Nachahmerpräparate: Die dreckige Medizin aus der „Apotheke der Armen“

Der Pharmadienstleister GVK Bio ist nicht die einzige indische Firma, die unter Verdacht steht, buchstäblich unsauber zu arbeiten. In Deutschland könnten deshalb sogar einige Medikamente knapp werden.

Immerhin hat GVK Bio mit offenen Karten gespielt. Auf seiner Webseite wirbt das Unternehmen mit einem Höchstmaß an „wissenschaftlicher Kreativität“ „flexiblem“ Geschäftsgebaren, und „beschleunigter“ Forschung. Kreativ, flott und flexibel ging es in der Tat zu bei GVK Bio – insbesondere bei der Durchführung von Tests für Generika, also für preisgünstige Nachahmerpräparate von Wirkstoffen, die ihren Patentschutz verloren haben. Dabei schummelte das Pharma-Dienstleistungsunternehmen aus der südindischen Acht-Millionen-Metropole Hyderabad erheblich. Das vermuten jedenfalls die europäischen Gesundheitsbehörden. Deshalb dürfen seit vergangener Woche 80 Medikamente in deutschen Apotheken nicht mehr verkauft werden.

Generikaproduzenten müssen in der Regel sogenannte Bioäquivalenzstudien durchführen, um nachzuweisen, dass die Wirkstoffe ihrer Präparate ähnlich wirken wie die Ausgangsmedikamente. Das lassen sie gern in Indien erledigen, weil es dort billiger ist. Die indische Pharmaindustrie ist auch dadurch zu einem der größten Räder der globalisierten Gesundheitsmaschinerie geworden. Lange wurde sie spöttisch als „Apotheke der Armen“ abgetan – versorgten indische Unternehmen doch vor allem Patienten in Schwellen- und Entwicklungsländern mit niedrigpreisigen Medikamenten, etwa zur Behandlung der HIV-Immunschwäche oder von Tuberkulose.

Das Label passt heute allerdings nicht mehr: Indien ist zu einer der Großapotheken der Welt aufgestiegen, für Arm und Reich. Der Weltpharmaumsatz übertrifft 2014 nach Angaben der Branchenanalysten von IMS Health voraussichtlich erstmals die Billionen-Dollar-Schwelle. Davon entfällt allein ein Drittel auf das US-Gesundheitssystem. Rund 90 Prozent aller dort verschriebenen patentfreien Heilmittel sind Generika. Hiervon stammen wiederum etwa 40 Prozent aus Indien. In Deutschland werden drei Viertel des Arzneimittelbedarfs der gesetzlichen Krankenkassen generisch gedeckt. Was davon genau aus Indien stammt, ist schwer zu belegen; der Anteil dürfte jedoch einen hohen zweistelligen Prozentsatz ausmachen.

„Schwerwiegende Mängel“

GVK Bio ist eine von vielen Firmen, die sich als Contract Research Organisation (CRO), also Auftragsforscher, auf diese Hilfestellung spezialisiert haben. Ihre Arbeit wird regelmäßig überprüft – so jüngst von der französischen Arzneimittelbehörde ANSM. Dabei fiel auf, dass die eingereichten Elektrokardiogramme („EKG“) offenbar von einer einzigen Person stammten statt von verschiedenen Studienteilnehmern. GVK Bio, ein Unternehmen, das in Indien nach fünf Standorte mit insgesamt rund 2400 Mitarbeitern unterhält, hält die Vorwürfe für unbegründet.

Von „schwerwiegenden Mängeln“ berichtet hingegen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn, das den Vertriebsstopp in Deutschland einleitete. Es überprüfte 176 Zulassungen, deren Datengrundlagen GVK seit 2008 erarbeitet hatte. Bei 80 Arzneien, also 45 Prozent der überprüften Produkte, ruht nun die Zulassung, bis verlässliche Studien vorliegen. 15 Generikaproduzenten sind betroffen, darunter Branchengrößen wie Stada sowie europäische Tochtergesellschaften von Mylan und Dr. Reddy’s. Ein Fiasko, aber kein Einzelfall.

