Pakistan: Christen nach Blasphemie-Vorwurf lebendig verbrannt

Weil sie den Koran geschändet haben sollen, sind zwei Christen in Pakistan von einem wütenden Mob gefoltert und lebendig verbrannt worden. Das teilte die Polizei in der ostpakistanischen Provinz Punjab mit.

 

Demnach warfen die Peiniger dem Ehepaar vor, den Koran entweiht zu haben. Die Opfer hätten in einer Ziegelbrennerei im Distrikt Kasur gearbeitet, so die Polizei. Deren Besitzer habe die 35 und 31 Jahre alten Eheleute beschuldigt, Seiten des Korans verbrannt zu haben. Daraufhin habe er sie mit ihren vier Kindern über Nacht eingesperrt.

An dieser Version bestehen jedoch Zweifel, ein Angehöriger sagte, der Blasphemie-Vorwurf sei falsch. Vielmehr habe das Paar die Arbeit wegen schlechter Bezahlung aufgeben wollen.

Am folgenden Tag hatte sich die Nachricht von der angeblichen Blasphemie jedoch verbreitet, ein aufgebrachter Mob habe das Paar in einen Brennofen geworfen, erklärten die Behörden. Einige Männer hätten auch die Kinder verbrennen wollen. Sie seien jedoch von anderen davon abgehalten worden. Nach Polizeiangaben wurden 50 Verdächtige festgenommen.

Blasphemie ist ein schwerwiegender Vorwurf in dem mehrheitlich von Muslimen bevölkerten Land. Selbst unbestätigte Gerüchte über angebliche Schändungen religiöser Symbole lösen oft Krawalle aus. Wer wegen Beleidigung des Islams verurteilt oder auch nur verdächtigt wird, droht Opfer von Angriffen zu werden.

Eine Christin sitzt seit November 2010 in Pakistan im Todestrakt, weil sie schuldig gesprochen wurde, im Gespräch mit einer muslimischen Frau abschätzig über den Propheten Mohammed gesprochen zu haben. Ihre Berufung gegen den Schuldspruch wurde im Oktober abgelehnt.

Die Behörden des Bundesstaats beauftragten nach eigenen Angaben ein dreiköpfiges Komitee damit, die Ermittlungen zu beschleunigen. Die Sicherheitsvorkehrungen in christlich geprägten Wohngegenden der Provinz seien außerdem verschärft worden.

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„Tisa“: Europa und Amerika verhandeln über Trinkwasser

Amerika ist dabei, die EU auch: In diesen Tagen laufen Verhandlungen über ein Handelsabkommen für Dienstleistung. „Tisa“ betrifft auch sensible Bereiche wie das Trinkwasser. Kritiker vergleichen es mit dem umstrittenen Freihandelsabkommen.

Die Verhandlungen über ein internationales Abkommen zur Liberalisierung des Dienstleistungssektors kommen offenbar voran. Die Grundzüge für ein solches Vertragswerk seien inzwischen vereinbart, sagte Amerikas Handelsrepräsentant Michael Froman am Mittwoch. Kommende Woche startet dann die siebte Verhandlungsrunde für das Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen (Trade in Services Agreement – Tisa).

Partner sind 50 Staaten, die fast zwei Drittel des globalen Handels mit Dienstleistungen erbringen. Dazu gehören Kommunikation, Finanzdienstleistungen, die Versorgung mit Strom und Trinkwasser, Postdienstleistungen und auch Leiharbeit.
Dienstleistungssektor dominiert

In den Vereinigten Staaten erbringt der Service-Sektor 75 Prozent der Wirtschaftsleistung und sichert 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft. In der Europäischen Union (EU) umfasst der Bereich fast 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und der Beschäftigung.

Kritiker der Tisa-Verhandlungen beklagen – ähnlich wie im Fall des Freihandelsabkommens „TTIP“, dass die Gespräche unter großer Geheimhaltung geführt würden. Sie befürchten vor allem, dass mit dem Abkommen die Privatisierung von bislang staatlich erbrachten Leistungen zur Grundversorgung der Bevölkerung wie Trinkwasser vorangetrieben und unumkehrbar gemacht werden soll.

