Reisen Erreger auf Mikroplastik durchs Meer?

Es wimmelt bedenklich: Unmengen winziger Kunststoffpartikel wirbeln in den Meeren umher und machen den Lebewesen zu schaffen. Nun haben deutsche Forscher eine weitere mögliche Bedrohung durch das Mikroplastik aufgezeigt: Sie entdeckten potenziell krankheitserregende Bakterien auf den schwimmenden Partikeln in Nord- und Ostsee. Sie wollen nun die mögliche Rolle des Mikroplastiks bei der Verbreitung von Erregern genauer untersuchen.

Bakterien mögen’s warm: Mit den steigenden Temperaturen im Rahmen des Klimawandels können sich die Mikroben in Nord- und Ostsee stärker vermehren. In den vergangenen Jahren waren darunter auch ausgesprochen problematische: Bakterien der Gattung Vibrio, die Durchfallerkrankungen oder schwere Entzündungen hervorrufen können. „Vibrionen sind Klimawandel-Gewinner, weil ihre Anzahl bei hohen Temperaturen in die Höhe schnellt“, sagt Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland. Gerade in küstennahen Gebieten der Ostsee kam es in der Vergangenheit bei Hitzewellen immer wieder zu Krankheits- und auch Todesfällen, für die das Bakterium Vibrio vulnificus verantwortlich war.

Krankheitserreger an Bord?

Gerdts und seine Kollegen sind nun der Frage nachgegangen, ob sich diese Erreger auch auf einem vergleichsweise neuen Lebensraum breit machen: auf den Oberflächen der winzigen Plastikpartikel. Schon lange prangern Umweltschützer das Problem des Mikroplastiks an. Es handelt sich um Teilchen von unter fünf Millimetern Größe, die sich vor allem durch den Zerfall von Kunststoffen im Meer bilden. Auf den Partikeln können sich bekanntermaßen Lebewesen ansiedeln – Bakterien, Pilze und Algen bilden auf ihnen schleimige Schichten, sogenannt Biofilme. Enthalten sie aber auch die problematischen Vibrionen?

Um das zu klären, haben die AWI-Wissenschaftler an 62 Stationen in Nord- und Ostsee Wasserproben genommen sowie Mikroplastikpartikel gezielt von unterhalb der Wasseroberfläche abgefischt. Die Laboruntersuchungen zeigten: Bei 19 der insgesamt 185 Proben fanden die Forscher Vibrionen auf den Plastikpartikeln. Es handelte sich bei ihnen allerdings nicht um die schlimmsten Formen dieser Bakterien. Bei Vibrionen unterscheidet man neben Arten auch Genotypen, deren krankheitserregendes Potential unterschiedlich ist. Doch in jedem Fall scheint klar: Die Mikropartikel bieten diesen Mikroben Lebensraum.

Wachsamkeit ist angesagt

„Das zeigt das Potenzial auf, dass die Krankheitserreger möglicherweise auf den Partikeln hitchhiken, sich also per Anhalter innerhalb eines Ökosystems verteilen und auch darüber hinaus verbreiten können“, sagt Gerdts. „An der Nord- und Ostseeküste untersuchen die Landesuntersuchungsämter bereits exemplarisch Wasserproben hinsichtlich Vibrio-Spezies. Sollte sich in der Zukunft zeigen, dass mit Vibrionen aufgeladene Mikroplastikpartikel regelmäßig vorkommen, gibt das Anlass zur Sorge, da Biofilme allgemein höhere Bakterien-Dichten aufweisen als das Freiwasser“, sagt der AWI-Forscher.

Er und seine Kollegen wollen die Rolle der Partikel für die Anreicherung und mögliche Verbreitung dieser Bakterien nun noch genauer untersuchen. Eine wichtige Frage ist dabei, wie dicht die Partikel mit den Problem-Bakterien besiedelt sind. Denn bisher konnten die Wissenschaftler ausschließlich nachweisen, ob Vibrionen an den Mikroplastikpartikeln leben oder nicht. „In Zukunft wollen wir daher die Anzahl der Vibrionen auf den Plastikpartikeln zusätzlich mittels der sogenannten quantitativen Polymerase-Kettenreaktion bestimmen, die dann auch quantitative Vergleiche ermöglicht“, sagt Gerdts.

