gesetz durchgewinkt, das die französischen Geheimdienste mit umfassenden neuen Möglichkeiten ausstattet. Dazu gehört auch die Speicherung von Internet-Metadaten mithilfe von Black Boxes, die die Dienste bei Internet-Providern aufstellen dürfen. Der Text kommt nun Ende Mai in den französischen Senat, die zweite Parlamentskammer.

 

Das neue Gesetz passierte das Parlament mit 438 zu 86 Stimmen, es definiert Bedingungen, unter denen Geheimdienste überhaupt Informationen sammeln dürfen. Gerichtsbeschlüsse sind für diese Art von Maßnahmen nicht erforderlich. Besonders ausgeprägte Kritik löst aus, dass in großem Stil Verbindungsdaten mithilfe von Algorithmen ausgewertet werden dürfen, um eine „terroristische Bedrohung“ aufzudecken. Kritiker vergleichen das mit den Praktiken des US-Geheimdienstes NSA.

Die Gegner finden die neuen Befugnisse deutlich zu breit, die Bedingungen zu unspezifisch, berichtet unter anderem die BBC. Neben der Terrorbekämpfung und „wichtigen außenpolitischen Interessen“ ist dort beispielsweise auch von „industriellen und wissenschaftlichen Interessen“ die Rede und der „Abwehr von Angriffen auf Institutionen der Republik“. Die – wenigen – Kritiker des Gesetzes hatten im Vorfeld bemängelt, solche vagen Vorgaben könnten auch die Überwachung von politischen Aktivisten oder Journalisten rechtfertigen.

Nach den Anschlägen wurde der Prozess beschleunigt

Das Gesetz sieht auch vor, dass ein neues Aufsichtsorgan geschaffen wird, die sogenannte Nationale Kommission für die Kontrolle von Geheimdiensttechniken. Dieses Gremium muss Geheimdiensteinsätze zwar künftig genehmigen, kann jedoch vom Präsidenten überstimmt werden. Außerdem enthält das Gesetz Ausnahmeregelungen für Überwachung in „Notfällen“, in denen sich die Genehmigung durch die neue Kommission umgehen lässt.

Angesichts der anhaltenden Kritik, das Gesetz verleihe den Geheimdiensten zu viel Macht und ebne den Weg zu einer massiven Überwachung der französischen Bevölkerung, hatte Staatschef François Hollande angekündigt, vor Inkrafttreten des Textes selbst den Verfassungsrat anrufen zu wollen. Dieser soll dann die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes prüfen. In Frankreichs jüngerer Geschichte ist es nie vorgekommen, dass ein Präsident selbst den Verfassungsrat anruft, um ein Gesetz seiner Regierung prüfen zu lassen.

Die Arbeit an dem Gesetz hatte bereits im Sommer 2014 begonnen. Nach den islamistischen Anschlägen vom Januar auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und weitere Ziele mit 17 Todesopfern wurde die Erarbeitung des Gesetzes beschleunigt.

viaFrankreich: Parlament beschließt Überwachungsgesetz – SPIEGEL ONLINE.

Umwelt: Weichtiere leiden unter Invasoren und Antibabypille

Krieg in deutschen Gewässern: Hartgesottene Invasoren aus Osteuropa oder Asien verdrängen heimische Weichtierarten. Eine weitere Gefahr droht aber noch von einem anderen Feind: der Antibabypille.

Karl-Heinz Frey ist besorgt. Seit sieben Jahren untersucht der passionierte Naturschützer das Vorkommen von Schnecken und Muscheln in baden-württembergischen Gewässern.

Auf Spaziergängen und Wanderausflügen nimmt der 70-Jährige aus Nürtingen (Kreis Esslingen) regelmäßig Proben, zählt und bestimmt die gefundenen Tiere. 70 bis 100 Bäche, Flüsse und Seen hat er auf diese Weise schon unter die Lupe genommen – sein Urteil ist verheerend.

„Den Wasserschnecken und Muscheln geht es schlecht“, warnt Frey. „Artenzahlen und Bestände gehen rapide zurück.“

Bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) schätzt man die Situation nicht als so dramatisch ein. Vor allem an Dauermessstellen der kleineren Gewässer seien die Weichtier-Bestände in den vergangenen Jahren landesweit sogar relativ stabil gewesen, sagt Michael Marten, Süßgewässerbiologe an der LUBW.

Lokal könnten sich die Lebensverhältnisse jedoch so verändern, dass Weichtiere und andere wirbellose Fließwassertiere gefährdet werden. Probleme gebe es vor allem in den großen Flüssen.

Konkurrenz um Nahrung und Lebensräume

Marten verantwortet eine Langzeitmessung zu wirbellosen Fließgewässertieren, die seit 1995 Daten in ganz Baden-Württemberg sammelt. Ein zentrales Ergebnis: Einwanderer machen den heimischen Arten zu schaffen.

„In Rhein, Neckar und Donau gibt es starke Veränderungen der Weichtierfauna, vor allem durch die Einschleppung neuer Arten“, so Marten. „Das hat sich negativ auf Bestände und Artenzahlen der heimischen Spezies ausgewirkt, weil die neuen den heimischen Arten ihre Nahrung und ihre Lebensräume wegnehmen.“

Stefan Werner, Biologe am Hydra-Institut in Konstanz, hat seine Doktorarbeit über solche eingewanderten Arten geschrieben. „Viele von ihnen sind durch die Öffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals im Jahr 1992 zu uns gekommen“, erklärt er.

