Atommüllverklappung

Radioaktive Abfälle konnten legal im Meer verklappt werden, bis diese Vorgehensweise zumindest für Feststoffe 1994 von der International Maritime Organisation (IMO) verboten wurde. Sämtliche Atommüll-produzierenden Länder hatten bis dahin in weniger als 50 Jahren wesentlich mehr als 100.000 Tonnen radioaktiven Abfall im Meer versenkt.

Die USA haben gegenüber der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) eingeräumt, von 1946 bis 1970 über 90.000 Container mit radioaktivem Abfall vor ihren Küsten versenkt zu haben.

Laut Nuclear Energy Agency (NEA) und der IAEO haben 9 Staaten an 15 Stellen im Nordostatlantik bis 1982 insgesamt 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern versenkt.[6].

Die Briten haben hierbei mit 80 % den größten Anteil beigesteuert, gefolgt von der Schweiz, die bis 1982 schwach- und mittelaktive Abfälle sowie radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung unter der Führung der OECD im Nordatlantik versenkt hat.[7] Aus Deutschland wurden einige hundert Tonnen Atommüll im Meer entsorgt[8][9] – das Referat III B4 im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung initiierte die erste internationale Versenkungsaktion. Dabei verklappten Deutschland, England, Frankreich, Belgien und die Niederlande 1967 insgesamt 10.895 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfall 400 Kilometer vor der Küste Portugals. Der deutsche Atommüll stammte von der Gesellschaft für Kernforschung mbH in Karlsruhe. Es folgten weitere internationale Verklappungen.

Jahrzehntelang wusste die Öffentlichkeit nichts davon. Erst in den 1980er Jahren machte Greenpeace mit spektakulären Aktionen auf das Problem aufmerksam. Im Jahre 2000 veröffentlichte Greenpeace Unterwasseraufnahmen von aufgeplatzten und löchrigen Atommüllfässern, die in einer Tiefe von etwa 100 Metern im Ärmelkanal gefunden wurden. Im selben Jahr untersuchte die Bundesforschungsanstalt für Fischerei das deutsche Versenkungsgebiet im iberischen Atlantikbecken und stellte in ihrem Abschlussbericht fest, „dass aus den Abfallbehältern frei gesetzte Radioaktivität in der Biosphäre angekommen ist“. Im Jahr 2005 wurden die letzten Untersuchungen in den Versenkungsgebieten durchgeführt, allerdings waren die Messergebnisse aufgrund technischer Probleme unbrauchbar.[10] Dabei wird dort intensiv Fisch gefangen.

Die IAEO arbeitet derzeit (2011) an einem aktualisierten Bericht über Alpha-, Beta- und Gammastrahler im versenkten radioaktiven Material.

Atommülleinleitungen

Die direkte Einleitung von radioaktiven Abwässern in das Meer ist jedoch nach wie vor legal und wird auch noch praktiziert: Die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague spült über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in den Ärmelkanal.[11] Auch in Sellafield werden ganz legal radioaktive Abwässer in die Irische See eingeleitet. Diese Einleitungen übersteigen die Einleitungen aus La Hague für fast alle Nuklide.

viaAltlasten in den Meeren – Wikipedia.

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Radioaktivität : Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert versenkten acht europäische Staaten Tausende Fässer mit Atommüll in Atlantik und Ärmelkanal. Vergessen sollte man den Müll nicht – denn er strahlt noch immer.

Die Sünden liegen Jahrzehnte zurück, doch sie strahlen weit in die Zukunft. Und das im wörtlichen Sinn: Acht europäische Staaten hatten zwischen 1949 und 1982 atomaren Abfall einfach dem Meer überlassen, insgesamt versenkten sie 222.732 mit Beton oder Asphalt verstärkte Metallfässer an 14 Stellen westlich der europäischen Küste sowie in einem „Hurd Deep“ genannten Gebiet im Ärmelkanal.

