Deutschland war 2015 weltweit drittgrößter Waffenexporteur

Deutschland ist im vergangenen Jahr hinter den Vereinigten Staaten und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit gewesen. Wie der Branchendienst „Jane’s“ in seinem jährlichen Rüstungsbericht feststellt, verkauften deutsche Unternehmen 2015 Rüstungsgüter im Wert von rund 4,78 Milliarden Dollar (4,2 Mrd Euro) ins Ausland – Kleinwaffen und Munition nicht mitgerechnet.

Davon ging etwas weniger als ein Drittel (29 Prozent) in den Krisengürtel Nahost-Nordafrika. Wichtigster Abnehmer in dieser Region war im vergangenen Jahr Saudi-Arabien, gefolgt von Algerien, Ägypten und Qatar. Laut „Jane’s“ werden die Lieferungen nach Nordafrika und Nahost 2018 sogar 40 Prozent der deutschen Rüstungsexporte ausmachen. Danach fällt der Anteil voraussichtlich wieder ab, auf 28 Prozent.

 Im Vorjahr hatte Deutschland in der Liste der größten Exporteure noch auf dem fünften Platz gelegen. Dass es 2016 wohl nur für den vierten Platz reichen wird, liegt nach Auskunft des Autors Ben Moores allerdings nicht daran, dass Deutschland seine Rüstungsexporte zurückfährt. Im Gegenteil: Der Gesamtbetrag wird den Berechnungen zufolge sogar noch einmal minimal steigen.

Rüstungs-Großmacht Frankreich

Grund sei vielmehr die Tatsache, dass Frankreich seine Rüstungsindustrie „wiederbelebt“ habe, sagte Moores. Die Gesamtsumme der französischen Rüstungsexporte in diesem Jahr schätzt er auf rund sechs Milliarden Dollar. Seinen Berechnungen zufolge wird Frankreich 2018 sogar Russland überrunden und zum zweitgrößten Exporteur von Rüstungsgütern aufsteigen.

Der weltweit größte Importeur von Waffen und Ausrüstung ist und bleibt Saudi-Arabien. Laut „Jane’s“ wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von rund 9,3 Milliarden Dollar in das islamische Königreich geliefert. In diesem Jahr liegen die saudischen Militär-Importe sogar knapp über zehn Milliarden Dollar.

Indien belegte in der Liste der wichtigsten Importeure in diesem und im vergangenen Jahr jeweils den zweiten Platz. Die Emirate steigern ihre Rüstungsausgaben den Angaben zufolge massiv. In diesem Jahr sollen sie Material im Wert von rund drei Milliarden Dollar erhalten. Damit sind sie aktuell der drittgrößte Importeur von Rüstungsgütern.

Quelle: Deutschland war 2015 weltweit drittgrößter Waffenexporteur

Advertisements

Moskau über geplante Käufe von Fla-Komplexen für Syrien durch Saudi-Arabien besorgt

Russland ist über Berichte besorgt, wonach Saudi-Arabien Fla-Komplexe und Panzerabwehrraketen für syrische Extremisten zu kaufen plant. Das geht aus einer am Dienstag in Moskau veröffentlichten Mitteilung des russischen Außenamtes hervor.

Es gehe um Waffen pakistanischer Produktion, sie seien für syrische Oppositionelle bestimmt, die sich auf dem Territorium Jordaniens eingenistet hätten, teilte das Außenministerium unter Berufung auf das Internetportal gulfnews.com mit. „Der Deal hat zum Ziel, das Kräfteverhältnis bei der geplanten Frühjahrs-Offensive der Extremisten auf Damaskus vom Süden aus zugunsten der Angreifer zu ändern.“

Moskau sei ferner über die Nutzung des jordanischen Territoriums für den Transit von Waffen nach Syrien und für die Ausbildung von Extremisten besorgt. „Wir möchten ein weiteres Mal erklären, dass der Syrien-Konflikt nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden kann. Wir rufen alle auf, die immer noch auf Militärgewalt setzen, ihr Herangehen zu ändern und es den Syrern zu ermöglichen, die Gewalt in dem Land zu stoppen und das Schicksal Syriens selbst zu bestimmen“, hieß es in der Mitteilung.

viaMoskau über geplante Käufe von Fla-Komplexen für Syrien durch Saudi-Arabien besorgt | Sicherheit und Militär | RIA Novosti.