„Sie kamen mit dem Großschiffverkehr, als Larven im Ballastwasser der Schiffe oder als adulte Tiere, angeheftet an den Schiffsrumpf.“

Einwanderer wie die Asiatische Körbchenmuschel oder die Neuseeländische Zwergdeckelschnecke hätten einen anderen Lebenszyklus als heimische Arten und vermehrten sich deshalb viel stärker, sagt Werner.

Die Quagga- und die Zebramuschel aus dem Schwarzmeerraum seien in der Lage, sich mit ihren Haftfäden auf heimische Großmuscheln zu setzen, die bei massivem Befall verhungern könnten.

Neue Arten werden große Flüsse komplett erobern

„Im Rhein zwischen Karlsruhe und Mannheim und auch im Neckar gibt es große Abschnitte, in denen die eingewanderten Arten bereits 80 bis 100 Prozent der vorhandenen Individuen ausmachen“, sagt Marten von der LUBW. „Man muss davon ausgehen, dass die neuen Arten nach und nach die großen Flüsse komplett erobern werden.“

Der Kampf gegen die Invasoren sei extrem schwierig, da alle Maßnahmen immer auch die heimischen Arten treffen würden. Auch seien die Neueinwanderer robuster gegen bauliche Veränderungen an Gewässern.

So würden heimische Arten durch Begradigungen von Flüssen und daraus folgende Eintönigkeit des Lebensraumes sowie permanente Bewegung der Gewässersohle deutlich mehr leiden als die eingeschleppten.

Vertreter der eingewanderten Arten trifft auch Naturschützer Frey auf seinen Untersuchungsspaziergängen häufig. Er warnt zudem noch vor einem anderen Problem, das seiner Ansicht nach heimische wie fremde Arten gleichermaßen betrifft: „In unsere Flüsse und Seen gelangen immer mehr künstliche Hormone wie die aus der Antibabypille.“

Antibabypille lässt männliche Tiere verweiblichen

Übers Abwasser gelangen diese in die Umwelt, Wasserschnecken und Muscheln würden sie aufnehmen, wodurch es bei getrenntgeschlechtlichen Arten zu einer Verweiblichung der Männchen komme. Frey: „Diese Arten können sich dann nicht mehr vermehren, innerhalb von zwei bis drei Jahren ist eine Population ausgestorben.“

Um einschätzen zu können, ob dieses biologisch denkbare Problem in Baden-Württemberg langfristig zu Veränderungen der Lebensgemeinschaft führt, benötigt die LUBW zusätzliche Daten – und das langfristig.

Zwar wisse man, dass die Konzentration der Hormone in Gewässern sehr gering sei. Eine Wirkung könne aber nicht absolut ausgeschlossen werden, da die Langzeitstudie zu den Wirbellosen bisher nicht das Geschlechterverhältnis innerhalb einer Art erfasse, sagt Marten.

Frey hofft, dass weitere Untersuchungen stattfinden und auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene ein stärkeres Bewusstsein für die Bedürfnisse der Wasserschnecken und Muscheln entsteht.

„Schnecken und Muscheln sind Grundarten der Ökosysteme Fluss und See“, betont er. „Wenn es ihnen schlecht geht, leiden Fische, Krebse und Wasservögel – ganz am Ende auch der Mensch.“

viaUmwelt: Weichtiere leiden unter Invasoren und Antibabypille – DIE WELT.

Sicherheitspolitik: Im Ernstfall sollen EU-Battlegroups eingreifen

Frankreich, Deutschland und Polen reagieren auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Eine bereits seit 2007 existierende EU-Kampftruppe soll im Ernstfall nun wirklich zum Einsatz kommen.

Die Staaten des „Weimarer Dreiecks“ – Frankreich, Deutschland und Polen – wollen zu einem Motor für die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU werden. Das kommt in einem am Montag formulierten gemeinsamen Brief an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zum Ausdruck, den nach den Verteidigungsministern der drei EU-Staaten auch ihre Außenminister noch unterzeichnen wollen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, ihr französischer Kollege Jean-Yves Le Drian und der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak vereinbarten in Schwielowsee bei Potsdam unter anderem, sich dafür stark zu machen, dass die sogenannten EU-Battlegroups als erste Kräfte in ein Krisengebiet gehen.

EU will der NATO keine Konkurrenz machen

Die jeweils mindestens 1500 Soldaten starken EU-Einheiten existieren zwar bereits seit 2007. Sie kamen allerdings aufgrund divergierender außenpolitischer Interessen der Mitgliedstaaten bislang nie zum Einsatz.

Außerdem stellten die verschiedenen EU-Staaten Truppen mit sehr unterschiedlichen militärischen Fähigkeiten zur Verfügung. Von der Leyen betonte: „Unser Vorhaben steht nicht im Widerspruch zur Nato.“ Es gehe vielmehr darum, „eine starke und leistungsfähige europäische Säule“ innerhalb der Nato zu schaffen.

Reaktion auf die Annexion der Krim

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Frankreich und Polen will sich von der Leyen „in besonderem Maße“ für die Umsetzung der Beschlüsse des Nato-Gipfels in Wales engagieren. Diese waren unter dem Eindruck der russischen Annexion der Krim und der Moskauer Außenpolitik der vergangenen Monate getroffen worden.

Zu diesen Beschlüssen gehörte vor allem die Bildung einer schnellen Nato-Eingreiftruppe (Speerspitze). „Europa ist heute mehr denn je von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen umgeben“, stellten die Verteidigungsminister fest.

Der Begriff „Weimarer Dreieck“ geht auf ein Treffen zwischen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und seinen französischen und polnischen Kollegen, Roland Dumas und Krzyztof Skubiszewski, in Weimar 1991 zurück.

viaSicherheitspolitik: Im Ernstfall sollen EU-Battlegroups eingreifen – DIE WELT.

http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Gendarmerietruppe