Quelle: Reisen Erreger auf Mikroplastik durchs Meer? – bild der wissenschaft

Advertisements

Hirnforschung: Fehlerhafte MRT-Software schürt Zweifel an Zehntausenden Studien

Hirnforscher greifen für die Auswertung von Magnetresonanztomographen auf Software zurück, die viel zu hohe Fehlerraten hat. Das haben Forscher jetzt ermittelt und entkräften damit möglicherweise rund 40.000 Studien.

Die am häufigsten genutzte Software zur Auswertung von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) weist offenbar viel zu hohe Fehlerraten auf, was Jahrzehnte an Hirnforschung entwerten könnte. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Gruppe von Forschern um den Schweden Anders Eklund, wie dessen Universität von Linköping zusammenfasst. Sie überprüften die Analysemethoden der meistgenutzten Software-Pakete für die fMRI-Analyse (SPM, FSL, AFNI) und fanden Raten von sogenannten False Positives – also Hirnaktivität, wo gar keine war – die teilweise 70 Prozent erreichten. Akzeptabel und theoretisch zu erwarten seien jedoch lediglich 5 Prozent.

Hirnforschung von außen

Bei der funktionellen Magnetresonanztomographie werden Durchblutungsprozesse im Gehirn quasi live gefilmt, ohne dass dafür störend in den Körper eingegriffen werden muss, erklärt Spektrum der Wissenschaft. Weil sauerstoffreiches Blut andere magnetische Eigenschaften hat als sauerstoffarmes, können starke Magnetfelder die Sauerstoffsättigung in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns mit großer Auflösung sichtbar gemacht werden. Hirnforscher hatten diese Technik jahrelang als Segen verstanden und unzählige Untersuchungen dazu unternommen, welche Hirnareale bei bestimmten Tätigkeiten aktiv sind und daraus die unterschiedlichsten Schlüsse gezogen.

Wie die Wissenschaftler um Eklund nun erläutern, werden bei der fMRI-Forschung beispielsweise die 3D-Aufnahmen von 20 gesunden Probanden mit denen von 20 kranken verglichen, also beispielsweise Patienten mit Hirnverletzungen oder bestimmten Schädigungen. Die dabei gefundenen Unterschiede werden ausgewertet und Forschungsgrundlage. Eklund und seine Kollegen verglichen nun aber stattdessen die Aufnahmen des Ruhezustands von 20 gesunden Probanden mit denen von anderen 20, ebenfalls Gesunden. Die Software sollte dabei eigentlich keine statistisch signifikanten Unterschiede finden (also weniger als 5 Prozent), stattdessen seien aber 60 bis 70 Prozent herausgekommen.

Grund für die Fehler sind den Wissenschaftlern zufolge jene Algorithmen, die aus den einzelnen gemessenen Bildpunkten im dreidimensionalen Raum größere Cluster bildet. Werden zwischen solchen Clustern auf zwei Aufnahmen Unterschiede erkannt, heben sie Cluster hervor. An der Zuverlässigkeit und der Reproduzierkarbeit dieses Verfahrens hatte es schon vorher Kritik gegeben. So hatte Spektrum der Wissenschaft das Vorgehen einiger Forscher mit dem eines Revolverhelden verglichen, der wahllos auf ein Scheunentor schießt und danach Zielscheiben um die Einschlusslöcher malt, die am nächsten beieinander liegen. Andere Forscher hätten mit den etablierten Methoden auch schon Hirnaktivität bei einem toten Lachs festgestellt.

Rechenpower als Lösung

Eklunds Ergebnisse mit der mathematisch untermauerten Kritik wurden nun in der Wissenschaftspublikation Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Es sei möglich, dass ungefähr 40.000 Studien davon betroffen sind, erklärt der Forscher. Einige seien vor mehr als zehn Jahren durchgeführt worden und es sei nicht einmal klar, ob das dafür verwendete Datenmaterial noch existiere. Er selbst schlägt jedenfalls vor, die Software zur Auswertung auf weniger Hypothesen zu begründen und dafür mehr Rechenzeit zu veranschlagen. Dank moderner Grafikkarten könne die dafür benötigte Zeit inzwischen auf akzeptable Maße gesenkt werden.

