Rätselhafte Angriffe auf Kuba Wie Schallwaffen funktionieren

vom 30.09.2017

US-Diplomaten sollen auf Kuba Opfer von akustischen Angriffen geworden sein. Ist so eine Attacke überhaupt möglich? Was über Schallwaffen bekannt ist.

Der Vorwurf klingt wie der Stoff für einen Science-Fiction-Film: In Havanna auf Kuba werden angeblich mehr als 20 US-Diplomaten über Monate gezielt angegriffen – und das auf offenbar ausgesprochen hinterlistige Weise.

Die Betroffenen klagen alle unterschiedlich stark über verschiedene Symptome: Von Kopf- und Ohrenschmerzen über Schwindel bis hin zu Gehörverlust sowie Seh- und Schlafstörungen. Einige hätten sogar Gehirnerschütterungen erlitten und dauerhaft ihr Gehör verloren, hieß es von US-Seite.

Die Ursache für die Beschwerden sind noch nicht gefunden. Doch die Behauptung der Amerikaner wirkt wie aus einem James-Bond-Film der Zukunft. Ihre Diplomaten, die noch während der Amtszeit von Barack Obama wieder Beziehungen mit dem kommunistischen Inselstaat vereinbarten, könnten mit Schallwaffen angegriffen worden sein, glaubt man. Nun wurden mehr als die Hälfte des Botschaftspersonals von der Insel abgezogen.

Der Schallwaffen-These scheinen die Ermittler schon seit Ende 2016 nachzugehen. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass die Leiden der US-Diplomaten tatsächlich von Schallwaffen verursacht werden – was ist über die Technik bekannt?

 

Schmerz durch Schall

Physikalisch gesehen ist Schall eine sich ausbreitende, wellenförmige Schwingung. Bei einem Geräusch, wie es etwa entsteht, wenn man ein Buch zuschlägt, werden Luftmoleküle verdrängt und in Bewegung gebracht – Schallwellen entstehen. Werden mehr Luftmoleküle in Bewegung gebracht, weil das Buch sehr stark zusammengeschlagen wird, entsteht ein lauter Ton. Geschieht das eher sachte, werden weniger Moleküle verdrängt – der Ton ist leiser. Schall unterteilt sich in verschiedene Frequenzbereiche: Der für den Menschen hörbare liegt zwischen 16 Hertz und 20 Kilohertz – je nach Alter. Der Bereich drunter wird Infraschall genannt, der über 20 Kilohertz Ultraschall.

Dass Schall Schmerzen auslösen kann, weiß jeder. Bei sehr lauten Geräuschen schützt man seine Ohren reflexartig. Ab wann ein Geräusch als unangenehm und schmerzhaft empfunden wird, ist aber individuell unterschiedlich und hängt auch von der Frequenz ab. Messungen ergeben eine Unbehaglichkeitsschwelle bei Normalhörern zwischen 90 und 110 Dezibel, die Schmerzgrenze liegt etwa 20 Dezibel darüber.

Doch auch unabhängig von den Ohren hat Schall einen Einfluss auf den Körper. Gehörlose etwa spüren Bässe, obwohl sie die Musik selbst nicht hören können. Deshalb besuchen einige gerne laute Technoclubs. Ein sehr hoher Schalldruckpegel kann sogar Organe schädigen. So sterben bei nicht weit entfernten Explosionen manchmal Menschen durch einen Lungenriss.

Mit hörbarem Schall arbeiten Waffenentwickler schon länger: Im Einsatz bei US-Streitkräften und der Polizei ist die Long Range Acoustic Device (LRAD), eine Art Schallkanone. Bei dem Gerät handelt es sich um einen großen Lautsprecher, der sehr gezielt und über weite Strecken eingesetzt werden kann. So übermittelt die US-Polizei etwa Lautsprecherdurchsagen, die bis zu 500 Metern verständlich sein sollen. Das System, an das ein einfacher Mp3-Player angeschlossen werden kann, wurde 2009 bei nicht genehmigten Demonstrationen am Rande des G20-Gipfels in Pittsburgh eingesetzt.

Das LRAD erzeugt einen maximalen Schalldruckpegel von etwa 150 Dezibel. Zudem kann es einen schrillen Piepton abgeben, der bei kürzeren Abständen sehr schmerzhaft ist. So können Angreifer außer Gefecht gesetzt oder Demonstranten auseinandergetrieben werden. Werden Personen mit dieser Schallkanone beschossen, versuchen sie reflexartig ihre Ohren zu schützen. Ist man dem Geräusch länger ausgesetzt, drohen Hörschäden.

