Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs

Eine Analyse der Statistik Austria hat ergeben: Rund 70 Prozent der Österreicher, die im Vorjahr verstorben sind, litten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs

Rund vier von zehn Verstorbenen (44 Prozent) des Jahres 2015 hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Konkret waren das 35.537 Menschen. An zweiter Stelle der Todesursachen verzeichnet die Statistik Austria Krebs, dem 20.349 Menschen (24,5 Prozent) zum Opfer fielen. Damit entfallen etwa sieben von zehn Sterbefällen auf diese beiden Gruppen.

Die übrigen Todesfälle verteilten sich im Vorjahr auf Krankheiten der Atmungsorgane (4.464 bzw. 5,4 Prozent), der Verdauungsorgane (2.855 bzw. 3,4 Prozent), auf sonstige Krankheiten (15.343 bzw. 18,5 Prozent) und nichtnatürliche Todesursachen (Verletzungen und Vergiftungen; 4.525 Personen bzw. 5,4 Prozent).

2015 starben in Österreich 83.073 Personen, davon 52 Prozent Frauen. Berücksichtigt man die wachsende Bevölkerung und ihre kontinuierliche demografische Alterung, so sank die Sterblichkeit in den vergangenen zehn Jahren altersstandardisiert um elf Prozent. Ausschlaggebend dafür war vor allem die Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Lebensmitte

Zwischen Sterbealter und Todesursachen zeigt sich ein klarer Zusammenhang: So waren 2015 gut drei Viertel (77,6 Prozent) aller Verstorbenen 70 Jahre oder älter. Am häufigsten in dieser Altersgruppe sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Krebs sowie mit großem Abstand Krankheiten der Atmungsorgane und Ernährungs- bzw. Stoffwechselkrankheiten.

Rund ein Fünftel aller Todesfälle trat zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf, wobei der Großteil davon auf Krebserkrankungen zurückzuführen war. Vier von zehn Sterbefällen in dieser Altersgruppe werden durch ein Karzinom verursacht. Weiters sind im mittleren Erwachsenenalter bereits die Herz-Kreislauf-Krankheiten als Todesursache von Bedeutung: Rund jeder fünfte Todesfall war darauf zurückzuführen.

Frühes Sterben

Bei Jugendlichen und Erwachsenen unter 40 Jahren, zusammen knapp zwei Prozent aller Sterbefälle, zählten Unfälle zur häufigsten Todesursache. Ebenfalls relativ häufig waren Suizide und Krebs.

Bei den wenigen Todesfällen von Kindern im Alter von ein bis unter zehn Jahren (69 Todesfälle bzw. 0,1 Prozent) waren neben Krebs, Transportmittelunfälle und Fehlbildungen die häufigsten Ursachen. Bei Säuglingen (259 Todesfälle bzw. 0,3 Prozent) führten Geburtskomplikationen und angeborene Fehlbildungen am öftesten zum Ableben. (APA, 6.7.2016)

Quelle: Der häufigste Tod der Österreicher: Krankes Herz und Krebs – Krankheit – derStandard.at › Gesundheit

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Das Krebsrisiko lässt sich beeinflussen

Mehr als zwei von fünf Frauen (43%) und etwa jeder zweite Mann (51%) in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs – so die aktuellen Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD), die auf den Erkrankungsraten und der derzeitigen Lebenserwartung basieren. Gemäß der Todesursachenstatistik ist heute etwa jeder fünfte Todesfall bei Frauen und jeder vierte bei Männern auf Krebs zurückzuführen. Damit sind Krebserkrankungen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Ob eine Krebserkrankung entsteht und wie sie verläuft, wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören interne Risikofaktoren wie zunehmendes Alter und erbliche Veranlagung, aber auch externe Risikofaktoren. Zu letzteren zählen Verhaltens- und Lebensweisen wie Rauchen, Alkoholkonsum, ungünstige Ernährung und Bewegungsmangel. Während genetische Voraussetzungen in aller Regel unabänderlich sind, lässt sich über Änderungen des Lebensstils und des Lebensumfelds viel erreichen, um das Krebsrisiko zu reduzieren.

Am Beispiel von Alkoholkonsum und Rauchen wird deutlich, wie hoch der Einfluss des Lebensstils auf die Krebsentstehung ist. So zeigt eine Analyse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem ZfKD, dass in Deutschland jährlich etwa 13.000 Fälle von Krebserkrankungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind sowie 72.000 Fälle auf das Rauchen.

Quelle: Krebs – Startseite Zentrum für Krebsregisterdaten – Das Krebsrisiko lässt sich beeinflussen

Aktuelle Daten zu Krebs in Deutschland

Im Jahr 2012 sind in Deutschland 225.890 Frauen und 252.060 Männer an Krebs erkrankt, das zeigt eine aktuelle Schätzung des Zentrums für Krebsregisterdaten. Am häufigsten kommen bei Männern Prostatakrebs (63.710) und Lungenkrebs (34.490) vor. Frauen hingegen sind am häufigsten von Tumoren der Brustdrüse (69.550) und des Darms (28.490) betroffen.

Quelle: Krebs – Startseite Zentrum für Krebsregisterdaten – Aktuelle Daten zu Krebs in Deutschland

 

Krebsstatistiken

Für das Jahr 2016 erwarten die Wissenschaftler 498.700 neue Krebserkrankungen. Um diese Aussage treffen zu können, wurden die Schätzungen für das Jahr 2012 auf Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung des Jahres 2016 übertragen.

Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/krebsstatistiken.php

Behörden in NRW relativieren: Mehr Krebs am Atomreaktor Hamm-Uentrop

Mehr Krebs am Atomreaktor Hamm-Uentrop

Nach nur zwei Jahren Betrieb und zahlreichen Störfällen wird der Atomreaktor in Hamm-Uentrop 1987 stillgelegt. Nun werden rund um den Reaktor vermehrt Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Frauen festgestellt. Dennoch geben die Behörden Entwarnung.

Rund um den stillgelegten Atomreaktor in Hamm-Uentrop in Nordrhein-Westfalen besteht möglicherweise die erhöhte Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Das ergab eine Analyse des Krebsregisters NRW, das ein um 64 Prozent erhöhtes Risiko gegenüber einer Referenzregion errechnete. Vor allem seien vermehrt Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Frauen festgestellt worden. Der grüne Umweltminister Johannes Remmel steht der Studie allerdings skeptisch gegenüber. Es gebe keine Hinweise auf den Atomreaktor als Verursacher, weil „typische Strahlenkrebsarten und die Schilddrüsenkrebs-Rate bei Männern unauffällig“ seien.

Biostatistiker, Strahlenbiologen und Humangenetiker suchen schon lange nach einer Erklärung, weshalb sich künstliche Strahlungen unterschiedlich auf die Geschlechter auswirken. Dazu gehört unter anderem das „Phänomen der verlorenen Mädchen“. Dazu hatten Forscher um den Biomathematiker Hagen Scherb von Helmholtz-Zentrum München in einem Radius von 40 Kilometer um das Zwischenlager Gorleben ein „eindrucksvolles Mädchendefizit“ ermittelt. Und zwar genau seit 1995, als die ersten Castor-Behälter mit radioaktivem Müll in die Region rollten.

Ähnliche Ergebnisse hatten die Forscher in der Ukraine nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl ermittelt. „Die Häufigkeit der verstörenden Befunde deutet auf grundlegende Probleme bei der geltenden Bewertung radioaktiver Niedrigstrahlung hin“, sagte der Leiter Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz. Er verlangte angesichts der „wachsenden Zahl gleichgerichteter Unregelmäßigkeiten“ von der Bundesregierung eine wissenschaftliche Aufklärung. Das sei man den Menschen in den betroffenen Regionen schuldig, die wegen der Befunde erheblich verunsichert seien.

Mehr Untersuchungen – mehr Fälle?

Der Leiter des Krebsregisters NRW, Oliver Heidinger, erklärt sich die Ergebnisse der jüngsten Analyse auch mit den vermehrten Vorsorgeuntersuchungen verunsicherter Menschen in der Region. Es seien überdurchschnittlich viele der Tumore in einem Anfangsstadium entdeckt worden. Der Datenschutz verhindere aber Aussagen darüber, wann und wie lange die betroffenen Frauen in der Region gelebt haben. Untersucht wurden die Krebsraten in Hamm, Beckum, Ahlen, Lippetal und Welver.

Die Anwohner in der Region verlangen Aufklärung. So sagte ein Besucher auf einer Informationsveranstaltung in Hilbeck: „Wir sind Anwohner des Kraftwerks, leben in Eilmsen-Vellinghausen. In unserer Straße ist Krebs in jedem Haus.“

Krebsraten auch ohne Atomanlagen höher

Landesumweltminister Remmel kündigte an, dass nach der Ursache weiter geforscht werde. Allerdings müsse auch darauf hingewiesen werden, dass der Schilddrüsenkrebs in Deutschland und mehreren weiteren Ländern Europas erheblich zugenommen habe. So seien auch in weiteren Regionen Nordrhein-Westfalens ohne Atomanlagen erhöhte Raten von Schilddrüsenkrebs bei Frauen festzustellen.

Im Thorium-Hochtemperatur-Reaktor Hamm-Uentrop war es 1986 zu einem Störfall gekommen. In der Nacht vom 4. zum 5. Mai 1986 traten radioaktive Aerosole aus, als zerbrochene Kugelbrennelemente Rohre der Beschickungsanlage verstopften. In der Folge gelangte der kontaminierte Staub der zerbrochenen Kugeln und kontaminiertes Helium in die Umgebungsluft – wie viel, konnte nie festgestellt werden, weil zu diesem Zeitpunkt die Messinstrumente abgeschaltet waren.

Die kugelförmigen Brennelemente des THTR-Reaktors waren bereits vor Jahren in Castor-Behältern ins Zwischenlager nach Ahaus gebracht worden.

viaBehörden in NRW relativieren: Mehr Krebs am Atomreaktor Hamm-Uentrop – n-tv.de.

Krankenstand: Fehltage wegen Burn-out seit 2000 fast verdoppelt

Krankenstand Fehltage wegen Burn-out seit 2000 fast verdoppeltImmer mehr Arbeitnehmer fallen wegen psychischer Erkrankungen im Job aus. Die Bundespsychotherapeutenkammer warnt nun vor den volkswirtschaftlichen Kosten.

