Geldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt

In vielen Ländern können die Bürger nicht mehr überall bar bezahlen. Jetzt will Dänemark dem Handel erlauben, Geldscheine abzulehnen. Was hinter den weltweiten Verboten von cash money steckt.

Eigentlich ist die Sache eindeutig. Paragraf 128 des EU-Vertrags legt fest, dass die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten die einzigen sind, die in der Union als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gelten. Mit einem gesetzlichen Zahlungsmittel kann man immer zahlen – es sei denn, dass vertraglich ein anderes Zahlungsmittel vereinbart wurde.

Cash is king? Trotz dieser rechtlich garantierten Stellung der vom Staat herausgegebenen Banknoten führen die Regierungen vieler EU-Staaten eine Kampagne zur Verdrängung des Bargelds. Sie wird in staatskritisch-libertären Kreisen als „Krieg gegen das Bargeld“ gegeißelt.

Einen spektakulären Schritt in Richtung bargeldlose Zukunft erwägt die dänische Regierung. Sie hat ausgerechnet in ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Cash is king?

Die romanischen Länder Europas gehen seit einigen Jahren mit dem Ziel der Eindämmung der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung einen anderen Weg, Bargeld zurückzudrängen. Sie verbieten das Bezahlen größerer und inzwischen schon mittlerer Rechnungen mit Scheinen. So plant die französische Regierung für Inländer die Grenze von 1.500 Euro auf 1.000 Euro zu senken, ab der man nicht mehr bar bezahlen darf.

In Italien gilt diese Obergrenze für Barzahlungen bereits seit Ende 2011. Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der wenige Wochen vorher zurückgetreten war, sprach damals von „der realen Gefahr, die Grenze zum Fiskal-Polizeistaat zu überschreiten“.

Cash-Obergrenzen in Griechenland

In Griechenland wurde die Barzahlungs-Obergrenze bereits auf 500 Euro abgesenkt und in den Verhandlungen mit den Geldgebern soll sogar die viel niedrigere Grenze von 70 Euro im Gespräch sein. Der US-Bundesstaat Louisiana verbot jüngst den Verkauf jeglicher Gebrauchtwaren gegen Bares. Der libertäre Finanzblogger Martin Armstrong spricht angesichts solcher Entwicklungen vom „Zeitalter des ökonomischen Totalitarismus“.

Auch in Deutschland, wo Bargeld noch sehr stark genutzt wird, hat der Staat ein gespaltenes Verhältnis zum Bargeld. Im Bundesbankgesetz hat er festgelegt, dass Euro-Banknoten einziges „unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel“ sind.

Als Fiskus weigert er sich aber, zur Begleichung von Steuerschulden dieses „unbeschränkte“ gesetzliche Zahlungsmittel anzunehmen. Jedenfalls steht auf Steuerbescheiden, Bargeld werde nicht akzeptiert.

viaGeldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt – Rohstoffe + Devisen – Finanzen – Handelsblatt.

Advertisements

Frankreich: Parlament beschließt Überwachungsgesetz

Das Unterhaus des französischen Parlaments hat mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den Geheimdiensten mehr Macht gibt. Ein zentraler Punkt: Internet-Überwachung im Stil der NSA.

Frankreichs Nationalversammlung hat, unter dem Eindruck der „Charlie Hebdo“- und HyperCacher-Attentate, ein Gesetz durchgewinkt, das die französischen Geheimdienste mit umfassenden neuen Möglichkeiten ausstattet. Dazu gehört auch die Speicherung von Internet-Metadaten mithilfe von Black Boxes, die die Dienste bei Internet-Providern aufstellen dürfen. Der Text kommt nun Ende Mai in den französischen Senat, die zweite Parlamentskammer.

 

Das neue Gesetz passierte das Parlament mit 438 zu 86 Stimmen, es definiert Bedingungen, unter denen Geheimdienste überhaupt Informationen sammeln dürfen. Gerichtsbeschlüsse sind für diese Art von Maßnahmen nicht erforderlich. Besonders ausgeprägte Kritik löst aus, dass in großem Stil Verbindungsdaten mithilfe von Algorithmen ausgewertet werden dürfen, um eine „terroristische Bedrohung“ aufzudecken. Kritiker vergleichen das mit den Praktiken des US-Geheimdienstes NSA.