Das Gerät, das zunächst beschönigend als Kommunikationsmittel beworben wurde, wurde deshalb kürzlich von einem amerikanischen Richter als Waffe eingestuft. LRAD-Systeme haben zahlreiche Anwendungsbereiche: Derzeit werden sie auch auf Schiffen zur Abwehr von somalischen Piraten eingesetzt.

Wegen der entstehenden Lautstärke gilt es aber als sehr unwahrscheinlich, dass solche Systeme auf Kuba zum Einsatz kamen und für die Beschwerden verantwortlich sind.

Ultraschall gegen Infraschall

Interessanter für die These vom akustischen Angriff ist dagegen der nicht hörbare Bereich. Doch hier ist die Faktenlage bisher äußerst dünn. Bekannt ist zwar, dass in Militärlaboren an solchen Ideen geforscht wurde. Doch eine lautlose Schallkanone bezeichnen Fachleute wie etwa der Experimentalphysiker Jürgen Altmann von der Universität Dortmund als sehr unwahrscheinlich.

Im Ultraschallbereich sei es sehr schwer, Schallwellen mit hoher Frequenz über ein gewisse Entfernung durch ein Medium wie Luft zu transportieren. Denn diese Wellen werden von Luft wesentlich stärker aufgenommen, als solche mit niedrigeren Frequenzen. Zudem passen die zahlreichen beschriebenen Beschwerden bei den Diplomaten nicht zur Wirkung von Ultraschallwellen auf den Körper. Immerhin ist Ultraschall in der Medizin als relativ sanfte Diagnostik bekannt.

Doch Ultraschall kann durchaus auch unangenehme Folgen haben. Bekannt ist etwa das „Mosquito“-System: Hier sendet ein kleiner Kasten einen Piepton aus, der verhindern soll, dass sich Jugendliche an öffentlichen Plätzen treffen und es dort zu Lärmbelästigungen oder Vandalismus kommt. Das System nutzt den Effekt, dass mit dem Alter bestimmte Frequenzbereiche nicht mehr wahrgenommen werden – Menschen ab etwa 25 Jahren fühlen sich also nicht mehr belästigt. Doch für Jüngere wirkt der Ton äußerst nervig. Allerdings verwies der Akustikexperte Holger Schulze gegenüber der ARD darauf, dass bei Tests auch Ältere Beschwerden bekamen, die die Frequenzen eigentlich nicht mehr wahrnehmen.

Auch der ehemalige MIT-Experte Joseph Pompei äußerte sich skeptisch zum Ultraschall-Einsatz auf Kuba: „Damit es etwa zu einer Gehirnerschütterung kommt, hätte jemand den Kopf der Betroffenen in einen Pool tauchen müssen, der mit sehr leistungsfähigen Ultraschallwandlern ausgekleidet ist.“

Schmerzen im Ohr

Eine Waffe, die im Infraschallbereich arbeitet, ist zwar wahrscheinlicher, allerdings scheinen auch hier die beschriebenen Symptome nicht zu passen. Tieffrequenter Infraschall wird in unserer Umwelt von zahlreichen Quellen abgegeben. Dazu gehören Autos, Lkws und Industriebetriebe. Zwar kann Infraschall bei einem hohen Schalldruckpegel zu Schmerzen im Ohr führen sowie systemische Folgen wie Kopfschmerzen oder erhöhten Blutdruck hervorrufen. Aber die Symptome verschwinden, wenn der Infraschall verschwindet.

Solche Schallquellen sind technisch zudem nahezu nur unter Laborbedingungen zu erzeugen, bei denen der Effekt in einem luftdicht abgeschlossenen Raum auftritt. Dass die Angreifer solche Bedingungen in einem Hotel in Havanna schaffen können, ist sehr unwahrscheinlich. Zudem bräuchte es riesige Gerätschaften, die wohl nur schwer zu verbergen wären.