Viele Fässer sind längst verrostet und geben allmählich ihren radioaktiven Inhalt frei. Der Sender Arte widmet dem „Endlager Meeresgrund“ am Dienstag einen Themenabend. Er machte sich auf die Suche nach der Altlast.

114.726 Tonnen Atommüll schlummern vor dem europäischen Kontinentalsockel, meist in Tiefen von mehr als 4000 Metern. Nach offiziellen Angaben enthalten sie schwach- bis mittelradioaktiven Abfall der Atomindustrie, aus Forschung und Medizin; Kritiker wie der britische Atomphysiker John Large gehen jedoch davon aus, dass zum Teil auch hochradioaktiver Müll beigemischt war.

Nach einer Aufstellung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA summiert sich die in Fässern verpackte Radioaktivität auf 42.320 Terrabecquerel (TBq) – zum Vergleich: Die Gesamtaktivität im maroden Atommülllager Asse II betrug Anfang 2010 rund 2900 TBq.

Was genau strahlt ist ungewiss

Allein 35.000 TBq stammen aus Großbritannien. Weitere 6500 TBq steuerten die Schweiz und Belgien bei. Deutschland hat nur im Jahr 1967 Atommüll mit einer Gesamtaktivität von 0,2 TBq versenken lassen. Allerdings ist die Gesamtaktivität nur ein Anhaltspunkt für das Ausmaß des Problems. Denn die Zusammensetzung des Mülls aus den verschiedenen Radionukleide (radioaktiven Atomsorten) ist nicht vollständig bekannt.

Deshalb lässt sich anhand von Halbwertszeiten kaum kalkulieren, wie hoch die Gesamtaktivität heute ist. „Zudem können sich Isotope gebildet haben, die noch stärker strahlen als die Ausgangssubstanzen“, sagt Susanne Neubronner, Atomexpertin bei Greenpeace in Hamburg.

1981 waren die Versenkungsaktionen von Atommüllfässern ins Gerede gekommen. Greenpeace dokumentierte damals den bis dahin weitgehend unbekannten „Entsorgungsweg“ der europäischen Atomindustrie. Mit Schlauchbooten manövrierten sich die Aktivisten unter die Abrollrampen der Versenkungsschiffe.

Diese stellten das Dumpen aber nicht ein, so dass mehrmals ein mehrere 100 Kilo schweres Fass ein Schlauchboot traf. Die Umweltschützer gerieten in Lebensgefahr und mussten die Aktionen einstellen. Aber sie hatten die Abfallentsorgung auf Kosten der Meere öffentlich gemacht.

20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney

Harald Zindler, 68, saß damals in einem der Greenpeace-Schlauchboote. Vor einigen Monaten fuhr er mit dem Arte-Filmteam zu dem besonders brisanten Versenkungsgebiet: Bis 1963 hatte Großbritannien Atomfässer auch im Ärmelkanal verklappt. Hier fielen die Behälter nur 90 bis 140 Meter tief und liegen nur rund 20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney.

Schon bei der ersten Suche mit einem Unterwasserroboter entdeckte das Team eine Tonne, äußerlich unversehrt. Beim zweiten Anlauf wurde es wieder fündig: Ein völlig verrostetes Fass geriet ins Visier der Kamera.

Der von Rost zerfressene Behälter versinnbildlicht das damalige Entsorgungskonzept: Dilution is the solution (Verdünnung ist die Lösung). „Die Fässer waren nicht konzipiert, um einen dauerhaften Einschluss der Radionukleide am Meeresboden zu gewährleisten. Insofern muss davon ausgegangen werden, dass sie zumindest teilweise nicht mehr intakt sind und Radionukleide freigesetzt wurden“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Grünen im August 2012.

Wird im Meer alles verdünnt?

Doch was genau geschieht am Meeresboden? Nur vereinzelt gab es in der Vergangenheit Forschungsfahrten in die Versenkungsgebiete. So machte die damalige Bundesforschungsanstalt für Fischerei mit ihrem Schiff „Walter Herwig III“ in den Jahren 1996, 1998 und 2000 Fahrten in die Iberische Tiefsee vor Spanien, um zu prüfen, ob sich in den dortigen Meerestiefen von 4700 Meter radioaktive Spuren im Ökosystem Meer finden lassen. Gesucht wurde nach Plutonium, Cäsium und Strontium.