Quelle: Hirnforschung: Fehlerhafte MRT-Software schürt Zweifel an Zehntausenden Studien | heise online

Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs

Eine Analyse der Statistik Austria hat ergeben: Rund 70 Prozent der Österreicher, die im Vorjahr verstorben sind, litten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs

Rund vier von zehn Verstorbenen (44 Prozent) des Jahres 2015 hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Konkret waren das 35.537 Menschen. An zweiter Stelle der Todesursachen verzeichnet die Statistik Austria Krebs, dem 20.349 Menschen (24,5 Prozent) zum Opfer fielen. Damit entfallen etwa sieben von zehn Sterbefällen auf diese beiden Gruppen.

Die übrigen Todesfälle verteilten sich im Vorjahr auf Krankheiten der Atmungsorgane (4.464 bzw. 5,4 Prozent), der Verdauungsorgane (2.855 bzw. 3,4 Prozent), auf sonstige Krankheiten (15.343 bzw. 18,5 Prozent) und nichtnatürliche Todesursachen (Verletzungen und Vergiftungen; 4.525 Personen bzw. 5,4 Prozent).

2015 starben in Österreich 83.073 Personen, davon 52 Prozent Frauen. Berücksichtigt man die wachsende Bevölkerung und ihre kontinuierliche demografische Alterung, so sank die Sterblichkeit in den vergangenen zehn Jahren altersstandardisiert um elf Prozent. Ausschlaggebend dafür war vor allem die Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Lebensmitte

Zwischen Sterbealter und Todesursachen zeigt sich ein klarer Zusammenhang: So waren 2015 gut drei Viertel (77,6 Prozent) aller Verstorbenen 70 Jahre oder älter. Am häufigsten in dieser Altersgruppe sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Krebs sowie mit großem Abstand Krankheiten der Atmungsorgane und Ernährungs- bzw. Stoffwechselkrankheiten.

Rund ein Fünftel aller Todesfälle trat zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf, wobei der Großteil davon auf Krebserkrankungen zurückzuführen war. Vier von zehn Sterbefällen in dieser Altersgruppe werden durch ein Karzinom verursacht. Weiters sind im mittleren Erwachsenenalter bereits die Herz-Kreislauf-Krankheiten als Todesursache von Bedeutung: Rund jeder fünfte Todesfall war darauf zurückzuführen.

Frühes Sterben

Bei Jugendlichen und Erwachsenen unter 40 Jahren, zusammen knapp zwei Prozent aller Sterbefälle, zählten Unfälle zur häufigsten Todesursache. Ebenfalls relativ häufig waren Suizide und Krebs.

Bei den wenigen Todesfällen von Kindern im Alter von ein bis unter zehn Jahren (69 Todesfälle bzw. 0,1 Prozent) waren neben Krebs, Transportmittelunfälle und Fehlbildungen die häufigsten Ursachen. Bei Säuglingen (259 Todesfälle bzw. 0,3 Prozent) führten Geburtskomplikationen und angeborene Fehlbildungen am öftesten zum Ableben. (APA, 6.7.2016)

Quelle: Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs – Krankheit – derStandard.at › Gesundheit

Vital-Radio: Herzfrequenz & Co. über WLAN überwachen

Eine neue Technologie erlaubt es, über ein Gerät im W-Lan-Router Herzfrequenz und Atem zu messen. Auf Distanz und ganz unauffällig. Die Entwickler träumen vom Einsatz in Krankenhäusern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Man betritt den Raum, nichtsahnend, und wird erfasst: Atem, Herzschlag, Position, Gesten, alles wird aufgezeichnet, man merkt es nicht. Gut, wenn es zu unserem Besten geschieht, etwa um unserer Gesundheit willen. Schlecht, wenn ein solches System beispielsweise in einem Büro installiert wäre, um die Aktivität der Mitarbeiter zu erfassen. Fitness-Tracker und -Apps sind mittlerweile ein nicht zu unterschätzender Millionenmarkt. Neu ist aber, dass das Tracking auch durchgeführt werden kann, ohne dass derjenige es merkt.