Zwar ist nicht auszuschließen, dass Waffen, die die beschriebenen Schäden verursachen könnten, existieren. Wahrscheinlicher ist aber, dass Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Sogenannte ototoxische Stoffe etwa haben einen giftigen Effekt auf das Innenohr. Sie wirken auf die Sinneszellen des Hör- und Gleichgewichtsorgans. Zu solchen ohrgiftigen Mitteln gehören einige Antibiotika aber auch Lösungsmittel und Schwermetalle.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/schallwaffen-wie-funktionieren-schallkanonen-a-1170765.html

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„Havanna-Syndrom“ Neuer Fall von mysteriöser Krankheit

Die Serie mysteriöser Erkrankungen, die offenbar nur Diplomaten und Diplomatinnen sowie Botschaftsangehörige aus Kanada und den USA in Kuba treffen, geht weiter. Vergangene Woche wurde erneut ein kanadischer Diplomat mit einer Gehirnverletzung unbestimmter Ursache in Kuba ins Krankenhaus eingeliefert. Die Hintergründe dieses „Havanna-Syndroms“ sind weiter unklar.

Es ist der 13. Fall des „Havanna-Syndroms“, der einen Mitarbeiter der kanadischen Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna betrifft, berichtet der kanadische Sender CBC. Kanada hat es seinen Botschaftsmitarbeitern freigestellt, auf eigenen Wunsch zurückzukehren. Bereits zuvor wurde ein Teil der Botschaftsmitarbeiter ausgewechselt. Die Regierung untersucht aktuell die Hintergründe der mysteriösen Erkrankung. Dahinter werden Angriffe vermutet, die laut offiziellen Stellen noch nicht näher erklärbar sind.

Bisher ist vor allem etwas über die Symptome bekannt, wenig über die Ursache. Betroffene berichten, dass sie bei Angriffen eine Art Druckwelle in ihrem Kopf spüren. Viele hören auch laute Geräusche, vergleichbar mit Zikaden, die sie innerhalb des jeweiligen Gebäudes verfolgen, beim Öffnen einer Tür nach draußen aber nicht mehr zu hören sind. Einige Betroffene beschreiben zudem eine Art unsichtbaren Energiering.

Die Opfer leiden im Anschluss unter anderem unter Kopfweh, Schwindel, Schlafstörungen und Tinnitus. Bei Untersuchungen wurden Verletzungen gefunden, die mit einem Schädel-Hirn-Trauma, wie sie Soldaten durch Bomben im Irak oder Afghanistan erleiden, vergleichbar sind, wie etwa Hirnschwellungen. Allerdings gibt es laut Ärzten keinerlei Anzeichen einer Verletzung oder eines Angriffs, so der „New Yorker“.

Erster Fall wurde Ende 2016 bekannt

Der erste Fall wurde Ende 2016 bekannt, schreibt der „New Yorker“. Ein CIA-Mitarbeiter und erfahrener Spion berichtete damals, dass er in seinem Haus in Kuba ungewöhnliche Geräusche in seinem Kopf und ein Druckgefühl gespürt habe, gefolgt von Kopfweh und Schwindel. Er wird als erfahrener Spion beschrieben, der auch darauf trainiert wurde, Gegenspionage zu erkennen. Im Gegensatz zu Russland oder China war körperliche Gewalt gegen Agenten in Kuba bis dahin allerdings nicht an der Tagesordnung.

Rund zehn Tage später meldete derselbe CIA-Agent einen weiteren Vorfall. Als Anfang Februar zwei weitere CIA-Agenten von vergleichbaren Symptomen berichteten, die sie in ihren Häusern erlebt hätten, begann die US-Regierung, die Fälle näher zu untersuchen. Sie rief die Mitarbeiter ihrer Botschaft in Kuba auf, sich untersuchen zu lassen – es kamen dabei immer mehr Fälle ans Tageslicht. Mittlerweile sind es über 20 gemeldete Fälle.

Viele CIA-Mitarbeiter betroffen

Vor allem CIA-Mitarbeiter waren zu Beginn von der sonderbaren Erkrankung betroffen, sie machten rund die Hälfte der bis Frühling 2017 gemeldeten 16 Fälle aus. Die Angriffe wurden bis dahin immer in den Wohnungen und Häusern der jeweiligen Opfer durchgeführt. Im April 2017 wurde schließlich auch ein Arzt im Auftrag der US-Regierung in einem Hotel in Kuba Opfer eines solchen Angriffs.