Großmufti in Saudi-Arabien befiehlt Zerstörung von Pferdeskulpturen

In Saudi-Arabien sind auf Geheiß des Großmuftis mehrere Pferdestatuen abgerissen worden. Der oberste Geistliche hatte zuvor in einem Rechtsgutachten erklärt, dass die Skulpturen eine „große Sünde“ seien.Hamburg – Im ultrakonservativen Königreich Saudi-Arabien sind auf Anordnung des Großmuftis mehrere Pferdeskulpturen zerstört worden. Wie die Zeitung „Dschisan Al-Jum“ am Mittwoch berichtete, ließen die Stadtväter von Abu Arisch in der Provinz Dschisan die Rösser am Dienstag demolieren.Zuvor hatte der oberste Geistliche Abdel Asis Al-Scheich eine Fatwa erlassen, wonach die Pferde in der Stadt an der Grenze zum Jemen zu zerstören seien. Nach der Scharia, dem islamischen Gesetz, seien Abbilder von Menschen oder Tieren eine „große Sünde“.Geistliche und die streng religiöse Staatsführung Saudi-Arabiens greifen an vielen Stellen stark in den Alltag der Einwohner ein. Zwar steht der derzeit regierenden König Abdallah in einigen Bereichen für eine Öffnung seines Landes. Dennoch sind vor allem Frauen mit einer Reihe diskriminierender Regelungen konfrontiert.

viaGroßmufti in Saudi-Arabien befiehlt Zerstörung von Pferdeskulpturen – SPIEGEL ONLINE.

BKA brachte autoritären Regimes Internetüberwachung bei

Noch kurz vor dem Arabischen Frühling brachte das BKA den Regimes in Tunesien und Ägypten laut NDR-Informationen bei, wie sie das Internet besser überwachen können. Die Opposition unterstellt Mitschuld an Folter und Mord.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat zwischen 2008 und 2010 mehrfach Geheimdienstagenten und Polizisten in Tunesien und Ägypten in Seminaren ausgebildet. Dort lernten diese, wie sie Informationen aus dem Internet gegen Aufständische nutzen können. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministers auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei hervor, die dem NDR vorliegt. In den Kursen ging es um die „Überwachung des Internets“ und das „Abhören von Telekommunikation“, heißt es in der Antwort.

BKA-Mitarbeiter führten im Oktober 2010 einen Lehrgang für den ägyptischen Staatssicherheitsdienst und im November 2010 für die tunesische „Direction de la Sécurité Extérieure“ durch, der den Titel „Open Source Internetauswertung im Bereich des internationalen Terrorismus“ trug. Außerdem wurde 2008 die tunesische „Police Judiciaire“ in „polizeiliche(n) Einsatztaktiken und -methoden“ ausgebildet. Nur wenige Monate später, im Dezember 2010, begannen die Massenunruhen in Tunesien und 2011 in Ägypten, die zur Absetzung der Staatschefs in beiden Ländern führte. Insgesamt veranstaltete das BKA zwischen 2008 und 2010 mindestens neun Seminare in Ägypten, Algerien, Jordanien, Saudi-Arabien, Marokko und Tunesien.

Analysesoftware an Marokko geliefert

Im Februar 2011 fiel das Mubarak-Regime: Zehntausende Menschen drängten sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Im Jahr 2007 lieferte das BKA zudem die Analysesoftware „i2 Analyst’s Notebook“ an die marokkanische Bundespolizei. Bei der Software handele es sich um ein IBM-Produkt, das frei verkäuflich sei und bei allen rechtsstaatlich organisierten Sicherheitsbehörden zum Einsatz komme, versicherte das Bundesinnenministerium.

Während das BKA die autoritären Regime mit Know-how und Software für eine bessere Internetüberwachung unterstützte, ließen die damaligen Machthaber Blogger und Aktivisten verhaften und foltern. Die Unterdrückung von Oppositionellen durch die Sperrung von unerwünschten Seiten und die Überwachung von Mailpostfächern, Skype- und Twitter-Accounts waren wichtige Bestandteile in der Unterdrückung der Aufstände, die hauptsächlich über Social-Media-Kanäle im Internet organisiert wurden. Darum wirft der Linkspartei-Abgeordnete Andrej Hunko der Bundesregierung vor, für die Unterdrückung von Gegnern der Diktatoren mitverantwortlich zu sein.

„Aufbauhilfe“ oder Hilfe zur „Niederschlagung von Dissens“?