„Vital-Radio“ nennt sich die neue Technologie, und sie ist klein genug, um in einem handelsüblichen W-Lan-Router untergebracht zu werden. Sie scannt die Umgebung – auf einer ganz ähnlichen Frequenz wie auch das W-Lan-Signal – nach Mustern, die auf Lebensformen hindeuten, misst die Entfernung zu ihnen und zeichnet dann Atemfrequenz und Herzschlag auf. Die Genauigkeit beträgt laut eines Forschungspapiers auch auf eine Entfernung von acht Metern noch über 98 Prozent.

Was Vital-Radio misst, sind Bewegungen: Das regelmäßige Heben und Senken eines Brustkorbs und der Pulsschlag etwa an der Halsschlagader – auch winzigste Vibrationen, die das menschliche Auge kaum erfassen kann. Und das sogar durch Wände hindurch. Schwierigkeiten hat das System bisher nur bei Personen, die in Bewegung sind. Und Menschen und Tiere kann es derzeit auch nicht zuverlässig unterscheiden.

„Atem und Herzschlag wären für Krankenhäuser interessant, wenn man Menschen überwachen möchte, ohne etwas direkt am Körper befestigen zu müssen“, sagt Fadel Adib, ein Mitglied des Forschungsteams, das am Massachusetts Institute of Technology (MIT) an der Entwicklung beteiligt war. Bei der Computerkonferenz CHI in Seoul, Südkorea, wurde die Technik der Öffentlichkeit vorgestellt, die Zeitschrift „New Scientist“ berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe darüber.

Wenn diese Daten jedoch erfasst werden können, kann man schnell auch Schlüsse daraus ziehen, etwa auf die Gefühle der im Umkreis erfassten Lebensformen. Und wenn Körperbewegungen erfasst werden, ist es nur ein kleiner Schritt, aus der Körpersprache auf die Intention einer Person zu schließen. Als Teil eines Smart Homes könnte Vital-Radio helfen, eine Umgebung angenehmer zu machen, wenn der Bewohner sich nicht wohlfühlt. Geräte oder Heizung könnten sich gestisch steuern lassen. Das wäre etwa für ältere Personen interessant. Als nächsten Schritt möchte das MIT-Team daran arbeiten, auch den Herzschlag von ungeborenen Kindern zu messen.

Ja, Vital-Radio kann helfen, und seine Erfinder haben sicherlich allerbeste Absichten. Man kann sich aber auch vorstellen, dass es in öffentlichen Gebäuden wie Flughäfen oder Bahnhöfen zum Einsatz kommt, um besonders nervöse Personen aus Sicherheitsgründen zu identifizieren. Oder, wenn es günstig und unauffällig genug ist, auch in Alltagssituationen wie Bewerbungsgesprächen. Es wird nämlich niemand gefragt, ob er überwacht werden will oder nicht. Vital-Radio misst einfach – und verrät alles. Und man bekommt es nicht einmal mit.

viaVital-Radio: Herzfrequenz & Co. über WLAN überwachen.

Fast Food macht faul und schädigt das Gehirn

Forscher weisen in einem Experiment nach, dass Fast Food nicht nur dick, sondern auch träge und faul macht – und das bereits nach zwei Wochen.

Ältere Studien haben bereits gezeigt, dass zu viel Fast Food nicht nur ungesund ist und dick macht, es verursacht auch Blähungen und Pickel. Nun haben australische Forscher der New South Wales Universität in Sydney in einem Experiment mit Ratten herausgefunden, dass Fast Food auch das Gehirn beeinflusst indem es träge und faul macht.