Denn die indische Pharmabranche ist selbst schwer erkrankt und taumelt von einer kritischen Diagnose zur nächsten. Dies vor allem, weil die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA indische Medikamente zuletzt genauer untersuchte – und massenweise aus dem Verkehr zog. Für Indiens Pharmabranche ist dies fatal. Das Land zählt mehr als 130 Produktionsanlagen, die von der FDA lizenziert wurden – mehr als jedes andere Land mit Ausnahme der USA. Doch fast immer, wenn die FDA in jüngster Zeit Mitarbeiter in indische Betriebe schickte, um nach dem Rechten zu sehen, endete die Werksvisite mit einem Eklat, der nachträglich bestenfalls hübsch verbal verklausuliert wurde. Im vergangenen Jahr hat die FDA mehr als zwanzig indische Anlagen mit einem Ausfuhrverbot in die USA belegt.

Müllberge, Rattenfalle, offene Latrinen, falsche Dokumente

Betroffen ist fast die gesamte Branche. Doch keine Firma traf es härter als Ranbaxy. Gleich vier Ranbaxy-Werke in Indien, die für den US-Markt produzierten, wurden mit dem Bann der Amerikaner belegt. Die Firma erfand Daten, behinderte die Aufklärung und einigte sich im Mai 2013 mit der FDA auf eine Strafzahlung von einer halben Milliarde Dollar. Auch die Wettbewerber hat die FDA auf dem Radar – etwa Wockhardt und den Branchenprimus Sun Pharma, der gerade Ranbaxy schluckt und damit zum fünftgrößten Generikaproduzenten der Welt aufsteigt.

Dabei geht es vor allem um zwei Kernprobleme. Zum einen sind die hygienischen Zustände, die Inspektoren auf dem Subkontinent vorfanden, oft suboptimal. Die FDA berichtet von Müllbergen in Pharmabetrieben, von Rattenfallen, offenen Latrinen und Toiletten „in totalem Verfall“. Zum anderen sind Dokumentenfälschungen weit verbreitet. Bei GVK betraf dies Zulassungsdaten. Doch auch die Datensätze, die bei der Produktion anfallen, werden nach Einschätzung der FDA oft manipuliert – ein Desaster, sind verlässlich-transparente Produktionswerte doch zentrales Element der Good Manufacturing Practices (GMP) der Branche. Wer dabei einmal lügt, dem glaubt man nimmermehr – oder sollte es jedenfalls nicht.

Die deutschen Aufsichtsbehörden schreckt die nun ins öffentliche Bewusstsein gerückte Medikamentenkrise auf. „Wir beobachten mit Sorge, dass immer mehr Studien in Schwellenländer außerhalb von Europa verlagert werden“, so Professor Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, gegenüber der „Welt“. Dort ließen sie sich „natürlich preiswerter durchführen als in Europa. Vor allem die Studien zu den Generika werden daher mittlerweile fast ausschließlich dort durchgeführt.“ Die pharmazeutischen Unternehmen – also die Auftraggeber – stünden in der Verantwortung.

„Engpass“ bei Medikamenten nicht ausgeschlossen

Dabei könnte alles noch viel schlimmer kommen. Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP), ein Gremium der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in London, nimmt gerade die Zulassungen von „ungefähr 1250“ in der EU vertriebenen Arzneien unter die Lupe, bei denen GVK Bio eine Rolle spielte. Die Schlussfolgerungen des CHMP und dessen Empfehlungen – nämlich ob „Zulassungen EU-weit aufrechterhalten, geändert, aufgehoben oder entzogen werden sollten“ – sind für Januar angekündigt.

Bleibt es bei der Durchfallquote von 45 Prozent, die sich im Zuge den Prüfungen des BfArM ergab, wären das etwa 560 Medikamente, die aus deutschen Apothekenregalen geräumt werden müssten. Ein theoretischer Wert; aber wenn Hunderte Arzneien auf einen Schlag verschwänden, könnte es in Deutschland zu einem „Engpass“, kommen heißt es hinter vorgehaltener Hand bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin, der zuständigen Fachabteilung der Bundesärztekammer.

Der Vorstand der Arzneimittelkommission, Wolf-Dieter Ludwig, wiegelt allerdings ab: Den Vorwurf der systematischen Datenfälschung in Indien nennt er „hypothetisch“.

viaNachahmerpräparate: Die dreckige Medizin aus der „Apotheke der Armen“ – DIE WELT.

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Studie: Wasser-Knappheit bedroht China und Indien

China und Indien müssen sich auf einen massiven Wassermangel vorbereiten. Mehr als die Hälfte des chinesischen Grundwassers ist durch die Agrarwirtschaft verdreckt. Die Schwermetallbelastung vernichtet jährlich zehn Millionen Tonnen Getreide.

