„World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

Die Zahl der Millionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 1.198.700 gestiegen. Damit gehört Deutschland neben den Vereinigten Staaten, Japan und China zu den vier Ländern mit den meisten Millionären auf der Welt und hatte auch im globalen Vergleich überdurchschnittliche Zuwächse. Das geht aus dem „World Wealth Report 2016“ hervor, den die Unternehmensberatung Capgemini in Frankfurt vorgelegt hat. Für diesen Bericht werden jährlich seit nunmehr 20 Jahren umfangreiche statistische Daten ausgewertet. Zudem wurden mehr als 5200 Millionäre aus 23 Ländern sowie mehr als 800 Vermögensverwalter befragt.

Als Millionär, genauer als „High Net Worth Individual“ (HNWI) gilt man in dieser Zählweise, wenn man ein investierbares Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzt, selbstgenutzte Immobilien würden dabei nicht mitgerechnet, heißt es. In dieser Zählweise gibt es weltweit ungefähr 15,4 Millionen Millionäre, deren Vermögen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar gewachsen ist. Seit 1996 habe sich hat Vermögen der Millionäre auf der Welt demnach vervierfacht, heißt es in der Studie. Capgemini wagte die Prognose, unter optimistischen Annahmen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde das Vermögen der Millionäre bis zum Jahr 2025 die Grenze von 100 Billionen Dollar übersteigen.

Als einen wichtigen Grund für die überdurchschnittliche Entwicklung der Millionärszahlen in Deutschland nannte Klaus-Georg Meyer, Vice President  bei Capgemini, den überproportionalen Anstieg der Immobilienpreise. Millionäre, die über ihre selbstgenutzte Immobilie hinaus in diesem Bereich investiert seien, hätten davon profitiert.

Starke Millionärszuwächse in China

Global betrachtet gab es offenbar eine Verschiebung hinsichtlich der Regionen mit den meisten Millionären. Der asiatisch-pazifische Raum hat mittlerweile Nordamerika nicht nur bei der Zahl der Millionäre, sondern auch beim Volumen des Millionärs-Vermögens überholt. In der Asien-Pazifik-Region gab es demnach 2015 rund 5,1 Millionen Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 17,4 Billionen Dollar, in Nordamerika hingegen besaßen 4,8 Millionen Millionäre rund 16,6 Billionen Dollar.

Auffällig starke Zuwächse bei der Zahl der Millionäre gab es in China (plus 16 Prozent auf 1,03 Millionen) und Japan (plus 11 Prozent auf 2,7 Millionen). In den Vereinigten Staaten hingegen hat die Millionärszahl unterdurchschnittlich zugenommen (plus 2 Prozent auf 4,5 Millionen), in Kanada war sie sogar leicht rückläufig (minus 3 Prozent auf 321.000).

Die Krise vor allem in Brasilien machte sich für die Zahl der Millionäre in Lateinamerika bemerkbar, sie ging um 2,2 Prozent zurück. Auch in Afrika nahm die (ohnehin niedrige) Zahl von Millionären ab, um 1,8 Prozent. Russland und Brasilien tauschten in der Rangfolge der Länder mit den meisten Millionären ihren Platz: Russland verlor etwa 3000 Millionäre auf  152.000, Brasilien verlor 12.000 Millionäre auf 149.000 und landete damit hinter Russland. Auch Taiwan und Mexiko tauschten die Plätze, weil Mexiko 2000 Millionäre verlor, während Taiwan 2000 mehr verzeichnete. Indien konnte etwas aufsteigen und hat jetzt 200.000 Millionäre, etwa 2000 mehr als im Vorjahr.

In Spanien (plus 8 Prozent) und  in Frankreich (plus 6 Prozent) hat die Zahl der Millionäre zwar prozentual stärker zugenommen als in Deutschland, insgesamt gibt es der Studie zufolge dort aber deutlich weniger als hierzulande.

Große Ungleichheit auch unter Millionären

Zu der grundsätzlichen Frage, ob sich die Schere zwischen Arm und Reich in der Welt öffnet, hält der „World Wealth Report“ sich bedeckt. Er streicht vor allem heraus, dass sich das Vermögen der Reichen weiter erhöht hat. Zudem differenziert er nochmal zwischen ärmeren, mittelreichen und ganz reichen Millionären. Und zeigt, dass es auch dort keineswegs eine gleichmäßige Verteilung des Vermögens gibt.

