Gefährlichen Folgen von Unterernährung

Millionen Kinder sterben jährlich an Unterernährung. Die britische Wissenschaftlerin Claire Bourke glaubt, dass bessere Ernährung allein die Tragödie nicht verhindern wird. Sie sieht in dem Problem eine Immunkrankheit.

Jedes Jahr sterben mehr als drei Millionen Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung. Claire Bourke von der Queen-Mary-Universität in London ist der Ansicht, dass sich diese Tragödie nicht allein durch eine bessere Ernährung verhindern lässt. Sie betrachtet Unterernährung als Immunkrankheit und begründet dies unter anderem damit, dass die Betroffenen zumeist an einer Infektion sterben, nicht an einer Auszehrung. Unser traditionelles Bild von Unterernährung sei sehr oberflächlich, schreiben Bourke und ihre Kollegen in der Zeitschrift „Trends in Immunology“ (doi.org/10.1016/j.it.2016.04.003). Es sei das Bild von Menschen, die immer fragiler werden. Unterernährung sei aber mehr als ein zu geringes Körpergewicht und eine zu geringe Körpergröße. Sie führe auch zu Problemen mit dem Immunsystem, was die Betroffenen anfällig für Infektionen mache, so die Wissenschaftler weiter.

Allerdings ist derzeit noch nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist. Ist das Immunsystem angeschlagen, weil es zu wenig Energie für seine Aktivitäten erhält, oder sind die Betroffenen unterernährt, weil ihr Immunsystem durch eine epigenetische Prägung aus der Schwangerschaft in Mitleidenschaft gezogen ist? Man weiß jedenfalls, dass sich die Ernährung der Vorfahren über solche Prägungen im Genom auch auf die Gesundheit der Nachkommen auswirkt.

Unterernährung ist mit einer Reihe immunologischer Probleme verbunden. Die Betroffenen haben weniger weiße Blutkörperchen, produzieren mehr entzündungsfördernde Botenstoffe, lassen mehr Keime durch ihre Haut und ihren Darm passieren und haben Probleme mit den Lymphknoten. Auch die Darmfunktion ist beeinträchtigt. Bourke und ihre Kollegen sind der Ansicht, dass sich Unternährung nur dann effizient beseitigen lässt, wenn auch etwas gegen diese immunologischen Probleme getan wird. Falls sie mit dieser Sicht recht haben, wäre für die Ausrottung des Hungers mehr nötig als größere Essensportionen. Die Vereinten Nationen haben sich offiziell zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts den weltweiten Hunger zu beseitigen.

Quelle: Gefährlichen Folgen von Unterernährung

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Weltbank: Teure Lebensmittel verschärfen Hunger

Die Weltbank schlägt wegen der anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise Alarm.

In den ärmsten Regionen drohten eine Ausweitung des Hungers und der Unterernährung, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Kreditgebers. Zwar sei eine weltweite Preiskrise wie vor vier Jahren offenbar abgewendet worden. Es bilde sich aber mittlerweile eine „neue Norm“ heraus, dass Lebensmittel teuer sind. „Die Welt kann es sich nicht leisten, sich an hohe und schwankende Nahrungspreise zu gewöhnen oder gar damit zufrieden zu geben“, warnten die Autoren.

Ihren Angaben zufolge haben sich die Nahrungspreise seit den Spitzenständen im Juli mittlerweile zwar stabilisiert. Sie liegen aber noch immer sieben Prozent höher als vor einem Jahr. Bei den Getreidepreisen beträgt das Plus sogar zwölf Prozent. Sie sind damit nicht weit entfernt von ihrem Rekordniveau im Jahr 2008, als es wegen der massiven Verteuerung zu Unruhen in Asien und Afrika kam. Nach Auskunft der Vereinten Nationen leiden schätzungsweise weltweit 870 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung.

viaWeltbank: Teure Lebensmittel verschärfen Hunger | Ausland | Reuters.

Welthungerbericht: Wer kann sich noch Essen leisten? | tagesschau.de

Wer kann sich noch Essen leisten?