China plane zudem einen 75-prozentigen Anstieg der Stromgewinnung durch Kohle. Die meisten neuen Kraftwerke sollen in Gebieten mit belasteter Wasserversorgung entstehen, so der Earth Security Index. Die auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellte Studie bewertet die weltweite Entwicklung der Bereiche Ressourcen, Finanzen und Gesellschaft.

In China sind zusätzlich bereits mehr als 3,3 Millionen Hektar Ackerland verseucht. In der Sperrzone dürfen keine Lebensmittel mehr angebaut werden. Die chinesische Regierung will Milliarden Yuen investieren, um Ackerland zu retten. Rund 70 Prozent des chinesischen Bodens ist bereits belastet (mehr hier).

In Indien ist die Situation sogar noch bedrohlicher, so die Studie. Eine „extreme Wasserknappheit“ bedroht die Nahrungsversorgung. Bereits jetzt müssen Tankfahrzeuge Bewohner einzelner Städte mit Trinkwasser versorgen. Im Jahr 2025 soll die Grenze zur absoluten Wasserknappheit überschritten werden.

viaStudie: Wasser-Knappheit bedroht China und Indien | DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN.

Indische Regierung verteidigt Massensterilisierungen

Nach dem Tod von 13 Inderinnen bei einer Massensterilisierung hat die Regierung die umstrittene Praxis verteidigt. „Es ist ein zielmarkenfreies, freiwilliges und an die Nachfrage gekoppeltes Programm“, so Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda heute. Das staatlich subventionierte Programm sehe keinerlei Zielvorgaben für Ärzte und örtliche Behörden vor.

13 Frauen am Wochenende gestorben

Der Minister reagierte auf heftige Kritik an dem Programm, nachdem nach einer Massensterilisierung am Wochenende 13 Frauen gestorben und Dutzende ins Krankenhaus gekommen waren.

Ein Arzt und ein Assistent hatten im Vierminutentakt 83 Frauen sterilisiert. Der Arzt ist inzwischen in Haft. Er beteuert seine Unschuld und macht die Medikamente, die den Frauen während des Eingriffs verabreicht wurden, verantwortlich.

Medikamentenhersteller festgenommen

Heute wurden im Rahmen der Ermittlungen der Chef des Medikamentenherstellers Mahawar Pharma und sein Sohn festgenommen. Die beiden stünden im Verdacht, Beweismittel in dem Fall der 13 getöteten Frauen vernichtet zu haben, sagte ein Polizeisprecher.

viaIndische Regierung verteidigt Massensterilisierungen – news.ORF.at.

Atommächte rüsten Schrott ab

Manchmal ist weniger trotzdem mehr. Zum Beispiel beim globalen Atomwaffenarsenal, wo die Atommächte zwar zahlenmäßig abrüsten, qualitativ aber aufrüsten. Das ist ein globaler Trend, zeigt der neue SIPRI-Bericht.

Dank dem Abrüstungsabkommen START zwischen USA und Russland gibt es immer weniger atomare Massenvernichtungswaffen auf der Welt, so der neue Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Doch auch wenn die beiden atomaren Supermächte vertragsgemäß die Anzahl ihrer atomaren Sprengköpfe reduzieren, ist das nicht unbedingt ein Beweis für reelle Abrüstung: „Viele der Atomsprengköpfe, die verschrottet oder unschädlich gemacht werden, sind noch alte und überholte Sprengköpfe, sozusagen das Erbe aus den Zeiten des Kalten Krieges“, sagt Shannon Kile, einer der Hauptautoren des neuen SIPRI-Berichts. „Im Sinne der operativen Stärke ist die Reduzierung eher bescheiden“.

Enttäuschte Hoffnungen

Wer dachte, dass das neue START-Abkommen (Strategic Arms Reduction Treaty, deutsch: Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen) zwischen Russland und den USA, das 2011 in Kraft trat, die Welt in absehbarer Zeit in eine atomwaffenfreie Zone verwandeln würde, war wohl zu optimistisch.

„Das Ganze ist schon enttäuschend“, meint Anette Schaper, Projektleiterin und Expertin für atomare Rüstungskontrolle der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main.