Die oberste Gruppe, die „Ultra-HNWI“ mit einem Vermögen von 30 Millionen Dollar oder mehr, machten weltweit zahlenmäßig nur 0,9 Prozent aus, also einen verschwindend kleinen Anteil unter den Reichen insgesamt. Diese Superreichen aber besäßen 34,1 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die mittlere Gruppe, mit 5 bis 30 Millionen Dollar, machten zahlenmäßig 9 Prozent aller Millionäre aus und besäßen etwa 22,5 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Die unterste Gruppe mit 1 bis 5 Millionen Dollar Vermögen, die „Millionaires Next Door“, die „Millionäre von Nebenan“, wie der Bericht es formuliert, kämen zwar zahlenmäßig auf 90 Prozent aller Reichen – sie besäßen aber „nur“ 43,3 Prozent des gesamten Millionärsvermögens.

Immobilien und Aktien besonders beliebte Geldanlagen

Der Bericht beschäftigt  sich auch damit, wie die Reichen ihr Geld anlegen. Dabei fällt global für 2015 ein hoher Anteil von Aktien (26,8 Prozent), aber auch von Cash (25,6 Prozent) auf. Regional gibt es offenbar noch Unterschiede. Die Millionäre in Nordamerika stecken mehr in Aktien, die in Europa mehr in Immobilien. Auch die Anlage in börsengehandelte Indexfonds (ETF) ist offenbar unter Millionären insgesamt beliebter geworden. Hinsichtlich der Digitalisierung bescheinigt der Report den Millionären noch Nachholbedarf, allerdings äußern sie sich grundsätzlich aufgeschlossen, auch digitalen Instrumenten bei der Vermögensverwaltung zu vertrauen.

In Deutschland sollen die Millionäre ihr Geld zu 26,4 Prozent in Aktien gesteckt haben, zu 22,2 Prozent in Immobilien, zu 16,6 Prozent in Anleihen, zu 15,3 Prozent in alternative Investments wie Private Equity, Hedgefonds oder Rohstoffe und zu 19,5 Prozent in Bar oder in Bargeld entsprechenden Anlagen halten. Damit war der Anleihen-Anteil deutlich kleiner als im weltweiten Durchschnitt und vor allem der Immobilienanteil deutlich größer. Anders als der Durchschnittsdeutsche sind die Millionäre in Deutschland aber offenbar sogar leicht überdurchschnittlich in Aktien investiert.

Für die Zukunft hat Capgemini unterschiedliche Szenarien untersucht und daraus Prognosen abgeleitet. Unter dem optimistischen Wachstumsszenario kämen die Millionäre bis 2025 auf ein Vermögen von zusammen immerhin 106 Billionen Dollar. Damit würde erstmals die Grenze von 100 Billionen Dollar überschritten. Das wäre nahezu eine Verdreifachung des Vermögens der Reichen seit 2006. Starke Zuwächse zwischen 2015 und 2025 hätten nach dieser Prognose vor allem die Millionäre im asiatisch-pazifischen Raum (plus 142 Prozent) und im Mittleren Osten (plus 92 Prozent). In Europa würden die Reichen ihr Vermögen in diesen zehn Jahren um rund 46 Prozent steigern. Als besonders interessante Branchen werden dabei die Finanzindustrie und die High-Tech-Branche eingestuft, als besonders interessante Märkte China, die Vereinigten Staaten und Indien.

Quelle: „World Wealth Report“: Fast 1,2 Millionen Millionäre in Deutschland

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World Wealth Report : In Deutschland leben erstmals eine Million Millionäre

Die Gruppe der Reichen in Deutschland wird stetig größer: Sie verfügen mittlerweile über ein Vermögen von beinahe vier Billionen Dollar – und legen ihr Geld fast so konservativ wie Kleinsparer an.

Die Millionenmarke ist geknackt: Erstmals leben hierzulande mehr als eine Million Millionäre. Genau sind es 1,015 Million Millionäre, ein Jahr zuvor waren es 951.000 – ein Plus von 6,7 Prozent.

Damit behauptet Deutschland auf der Liste der Länder mit den meisten Menschen, die über ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar verfügen, seinen dritten Platz hinter den Vereinigten Staaten und Japan, aber vor China, Großbritannien und Frankreich.

Noch schneller als die Zahl der Millionäre wuchs im vergangenen Jahr deren Vermögen. Es erhöhte sich von 3,4 Billionen Dollar auf 3,7 Billionen Dollar – ein Plus von 7,7 Prozent.

„Haupttreiber war das starke Wachstum an den Aktienmärkte“, sagt Klaus-Georg Meyer von Capgemini. Der Deutsche Aktienindex Dax beispielsweise legte 2012 rund 30 Prozent zu. Die Unternehmensberatung wertet seit nunmehr 17 Jahren die weltweiten Vermögensverhältnisse der Reichen und Superreichen aus und veröffentlicht die Ergebnisse im „World Wealth Report“.

Selbst genutzte Immobilien nicht berücksichtigt

Anders als eine im Vormonat veröffentlichte Studie gleichen Namens der Boston Consulting Group wird hier nicht das Vermögen aller Privatanleger betrachtet, sondern nur Anlagen von Menschen, die über mehr als eine Million Dollar anlagefähiges Vermögen verfügen. Selbst genutzte Immobilien und Sammlungen, etwa von Kunstwerken, sind nicht berücksichtigt.