Außerdem sehen sie die Gefahr, dass die Leiharbeit internationalisiert wird. Das würde es ermöglichen, billige Leiharbeiter in Hochlohnländer zu holen, statt die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern.

An den Tisa-Verhandlungen sind unter anderem die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien, Kanada, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Hongkong, Israel, Japan, Südkorea, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Panama, Paraguay, Pakistan, Peru und die Schweiz beteiligt.

Aus Protest dagegen, dass Taiwans Regierung ein ähnlich gelagertes Dienstleistungsabkommen mit China durchs Parlament peitschen wollte, hatten Studenten im Frühjahr fast einen Monat lang das Parlament in Taiwans Hauptstadt Taipeh besetzt.

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Atommächte rüsten Schrott ab

Manchmal ist weniger trotzdem mehr. Zum Beispiel beim globalen Atomwaffenarsenal, wo die Atommächte zwar zahlenmäßig abrüsten, qualitativ aber aufrüsten. Das ist ein globaler Trend, zeigt der neue SIPRI-Bericht.

Dank dem Abrüstungsabkommen START zwischen USA und Russland gibt es immer weniger atomare Massenvernichtungswaffen auf der Welt, so der neue Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Doch auch wenn die beiden atomaren Supermächte vertragsgemäß die Anzahl ihrer atomaren Sprengköpfe reduzieren, ist das nicht unbedingt ein Beweis für reelle Abrüstung: „Viele der Atomsprengköpfe, die verschrottet oder unschädlich gemacht werden, sind noch alte und überholte Sprengköpfe, sozusagen das Erbe aus den Zeiten des Kalten Krieges“, sagt Shannon Kile, einer der Hauptautoren des neuen SIPRI-Berichts. „Im Sinne der operativen Stärke ist die Reduzierung eher bescheiden“.

Enttäuschte Hoffnungen

Wer dachte, dass das neue START-Abkommen (Strategic Arms Reduction Treaty, deutsch: Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen) zwischen Russland und den USA, das 2011 in Kraft trat, die Welt in absehbarer Zeit in eine atomwaffenfreie Zone verwandeln würde, war wohl zu optimistisch.

„Das Ganze ist schon enttäuschend“, meint Anette Schaper, Projektleiterin und Expertin für atomare Rüstungskontrolle der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main.

Das liege vor allem am nach wie vor schwierigen Verhältnis zwischen den USA und Russland, so Schaper. „Man hätte Russland noch stärker einbeziehen müssen und im NATO-Russland-Rat auch noch ernster nehmen müssen, als es der Fall ist.“

Die deutsche Expertin ist nicht zuletzt darüber enttäuscht, dass nach wie vor Atomwaffen auch in Deutschland stationiert sind. Sie nennt dies einen „Anachronismus“. „Eigentlich sollten sie längst abgerüstet und abgezogen werden. Aber die NATO ist im Moment noch nicht so weit“, so Schaper.

Atomriesen und Atomzwerge

Russland und die USA besitzen den weitaus größten Teil der weltweiten Atomarsenale – über 90 Prozent. Doch auch die kleineren Atommächte scheinen dem Modernisierungstrend zu folgen, so der neue Bericht des Stockholmer Instituts. Frankreich und Großbritannien arbeiten entweder bereits an der Modernisierung ihrer atomaren Waffensysteme oder sind noch in der Planungsphase, so Shannon Kile von SIPRI. Klar sei jedoch, dass weder Großbritannien noch Frankreich ganz auf ein atomares Waffenarsenal in absehbarer Zeit verzichten werden.

„China scheint ein längerfristiges Modernisierungsprogram zu durchlaufen, aber der Fokus liegt eher auf Qualitätsverbesserung und nicht auf einer zahlenmäßigen Erweiterung des Atomprogramms“, so Kile.

Indien und Pakistan rüsten auf

Eher bereitet ihm die Entwicklung bei zwei der kleineren Atommächte Sorge: „Wir wissen, dass Indien und Pakistan sowohl den Umfang, als auch die Qualität ihrer Atomarsenale ausbauen“, sagt der SIPRI-Experte.

Bedenklich finde er vor allem, dass die Atomwaffen der beiden asiatischen Länder schneller einsatzfähig würden und dass sie auch gegen konventionelle Streitkräfte eingesetzt werden könnten.