Das liege vor allem am nach wie vor schwierigen Verhältnis zwischen den USA und Russland, so Schaper. „Man hätte Russland noch stärker einbeziehen müssen und im NATO-Russland-Rat auch noch ernster nehmen müssen, als es der Fall ist.“

Die deutsche Expertin ist nicht zuletzt darüber enttäuscht, dass nach wie vor Atomwaffen auch in Deutschland stationiert sind. Sie nennt dies einen „Anachronismus“. „Eigentlich sollten sie längst abgerüstet und abgezogen werden. Aber die NATO ist im Moment noch nicht so weit“, so Schaper.

Atomriesen und Atomzwerge

Russland und die USA besitzen den weitaus größten Teil der weltweiten Atomarsenale – über 90 Prozent. Doch auch die kleineren Atommächte scheinen dem Modernisierungstrend zu folgen, so der neue Bericht des Stockholmer Instituts. Frankreich und Großbritannien arbeiten entweder bereits an der Modernisierung ihrer atomaren Waffensysteme oder sind noch in der Planungsphase, so Shannon Kile von SIPRI. Klar sei jedoch, dass weder Großbritannien noch Frankreich ganz auf ein atomares Waffenarsenal in absehbarer Zeit verzichten werden.

„China scheint ein längerfristiges Modernisierungsprogram zu durchlaufen, aber der Fokus liegt eher auf Qualitätsverbesserung und nicht auf einer zahlenmäßigen Erweiterung des Atomprogramms“, so Kile.

Indien und Pakistan rüsten auf

Eher bereitet ihm die Entwicklung bei zwei der kleineren Atommächte Sorge: „Wir wissen, dass Indien und Pakistan sowohl den Umfang, als auch die Qualität ihrer Atomarsenale ausbauen“, sagt der SIPRI-Experte.

Bedenklich finde er vor allem, dass die Atomwaffen der beiden asiatischen Länder schneller einsatzfähig würden und dass sie auch gegen konventionelle Streitkräfte eingesetzt werden könnten.

Die Rüstungsspirale, so auch Annette Schaper von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, hat in den beiden asiatischen Ländern eine Eigendynamik entwickelt. „Pakistan sieht sich von Indien bedroht. Die Inder gucken da eher auf China“.

Nordkorea – die große Unbekannte

Ein Sonderfall ist die kleinste Atommacht, Nordkorea. „Das ist ja ein völliger Außenseiter, der sich nur durch vermeintlich äußere Bedrohungen nach innen stabilisieren kann“, so Schaper.

Klar scheint jedoch, dass das abgeschottete Land seit Jahren seine Atomwaffen qualitativ verbessert. Früher, so der SIPRI-Bericht, seien Experten eher von „primitiven atomaren Sprengsätzen“ ausgegangen. Heute, so Shannon Kile von SIPRI, gehen die meisten davon aus, dass Nordkorea bereits funktionsfähige Kernwaffen besitzt.

Israels heimliche Atomwaffen

Auch Israel habe noch Atomwaffen, so Kile. Das Land habe zwar offiziell nie zugegeben, Atomwaffen zu besitzen, doch das sei ein „offenes Geheimnis“. Der Umfang des israelischen Atomprogramms scheint stabil zu sein, doch: „Israel wartet ab, was im Iran passiert. Sollte der Iran Atomwaffen entwickeln, könnte das auch Einfluss auf das Atomwaffenarsenal Israels haben“, meint Kile.

Insgesamt, so der SIPRI-Experte, seien in den vergangenen Jahren durch Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland zwar viele Atomwaffen vernichtet worden. Waren es im Kalten Krieg fast 60.000 Stück, die eine prekäre Machtbalance sichern sollten, sind es heute nur noch rund 16.000, so die Zahlen von SIPRI. Klar sei jedoch: „16.000 Atomwaffen sind immer noch immens viele“, so Kile.

viaAtommächte rüsten Schrott ab | Welt | DW.DE | 16.06.2014.

Luftverschmutzung: Smog in Neu Delhi Indien schlimmer als Peking China

Indische Großstädte melden dramatische Feinstaub-Werte: Dunkler Smog verpestet die Metropolen des Landes – die Luftverschmutzung ist sogar schlimmer als in China. Deutsche Grenzwerte werden um mehr als das 20fache überschritten. Reiseportale warnen Touristen.