Im Sommer 2017 informierten die USA Botschaftsmitglieder anderer Staaten über die mysteriöse Erkrankung. Daraufhin meldeten sich die ersten Betroffenen aus Kanada, darunter ein Diplomat und seine Familie. Im März 2018 schließlich wurde der erste Fall aus China gemeldet, der jenen aus Kuba sehr ähnlich war.

Kanada reagierte auf die Angriffe, indem es die Botschaftsmitarbeiter an einem gemeinsamen, sicheren Ort statt vieler verstreuter privater Unterkünfte unterbrachte. Auch die USA brachten ihre mittlerweile deutlich reduzierten Botschaftsmitarbeiter in gesicherten Häusern unter. Zwischenzeitlich wurde sogar die Schließung der US-Vertretung überlegt, obwohl sich kurz zuvor die Beziehungen entspannt hatten.

Wer, warum und wie, ist unklar

Wie genau die Angriffe durchgeführt werden, ist ebenso unklar wie die Frage, von wem und warum. Offizielle Stellen aus den USA und Kanada geben an, dass die Angriffe nicht auf bisher bekannte Waffen oder Technologien zurückzuführen seien. Die erste Vermutung lautete, dass die Schäden durch Schallwaffen ausgelöst wurden, dann waren Mikrowellen im Verdacht. Diese sind aber eigentlich nicht präzise genug.

Die jüngste These lautet laut „New Yorker“, dass bestimmte Frequenzen oder elektromagnetische Impulse, die direkt durch das Ohr der Opfer eingetreten sind, für die Schäden verantwortlich sind. Im Innenohr lösen diese eine Art Blasenbildung aus. Die Blasen können beim Explodieren entweder das Gleichgewichtsorgan beschädigen oder, sofern sie ins Gehirn gelangen, dort zu kleinen Schlaganfällen führen.

Kuba weist jede Verantwortung für die Vorfälle von sich und beteiligte sich an den Untersuchungen – ohne Erfolg. Vermutungen, dass Russland hinter den Angriffen steckt, haben sich nicht bestätigt. Mittlerweile beteiligt sich die US-Bundespolizei FBI neben dem CIA und dem Außenministerium an der Untersuchung – ebenfalls bisher ohne Erfolg.

 

Quelle: https://orf.at/stories/3103004/

Panama: Nordkoreanischer Waffenfrachter auf dem Weg nach Kuba

Der von Panama vor über einem halben Jahr festgesetzte nordkoreanische Waffenfrachter „Chong Chon Gang“ hat das Land verlassen und Kurs auf Kuba genommen. Das Schiff legte am Samstag mit 32 Besatzungsmitgliedern in der panamaischen Karibik-Stadt Colón ab, wie das Außenministerium Panamas mitteilte. Die Freigabe erfolgte nach vorheriger Zahlung einer Strafe von rund 690.000 Dollar an die Panamakanal-Behörde ACP. Der Kapitän und zwei weitere Crewmitglieder müssen sich wegen Waffenhandels vor Gericht verantworten, ihnen drohen bis zu zwölf Jahre Haft.

Das Schiff war im Juli 2013 an der Einfahrt zum Panamakanal gestoppt worden. An Bord wurde schweres Kriegsgerät aus Kuba entdeckt. Waffenlieferungen nach Nordkorea sind nach einer Resolution der Vereinten Nationen verboten. Nach Angaben der Regierung in Havanna sollten die Waffen in Nordkorea repariert und dann wieder zurückgeschickt werden. Die panamaische Justiz wertete die Einfuhr der Waffen als Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Die beschlagnahmten Waffen bleiben vorerst in Panama.

Im Fall „Chong Chon Gang“ sei korrekt und innerhalb internationaler Vorgaben und multilateraler Verpflichtungen verfahren worden, sagte Panamas Außenminister Francisco Álvarez De Soto. In Kuba soll das Schiff nun Zucker laden und dann nach Nordkorea fahren.

viaPanama: Nordkoreanischer Waffenfrachter auf dem Weg nach Kuba – Ausland – FAZ.

Nordkorea hat von Panama verlangt, den am Sonntag aufgebrachten Waffenfrachter Chong Chon Gang und seine 35-köpfige Besatzung sofort wieder freizugeben. Das mittelamerikanische Land hatte das Schiff gestoppt, nachdem es vom Pazifik aus kommend den Panamakanal durchfahren hatte.

viaWaffendeals zwischen Nordkorea und Kuba: Reis gegen Jets – Politik – Süddeutsche.de.