Die Rüstungsspirale, so auch Annette Schaper von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, hat in den beiden asiatischen Ländern eine Eigendynamik entwickelt. „Pakistan sieht sich von Indien bedroht. Die Inder gucken da eher auf China“.

Nordkorea – die große Unbekannte

Ein Sonderfall ist die kleinste Atommacht, Nordkorea. „Das ist ja ein völliger Außenseiter, der sich nur durch vermeintlich äußere Bedrohungen nach innen stabilisieren kann“, so Schaper.

Klar scheint jedoch, dass das abgeschottete Land seit Jahren seine Atomwaffen qualitativ verbessert. Früher, so der SIPRI-Bericht, seien Experten eher von „primitiven atomaren Sprengsätzen“ ausgegangen. Heute, so Shannon Kile von SIPRI, gehen die meisten davon aus, dass Nordkorea bereits funktionsfähige Kernwaffen besitzt.

Israels heimliche Atomwaffen

Auch Israel habe noch Atomwaffen, so Kile. Das Land habe zwar offiziell nie zugegeben, Atomwaffen zu besitzen, doch das sei ein „offenes Geheimnis“. Der Umfang des israelischen Atomprogramms scheint stabil zu sein, doch: „Israel wartet ab, was im Iran passiert. Sollte der Iran Atomwaffen entwickeln, könnte das auch Einfluss auf das Atomwaffenarsenal Israels haben“, meint Kile.

Insgesamt, so der SIPRI-Experte, seien in den vergangenen Jahren durch Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland zwar viele Atomwaffen vernichtet worden. Waren es im Kalten Krieg fast 60.000 Stück, die eine prekäre Machtbalance sichern sollten, sind es heute nur noch rund 16.000, so die Zahlen von SIPRI. Klar sei jedoch: „16.000 Atomwaffen sind immer noch immens viele“, so Kile.

viaAtommächte rüsten Schrott ab | Welt | DW.DE | 16.06.2014.

Moskau über geplante Käufe von Fla-Komplexen für Syrien durch Saudi-Arabien besorgt

Russland ist über Berichte besorgt, wonach Saudi-Arabien Fla-Komplexe und Panzerabwehrraketen für syrische Extremisten zu kaufen plant. Das geht aus einer am Dienstag in Moskau veröffentlichten Mitteilung des russischen Außenamtes hervor.

Es gehe um Waffen pakistanischer Produktion, sie seien für syrische Oppositionelle bestimmt, die sich auf dem Territorium Jordaniens eingenistet hätten, teilte das Außenministerium unter Berufung auf das Internetportal gulfnews.com mit. „Der Deal hat zum Ziel, das Kräfteverhältnis bei der geplanten Frühjahrs-Offensive der Extremisten auf Damaskus vom Süden aus zugunsten der Angreifer zu ändern.“

Moskau sei ferner über die Nutzung des jordanischen Territoriums für den Transit von Waffen nach Syrien und für die Ausbildung von Extremisten besorgt. „Wir möchten ein weiteres Mal erklären, dass der Syrien-Konflikt nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden kann. Wir rufen alle auf, die immer noch auf Militärgewalt setzen, ihr Herangehen zu ändern und es den Syrern zu ermöglichen, die Gewalt in dem Land zu stoppen und das Schicksal Syriens selbst zu bestimmen“, hieß es in der Mitteilung.

viaMoskau über geplante Käufe von Fla-Komplexen für Syrien durch Saudi-Arabien besorgt | Sicherheit und Militär | RIA Novosti.

Radioaktives Erbe

Die Ära der massenhaften oberirdischen Atomwaffentests ist vorüber, seit sich 1963 die Großmächte auf ein Verbot solcher Tests geeinigt haben. Doch die Hinterlassenschaften dieser Tests sind offenbar sehr hartnäckig: In der Stratosphäre haben Schweizer Forscher nun viel höhere Konzentrationen an radioaktiven Nukliden nachgewiesen als erwartet. Ihre Messungen belegen, dass Cäsium, Strontium und Plutonium in dieser oberen Atmosphärenschicht sogar Jahrzehnte überdauert haben. Durch große Vulkanausbrüche wie die Eruption des isländischen Eyjafjallajökull im Jahr 2010 können sie auch in tiefere Luftschichten und sogar in Bodennähe gelangen.

Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren führten die Großmächte zahlreiche Atomwaffentests an der Erdoberfläche, in der Atmosphäre oder im Wasser des Pazifiks durch. Dabei wurden radioaktive Isotope der Elemente Cäsium, Strontium und Plutonium freigesetzt und lagerten sich an Schwebteilchen der Atmosphäre an. In der Troposphäre, der untersten Atmosphärenschicht, blieben sie nicht lange erhalten: Regen wusch die Radionuklide aus und auch herabsinkende Staubteilchen banden die radioaktiven Schwebteilchen an sich und entfernten sie so aus der Luft. \“Diese trockene und feuchte Deposition entfernt die meisten Kontaminationen innerhalb von Wochen bis Monaten aus der Troposphäre\“, erklären José Corcho Alvarado von der Universität Lausanne und seine Kollegen.

Stratosphäre als Reservoir radioaktiver Partikel

Anders in der in etwa 15 Kilometern Höhe beginnenden Stratosphäre. Hier überdauern die Radionuklide etwas länger – das war auch schon früher bekannt. Denn zum einen gibt es hier keine Wetterphänomene wie Regen oder Schnee, die die radioaktiv belasteten Schwebteilchen auswaschen können. Die Stratosphäre ist zudem durch eine Grenzschicht, die Tropopause, von der Troposphäre getrennt, die eine ungehinderte Passage behindert. Und noch etwas kommt hinzu: \“Der Großteil der radioaktiven Nuklide verband sich in der Stratosphäre mit Partikeln, die kleiner als einige Zehntel Mikrometer sind und deshalb über Jahre hinweg in der Schwebe bleiben können\“, so die Forscher. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die meisten radioaktiven stratosphärische Aerosole nach ein bis vier Jahren absinken und abgelagert werden, Plutonium sollte diesen Schätzungen nach sogar schon nach 1 bis 1,7 Jahren verschwinden.

Allerdings: Nachgeprüft hat das seit Ende der letzten oberirdischen Tests Anfang der 1980er Jahre kaum noch jemand. \“Die meisten Labore haben damals die stratosphärische Überwachung aufgegeben\“, berichten Corcho Alvarado und seine Kollegen. Denn nach in Kraft treten des Testbanns im Jahr 1963 sank der radioaktive Fallout deutlich ab, so dass man keinen Grund mehr sah, dies weiterzuverfolgen. Eine Ausnahme bildet die Schweiz: Dort werden mittels Messflugzeugen seit 1970 regelmäßig Luftproben aus der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre entnommen und auf verschiedene Substanzen hin analysiert – darunter auch Radionuklide wie Plutonium und Cäsium. Diese Daten machten sich nun die Forscher zunutze, um zu ermitteln, wie viele Relikte der radioaktiven Kontamination aus den Kernwaffentests heute noch in der Stratosphäre über Europa zu finden sind.

Die Ergebnisse waren überraschend: Denn die Messdaten bestätigen zwar, dass die Konzentration von radioaktivem Plutonium und Cäsium in der Stratosphäre seit den 1970er Jahren kontinuierlich abgenommen haben. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass in den höheren Luftschichten noch deutlich mehr radioaktive Partikel schweben als gedacht. \“Die Plutonium-Aktivität in stratosphärischen Aerosolen liegt heute um fünf Größenordnungen – 100.000 Mal – höher als in Bodennähe\“, berichten die Wissenschaftler. Bei Cäsium ist es immerhin noch tausend Mal mehr. Offensichtlich können vor allem die an nur wenige Zehntel Mikrometer kleine Schwebteilchen gebundenen Radionuklide sogar mehrere Jahrzehnte in der Stratosphäre überdauern ohne abzusinken. Und auch die etwas größeren Partikel bleiben immerhin durchschnittlich 2,5 bis 5 Jahre erhalten, so Corcho Alvarado und seine Kollegen.