„Die ermittelte Gesamt-Plutonium-Aktivität war nicht signifikant von der des Vergleichsgebietes oder des übrigen Atlantiks verschieden“, heißt es in der Regierungsantwort im August 2012. Auch für Cäsium-137 und Strontium-90 seien keine erhöhten Aktivitäten gemessen worden. Zudem seien andere Studien zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko, dass die Radioaktivität über Meerestiere in „höher gelegene Wassertiefen der kommerziellen Fischerei“ transportiert wird, vernachlässigbar sei.

Der französische Molekularbiologe Pierre Barbey (Universität Caen) sieht das anders: Über die Nahrungskette könne sich die Radioaktivität anreichern, sagte er dem Sender Arte, wenn Fische am Meeresboden fressen, könnten sie die Radioaktivität in höhere Wasserschichten transportieren.

„Über die Nahrungskette kommt die Strahlung nach oben“, sagt auch Greenpeacerin Neubronner. Zudem könnten Meeresströmungen die radioaktiven Altlasten weiträumig transportieren. Sie fordert, die ehemaligen Versenkungsgebiete zu kartieren und nach den Hinterlassenschaften des frühen Atomzeitalters zu suchen. Dort, wo noch intakte Fässer liegen, sollten diese geborgen werden.

Auch Wiederaufbereitung schadet der Umwelt

Allerdings weist Neubronner auch darauf hin, dass die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague am Nordwestzipfel Frankreichs und Sellafield im Nordwesten an der Irischen See noch heute im noch größerem Maße mit Radioaktivität belasten, wobei Sellafield den Hauptbeitrag leistet. Beide Anlagen nahmen auch ausgediente Brennstäbe aus deutschen Kernkraftwerken entgegen – als Entsorgungsnachweis, damit die deutschen Kraftwerke überhaupt betrieben werden konnten.

Weiträumige Einflüsse der Anlagen zeigten Messungen im Rahmen des Meeresschutzabkommens für den Nordostatlantik OSPAR. Demnach driften Radionukleide aus La Hague durch den Ärmelkanal und von Sellafield mit einem Golfstrom-Ableger in die Nordsee und darüber hinaus bis nach Nordnorwegen und in die Barentssee. Auch Untersuchungen des Thünen-Instituts für Fischerei (ehemals Bundesforschungsanstalt für Fischerei) zeigten den Einfluss der Wiederaufarbeitungsanlagen in der Nordsee.

Nach dem in 2011 veröffentlichten Bericht waren Ostseefische noch durch den Reaktor-GAU in Tschernobyl belastet, Sprotten und Heringe der Nordsee jedoch durch die Wiederaufarbeitungsanlagen. „Seit Ende der 1990er Jahre überwog in dem Sellafield-Eintrag in die Nordsee das aus dem Sediment der Irischen See remobilisierte ,alte‘ Sellafield-Cäsium-137 gegenüber den deutlich reduzierten direkten jährlichen Einleitungen“, heißt es in dem Bericht. Auch in der Irischen See schlummert also eine atomare Altlast.

viaRadioaktivität : Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal – Nachrichten Wissenschaft – Natur & Umwelt – DIE WELT.

Munition in Nord- und Ostsee: Explosive Gefahr auf dem Meeresgrund

Seit über 60 Jahren liegen Munitionsreste auf dem Grund der Nord- und Ostsee. Die Behörden glauben, die Gefahr im Griff zu haben. Doch Experten warnen vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl: Immer mehr Bomben und Granaten würden durchrosten und ihren Inhalt freigeben.