Das Team Recherche des NDR

| ndr

In einer Antwort des Bundesinnenministeriums heißt es aber, die Maßnahmen seien nur zur Verbesserung der Bekämpfung des internationalen Terrorismus durchgeführt wurden. Ziel der „polizeilichen Aufbauhilfe“ sei es gewesen, „rechtsstaatliche Strukturen“ und „demokratische Rahmenbedingungen“ zu schaffen.

Das zweifelt die Linkspartei an: „Die Maßnahmen richteten sich offiziell gegen ‚Terrorismus‘. Bekanntlich ist dies aber ein politischer, dehnbarer Begriff“, sagte Hunko. Die durch das BKA erlangten Kenntnisse dürften auch „zur Niederschlagung von digitalem Dissens“ genutzt worden sein.

viaBKA brachte autoritären Regimes Internetüberwachung bei | tagesschau.de.

Rüstungsexporte: Risiko Riad

Saudi-Arabien ist größter Empfänger deutscher Rüstungsgüter. Während die Bundesregierung das Land als „Stabilitätsfaktor“ bezeichnet, rügt die Opposition „Angela Merkels Beitrag zum Arabischen Frühling“.

Zwischen der deutschen Rüstungsindustrie und Saudi-Arabien bahnt sich ein neues Geschäft in dreistelliger Millionenhöhe an. Wenn der Linken-Politiker Jan van Aken am Sonntag über etwas überrascht war, dann nicht über diesen Fakt an sich. Sondern wohl über das aus seiner Sicht dreiste Vorhaben, jetzt die alten Fuchs-Panzer durch neue ABC-Spürpanzer auf Basis des Typs „Dingo“ zu ersetzen.

Damit sollen, kommentiert der stellvertretende Parteivorsitzende, nun „genau jene Panzer“ ersetzt werden, „bei denen in den 1990er Jahren Millionen Bestechungsgelder geflossen sind, auch an deutsche Regierungsmitglieder“. Van Aken sagte dem Tagesspiegel: „Diese Deals stinken gewaltig. Die gleiche Bundesregierung, die Saudi-Arabien dauerhafte schwere Menschenrechtsverletzungen bescheinigt, liefert in dasselbe Land einen Panzer nach dem anderen.“

Dass Saudi-Arabien eine zentrale Rolle spielt bei den Deals deutscher Rüstungsfirmen, hatte van Aken kurz vor Weihnachten aus dem Bundeswirtschaftministerium bestätigt bekommen. Staatssekretär Hans- Joachim Otto (FDP) nannte für 2012 bis zum Stichtag 1. Dezember einen Lieferumfang von 1,335 Milliarden Euro. Größter Posten ist das Grenzsicherungssystem, das der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS errichtet.

Die Kosten dafür werden inklusive Software und Technologie auf 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Daneben seien Ausfuhrgenehmigungen für unbemannte Luftfahrzeuge, Radare, Stromerzeugungsaggregate, Ersatzteile für Schiffe sowie Zulieferungen für Panzer, Hubschrauber, Kampfflugzeuge, Gewehre und Haubitzen erteilt worden, schrieb Otto.

Kriegswaffenkontrollrechtliche Genehmigungen zum endgültigen Verbleib in Saudi-Arabien seien erteilt worden unter anderem für mehr als 60 000 Zünder, über eine Million Patronen, 20 Maschinenpistolen sowie 100 Lenkflugkörper.

Die von der „Bild am Sonntag“ verbreitete Nachricht, wonach Riad zunächst für 100 Millionen Euro 30 „Dingos“ kaufen wolle und langfristig an 100 Modellen dieses Spürpanzers interessiert sei, passte also nur ins Bild. Unter Berufung auf Verhandlungskreise schrieb das Blatt, der geheim tagende Bundessicherheitsrat habe den Weg für Verhandlungen mit Saudi-Arabien freigemacht.

Erst kurz zuvor hatten andere geplante Geschäfte mit dem autoritär geführten Land Aufsehen erregt. Anfang Dezember berichtete der „Spiegel“ über eine Anfrage Riads nach mehreren hundert Radpanzern „Boxer“. Nach einem früheren Bericht des Magazins ist das Land auch an bis zu 200 Kampfpanzern „Leopard“ interessiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich erst Anfang des Monats zu den Rüstungsgeschäften mit Saudi- Arabien bekannt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte damals, das Königreich sei ein „Stabilitätsfaktor“. Er versicherte, die Prüfung erfolge in jedem Einzelfall nach „menschenrechtlichen, sicherheitspolitischen, friedenspolitischen und stabilitätspolitischen Kriterien“.