Die Anzahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen lange ausfällt, steigt stetig. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehltage aufgrund seelischer Leiden fast verdoppelt, teilte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) mit. 12,5 Prozent aller Krankheitsausfälle gingen demnach auf psychische Erkrankungen zurück, die Tendenz sei sogar steigend. Seit 2004 habe die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Burn-out-Symptomen wie Erschöpfung und Antriebslosigkeit drastisch zugenommen. Habe es 2004 bei 100 Versicherten wegen solcher Symptome nur 0,6 Fehltage im Jahr gegeben, seien es 2011 rund 9 Tage gewesen.

Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter, sieht die Ursache dafür vor allem in wachsendem Druck am Arbeitsplatz. Er verwahrte sich gegen den Vorwurf der Krankenkassen, dass immer mehr Arbeitnehmer wegen seelischer Leiden krankgeschrieben würden, weil auch die Zahl der Psychotherapeuten (derzeit knapp 22.000 mit Kassenzulassung) steige. Psychotherapeuten können ihre Patienten nicht krankschreiben, das könnten nur die Ärzte selbst.

Psychische Erkrankungen führten dem BPtK zufolge zu besonders langen Fehlzeiten von durchschnittlich 30 Tagen im Jahr, bei Depressionen seien es sogar 39 Tage. Die volkswirtschaftlichen Kosten beliefen sich auf 26 Milliarden Euro.

Die Bundespsychotherapeutenkammer hat für Unternehmen deshalb eine Liste mit Beratungsangeboten zur raschen Hilfe für betroffene Mitarbeiter erstellt. Bei niedergelassenen Psychotherapeuten gebe es dagegen meist monatelange Wartezeiten. Die Arbeitgeber begrüßten das Angebot zur Förderung der psychischen Gesundheit im Betrieb.

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Berlin: 1,1 Millionen Kinder können nicht richtig sprechen

Fast jedes dritte Vorschulkind in Deutschland leidet unter Sprachstörungen. Dabei seien Jungen im Alter von sechs Jahren mit knapp 38 Prozent deutlich stärker betroffen als Mädchen mit rund 30 Prozent, heißt es im jüngsten Arztreport der größten Krankenkasse, der Barmer GEK. Insgesamt liege der Anteil der Kinder bis 14 Jahren mit Sprech- und Sprachschwierigkeiten bei 10,3 Prozent. Ärzte hätten diese Diagnose innerhalb eines Jahres bei insgesamt 1,12 Millionen Kindern gestellt.

Für den gestern veröffentlichten Report wurden die Daten von 8,3 Millionen Barmer-Versicherten ausgewertet. Demnach sind psychosoziale Krankheitsbilder wie Sprachstörungen, Konzentrationsschwächen und Hauterkrankungen wie die Neurodermitis bei Kindern weiter auf dem Vormarsch.

viaBerlin: 1,1 Millionen Kinder können nicht richtig sprechen | RP ONLINE.

Botulismus: Wie groß die Gefahr für Menschen ist, vermag niemand zu sagen

Der Göttinger Tierhygieneforscher Dr. Helge Böhnel fordert eine Meldepflicht bei Fällen des Chronischen Botulismus‘, einer rätselhaften Rinderseuche, die nach Böhnels Forschungsergebnissen besonders häufig in Norddeutschland und damit auch im Landkreis Stade auftritt. Bei der Krankheit handelt es sich um eine durch ein Bakterium hervorgerufene Vergiftung, die Rinder erleiden und die in der Regel tödlich für sie endet.

Böhnel, langjähriger Professor an der Universität Göttingen, hat die Krankheit als einer der ersten erforscht und wirft dem Landwirtschaftsministerium in Berlin vor, „die Sache nicht ernst genug“ zu nehmen. „Der Erreger ist von der EU so katalogisiert, dass er auf den Menschen übertragen werden kann“, betont Böhnel. Er weist aber auch darauf hin, dass nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Jahr etwa 20 Menschen deutschlandweit am Botulismus erkranken. Bei Menschen ist die Krankheit meldepflichtig, bei Tieren bisher nicht.

Das seit 15 Jahren existierende Problem ist neu in die Diskussion gekommen, nachdem jetzt das ZDF-Magazin „Frontal 21“ und die „Hamburger Morgenpost“ darüber berichtet haben. Unter Berufung auf Dr. Böhnels Forschungen war von rund 2000 Fällen deutschlandweit die Rede. Böhnel bestätigt diese Zahl, sagt aber auch: „Es handelt sich um unsere Forschungsergebnisse aus 15 Jahren“. Tierärzte hätten fragliche Blutproben erkrankter Tiere nach Göttingen geschickt, sein Institut habe Daten gesammelt. Dabei ergebe sich durchaus, dass „in Norddeutschland und Niedersachsen mehr los ist, als anderswo“. Warum die Fälle sich gerade dort häufen, wisse man bisher nicht.

Gäbe es die von Böhnel geforderte Meldepflicht, hätte das für betroffene Bauern auch finanzielle Folgen. Denn dann würden sie von den Tierseuchenkassen entschädigt werden. Bisher ist das nicht der Fall.