Die Luft in chinesischen Metropolen ist extrem verschmutzt, das Problem ist mittlerweile weltbekannt. Das Land versucht nun, seinen Smog zu bekämpfen. Doch indische Großstädte sind mindestens ebenso vom Smog betroffen – und dort scheinen Behörden hilflos. Daten örtlicher Behörden zufolge ist die Luft etwa in Neu-Delhi derzeit stärker mit Schadstoffen durchsetzt als in Peking.

 

Der Gehalt an Feinstaub sei bereits seit Wochen dort alarmierend hoch gewesen, berichtet die „New York Times“. In Deutschland gelten Werte von mehr als 18 Mikrogramm Staub pro 1000 Liter Luft als bedenklich. In Neu-Delhi hat die Luft aufgrund der vielen Abgase zuletzt meist deutlich mehr als 400 Mikrogramm Feinstaub pro 1000 Liter Luft enthalten, also mehr als das 20fache der zulässigen Menge.

Warnung für Touristen

 

Mittlerweile warnen Reiseportale Touristen vor dem Aufenthalt in Delhi. Neben Autos, Kraftwerken und Fabriken verschmutzen zahlreiche Feuerstellen indische Städte, mit denen gekocht und geheizt wird. Die Auswirkungen sind längst bekannt: Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen, dass in Indien pro Einwohner gerechnet weltweit die meisten Menschen mit Atemwegserkrankungen leben.

 

„Es hat mich immer gewundert, dass China im weltweiten Fokus steht und nicht Indien“, sagte die Umweltmedizinerin Angel Hsu der „New York Times“. Örtliche Proteste haben Behörden in China aufgeschreckt; der Smog steht auf der politischen Agenda. In Indien, sagt Hsu, gebe es keinen Druck auf die Behörden, bessere Daten zu veröffentlichen. Die Bewohner bleiben im Unklaren, in doppelter Hinsicht.

viaLuftverschmutzung: Smog in Neu Delhi Indien schlimmer als Peking China – SPIEGEL ONLINE.

Radioaktives Erbe

Die Ära der massenhaften oberirdischen Atomwaffentests ist vorüber, seit sich 1963 die Großmächte auf ein Verbot solcher Tests geeinigt haben. Doch die Hinterlassenschaften dieser Tests sind offenbar sehr hartnäckig: In der Stratosphäre haben Schweizer Forscher nun viel höhere Konzentrationen an radioaktiven Nukliden nachgewiesen als erwartet. Ihre Messungen belegen, dass Cäsium, Strontium und Plutonium in dieser oberen Atmosphärenschicht sogar Jahrzehnte überdauert haben. Durch große Vulkanausbrüche wie die Eruption des isländischen Eyjafjallajökull im Jahr 2010 können sie auch in tiefere Luftschichten und sogar in Bodennähe gelangen.

Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren führten die Großmächte zahlreiche Atomwaffentests an der Erdoberfläche, in der Atmosphäre oder im Wasser des Pazifiks durch. Dabei wurden radioaktive Isotope der Elemente Cäsium, Strontium und Plutonium freigesetzt und lagerten sich an Schwebteilchen der Atmosphäre an. In der Troposphäre, der untersten Atmosphärenschicht, blieben sie nicht lange erhalten: Regen wusch die Radionuklide aus und auch herabsinkende Staubteilchen banden die radioaktiven Schwebteilchen an sich und entfernten sie so aus der Luft. \“Diese trockene und feuchte Deposition entfernt die meisten Kontaminationen innerhalb von Wochen bis Monaten aus der Troposphäre\“, erklären José Corcho Alvarado von der Universität Lausanne und seine Kollegen.

Stratosphäre als Reservoir radioaktiver Partikel

Anders in der in etwa 15 Kilometern Höhe beginnenden Stratosphäre. Hier überdauern die Radionuklide etwas länger – das war auch schon früher bekannt. Denn zum einen gibt es hier keine Wetterphänomene wie Regen oder Schnee, die die radioaktiv belasteten Schwebteilchen auswaschen können. Die Stratosphäre ist zudem durch eine Grenzschicht, die Tropopause, von der Troposphäre getrennt, die eine ungehinderte Passage behindert. Und noch etwas kommt hinzu: \“Der Großteil der radioaktiven Nuklide verband sich in der Stratosphäre mit Partikeln, die kleiner als einige Zehntel Mikrometer sind und deshalb über Jahre hinweg in der Schwebe bleiben können\“, so die Forscher. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die meisten radioaktiven stratosphärische Aerosole nach ein bis vier Jahren absinken und abgelagert werden, Plutonium sollte diesen Schätzungen nach sogar schon nach 1 bis 1,7 Jahren verschwinden.