Am Sonntag erklärte ein Regierungssprecher zu dem Bericht über einen geplanten neuen Panzer-Deal: „Die Bundesregierung gibt keine Auskunft über Angelegenheiten, die mit dem Bundessicherheitsrat zusammenhängen.“ Der jährliche Rüstungsexportbericht werde „völlige Transparenz“ über genehmigte Anträge und auch über tatsächlich erfolgte Ausfuhrgeschäfte herstellen.

Friedensbewegung und Opposition stellte das nicht zufrieden. Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sagte, die Bundesregierung müsse „endlich mit der Heimlichtuerei bei Rüstungsexporten aufhören“. Sie dürfe sich nicht länger der Begründungspflicht und der Diskussion entziehen. „Nur mit mehr Transparenz bei Rüstungsexporten ist eine differenzierte Diskussion möglich.“ Der Linken-Abgeordnete van Aken meinte, 2012 werde als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die größten Menschenrechtsverletzer die meisten Waffen bekommen hätten.

Ironisch sprach er von „Angela Merkels Beitrag zum Arabischen Frühling“. Gestoppt werden könne diese Praxis nur durch ein klares Verbot von Waffenexporten. „Ohne Ausnahmen. Auch nicht für Diktatoren.“

Nach dem jüngsten Länderbericht von Amnesty International wurden in Saudi-Arabien geplante Demonstrationen, die von Protestbewegungen in anderen arabischen Ländern inspiriert waren, rücksichtslos unterdrückt. Das Justizwesen sei undurchsichtig, Folter und grob unfaire Gerichtsverfahren „an der Tagesordnung“.

Das Netzwerk Friedenskooperative erklärte am Wochenende, Deutschland werde zum Hoflieferanten des restriktiven wahabitischen Königshauses, fördere so die Unterdrückung der dortigen Bevölkerung und die Unterstützung dschihadistischer Gotteskrieger, hieß es. Diese Aufrüstung solle das Regime auch gegen den schiitischen Iran positionieren. Die Schlussfolgerung der Friedensbewegung: „Die Bundesregierung trägt zur wachsenden Gefahr eines Krieges gegen Iran bei.“

viaRüstungsexporte: Risiko Riad – Politik – Tagesspiegel.

Islamische Investoren haben Europa im Visier

Der globale islamische Finanzmarkt ist einer der am stärksten wachsenden Industrien weltweit. Ausgelöst wurde das weltweite starke Interesse einerseits durch das Wohlstandswachstum einiger islamischer Länder, als auch durch die Veränderungen im soziopolitischen Klima. „Das islamische Bankensystem bietet alternative Instrumente und verfügt auch über die nötige Liquidität“, so Datuk Noripah Kamso, CEO von CIMB Principal Islamic Asset Management http://www.cimb-principalislamic.com , gegenüber pressetext. Die Investmentexpertin hielt einen Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „Islamische Finanzierungen & Investitionen“, die vom Forum Austrian Islamic Finance http://faif.at und der Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at veranstaltet wurde.

1,5 Bio. Dollar Marktvolumen

Ein geregeltes islamisches Bankwesen existiert erst seit den 70er-Jahren, 1975 wurde die islamische Entwicklungsbank mit Sitz in Dschidda, Saudi Arabien, gegründet. Im gleichen Jahr nahm die Dubai Islamic Bank ihre Geschäfte auf. Derzeit gibt es in rund 75 Ländern rund 400 Geldinstitute, die nach islamischem Recht operieren. Auch in Europa gewinnt dieses Segment trotz Finanzkrise an Bedeutung. Investoren suchen zunehmend nach Möglichkeiten im islamischen Finanzsektor. Umgekehrt suchen islamische Investoren verstärkt in neuen Regionen nach Investitionspotenzial.

„Irland und Luxemburg sind bereits sehr aktiv. In beiden Ländern werden 25 beziehungsweise 24 Sharia-konforme Fonds angeboten“, so Kamso. „Wir werden aufgrund einer erhöhten Nachfrage in Kürze drei Aktienfonds, domiziliert in Dublin, auflegen“, ergänzt die Managerin. Das Markvolumen des globalen islamischen Finanzmarktes erreicht nach Expertenschätzungen bis Ende 2012 rund 1,5 Bio. Dollar (1,14 Bio. Euro). Die jährliche Zuwachsrate liegt bei 15 bis 16 Prozent. Trotz des starken Wachstums repräsentiert der globale islamische Finanzmarkt derzeit nur circa ein Prozent der weltweiten Finanzwirtschaft.