Der sichtbarste Hinweis auf ein Problem, dass seit 60 Jahren auf dem Meeresboden in Nord- und Ostsee vor sich hin rostet, steht am Strand von Usedom. Ein Schild warnt Strandbesucher vor einer jahrzehntealten Gefahr: Phosphor aus Munition, die im Zweiten Weltkrieg ins Meer fiel, könne an den Strand gelangen.

Seit 1979 gibt es hier Berichte über Bernsteinsammler, die Phosphor-Brocken mit fossilem Harz verwechselt und sich schwere Verbrennungen zugezogen haben. Doch die Behörden tun sich schwer mit dem Erbe des Krieges. Die Schilder auf Usedom wurden erst 1998 aufgestellt – nachdem ein Urlauber vor dem Landgericht Stralsund die Gemeinde auf Zahlung von Schmerzensgeld verklagte.

Nicht nur auf Usedom bedroht das Erbe der Weltkriege Mensch und Natur. In allen deutschen Küstengewässern lagern Spreng- und Kampfstoffe. „Die Daten sind lückenhaft, aber allein in der deutschen Nordsee handelt es sich um mindestens 400.000 Tonnen“, sagt der Koblenzer Meeresbiologe Stefan Nehring. „Im schlimmsten Fall müssen wir mit 1,3 Millionen Tonnen hochgiftiger und explosiver Stoffe rechnen.“

Nehring ist den Bomben im Meer seit zwei Jahren auf der Spur. Für ein Gutachten über Schadstoffquellen in der Elbmündung durchsuchte er Archive, Zeitungsartikel und Logbücher nach Informationen zu den Kriegsaltlasten am Meeresgrund.

In Usedom war der Fall leicht: Der Phosphor stammt von einer Bombardierung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. 40 Prozent der britischen Bomben verfehlten 1943 ihr Ziel und versanken im Meer, ohne zu explodieren. 60 Tonnen entzündlichen und hochgiftigen weißen Phosphors vermutet Nehring vor der Ostseite der Insel. Der größte Teil der Munition in Nord- und Ostsee stammt allerdings aus gezielten Versenkungen, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten angeordnet wurden. Vor allem in die dänische Ostsee gelangten auf diese Weise Nervengasgranaten; um Bornholm und im Skagerrak sind deshalb große Gebiete für die Fischerei gesperrt.

An der Nordseeküste wurde hauptsächlich konventionelle Munition verklappt: Granaten, Minen und Panzerfäuste landeten im Meer. Heute sind 13 Flächen in den Seekarten mit dem Hinweis „Unrein Munition“ gekennzeichnet. „Die Verteilung ist aber sehr weiträumig“, sagt Nehring. Die Hälfte der Fischer, die die Verklappungen ausführten, kippten den Sprengstoff schon auf halbem Wege zu den vorgesehenen Gebieten über Bord.

500 Kilo Munition pro Quadratkilometer als Normalfall

Aufgrund der flächendeckenden Verunreinigung gilt innerhalb der Deutschen Bucht seit 1993 eine halbe Tonne Munition pro Quadratkilometer als normale Belastung, die nicht extra gekennzeichnet werden muss. Dadurch verschwanden 4 von 17 verseuchten Gebieten aus den amtlichen Seekarten. „So geht Wissen verloren“, kritisiert Nehring. „Die Meeresschutzkonvention Ospar, der Deutschland angehört, fordert ihre Mitglieder auf, alle Informationen über solche Gebiete zu sammeln.“

148 Verklappungsstellen wurden im Zuge des Abkommens bis 2005 in Nordatlantik und Nordsee aufgespürt. Deren Kennzeichnung kann lebenswichtig sein: Erst im vergangenen Frühjahr starben drei niederländische Fischer, als eine Bombe auf dem Deck ihres Schiffes explodierte.