Steigende Preise für Reis, Weizen und andere Grundnahrungsmittel bedrohen nach UN-Einschätzung Millionen Menschen in Entwicklungsländern. Vor allem für Bauern und Verbraucher in Afrika seien Preisschwankungen ein Armutsrisiko, heißt es im Welthungerbericht.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Für die Börsen sind Nahrungsmittel ein Handelsgut wie jedes andere. Man kann in Agrarrohstoffe, wie Mais und Weizen, investieren wie in Aktien. Man kann auf fallende oder steigende Nahrungsmittelpreise setzen. All das führt zu massiven Preisschwankungen. Innerhalb von vier Jahren sind die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten zwei Mal massiv gestiegen, sagt Josef Schmidhuber von der Welternährungsorganisation FAO in Rom. Lebensmittel seien teurer, betont er. „Wir haben im Augenblick keinen Anlass zur Vermutung, dass sich das mittelfristig verändert.“

Die Kunden in Deutschland bemerken davon allerdings wenig. Hier geben die Haushalte nur zwischen 11 und 17 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. In vielen Ländern Afrikas und Asiens liegt dieser Anteil bei 70, 80, 90 Prozent. Da haben Preisschwankungen katastrophale Folgen. „Die hohen Preisschwankungen führen zu hohen Preisen“, sagte Schmidhuber. „Darüber hinaus haben Preisschwankungen verheerende Folgen für die Ärmsten der Armen, weil die Gefahr, dass sie in die Armut abrutschen größer ist und dann letztendlich ihr gesamtes kleines Vermögen verlieren. Und damit in eine Armutsfalle treten aus der sie nicht mehr rauskommen.“

Eine Milliarde Menschen hungert

Bis zum Jahr 2015 wollen die Vereinten Nationen den Hunger weltweit halbieren: den Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung von 16 auf acht Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das: Aktuell leidet etwa eine Milliarde Menschen Hunger, bis 2015 dürfen es nur noch etwa 600 Millionen sein, wenn man das ehrgeizige Milleniumsziel erreichen will. Josef Schmidhuber von der FAO ist skeptisch: „Wir sind bereits weit davon entfernt und wir haben uns wohl noch weiter davon entfernt. Im Augenblick sind wir bei 13 Prozent. Wir sind noch eine ganze Wegstrecke von den acht Prozent. Nach den jüngsten Ereignissen gibt es keinen Grund anzunehmen, dass wir das Milleniumsziel erreichen.“

Eigentlich gäbe es genügend Nahrungsmittel für alle – die aktuelle Frage ist: Wer kann sich Essen noch leisten? Die FAO fordert Sicherheitsnetze gegen die hohen und stark schwankenden Nahrungsmittelpreise und für die Bauern einen besseren Zugang zu Saatgut und Futtermitteln. Für die Verbraucher soll es im Krisenfall schnelle und kurzfristige Nahrungsmittelhilfen geben. Außerdem werden zu viele Lebensmittel verschwendet – nicht nur in den Industrieländern. In den ärmeren Ländern passiere das auch, sagte Schmidhuber, „weil die Möglichkeiten Nahrungsmittel länger aufzubewahren, relativ gering sind. Es fehlt an Speichermöglichkeiten.“

Sichtbar wird die neue Hungerkrise vor allem am Horn von Afrika: Im Bürgerkriegsland Somalia sind in den kommenden Monaten 750.000 Menschen vom Hungertod bedroht. Die Katastrophe betrifft mehr und mehr auch die Nachbarstaaten Djibuti, Äthiopien und Kenia.

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Mehr übergewichtige als hungernde Menschen auf der Welt

Knapp sieben Milliarden Menschen leben auf der Welt – und inzwischen leiden mehr an Übergewicht als an Hunger: Rund 925 Millionen Menschen, und somit 15 Prozent der Weltbevölkerung, sind unterernährt. Dagegen haben 1,5 Milliarden Menschen, also 20 Prozent der Menschheit, Übergewicht. Das geht aus dem jährlichen Weltkatastrophenbericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hervor, den die Organisation im indischen Neu Delhi vorgestellt hat.

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