Psychische Erkrankungen kosten doppelt

„Der Fall ist klar, die Regierungen haben noch viel zu tun.“ Für David Clark, Professor für experimentelle Psychologie an der Universität Oxford, steht ein großes Versäumnis westlicher Gesundheitspolitik fest: Im Bereich psychischer Erkrankungen gebe es viel Handlungsbedarf: mehr Therapiemöglichkeiten, weniger rein medikamentöse Eingriffe und eine breitere Verfügbarkeit von Betreuung auch für „leichtere“ Fälle wie Depressionen und Angstzustände.

Dabei bezieht sich Clark nicht nur auf medizinische Argumente. „Mehr psychologische Behandlungen wären gerade im Interesse der Finanzminister in den Industrienationen“, sagt Clark im Gespräch mit dem Standard.

Mit dieser Einschätzung weiß er auch die OECD hinter sich. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat in einer Studie, die Anfang des Monats vorgestellt wurde, die Gesamtkosten für psychische Erkrankungen in den Industrieländern auf rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung beziffert. Auf Basis von Daten aus dem Jahr 2010 summieren sich die Kosten auf 1842 Milliarden Euro weltweit. Auch in Österreich liegen die Kosten demnach bei einer zweistelligen Milliardensumme. Rund jeder fünfte OECD-Bürger leide aktuell an einer psychischen Erkrankung.

„Betreuung nutzt doppelt“

Geht es nach Clark, ließen sich diese enormen wirtschaftlichen Kosten allerdings gezielt senken. Mögliche Kosten für psychologische Betreuung würden vom Nutzen mehr als überwogen. „Das Mehr an Betreuung nützt gleich in doppelter Hinsicht“, sagt Clark. Einerseits führte sie effektiv dazu, dass andere Kosten im Gesundheitssystem deutlich gesenkt werden. Denn Patienten mit psychischen Leiden haben meist auch andere Beschwerden, die das Gesundheitssystem teuer kommen. Clark etwa hat für depressive und nichtdepressive Patienten die Therapiekosten für Herzerkrankungen, Rückenschmerzen, Asthma oder Epilepsie verglichen. Die Kosten liegen in manchen Fällen doppelt so hoch.

Ein zweiter Effekt wiegt vielleicht sogar noch schwerer. Denn psychische Erkrankungen kommen vor allem bei Menschen im Erwerbsalter vor (dort machen sie sogar jeden zweiten Krankheitsfall aus). Erfolgreiche Therapien könnten also über reduzierte Krankenstände, höhere Produktivität und mehr Kreativität auch ökonomisch mehr bringen, als sie kosten, glaubt Clark: „Wenn der Staat mit guten Programmen die Erwerbsquote erhöht, hat das wichtige Folgen für Steuereinnahmen.“ In einem Beitrag schreibt Clark sogar in einer aktuellen Studie: „Mehr psychologische Therapie würde nichts kosten.“

Wichtige Prävention

Ein Ausbau des Betreuungsangebots könnte auch präventiv wirken. Stress, Existenzängste und ein höherer Erfolgsdruck im Zuge der jüngsten Wirtschaftskrise könnten sich bald in den Statistiken niederschlagen, warnt Clark. „Eine gute Versorgung mit psychologischer Betreuung würde die Bevölkerung auch belastbarer für die Zukunft machen.“ In ihrer Studie kommt auch die OECD zu dem Ergebnis, dass in die Prävention und langfristige Betreuung zu wenig Mittel fließen. Die Betreuung sei „quer durch die OECD-Staaten“ ausbaufähig.

viaPsychische Erkrankungen kosten doppelt – Arbeitsmarkt – derStandard.at › Wirtschaft.

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Weil schlechte Gedanken krank machen: Setzen Sie die Schreibtechnik bewusst ein

James W. Pennebaker berichtet von einer Studie, bei der 1991 in Dallas Männer begleitet wurden, die unerwartet entlassen wurden. Einige von ihnen nutzten die Schreibtechnik, um die damit verbundenen Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Im Ergebnis fanden 27% der Schreibgruppe binnen drei Monaten Arbeit und nur 5 Prozent der nicht schreibenden. Mehrere Monate später hatten 53 Prozent der Schreiber und 18 Prozent der Nichtschreiber Arbeit bei gleicher Anzahl von Vorstellungsgesprächen. Woraus resultiert der Unterschied? Das Schreiben hatte negative Gefühle wie Ärger und Aggression reduziert, so dass die Männer bei Bewerbungen anders auftraten.