Die Experimentleiterin Margaret Morris beton, dass sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen: „Wenn wir übermäßig viel Fast Food essen passiert mit uns das Gleiche wie mit den Ratten.“

Normales und mit Fast Food angereichertes Futter

Für das Experiment gab es zwei Gruppen von Ratten. Beide Gruppen erhielten das gleiche Futter. Der Unterschied bestand darin, dass das Futter der einen Versuchsgruppe mit Fast Food angereichert wurde und das andere Futter nicht

Natürlich nahmen bei dem Ess-Experiment alle Tiere an Gewicht zu. Allerdings brachte bereits nach zwei Wochen die Fast-Food Gruppe ein halbes Fund mehr auf die Waage – für die Körpergröße einer Ratte ein enormer Gewichtzuwachs. Doch das übermäßiger Fast Food Konsum dick macht, war längst bekannt und dies wollten die Wissenschaftler um Morris auch nicht untersuchen. Viel interessanter war die Tatsache, dass die Tiere, die das mit Fast Food angereicherte Futter bekamen, wesentlich weniger Selbstbeherrschung hatten und eine ausgewogene Ernährung den Tieren nicht mehr wichtig erschien.

Zuckersüße Getränke verändern gewohnte Verhaltensmuster

Bestandteil des Experiments war allerdings nicht nur die Nahrungsaufnahme von sogenanntem Fast Food, sondern auch der Konsum stark gezuckerter Getränke – wie beispielsweise Cola.

Ein häufig auftretendes Verhalten in der Tierwelt ist, dass wenn die Tiere die Wahl haben, sie nie die Mahlzeit oder das Trinken wählen, mit denen sie sich bereits zuvor den Bauch vollgeschlagen haben. Dies soll die Tiere vor Übergewicht bewahren, wie auch die Vergleichsgruppe der Ratten bestätigen konnte.

Der Fast Food Gruppe hingegen waren die zahlreichen angebotenen Geschmacksrichtungen allerdings egal geworden. Sie machten sich gar nicht mehr die Mühe verschiedene Getränke zu probieren, sie entschieden sich immer wieder für die Getränke, die ihnen eigentlich schon zum Hals heraus hängen müssten.

Fast Foot verursacht langfristige Schädigung im Gehirn

Ebenfalls sehr interessant und erschreckend ist die Tatsache, dass sich das verhalten der Tiere auch nicht änderte, als die Tiere wieder gesundes Futter zu fressen bekamen. Schuld daran ist das Belohnungssystem im Gehirn: Der Konsum von Fast Food veränderte den orbitofrontale Kortex. Dieser Bereich im Gehirn ist für die Entscheidungsfindung zuständig und die Forscher konnten hier eine erschreckende Langzeitschädigung nachweisen.

Nutzen der Fast Food Studie

Die Forschungsergebnisse der aktuellen Fast Food Studie liefern wichtige Erkenntnisse zur Entstehung von Fettleibigkeit und über psychologische Reize im Bezug auf die menschliche Nahrungsaufnahme.

viaFast Food macht faul und schädigt das Gehirn.

Süßstoffe mit Schattenseite

Ob Aspartam, Saccharin oder Sucralose – künstliche Süßstoffe sollten eigentlich die gesunde Alternative zum kalorienhaltigen Zucker sein. Doch die Zuckerersatzstoffe geraten immer mehr ins Zwielicht. So zeigten Studien bereits, dass sie den Appetit steigern – und damit erst Recht zu Übergewicht führen können. Israelische Forscher haben nun eine weitere Schattenseite der Süßstoffe aufgedeckt: Sie stören den normalen Zuckerstoffwechsel des Körpers und können dadurch Glukose-Intoleranz auslösen, eine Vorform des Diabetes. In Versuchen mit Mäusen und Menschen zeigte sich auch, wie dies geschieht: Offenbar verändern die Süßstoffe die Darmflora zugunsten von Bakterienarten, die genau diese Stoffwechselstörung fördern.

viaSüßstoffe mit Schattenseite – bild der wissenschaft.

Die Chinesen sind zu dick

Chi, chi, chi, sagt die Großmutter immerzu und stopft den Mund des schreienden Kindes mit Süßigkeiten und anderen Leckereien voll – iss, iss, iss. Es ist eine inzwischen häufig zu beobachtende Methode in China, ein Kleinkind zur Ruhe zu bringen. Und häufig scheint sie zu wirken. Doch die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne. Viele Kinder in China neigen inzwischen zu Übergewicht und Fettleibigkeit.