Wie Johann Knabbe, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Stade, sagt, gibt es vonseiten der hiesigen Landwirte keine Forderung nach einer solchen Meldepflicht. Die Krankheit sei im Verband „nur ein sporadisches Thema“. Zudem seinen nur wenige Fälle erkrankter Rinder bekannt: „Uns ist in den letzten Jahren eine örtliche Problematik größeren Ausmaßes nicht bekannt geworden. Es gab nur Einzelfälle, bei denen die Diagnose von Tierärzten so gesehen wurde“.

Kreisveterinärin Dr. Sibylle Witthöft sagt zu dem Thema: „Meiner Einschätzung nach wäre die Krankheit meldepflichtig, wenn sie so bedeutsam wäre.“

viaExperte fordert Meldepflicht bei Rinderseuche – Harburg – Region – Hamburger Abendblatt.

Das Kernkraftwerk Stade (KKS) wurde von 1972 bis 2003 in Stadersand nahe der Schwingemündung an der Elbe betrieben. Es ist das erste nach dem Atomausstieg stillgelegte Kernkraftwerk Deutschlands und befindet sich zurzeit im Rückbau (Phase 4: Abbau der restlichen kontaminierten Anlagenteile, Nachweis der Kontaminationsfreiheit, Entlassung der verbleibenden Strukturen aus der atomrechtlichen Überwachung [1]). Das KKS liegt an der südlichen Uferseite der Unterelbe in der Gemarkung der Hansestadt Stade in Niedersachsen, etwa 30 km westlich von Hamburg und neben dem ebenfalls stillgelegten und bereits rückgebauten Kraftwerk Schilling. Es war mit einem leichtwassermoderierten Druckwasserreaktor ausgestattet.

Mit der Stilllegung des Kernkraftwerks Stade wurde ebenfalls der Betrieb der benachbarten Saline eingestellt[4], die in den 20 Jahren zuvor heißen Dampf aus dem Kraftwerk bezogen hatte.

Inzwischen wird geplant, statt des Kernkraftwerkes ein Steinkohlekraftwerk mit etwa der gleichen Leistung zu errichten[5], für das das Land Niedersachsen aber noch den Hafen Stade-Bützfleth um einen Kohleanleger erweitern müsste, an dem die jährlich 1,7 Mio. t Steinkohle abgefertigt werden können.

viaKernkraftwerk Stade – Wikipedia.

Lauert in Biogasanlagen eine Gefahr für Mensch und Tier? Die Jägerschaft Rotenburg zeigt sich besorgt, was Medienberichte über chronischen Botulismus angeht. Kreisveterinär und Kreis-Landvolk hingegen geben sich gelassen und warten auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien.

Die Symptome des neuen Krankheitsbildes sind Leistungsabfall, Abmagerung, Lähmungen und Koordinationsschwierigkeiten. Erkrankte Rinder verenden daran. Die Wochenzeitung Die Zeit berichtet auf ihrer Internetseite davon, dass selbst Tierärzte und Landwirte mittlerweile an chronischem Botulismus leiden.

„Das Thema wird bereits seit Jahren kontrovers diskutiert. Im Landkreis Rotenburg hingegen, mit seinen circa 125 Biogasanlagen und seiner hohen Dichte an Mastställen und Milchviehbetrieben, scheint die Diskussion bisher noch nicht angekommen zu sein“, moniert Kuno Kumpins von der Rotenburger Jägerschaft. Denn, so eine Theorie, gerade in Biogasanlagen sind die Bedingungen zum Entstehen des Bakteriums Clostridium botulinum ideal.

Das Bakterium wächst nur in einer sauerstofffreien Atmosphäre. Aber genau diese herrscht im Fermenter der Biogasanlage. Dort werden in bestimmten Anlagentypen auch Rinder-, Schweinegülle und Hühnermist vergoren. Einige Wissenschaftler befürchten, dass die Gärreste aus den Biogasanlagen samt dem durch das Bakterium produzierten Gift auf Felder ausgebracht werden. Von dort können die Toxine in die Nahrungskette gelangen, an deren Ende der Mensch steht. „Die Jägerschaft ist besorgt über diese mögliche Entwicklung, da die Feldflur auch das Nahrungsreservoir unzähliger Wildtierarten darstellt“, so Kumpins.

Zwar müsste Material der Kategorie III – Lebensmittel, die nicht mehr zum menschlichen Verzehr verwandt werden und Schlachtabfälle – 60 Minuten bei mindestens 70 Grad erhitzt werden. Diese sogenannte Hygienisierung töte aber laut Wissenschaftlern der Agrar- und Veterinär-Akademie, die sich in ihrer Göttinger Erklärung besorgt über die Zunahme des Giftes in der Milchviehhaltung äußern, die Bakterien nicht ab, sondern fördere sogar noch das Auskeimen. Die Sporen sterben erst bei mindestens 100 Grad.

Wie ist damit umzugehen? Der Rotenburger Kreisveterinär Dr. Joachim Wiedner erklärt, er warte zunächst die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen ab. „Es gibt unterschiedliche Meinungen zum Botulismus. Die Uni Göttingen hat eine Studie für 2014 angekündigt, die Tierärztliche Hochschule in Hannover für 2012.“ Dabei werde er nicht bis 2014 warten, falls bereits aus Hannover Erkenntnisse zum Handeln zwingen. „Das gehört zum sorgfältigen Arbeiten“, so Wiedner.