Unumstritten ist, dass eine Bergung der Munition derzeit technisch nicht machbar ist. „Nach 60 Jahren sind viele der Ummantelungen durchgerostet, ein Einsammeln birgt daher noch größere Gefahren, als das Zeug da liegen zu lassen“, sagt Gerd Liebezeit vom Forschungszentrum Terramare in Wilhelmshaven. Er ist einer der wenigen Forscher, der Schadstoffmessungen in Verklappungsgebieten durchgeführt hat. „Das letzte Mal haben wir 2002 bei Helgoland gemessen und keine Belastungen gefunden. Man sollte allerdings regelmäßig nachsehen, und das passiert nicht.“

Im niedersächsischen Umweltministerium sieht man die Dinge anders. „Bei uns ist die Datenlage gut, wir überwachen das“, so Sprecher Magnus Buhlert. „Unsere Proben aus den neunziger Jahren haben gezeigt, dass die ökologische Belastung nicht signifikant ist.“

„Irgendwann rosten sie“

Solche Aussagen bewertet der Meereschemiker Heinrich Hühnerfuß von der Universität Hamburg als gewagt. Dem Analytikexperten sind keine regelmäßigen Untersuchungen bekannt, denn bei den Standardmessungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt würden keine Sprengstoffanalysen gemacht.

 

„Es wird immer gesagt, solange die Hüllen nicht rosten, besteht keine Gefahr. Irgendwann rosten sie aber, und dann haben wir über Jahrzehnte einen diffusen Eintrag. Und diffuse Einträge können politisch immer abgewiegelt werden.“ Eine Risikobewertung wäre nur nach Profilmessungen über den Verklappungsgebieten möglich, und die seien teuer.

Dieses Problem treibt auch Nehring um. Er wirft den Behörden vor, die Gefahr herunterzuspielen. Denn in den Berichten über den Zustand der Nordseeküste, die derzeit wegen der EU-Wasserrahmenrichtlinie nach Brüssel geschickt werden, tauchen die Rüstungsaltlasten nur in Nehrings Unterelbe-Gutachten als ein Problem auf, dass besser erforscht werden müsse.

In den Berichten zu anderen Küstenabschnitten heißt es dagegen, das Verklappungsgut berge keine Gefahren oder sei gar nicht vorhanden. „Dabei ist die Lage entlang der gesamten Küste gleich“, erklärt Nehring. „Ich kann nur vermuten, die Behörden scheuen die Kosten, die mit wissenschaftlichen Bestandsaufnahmen verbunden sind.“

viaMunition in Nord- und Ostsee: Explosive Gefahr auf dem Meeresgrund – SPIEGEL ONLINE.

Russland plant Atommülllager vor „Haustür“ der EU

Russland plant sein erstes Endlager für Atommüll quasi vor der „Haustür“ der EU. Laut einem Bericht des finnischen Rundfunks YLE vom Wochenende soll die definitive Lagerstätte für verbrauchte Brennstäbe im Bereich des AKW-Komplexes Sosnowy Bor an der Südküste des finnischen Meerbusens bei Sankt Petersburg entstehen.

Die Zwischenlager des Atomkraftwerks von Sosnowy Bor, in dem derzeit vier Strom erzeugende Blöcke sowie fünf Forschungsreaktoren in Betrieb stehen, sind bereits voll. Zuletzt veröffentlichte der russische Staatskonzern Rosatom Pläne, wonach der in Sosnowy Bor anfallende Atommüll künftig in ein über 4.000 Kilometer entferntes, erst vor kurzem eröffnetes Zwischenlager in Sibirien verfrachtet werden soll.

Auch Finnland plant Endlager an der Ostsee

Letzteres Vorhaben stieß auf heftige Kritik von Umweltschutzorganisationen. Diese befürchten unter anderem eine Gefährdung von 15 an der Transportstrecke liegenden Großstädten, darunter die Hauptstadt Moskau.

Die finnische Strahlensicherheitsbehörde STUK beurteilte die Pläne für ein echtes Endlager für den russischen Atommüll als grundsätzlich positiv. Finnland will seinen Atommüll ebenfalls an der Ostsee, im Bereich des AKW Olkiluoto an der finnischen Westküste, für die nächsten 200.000 Jahre im Granit versenken.

viaRussland plant Atommülllager vor „Haustür“ der EU – news.ORF.at.