Keine Medaille ohne zwei Seiten

Das gilt auch für diese Technik. Viele Menschen kommen auch mit schwierigen Lebenssituationen ohne spezielle Techniken klar. Das Schreiben darf das Tun nicht ersetzen. Wenn nur eine intellektuelle und keine reflektierende, emotionale Auseinandersetzung stattfindet, verpufft die Wirkung.

Eine längere Analyse verschlimmert das Problem eher und manche Menschen sind es nicht gewohnt, über ihre Gefühle zu reflektieren. Auch eine kurzfristige Verschlechterung der Stimmung kann vorkommen, die von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen anhält. Doch die danach folgenden gesundheitlichen Effekte haben Langzeitwirkung, weil der Stress des Unterdrückens weg ist.

viaWeil schlechte Gedanken krank machen: Setzen Sie die Schreibtechnik bewusst ein – Gastkolumne Bürgel: Schreiben Sie sich die Sorgen von der Seele – FOCUS Online – Nachrichten.

Verhaltensforschung: Dem Geduldigen winken die dicksten Fische

Ungeduld ist Verhaltensforschern zufolge höchst schädlich. Wer immer alles gleich sofort will, erhält am Ende weniger. Selbstdisziplin zahlt sich aus.

Zum Einstieg ein Experiment: Vor Ihnen steht ein Glas Rotwein. Der Kellner im Lieblingsrestaurant hat es spendiert. Sie können den Wein sofort trinken. Oder aber Sie lassen die Finger davon. Für diesen Fall, verspricht der Kellner, gibt es beim nächsten Besuch nicht nur ein Glas Rotwein, sondern zusätzlich ein Dessert gratis. Wie entscheiden Sie sich? Wenn Sie das Glas Wein nicht sofort trinken, haben Sie die Geduldsprobe bestanden – und besitzen mit großer Wahrscheinlichkeit eine Fähigkeit, die Gold wert ist: Geduld, so schildert es der österreichische Experimentalökonom Matthias Sutter in seinem eben erschienenen Buch „Die Entdeckung der Geduld“, hat einen ungeahnten Einfluss auf Gesundheit, Bildung und sogar auf das persönliche Einkommen.

Das ist kaum zu glauben. Ist nicht gerade Ungeduld die (Un-) Tugend des 21. Jahrhunderts? Wir wollen alles, und zwar sofort. Wir kaufen im Internet auf Knopfdruck, morgen muss geliefert werden. Wir überprüfen unsere E-Mails, obwohl wir das doch eben erst getan haben. Wir befeuern mit unserer Ungeduld milliardenschwere Geschäftsmodelle wie das des Mitteilungsdienstes Whatsapp, weil wir unfähig sind, für eine Millisekunde den Anschluss zu verlieren. Und wir konstatieren die wachsende Ungeduld der Kinder, die pathologische Züge annimmt – Diagnose ADHS.

Nimmt man die Forschungsergebnisse von Sutter und zahlreichen anderen Verhaltensforschern und Psychologen ernst, ist der Trend zur Ungeduld höchst schädlich. Denn Geduld ist eine Fähigkeit, die auf viele wichtige Dinge einen ähnlich großen Einfluss hat wie die Intelligenz eines Menschen. Anders als andere persönliche Eigenschaften kann Geduld erlernt werden, sagen die Forscher. Das klingt erst einmal vielversprechend. Im Umkehrschluss bedeutet es allerdings: Geduld kann auch verlernt werden.