Österreich interessiert

Auch im deutschsprachigem Raum gewinnt das islamische Finanzwesen an Bedeutung. „In Deutschland hat das Bundesland Sachsen-Anhalt 2004 als erster europäischer Emittent einen Sukuk – eine islamische Anleihe – über 100 Mio. Euro ausgegeben“, sagt Kamso.

Österreich ist ebenso im Fokus der islamischen Banken und Investoren. „Islamic Finance und Banking ist ein Bereich, der in Österreich noch zu wenig etabliert ist. Das Interesse seitens Unternehmen und Banken steigt jedoch“, so die Expertin. Vieles spricht laut Komsa für Sharia-konforme Produkte. „Der Anleger hat die Möglichkeit ethisch zu investieren. Zudem performen islamische Indizes langfristig besser als die nicht-islamischen.“

viaIslamische Investoren haben Europa im Visier – Islamische Investoren haben Europa im Visier.

Ohne Iran geht es nicht – oder vielleicht doch?

Rohöl: Die Lage an den internationalen Ölmärkten ist angespannt – Kein Land kann einen Ausfall Irans ersetzen – Saudi-Arabien hebt Preisziel auf 100 $ an

Rohöl ist der wichtigste Rohstoff der Welt – für die globale Wirtschaft ebenso wie in Bezug auf Umsatz und Liquidität an den internationalen Rohwarenmärkten. Rohöl hält die Weltwirtschaft am Laufen, sein Preis ist Konjunkturbarometer und Alarmsignal gleichermassen. Die magische Grenze liegt zurzeit bei 100 $ pro Fass der US-Sorte WTI. Analysten, Ökonomen und Staatschefs sind sich für einmal einig: Einen höheren Ölpreis können weder die in eine Rezession abgleitenden europäischen Länder noch die sich zögerlich erholenden USA verkraften.

Das Angebot in Rohöl ist zwar strukturell knapp, aber die Nachfrage ist im kühlen Konjunkturumfeld auch nicht überwältigend. Diese Fundamentalfaktoren würden Preise zwischen 80 und 90 $ nahelegen, die Marke von 100 $ wäre also kein Problem – wenn sich nicht die geopolitische Risikoprämie hartnäckig immer mehr in den Vordergrund drängte.

Handelsfinanzierung stockt

Der arabische Frühling mit einhergehenden Produktionsausfällen in Libyen hatte die Märkte im Frühjahr aufgeschreckt, die Notierungen haben sich in der Folge trotz genügend hoher Ölförderung nicht entspannt. Aber so richtig brenzlig wurde die Situation erst durch das atomare Säbelrasseln Irans und die Drohung einer Blockade der Strasse von Hormus, durch die 32% des weltweit auf dem Seeweg verschifften Öls sowie fast 30% des Flüssigerdgases transportiert werden. Gegendrohungen der USA, Sanktionen anderer Länder sowie Diskussionen um Embargos folgten umgehend. Dazu gesellte sich in den letzten zwei Wochen die Eruption von Problemen in Nigeria, das ebenfalls zu den Top Ten der Ölproduzenten gehört. Wahrlich keine angenehme Situation.

Die sich wegen anhaltender Krise und Misstrauen an den internationalen Finanzmärkten verknappende Handelsfinanzierung ist der Sache auch nicht dienlich. Französische Banken, traditionell wichtige Protagonisten der Handelsfinanzierung, leiden unter dem Vertrauensverlust der Investoren. Es fliessen ihnen deutlich weniger Mittel bspw. amerikanischer Geldmarktfonds zu. Sie müssen ihre Bilanzen entschlacken und fahren demzufolge auch ihre risikoreicheren Kreditengagements herunter.

Die Lage rund um die Versorgung der Weltwirtschaft mit Rohöl ist so angespannt wie schon lange nicht mehr. Die alte Feindschaft der zwei Opec-Giganten Iran und Saudi-Arabien ist aufgeflackert. Für Teheran sind die USA der «grosse Satan», Riad hingegen ist der wichtigste Verbündete Washingtons in der arabischen Welt. Iran warnt das Ölkartell allgemein und Saudi-Arabien im Besonderen davor, den Förderausstoss zu erhöhen, um die für den Westen schmerzhaften Folgen der Sanktionen gegen Teheran – sprich drastisch tiefere Ölexporte – zu lindern.