Allerdings: Nachgeprüft hat das seit Ende der letzten oberirdischen Tests Anfang der 1980er Jahre kaum noch jemand. \“Die meisten Labore haben damals die stratosphärische Überwachung aufgegeben\“, berichten Corcho Alvarado und seine Kollegen. Denn nach in Kraft treten des Testbanns im Jahr 1963 sank der radioaktive Fallout deutlich ab, so dass man keinen Grund mehr sah, dies weiterzuverfolgen. Eine Ausnahme bildet die Schweiz: Dort werden mittels Messflugzeugen seit 1970 regelmäßig Luftproben aus der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre entnommen und auf verschiedene Substanzen hin analysiert – darunter auch Radionuklide wie Plutonium und Cäsium. Diese Daten machten sich nun die Forscher zunutze, um zu ermitteln, wie viele Relikte der radioaktiven Kontamination aus den Kernwaffentests heute noch in der Stratosphäre über Europa zu finden sind.

Die Ergebnisse waren überraschend: Denn die Messdaten bestätigen zwar, dass die Konzentration von radioaktivem Plutonium und Cäsium in der Stratosphäre seit den 1970er Jahren kontinuierlich abgenommen haben. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass in den höheren Luftschichten noch deutlich mehr radioaktive Partikel schweben als gedacht. \“Die Plutonium-Aktivität in stratosphärischen Aerosolen liegt heute um fünf Größenordnungen – 100.000 Mal – höher als in Bodennähe\“, berichten die Wissenschaftler. Bei Cäsium ist es immerhin noch tausend Mal mehr. Offensichtlich können vor allem die an nur wenige Zehntel Mikrometer kleine Schwebteilchen gebundenen Radionuklide sogar mehrere Jahrzehnte in der Stratosphäre überdauern ohne abzusinken. Und auch die etwas größeren Partikel bleiben immerhin durchschnittlich 2,5 bis 5 Jahre erhalten, so Corcho Alvarado und seine Kollegen.

Vulkanausbrüche bringen Radionuklide in Bodennähe zurück

Dieses Ergebnis kann auch ein seltsames Phänomen beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull erklären. Denn als Messflugzeuge im Frühjahr und Sommer 2010 die Luft über Europa analysierten, registrierten sie nach Durchzug der Aschenwolke stark erhöhte Werte von Plutonium und Cäsium-137 auch in niedrigeren Luftschichten – sie lagen immerhin drei Größenordnungen höher als normal. Nach Ansicht der Forscher könnten diese Radionuklide quasi als Anhalter mit den Aschenpartikeln und Schwefelaerosolen mitgereist sein, die bei der Eruption des Vulkans bis in die Stratosphäre geschleudert wurden. Dort lagerten sich die radioaktiven Nuklide an diese größeren Partikel an und sanken mit ihnen in die Troposphäre hinab.

\“Das zeigt, dass starke Vulkanausbrüche wie der des Eyjafjallajökull die menschengemachten radioaktiven Partikel umverteilen und auch wieder in die bodennahe Atmosphäre eintragen können. Allerdings: Sorgen machen muss man sich laut Corcho Alvarado und seinen Kollegen deshalb nicht. Die Menge dieser radioaktiven Teilchen sei zu gering, um direkte gesundheitliche Folgen auszulösen – wollen wir es hoffen.

viaRadioaktives Erbe – bild der wissenschaft.

Indien: Polizei-Chef zieht empörenden Vergleich zwischen Wetten und Vergewaltigungen

Mit einem Vergleich zwischen Vergewaltigungen und Wetten hat der Chef der indischen Bundespolizeibehörde CBI einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. \“Wenn man eine Vergewaltigung nicht verhindern kann, sollte man sie genießen\“, sagte Ranjit Sinha am späten Dienstagabend in Neu Delhi. Diese Bemerkung sollte seine Haltung zu Wettgeschäften stützen: Wetten sollten legalisiert werden, da es schwer sei, ein Verbot durchzusetzen.

viaIndien: Polizei-Chef zieht empörenden Vergleich zwischen Wetten und Vergewaltigungen.