Wer ungeduldig ist, läuft Gefahr, später arm zu sein

Die Forschungsergebnisse, die Sutter in seinem Buch zusammengetragen hat, sind verblüffend. Schon bei drei- und vierjährigen Kindern lässt sich klar unterscheiden, wie geduldig sie sind. Die Experimente, mit denen das ermittelt wird, ähneln dem Rotwein-Beispiel in der Lieblingskneipe, nur, dass den Kindern Gummibärchen oder bunte Aufkleber statt Rotwein aufgetischt werden. Stets lautet die Frage, ob sie lieber heute etwas weniger bekommen möchten oder morgen etwas mehr. Diese Herangehensweise erscheint vereinfachend, tatsächlich aber haben die Ergebnisse große Aussagekraft. „Das Ausmaß an Geduld und Selbstkontrolle in der Kindheit hat eine bemerkenswerte Vorhersagekraft für den weiteren Lebensweg“, schreibt Sutter.

Das bedeutet zweierlei. Zum einen sind Menschen, die schon als Kind der unmittelbaren Versuchung nicht widerstehen konnten, im Schnitt auch als Erwachsene ungeduldiger. Zum anderen zeigen Studien aus aller Welt den beträchtlichen Einfluss der Ungeduld: In Japan stellten Forscher einen signifikanten Zusammenhang zwischen Ungeduld und der Zahl der Zigaretten fest, die ein Mensch täglich raucht. Ungeduldige Schüler in Österreich geben mehr Geld für Alkohol aus als geduldige Gleichaltrige. In den Vereinigten Staaten wiesen Ökonomen nach, dass Ungeduld und Übergewicht miteinander einhergehen.

In einer Langzeitstudie in Neuseeland beobachten Forscher, dass geduldigere Schüler im Schnitt einen besseren Schulabschluss machen. Das wirkt sich später auf die Verdienstmöglichkeiten und den Erfolg im Beruf aus. Die Präferenz für die Gegenwart hängt außerdem mit der Sparneigung eines Menschen zusammen. Wer zu ungeduldig ist, sorgt weniger für das Alter vor und läuft Gefahr, später arm zu sein.

Kleine Tricks im Alltag können helfen

Der naheliegenden Vermutung, dass es in Wahrheit die Intelligenz ist, die für all die zukunftsorientierten Entscheidungen verantwortlich ist, widersprechen die Forscher. Intelligenzquotient und Geduld seien zwar verbunden. Sie nähmen aber unabhängig voneinander Einfluss auf die Entscheidungen des Menschen, schreibt Sutter. Geringere kognitive Fähigkeiten können demnach durch größere Geduld kompensiert werden.

Es lohnt sich also, die Geduld frühzeitig zu trainieren. Aber wie soll das funktionieren? Die Untersuchungen der Forscher machen deutlich, wie wichtig in der Erziehung die Verlässlichkeit der Eltern ist. Werden Kinder von ihnen enttäuscht, etwa weil Versprechen nicht eingehalten werden, verlieren sie das Vertrauen, dass sich Abwarten auszahlt. Offenbar ahmen Kinder zudem das Verhalten ihrer Eltern nach. Dass geduldigere Eltern geduldigere Kinder großziehen, ist ein Indiz dafür. Auch wie lange Säuglinge gestillt werden, spielt eine signifikante Rolle.

Insgesamt scheint es sehr hilfreich zu sein, geduldiges Verhalten früh regelmäßig einzuüben, dabei können kleine Tricks im Alltag helfen. Wer etwa eine Zeitlang gezwungen wird, Tagebuch über Ein- und Ausgaben zu führen, der wird im Schnitt mehr sparen als jemand, der nicht Buch führt. Solche Ratschläge versprechen wenig Spaß. Und so bleibt den Ungeduldigen zumindest ein kleiner Trost: Zumindest kurzfristig haben sie mehr zu lachen.

viaVerhaltensforschung: Dem Geduldigen winken die dicksten Fische – Menschen & Wirtschaft – FAZ.

Dumm durch Chemikalien?