Die weltweite Gruppe der Dollarmillionäre besteht mittlerweile aus zwölf Millionen Menschen. Von der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die meisten längst erholt. „Es gibt zwei Millionen mehr Vermögende als vor der Finanzkrise“, sagt Meyer.

Zusammen verfügen sie über 46,2 Billionen Dollar. Im Jahr 2008, nachdem die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Kapitalmärkte durcheinandergewirbelt hatte, waren es lediglich 32,8 Billionen Dollar. Damals lag die Zahl der Dollarmillionäre bei 8,6 Millionen.

Einen Positionswechsel gab es im vergangenen Jahr auf der Liste der reichsten Regionen: Nordamerika hat sich seinen Spitzenplatz von der Asien-Pazifik-Region zurückerobert: 3,73 Millionen Millionäre in den Vereinigten Staaten und Kanada stehen 3,68 Millionen Millionären in Asien gegenüber.

Allerdings gehen die Experten davon aus, dass sich dies schon bald wieder umkehren wird. Hauptgrund: das hohe Wirtschaftswachstum in Ländern wie China und Indien, womit auch das Wohlstandsniveau schneller steigt als anderswo.

Nur die Amerikaner setzen stark auf Aktien

Ausgezahlt hat sich für die Vermögenden in Nordamerika vor allem ihr starkes Vertrauen in die Aktienmärkte. Dividendenwerte machen 37 Prozent des Portfolios aus. In keiner anderen Region sind Aktien bei den Millionären so beliebt. Im weltweiten Durchschnitt dominiert dagegen ähnlich wie beim kleinen Sparer das Einlagenkonto.

Gut 28 Prozent stecken mittlerweile in solch vermeintlich sicheren Anlagen. Erst dann folgen Aktien (26 Prozent), Immobilien (20 Prozent), festverzinsliche Wertpapiere (16 Prozent) und Alternative Anlagen (zehn Prozent), zu denen beispielsweise Hedgefonds und direkte Unternehmensbeteiligungen gehören.

„Trotz der gut laufenden Aktienmärkte sind die Menschen bei der Vermögensverteilung eher vorsichtig“, sagt Meyer. Die eher konservative Ausrichtung deckt sich mit den Ergebnissen einer zusätzlich durchgeführten Umfrage unter 4400 Millionären weltweit, davon 190 in Deutschland: Demnach steht für 33 Prozent der Befragten der Vermögenserhalt im Mittelpunkt aller Bemühungen.

Rund 26 Prozent gaben dagegen an, ihr Vermögen in den kommenden Jahren nicht nur erhalten, sondern vor allem weiter mehren zu wollen.

Am liebsten haben sie das Geld in ihrer Nähe

Die Deutschen zählen trotz der starken Verbreitung von Tagesgeldkonten auch hierzulande sogar noch zu den unterdurchschnittlichen Bargeldliebhabern. Sie halten 26 Prozent ihres Vermögens bar. Spitzenreiter sind die Japaner mit 49 Prozent.

Ebenfalls 26 Prozent macht im deutschen Anlagemix die Immobilie aus, auf den weiteren Plätzen folgen Aktien mit 23 Prozent, Zinspapiere mit 16 Prozent und Alternative Anlagen mit neun Prozent.

Neben der Verteilung auf einzelne Anlageklassen ist die Verteilung auf Anlageregionen aufschlussreich. Dabei gilt für Millionäre offenbar das gleiche wie für Normalanleger: Am liebsten habe ich mein Geld in meiner Nähe. Zwischen 65 Prozent und 80 Prozent investieren die Vermögenden in ihrer Heimatregion.

Dem Nahen Osten und Afrika trauen die wenigsten

Besonders die Amerikaner wagen sich kaum weg von ihrem Kontinent: 80 Prozent stecken in Anlagen aus Nordamerika, nur acht Prozent in Europa und sieben Prozent in Zinspapieren oder Aktien aus Asien. Dem Nahen Osten und Afrika trauen sie am wenigsten: nicht einmal zwei Prozent haben sie dort angelegt.

Skepsis allem Fernen gegenüber bestimmt auch die Anlagepolitik der Deutschen: 78 Prozent Europa, neun Prozent Asien, acht Prozent Nordamerika, vier Prozent Naher Osten/Afrika und sogar nur zwei Prozent Lateinamerika, so der Mix. Die Entwicklung der Vermögen wird also stark von jener der regionalen Kapitalmärkte abhängig bleiben.

viaWorld Wealth Report : In Deutschland leben erstmals eine Million Millionäre – Nachrichten Geld – DIE WELT.