Carsten Hipp, Geschäftsführer des Kreis-Landvolks, sieht das ähnlich. Er könne nichts zu einer möglichen Gefahr sagen: „Das Thema wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Die Mehrheit sagt, dass durch Biogasanlagen keine erhöhte Gefahr ausgeht, andere Wissenschaftler glauben das nicht.“ Diejenigen, die eine Gefahr sehen, erklären aber, so Hipp, dass besondere Achtung bei Biogasanlagen geboten ist, die mit Geflügel-Kot beschickt werden. „Das ist bei uns im Landkreis aber kein Thema. Hier kommen vor allem nachwachsende Rohstoffe wie Mais in die Fermenter.“Eine unmittelbare Gefahr für Menschen bestehe allerdings nicht, so Veterinär Wiedner: „Humanmediziner streiten sich, ob es reicht, Fleisch eines erkrankten Tieres zu essen, um selbst Botulismus zu bekommen. Oder haben die bisher Erkrankten das Gift durch den Umgang zum Beispiel mit Gülle aufgenommen? In beiden Fällen ist es eine Mengenfrage, wie viel des Giftes man überhaupt aufnimmt.“ Denn, so Wiedner, selbst wenn das Gift in Biogasanlagen entstehen sollte, dann werde der Gärrest auf einer großen Fläche verteilt und so das Giftstoffe wieder verdünnt.

Außerdem beruhigt der Kreisveterinär: „Es ist nicht möglich, sich beispielsweise beim Spaziergang über umher fliegenden Staub zu vergiften. Man muss das Toxin schon aktiv aufnehmen, aber das jemand Gras isst, auf dem das Gift haftet, ist völlig abstrus.“

Im Landkreis habe es, so Wiedner, seit zwei Jahren keine Botulismusfälle gegeben, die dem Amt bekannt wurden. „Man muss aber auch sagen, dass es keine Meldepflicht mehr gibt. Vorher hatten wir eine geringe Anzahl an Erkrankungen.“

viaGefahr durch Biogasanlagen? – Jägerschaft ist über mögliche Botulismus-Erkrankungen besorgt – Von Stephan Voigt – Rotenburger Rundschau.

Das Bundesagrarministerium steht dem Begriff des „chronischen Botulismus“, der seit einigen Jahren in einzelnen wissenschaftlichen Veröffentlichungen kursiert, sehr reserviert gegenüber.

Wie es in einer Stellungnahme des Agrarressorts anlässlich eines Ende September veranstalteten Fachgesprächs heißt, dient der Begriff „chronischer“ oder „viszeraler“ Botulismus zum jetzigen Zeitpunkt lediglich als Hypothese zur Erklärung von unspezifischen Symptomen wie Schwäche und Auszehrung bei einzelnen Tieren.

Die Vermutung, das in der Umwelt überall vorkommende Bakterium Clostridium botulinum werde von Rindern mit dem Futter aufgenommen, vermehre sich im Darm dieser Tiere und setze dort Toxine frei, sei ebenso wenig wissenschaftlich gesichert wie die Hypothese, dass es sich um eine Faktorenerkrankung handeln könnte. Eine Verbindung des Krankheitsgeschehens zu Biogasanlagen kann nicht hergestellt werden, wie aus dem Ministerium verlautet.

Das Thema chronischer Botulismus war vergangene Woche auch Anlass zu einer Diskussion im Ernährungsausschuss des Bundestages. Der Agrarsprecher der Bündnisgrünen, Friedrich Ostendorff, forderte, Forschung und Dokumentation müssten mit hoher Priorität intensiviert werden. Er sprach von großem Leidensdruck der betroffenen Tierhalter. Die Politik müsse schnell handeln und zügig Ergebnisse ermitteln. Die Bundesregierung zeige nur wenig Bereitschaft, über die vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) abgefragten Daten hinaus mögliche Fälle zentral zu sammeln. Die Begründung, dass das Krankheitsbild dafür zu unspezifisch sei, so Ostendorff, „ist aus unserer Sicht nicht ausreichend“.

Die Agrarsprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan sieht die Ressortforschung gefordert. Deren einzige Existenzberechtigung sei es, die Bundesregierung wissenschaftlich zu beraten. „Es ist überfällig, dass sie sich mit diesem für landwirtschaftliche Betriebe existenziellen Problem beschäftigt und Lösungen erarbeitet“, betonte die Liberale. Die schwerwiegenden Erkrankungen von Rindern, besonders in den Milchviehregionen im Norden Deutschlands, gäben Anlass zur Sorge. Es gelte, die Ursachen der rätselhaften und mit unterschiedlichsten Symptomen auftretenden Krankheit schnellstmöglich zu finden.

viaAgrarressort zweifelt an chronischem Botulismus – Tier – www.proplanta.de.

Botulismus Die ignorierte Seuche

Ein bizarrer Streit verhindert die Anerkennung und effektive Bekämpfung einer chronischen Tiervergiftung.

Als er im Frühsommer durch das Fernsehen von den Opfern der Ehec-Epidemie erfuhr, weckte das bei Landwirt Heinrich Strohsahl üble Erinnerungen: »Das war, als sähe ich einen Film, den ich selbst erlebt habe.« Bis vor drei Jahren führte seine Familie einen großen Milchviehbetrieb mit mehreren Standorten bei Itzehoe in Schleswig-Holstein. Im Sommer 2007 bemerkte Heinrich Strohsahl, dass seine Kühe merkwürdig schläfrig wirkten. Die Tiere brauchten viel länger als sonst, um von der Weide in den Stall zu kommen. Im Melkstand gaben sie kaum Milch, aber wenn sie danach zum Fressen wankten, lief ihnen die Milch aus den Eutern.