Neurowissenschaftler schlagen Alarm: Sie warnen vor einer globalen, stillen Pandemie der schleichenden Vergiftung von Kindern durch Umweltchemikalien. Denn die Folgen seien bereits messbar: Eine fortschreitende Verdummung und stetige Zunahme von Verhaltens- und Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. In ihrer Studie belegen die Forscher eine hirnschädigende Wirkung für elf Chemikalien, darunter Blei, Mangan, Quecksilber, Fluor- und Chlorverbindungen, sowie mehrere Pestizide und Lösungsmittel. Bisherige Zulassungstests erfassen zwar akute neurotoxische Wirkungen, die Folgen einer schleichenden Belastung im Mutterleib und der frühen Kindheit bleiben aber bisher meist unerkannt.

Mehr als jedes zehnte Kind hat heute bereits von Geburt an eine Entwicklungs- und Verhaltensstörung, wie Philippe Grandjean von der Universität von Süddänemark in Odense und Philip Landrigan von der Harvard University berichten. Dazu gehören Autismus, geistige Defizite und Hyperaktivität, aber auch eine später auftretende erhöhte Aggression und andere Verhaltensauffälligkeiten. „Die Wurzeln dieser globalen Pandemie von neurologischen Entwicklungsstörungen sind bisher nur in Teilen verstanden“, so die Forscher. Genetische Faktoren spielen zwar für einige der Erkrankungen eine Rolle, sie können aber nur 30 bis 40 Prozent der Fälle erklären. Es liege daher nahe, die Ursachen für den Rest in Umwelteinflüssen zu suchen.

viaDumm durch Chemikalien? – bild der wissenschaft.

Allein das Ritual des Pillenschluckens hilft: „Leere“ Tablette, große Wirkung

Allein das Ritual des

Pillenschluckens hilft„Leere“

Tablette, große Wirkung

Glaube versetzt Berge – und er heilt: Wer fest an ein Medikament glaubt, dem hilft es oft, auch wenn gar kein Wirkstoff enthalten ist. Das ist bereits bekannt. Neue Studien zeigen: solche Placebos wirken sogar, wenn die Patienten wissen, dass nichts drin ist!

Auch wirkstofflose Tabletten können Migräne-Patienten helfen. Das gilt einer Studie zufolge sogar dann, wenn die Behandelten wissen, dass sie Placebos nehmen. Allerdings erreichte ein Placebo im Durchschnitt nicht die Wirkung einer echten Tablette. Wissenschaftler an der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität in Boston behandelten 66 Menschen bei insgesamt 459 Migräne-Anfällen entweder mit dem Wirkstoff Rizatriptan, mit einem Placebo oder gar nicht, wie sie im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ berichten.

Erwartungsgemäß wirkten die Placebo-Tabletten bei Patienten, die der Meinung waren, sie nähmen tatsächlich Medizin ein. Doch auch Menschen, die wissentlich wirkstofflose Tabletten schluckten, fühlten sich anschließend besser, als wenn sie gar nicht behandelt wurden. Die Wissenschaftler um die Neurologin Slavenka Kam-Hansen vermuten deshalb, dass nicht nur die Erwartung der Patienten Migränebeschwerden lindern kann, sondern auch das Ritual des Pillenschluckens: „Anders als die klassische Weisheit, dass Patienten auf Placebos ansprechen, weil sie denken, dass sie ein wirksames Medikament bekommen, stützen unsere Ergebnisse die Idee, dass die offene Gabe von Placebos bei der Behandlung hilft.“

„Elegant zusammengefasst“

Für das Reizdarmsyndrom und Depression haben Studien nach Angaben der US-Forscher in den vergangenen Jahren ebenfalls eine therapeutische Wirkung von Placebos bestätigt, über die Patienten im Bilde waren. \“Das sind alles Dinge, die an anderen Probandengruppen schon getestet wurden, aber noch nie so elegant zusammengefasst wurden\“, kommentierte Ulrike Bingel, die die Schmerzambulanz der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen leitet.

Die Wirkung der wissentlich eingenommenen Placebos könne Folge der Erfahrung sein, dass Tabletten normalerweise Schmerzen lindern, erklärte sie. Patienten fühlen dann eine Verbesserung, einfach nur, weil sie eine Pille einnehmen. \“Das ist ein gelernter, unwillkürlicher, reflektorischer Vorgang\“, sagte Bingel.

viaAllein das Ritual des Pillenschluckens hilft: „Leere“ Tablette, große Wirkung – n-tv.de.