Seitens der Europäischen Union werden die Aussenminister nächste Woche nochmals über ein Embargo diskutieren und dessen Ausgestaltung festlegen, abgesegnet ist es im Prinzip. Die EU ist nach China der grösste Abnehmer iranischen Öls. Manche Stimmen fordern einen Aufschub um sechs Monate, um Zeit zu haben, alternative Öllieferanten zu finden.

Kapazitätsgrenze ist nah

Und genau dort liegt das Problem: Iran ist mit zurzeit noch rund 3,5 Mio. Fass pro Tag der fünftgrösste Ölproduzent (nach Saudi-Arabien, Russland, den USA und China) und die Nummer zwei der Opec sowie drittgrösster Exporteur weltweit. Kein Land kann einen Produktionsausfall Irans ersetzen – auch Saudi-Arabien nicht, das eifrig bekräftigt, seine Reservekapazitäten bei Bedarf auszuschöpfen und allenfalls gar 12,5 Mio. Fass pro Tag zu fördern, 2,5 Mio. Fass mehr als heute. Dann gäbe es allerdings keine freien Kapazitäten mehr, was die Ölmärkte in höchste Alarmbereitschaft versetzen würde.

Neben Saudi-Arabien verfügt kein anderes Land, zumindest nicht mittelfristig, über Reservekapazitäten. Zudem sind die Angaben zu Produktionsmenge und Kapazitäten nicht gesichert, manche Experten werfen den Saudis diesbezüglich Übertreibungen vor. Das Land gab am Montag an, den Ölpreis um 100 $ halten zu wollen, was deutlich höher ist als das letzte offizielle Preisziel um 75 $.

All diese Faktoren scheinen jedoch von den Märkten noch nicht vollumfänglich wahrgenommen zu werden. Dazu kommt die Unbekannte Israel: das Land will nicht in Reichweite nuklearer iranischer Waffen liegen und könnte präventiv agieren. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.

Ölmultis dürften mehr ausschütten

Die Aktionäre der grossen multinationalen Öl- und Gaskonzerne können sich dieses Jahr wahrscheinlich freuen. Anhaltend hohe Ölpreise werden viel Geld in die Kassen der Unternehmen spülen, was diese wiederum veranlassen dürfte, die Ausschüttungen an die Anteilseigner zu erhöhen.

Im laufenden Jahr könnten sich zwar die Gaspreise angesichts des Booms beim Schiefergas in den USA und anderswo etwas abkühlen. Dagegen dürften die Ölpreise wegen der Spannungen zwischen dem Iran und den westlichen Industriestaaten sowie der Nachschubprobleme in Nigeria hoch bleiben.

Da hohe Preise derzeit auch hohe Geldschöpfung bedeuten, werden die Öl- und Gasmultis nach Ansicht der Analysten das Geld an die Aktionäre weitergeben. «Ein solider Cashflow sollte Spielräume geben, die Anleger mit Dividenden oder Rückkäufen zu belohnen», heisst es etwa bei Credit Suisse. Nach Ansicht der Deutschen Bank gibt es noch «viel Luft nach oben». Die Dividenden könnten im Branchendurchschnitt 5% steigen.

Der Konzern, der mittelfristig mit der höchsten Wahrscheinlichkeit die Dividenden erhöhen wird, ist nach Meinung der Analysten von Nomura Royal Dutch Shell. Das niederländisch-britische Unternehmen profitiere von seinen langfristigen Investitionen in Grossprojekte in Kanada und Katar. Für 2012 erwarten die Analysten für Shell eine Dividendenrendite von 5%.

Auch andere Öl- und Gasmultis wie Eni (6,3%), Total (5,9%) oder ConocoPhillips (4%) dürften im laufenden Jahr mit attraktiven Renditen glänzen. Selbst von BP wird erwartet, dass sie die nach der Katastrophe im Golf von Mexiko zeitweilig ausgesetzte Dividende erhöhen wird, weil die Folgekosten des Unglücks jetzt klarer bezifferbar werden. 2012 sollte nach Meinung der Analysten beim britischen Konzern eine Dividendenrendite von 4,2% drinliegen.

viaAktuelle Ausgabe – Finanz und Wirtschaft.