Und nicht nur die Kinder sind zu dick. Die Zahl der Diabetiker in der Volksrepublik ist in den vergangenen 30 Jahren explosionsartig angestiegen. Rund zwölf Prozent der erwachsenen Chinesen leiden mittlerweile an Diabetes, heißt es in einer Studie des Journal of the American Medical Association, die bereits im vergangenen Jahr erschienen ist. Das sind in absoluten Zahlen fast 100 Millionen. Im Jahre 1980 lag der Anteil der Zuckerkranken in der Volksrepublik noch unter einem Prozent. Bei der Stadtbevölkerung hat Diabetes vom Typ 2 allein in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozent zugenommen. Damit verzeichnet China im weltweiten Vergleich die höchste Erkrankungsrate.

Der Studie zufolge gibt es bei jedem zweiten Erwachsenen Anzeichen auf Fettleibigkeit. Übergewicht und Diabetes erhöht ganz massiv die Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Gefahr. Wie in westlichen Industrieländern sind auch in China Herz-Kreislauf-Erkrankungen inzwischen die Todesursache Nummer eins. Alle zehn Sekunden stirbt in China ein Mensch an Herzinfarkt oder Schlaganfall. 40 Prozent aller Todesfälle gehen in der Volksrepublik inzwischen auf diese Zivilisationskrankheit zurück.

Das schlägt sich auch ganz massiv in den Gesundheitskosten nieder. Wie aus einer weiteren Studie hervorgeht, die chinesische Wissenschaftler in diesen Tagen veröffentlicht haben, lagen die öffentlichen Ausgaben für die Diabetes-Behandlung im Jahre 1993 nach heutigen Wechselkursen noch bei rund 270 Millionen Euro. 2013 musste die chinesische Regierung über 50 Milliarden Euro aufbringen.

Als Hauptursache für diese Entwicklung sehen Mediziner den Lebensstil der Chinesen, der sich durch das rasante Wirtschaftswachstum in den letzten drei Jahrzehnten drastisch gewandelt hat. Die Menschen essen immer weniger Getreide, Knollen und Gemüse und immer mehr Fleisch, Fett und Zucker. Es wird auch sehr viel mehr geraucht als früher.

Zugleich hat sich aber noch wenig das Bewusstsein entwickelt, dass die erhöhte Kalorienzufuhr eigentlich durch umso mehr Bewegung kompensiert werden müsste. Im Gegenteil: Keine körperliche Arbeit verrichten zu müssen, sondern seine Freizeit gemütlich vor dem großen Flachbildschirm im Wohnzimmer zu verbringen, wird als eine zivilisatorische Errungenschaft angesehen. Vor allem die mangelnde Bewegung führt dazu, dass heute bereits viele Kinder in China übergewichtig sind. Der Diabetiker-Anteil ist in Ballungsgebieten sehr viel höher als auf dem Land.

Ein weiteres Problem: Anders als im Westen werden in China Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck nach wie vor nur selten frühzeitig angegangen. Prävention hat im chinesischen Gesundheitssystem bisher keine Priorität. In der Regel werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur in den Endstadien behandelt. Ihrer Krankheit bewusst sind sich der chinesischen Studie zufolge nur rund 30 Prozent der Betroffenen.

Auch bei der Behandlung des Bluthochdrucks hinkt China nach Ansicht von Medizinern hinterher. Nur ein Drittel der Betroffenen weiß überhaupt, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. In den USA sind es 80 Prozent. Nur sechs Prozent der chinesischen Bluthochdruck-Patienten werden außerdem adäquat behandelt und erreichen wieder halbwegs normale Werte, während dies immerhin der Hälfte der betroffenen US-Amerikaner gelingt.

Als einen der Schlüsselfaktoren für die riskante Entwicklung sehen die Forscher nicht zuletzt das schlechte Vorbild der chinesischen Ärzte: Ihnen zufolge raucht die Hälfte der männlichen Mediziner und viele sind ebenfalls übergewichtig. Selbst Kardiologen, die es besser wissen müssten, hätten oft einen ungesunden Lebensstil.

viaDie Chinesen sind zu dick » China-Blog.