»Heute weiß man: Das zentrale Nervensystem der Kühe war gelähmt«, erzählt Strohsahl. Doch damals rätselten er und sein Bruder wie auch der Tierarzt, der Melkanlagentechniker, der Fütterungsberater und später die Amtsveterinäre, woran die Tiere litten. Und dann begann das große Sterben: Erst gebaren die Kühe tote Kälber, dann verendeten die erwachsenen Tiere.

Ein bizarrer Streit verhindert die Anerkennung und effektive Bekämpfung einer chronischen Tiervergiftung.

Als er im Frühsommer durch das Fernsehen von den Opfern der Ehec-Epidemie erfuhr, weckte das bei Landwirt Heinrich Strohsahl üble Erinnerungen: »Das war, als sähe ich einen Film, den ich selbst erlebt habe.« Bis vor drei Jahren führte seine Familie einen großen Milchviehbetrieb mit mehreren Standorten bei Itzehoe in Schleswig-Holstein. Im Sommer 2007 bemerkte Heinrich Strohsahl, dass seine Kühe merkwürdig schläfrig wirkten. Die Tiere brauchten viel länger als sonst, um von der Weide in den Stall zu kommen. Im Melkstand gaben sie kaum Milch, aber wenn sie danach zum Fressen wankten, lief ihnen die Milch aus den Eutern.

»Heute weiß man: Das zentrale Nervensystem der Kühe war gelähmt«, erzählt Strohsahl. Doch damals rätselten er und sein Bruder wie auch der Tierarzt, der Melkanlagentechniker, der Fütterungsberater und später die Amtsveterinäre, woran die Tiere litten. Und dann begann das große Sterben: Erst gebaren die Kühe tote Kälber, dann verendeten die erwachsenen Tiere.

Heinrich Strohsahl ist kein Mann, der frei über seine Gefühle redet. So lässt sich nur erahnen, was er durchlitt, als er Wochen später selbst erkrankte. »Ich musste zwischen 30 und 70 Mal am Tag auf die Toilette und wurde immer schwächer.« Am Ende konnte der junge, kräftige Landwirt »nicht mal mehr einen Eimer anheben«, berichtet er. »Mit 85 Prozent Muskelkraftversagen kam ich schließlich ins Krankenhaus nach Hannover.« Dort blieb er viele Wochen – und überlebte, anders als die meisten seiner Rinder. 1.300 Tiere haben die Strohsahls verloren, alle Rinder, die nicht gestorben sind, mussten geschlachtet werden, die Ställe wurden abgerissen. Heinrich Strohsahl arbeitet heute als Angestellter in einem anderen Betrieb.

Die rätselhafte Rinderseuche auf dem Hof der Familie ist kein Einzelfall. Auf vermutlich Hunderten Milchhöfen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren ganze Herden erkrankt oder im Extremfall wie bei den Strohsahls verendet, ohne dass zunächst eine klare Krankheitsursache gefunden wurde

Das Institut für Bakteriologie an der Universität Leipzig hat fünfzehn eingeschläferte Rinder der Familie Strohsahl untersucht und im Pansensaft von vierzehn Tieren das Bakterium Clostridium botulinum nachgewiesen. Die Institutsleiterin Monika Krüger geht davon aus, dass diese Gift produzierenden Bakterien den Darmtrakt der Rinder besiedelt und sie so schleichend vergiftet haben.

Doch um diese Diagnose – den chronischen Botulismus – wogt unter Wissenschaftlern und Tierärzten ein bizarrer Streit. Der klassische Botulismus verläuft nämlich akut: Er führt in wenigen Stunden zum Tod, ausgelöst durch die Bakteriengifte, die Botulinumtoxine. Deren Erzeuger, eng verwandt mit dem Wundstarrkrampf auslösenden Clostridium tetani, kommen überall im Boden vor und vermehren sich unter Luftabschluss. Ihre Gifte sind die gefährlichsten, die die Natur produziert.

Zehn Nanogramm (Milliardstelgramm) können einen Menschen töten, und ein halber Liter reicht theoretisch für eine Millionenstadt. Rührte man einen halben Teelöffel Botulinumtoxin ins Steinhuder Meer und tränke daraus ein Glas Wasser, man stürbe qualvoll innerhalb weniger Stunden an Lähmungen und Atemnot.

In winzigen Dosen wird das Gift heute aber auch medizinisch genutzt unter dem Kurznamen Botox. Schönheitschirurgen spritzen den gefährlichen Stoff zur Faltenbehandlung. Dass er tödlich sein kann, ist lange bekannt: Der Arzt Justinus Kerner hat Anfang des 19. Jahrhunderts den plötzlichen Tod nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit dem Botulinumtoxin als Wurstvergiftung beschrieben. Damals wurden Clostridien oft in unsauber verarbeiteten Würsten, Räucherschinken oder Konserven verzehrt.

viaBotulismus: Die ignorierte Seuche | Wissen | ZEIT ONLINE.