Vulkanausbrüche bringen Radionuklide in Bodennähe zurück

Dieses Ergebnis kann auch ein seltsames Phänomen beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull erklären. Denn als Messflugzeuge im Frühjahr und Sommer 2010 die Luft über Europa analysierten, registrierten sie nach Durchzug der Aschenwolke stark erhöhte Werte von Plutonium und Cäsium-137 auch in niedrigeren Luftschichten – sie lagen immerhin drei Größenordnungen höher als normal. Nach Ansicht der Forscher könnten diese Radionuklide quasi als Anhalter mit den Aschenpartikeln und Schwefelaerosolen mitgereist sein, die bei der Eruption des Vulkans bis in die Stratosphäre geschleudert wurden. Dort lagerten sich die radioaktiven Nuklide an diese größeren Partikel an und sanken mit ihnen in die Troposphäre hinab.

\“Das zeigt, dass starke Vulkanausbrüche wie der des Eyjafjallajökull die menschengemachten radioaktiven Partikel umverteilen und auch wieder in die bodennahe Atmosphäre eintragen können. Allerdings: Sorgen machen muss man sich laut Corcho Alvarado und seinen Kollegen deshalb nicht. Die Menge dieser radioaktiven Teilchen sei zu gering, um direkte gesundheitliche Folgen auszulösen – wollen wir es hoffen.

viaRadioaktives Erbe – bild der wissenschaft.

Sipri-Jahresbericht 2013: Atommächte halten Arsenal in Schuss

Statt um Abrüstung kümmern sich die Atommächte der Welt lieber um gezielte Modernisierung ihrer Waffen. Weltweit sind laut einem neuen Report des Friedensinstituts Sipri immer noch rund 4400 nukleare Sprengköpfe einsatzbereit – drei Staaten bauten ihre Arsenale sogar weiter aus.

Eine Welt ohne Atomwaffen liegt nach wie vor in weiter Ferne. Das Stockholmer Sipri-Institut sieht massive Anstrengungen der Atommächte zur Modernisierung der Arsenale. Auch die Zahl sofort einsatzbereiter Sprengköpfe bleibt konstant hoch. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) in seinem neuen Jahrbuch angab, wurden im vergangenen Jahr knapp 2000 Sprengköpfe auf einer hohen Bereitschaftsstufe gehalten und waren damit quasi ständig einsatzbereit.

Alles in allem hielten die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel demnach 4400 Atomwaffen im betriebsbereiten Zustand. Das entsprach dem Vorjahresstand. Mit diversen entweder schon laufenden oder geplanten Programmen sollten atomare Sprengköpfe sowie deren Trägersysteme an Bord von Flugzeugen und U-Booten sowie landgestützte Raketen modernisiert werden.

Der zuständige Sipri-Experte Shannon Kile sagte: „Es hat weiter wenig Anlass zu der Hoffnung gegeben, dass die Atomwaffen-Staaten wirklich bereit wären, ihre nuklearen Arsenale aufzugeben.“

Im Gegensatz zu den meisten Atommächten haben China, Indien und Pakistan demnach ihre Arsenale aufgestockt. China verfüge über nunmehr 250 Atomsprengköpfe, Pakistan über 100 bis 120 und Indien über 90 bis 110, heißt es in dem Bericht des Instituts. Das seien jeweils zehn Sprengköpfe mehr als noch im Jahr 2012.

Angesichts des fragilen Friedens in Asien sei dies eine beunruhigende Entwicklung, schreibt das Institut. Als Beispiele nannte der Bericht die „seit 2008 zunehmenden Spannungen“ zwischen Indien und Pakistan, zwischen Nord- und Südkorea sowie zwischen China und Japan.

Nur schleppende Reduzierung von Bio- und Chemiewaffen

Weltweit gibt es nach Schätzungen des schwedischen Instituts 17.265 Sprengköpfe, die entweder einsatzbereit, eingelagert oder bereits zur Verschrottung vorgesehenen sind. Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl um 1700 gesunken. Hauptgrund dafür ist laut Sipri die Umsetzung entsprechender Vereinbarungen zwischen den USA und Russland. Aber schon damals hieß es: Atomwaffen werden weniger, dafür aber moderner.

Schwierig seien Informationen über Nuklearwaffen in Israel, Indien und Pakistan zu beschaffen, hieß es weiter. Sipri schätzt die Zahl der israelischen Atomsprengköpfe auf 80. Nordkorea und Iran verfügen nach Einschätzung von Sipri bislang nicht über Atomwaffen.