Dass es auch eine chronische Form des Botulismus gibt, bei der sich die Bakterien in Tieren einnisten, bestreiten manche Tierärzte und Wissenschaftler. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, beim chronischen Botulismus handele es sich lediglich um eine »Hypothese zur Erklärung eines unspezifischen Krankheitsbildes«, das in vielen Fällen bei »suboptimalen« Haltungs- und Fütterungsbedingungen aufgetreten sei. Auch den Strohsahls wurde vom Veterinäramt »mangelhaftes Betriebsmanagement« vorgeworfen.

Solche Aussagen ärgern die Botulismus-Forscher. »Ich habe die Strohsahls und andere Betroffene als ausgezeichnete Landwirte kennengelernt«, sagt die Mikrobiologin Krüger mit Verve, »und ich wehre mich vehement dagegen, den Bauern Schlampigkeit zu unterstellen.« Sie habe die Erkrankung ebenso »in schlecht wie in gut geführten Betrieben gesehen«. Sie erklärt den falschen Eindruck so: Wenn eine Rinderherde an chronischem Botulismus erkrankt ist, dauert es oft lange, bis alle Tiere Krankheitssymptome zeigen. »Irgendwann aber sind die Rinder so geschwächt, dass sie ihr Fell nicht mehr pflegen, dass sie sich verletzen und ihre Wunden nicht mehr heilen.« Die Veterinäre, die dann zur Klärung der Krankheitsursachen in den Stall kommen, »unterstellen den Landwirten, sie würden unhygienisch wirtschaften – und das sei die Ursache für die vielen toten Tiere«.

Diese skeptische Haltung hat absurde Folgen: Weil der chronische Botulismus offiziell nicht als Krankheit anerkannt ist, werden die betroffenen Betriebe nicht sofort von den Kreisveterinärämtern gesperrt. Und die Landwirte bekommen keine Entschädigung von der Tierseuchenkasse. Auch Heinrich Strohsahl durfte offiziell weiter Milch und Fleisch liefern – zumindest von den gesunden Tieren. Was ihn bis heute wundert: »400 tote Rinder in einem halben Jahr, da muss ich doch vom Extrem ausgehen und den Betrieb sperren! Das ist aber nicht gemacht worden.« Seine Familie habe sich schließlich freiwillig entschlossen, keine Milch und kein Fleisch mehr zu liefern.

Ein Grund für den Streit um die Existenz des chronischen Botulismus liegt vermutlich darin, dass Clostridien alles andere als einfach nachzuweisen sind. Die Clostridien bestehen aus vier verschiedenen Gruppen und weiteren Untergruppen, und sie produzieren sieben unterschiedliche Nervengifte. Weil diese Toxine so extrem giftig sind, reicht eine winzige Anzahl der Keime, um ein Tier schleichend zu töten. »Die Methoden, diese Clostridien und ihre Gifte nachzuweisen, unterscheiden sich, und wenn Sie vier Labore beauftragen, haben Sie fünf verschiedene Ergebnisse«, erklärt die Mikrobiologin Monika Krüger.

Für den Botulismus-Nachweis war lange Zeit der sogenannte Maustest üblich, bei dem die Probe zuerst in die Bauchhöhle von Versuchsmäusen gespritzt wird. Sterben diese Tiere, wird der Toxintyp ermittelt. Dabei wird der Probe jeweils eine bestimmte Anzahl von Antikörpern (Gegengiften) für die einzelnen Toxintypen beigemischt. Danach wird sie erneut in Mäuse gespritzt. Jene Mausgruppe, die den Versuch überlebt, hat den richtigen Antikörper erwischt, und damit weiß der Bakteriologe, dass er das richtige Toxin entdeckt hat. Für eine solche Bestimmung müssen Hunderte Mäuse qualvoll sterben. Deshalb entwickelt Monika Krüger andere, einfachere Verfahren, um die Erreger direkt mit Enzymimmuntests nachzuweisen.

Der Göttinger Tierhygieneforscher Helge Böhnel hat als einer der Ersten die These vom chronischen Botulismus verfolgt. Er erstellt gerade einen Überblick, wo in Deutschland Verdachtsfälle aufgetreten sind – und ärgert sich, dass diese Daten nicht systematisch gesammelt werden. Der chronische Botulismus sei weder eine anzeigepflichtige Tierseuche noch eine meldepflichtige Tierkrankheit, schreibt das Landwirtschaftsministerium etwas lapidar, deshalb gebe es keine Zahlen. Böhnel, dessen Labor eines der wenigen in Deutschland ist, die Botulismus überhaupt diagnostizieren können, schätzt, dass rund 2.000 Betriebe betroffen sind. Er beschreibt die Clostridien als sehr eigenartige Bakterien, die sich der Isolierung weitgehend entzögen. Das erschwere die Impfstoffherstellung.

In Südafrika ist ein Impfstoff gegen den klassischen Botulismus entwickelt worden, der in Deutschland allein im Ausnahmefall zugelassen wird. Er wirkt zwar nur gegen zwei Typen von Clostridien, aber er kursiert in der Szene bereits als Geheimtipp. Manche Bauern schwören darauf. Bei ihnen seien die chronischen Probleme verschwunden, seit sie ihre Tiere impften.

Warum die rätselhafte und umstrittene Rindererkrankung in den letzten Jahren immer häufiger auftritt, darüber gibt es nur Vermutungen. »Auch die Bedingungen, unter denen das Gift produziert wird, sind noch weitestgehend unbekannt«, sagt Monika Krüger. »Bekannt ist aber, dass die Tiere, die an chronischem Botulismus leiden, auch unter einer Dysbiose der Magen-Darm-Flora leiden. Das heißt, es fehlen die Bakteriengruppen in der Darmflora, die die Ansiedlung der Clostridien verhindern.«

Die Forscher suchen nun nach den Ursachen dieser Veränderungen und wollen verstehen, welche Rolle die Clostridien dabei spielen. Viele Spuren führen zur industrialisierten Landwirtschaft. »Immer wenn Sie eine hohe Tierdichte haben, steigt der Infektionsdruck«, sagt Krüger. In der industrialisierten Landwirtschaft würden zudem die physiologischen Bedürfnisse der Rinder vernachlässigt.

viaBotulismus: Chronischer Botulismus auf dem Hof, trotzdem wird weiter Milch geliefert | Wissen | ZEIT ONLINE.

Doch wie kommen die Clostridien ins Futter und in die Rinder? Die Erntemaschinen werden immer schneller, erfassen weggeduckte Wildtiere und häckseln sie, ob Jungvogel, Wildschwein oder Reh. Deren Überreste verrotten, etwa in luftdicht verpackter Mais- oder Grassilage. So können sich Clostridien vermehren und botulinumhaltiges Leichengift produzieren. Das Risikomaterial gelangt ins Futter. Auch Hühnerkot aus industrieller Haltung, der Kadaver enthalten kann, gilt als potenzielle Gefahrenquelle. Ebenso Biogasanlagen, deren Gärreste samt Clostridiensporen massenhaft als Dünger auf den Feldern landen.

Um diese Verdachtsmomente zu klären, müsse erst einmal geforscht werden, fordert die Bakteriologin Monika Krüger. Der Fachverband Biogas fühlt sich verleumdet und weist alle Verantwortung von sich. »Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Biogasanlagen und chronischem Botulismus«, sagt die Verbandssprecherin Andrea Horbelt. Eigene Forschung zu Clostridien und Biogas kann sie nicht vorweisen, das sei »nicht Aufgabe des Fachverbands, sondern der Regierung«.

Wie groß die Gefahr für Menschen ist und ob chronischer Botulismus zur Epidemie werden könnte, vermag niemand zu sagen. Der Neurologe Dirk Dressler von der Medizinischen Hochschule Hannover hat Heinrich Strohsahl und einige seiner Mitarbeiter untersucht und für drei von ihnen die gleiche Diagnose gestellt: chronischer Botulismus. Damit sei dieses Krankheitsbild erstmals auch für erwachsene Menschen beschrieben, konstatiert Dressler. Auch die Landwirte, die sich als betroffene Tierhalter

zur Interessengemeinschaft IG Botulismus zusammengeschlossen haben, berichten von Erkrankungen.

Dressler gibt allerdings Entwarnung: Offenbar erfordert es sehr engen Kontakt zu den Rindern, um selbst zu erkranken. Unklar sei, ob die drei betroffenen Landwirte das Gift immer wieder von außen aufgenommen hätten oder ob die Giftquellen in ihrem Darm siedelten, wie der Göttinger Wissenschaftler Helge Böhnel vermutet. In einem sind sich die Experten einig: Es bestehe großer Forschungsbedarf. Man dürfe die Bauern nicht mehr länger bis zur Existenzvernichtung still vor sich hin leiden lassen. Und die Gefahren für Mensch und Tier seien zu klären.

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Brustkrebsrate hat sich weltweit verdoppelt

Im Jahr 1980 gab es weltweit noch etwa 640 000 Neuerkrankungen an Brustkrebs, drei Jahrzehnte später lag die Zahl schon bei 1,6 Millionen. Zugleich nahmen – in einem langsameren Tempo – auch die Todesfälle durch Brustkrebs zu. Sie stiegen von etwa 250 000 (1980) auf 425 000 (2010). Beide Zahlen stiegen schneller als die Weltbevölkerung. allerdings lag in Industrieländern wie den USA die Sterberate durch Brustkrebs 1980 bei 1 von 32 Frauen, 30 Jahre später war sie auf nur noch 1 von 47 Frauen gesunken.51 Prozent der Brustkrebs-Erkrankungen treten übrigens in Ländern der Dritten Welt auf. Das berichtet die britische Fachzeitschrift „The Lancet“ in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf eine US-Untersuchung.Über die Ursache dieser dramatischen Zunahme gibt es bislang keine eindeutigen Aussagen von Experten. Es kommen aber vermutlich mehrere Faktoren zusammen. So scheinen Abgase das Brustkrebsrisiko zu erhöhen, wie eine frühere Studie aus Kanada darlegt. Auch Übergewicht und manche Hormontabletten könnten für die steigende Erkrankungsrate eine Rolle spielen. Nicht zuletzt wird ein hoher Alkoholkonsum mit der Gefahr, Brustkrebs zu entwickeln, in Verbindung gebracht. Allerdings deckten auch die verfeinerten Diagnosetechniken Brustkrebs öfter und in einem früheren Stadium auf als früher.

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