Bei den Bio- und Chemiewaffen verläuft die Reduzierung der Bestände laut Sipri nur schleppend. Entgegen ihrer Zusagen hätten die USA und Russland bislang nicht all ihre Chemiewaffen zerstört, und Syrien habe sogar mit einem Einsatz im Falle eines Angriffs von außen gedroht.

Im vergangenen Jahr nahm der Sipri-Statistik zufolge die Zahl der bei Friedensmissionen aktiven Soldaten um mehr als zehn Prozent ab. Dies sei vor allem auf den Truppenabzug aus Afghanistan zurückzuführen. Hingegen könnte die Zahl der Soldaten bei Friedensmissionen in Gebieten wie Mali und der Sahelzone steigen, möglicherweise könnte es zudem zu einem Einsatz in Syrien kommen. In den vergangenen Jahren hat sich laut dem Institut die Zahl von Konflikten mit Einbindung verschiedener Staaten erhöht. Die Internationalisierung von Konflikten berge die Gefahr, dass sie sich in die Länge zögen.

Sipri ist eine Denkfabrik, die auf die Erforschung von Konflikten, Waffenkontrolle und Abrüstung spezialisiert ist. Das Institut wurde 1966 gegründet und wird zur Hälfte vom schwedischen Staat finanziert.

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Missachtung der Justiz: Oberstes Gericht verurteilt Pakistans Premier

Das Verfassungsgericht in Pakistan hat Premierminister Yousuf Raza Gilani schuldig gesprochen. Dem Regierungschef wurde vorgeworfen, gegen richterliche Anordnungen verstoßen zu haben. Gemäß der pakistanischen Verfassung dürfen Verurteilte kein öffentliches Amt mehr bekleiden.

Die Richter verhängten am Donnerstag aber keine Gefängnisstrafe gegen Gilani, berichtete das staatliche Fernsehen.

Vor mehr als zwei Jahren hatten die Richter die Regierung Gilani aufgefordert, die Behörden in der Schweiz offiziell um die Wiederaufnahme eines Geldwäscheverfahrens gegen den pakistanischen Staatspräsidenten Asif Ali Zardari zu bitten. Gilani verweigerte das, weil der Präsident nach Ansicht der Regierung Immunität genießt.

Bei dem Korruptionsskandal geht es um umgerechnet neun Millionen Euro an Bestechungsgeldern, die Zardari und seine 2007 ermordete Frau Benazir Bhutto über Schweizer Konten beiseite geschafft haben sollen.

Das Gericht verhängte nur eine symbolische Gefängnisstrafe gegen Gilani: Sobald die Richter den Saal verließen, sei die Haft beendet. Unmittelbar nach dem Urteilsspruch verließen sie das Gericht, damit saß Gilani eine Strafe von wenigen Minuten ab.

Gilani hatten in dem Prozess sechs Monate Haft und die Amtsenthebung gedroht. Zweimal musste er vor Gericht aussagen. Im Februar hatte er angekündigt, er würde in Falle einer Verurteilung zurücktreten.

Die Urteilsverkündung am Donnerstag fand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Das Verfahren gilt als Teil einer Machtprobe zwischen Regierung einerseits und Justiz und Militär auf der anderen Seite.

Präsident Zardari sieht sich seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Die Fälle reichen zurück bis Ende der achtziger Jahre, als Zardaris Frau Bhutto erstmals zur Premierministerin gewählt wurde. Viele Jahre lebten Zardari und seine Frau im selbstauferlegten Exil, um einer Strafverfolgung zu entkommen.

2007 erhoffte sich Bhutto ein politisches Comeback und einigte sich mit dem damaligen Militärdiktator Pervez Musharraf auf ein umstrittenes Amnestiegesetz, das dem Paar Straffreiheit zusicherte, solange Musharraf eine Weile weiterregieren dürfe. Von der Einigung profitierten Tausende weiterer Politiker und Spitzenbeamte, denen Korruption vorgeworfen wurde.

Der Oberste Gerichtshof erklärte diese Amnestie für verfassungswidrig und verlangt seit 2009 von der Regierung – inzwischen mit Zardari und Gilani an der Spitze -, die Korruptionsermittlungen wieder aufzunehmen.

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