Die Gegner finden die neuen Befugnisse deutlich zu breit, die Bedingungen zu unspezifisch, berichtet unter anderem die BBC. Neben der Terrorbekämpfung und „wichtigen außenpolitischen Interessen“ ist dort beispielsweise auch von „industriellen und wissenschaftlichen Interessen“ die Rede und der „Abwehr von Angriffen auf Institutionen der Republik“. Die – wenigen – Kritiker des Gesetzes hatten im Vorfeld bemängelt, solche vagen Vorgaben könnten auch die Überwachung von politischen Aktivisten oder Journalisten rechtfertigen.

Nach den Anschlägen wurde der Prozess beschleunigt

Das Gesetz sieht auch vor, dass ein neues Aufsichtsorgan geschaffen wird, die sogenannte Nationale Kommission für die Kontrolle von Geheimdiensttechniken. Dieses Gremium muss Geheimdiensteinsätze zwar künftig genehmigen, kann jedoch vom Präsidenten überstimmt werden. Außerdem enthält das Gesetz Ausnahmeregelungen für Überwachung in „Notfällen“, in denen sich die Genehmigung durch die neue Kommission umgehen lässt.

Angesichts der anhaltenden Kritik, das Gesetz verleihe den Geheimdiensten zu viel Macht und ebne den Weg zu einer massiven Überwachung der französischen Bevölkerung, hatte Staatschef François Hollande angekündigt, vor Inkrafttreten des Textes selbst den Verfassungsrat anrufen zu wollen. Dieser soll dann die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes prüfen. In Frankreichs jüngerer Geschichte ist es nie vorgekommen, dass ein Präsident selbst den Verfassungsrat anruft, um ein Gesetz seiner Regierung prüfen zu lassen.

Die Arbeit an dem Gesetz hatte bereits im Sommer 2014 begonnen. Nach den islamistischen Anschlägen vom Januar auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und weitere Ziele mit 17 Todesopfern wurde die Erarbeitung des Gesetzes beschleunigt.

viaFrankreich: Parlament beschließt Überwachungsgesetz – SPIEGEL ONLINE.

Wünsche und Werte im Ausverkauf

Was bisher geschah: EntmachtungEnde Mai 2014 erschien mein Roman ZERO, in dem ich das Experiment eines Unternehmens ­namens Freemee beschreibe, das mittels Ratgeberprogrammen unbemerkt die Wertvorstellungen und Handlungen von Millionen seiner Nutzer steuert.

Eine Woche später veröffentlichte Facebook ein bereits 2012 durchgeführtes Experiment, in dem es heimlich die Emotionen Hunderttausender Nutzer manipuliert hatte. Die eine Hälfte bekam in der persönlichen ­Timeline vorwiegend negative Postings von Freunden gezeigt, die andere vorwiegend positive. Daraufhin posteten die „Negativempfänger“ selbst eher negative Nachrichten und die ­“Positivempfänger“ eher positive. Andere Experimente zeigen, dass Google und Facebook sogar Wahlen entscheiden können. Oder tun sie es bereits? Wir wissen es nicht. Das ist die höchste Stufe der Macht.

Die primitivste Form der Machtausübung ist Gewalt. Eleganter und in Demokratien üblich sind Regeln und Strukturen, denen die Menschen folgen. Foucault nennt dies Gouvernementalität. Auf der höchsten Stufe der Macht steuert jemand Gefühle, Wünsche und die daraus folgenden Handlungen anderer in seinem Sinn – und zwar ohne dass die Ohnmächtigen es bemerken. Frei nach dem Motto: „Lass sie glauben, es war ihre Idee.“ So wie Facebook die Emotionen seiner User.

Keine Agenten mehr

Wie wurden solche Unternehmen binnen weniger Jahre so mächtig? So wie Machthaber aller Zeiten: Sie vernichteten die ­Privatsphäre. Dazu müssen sie uns ­heute nicht mehr durch Nachbarn oder Agenten be­spitzeln. Stattdessen benutzen sie – und, wenn wir schon dabei sind, auch Geheimdienste und Behörden – Tele­fone, Computer, Leitungen, Kredit-, Bank-, Kunden-, Rabatt- und Vielfliegerkarten, GPS,  Überwachungskameras, „Wearables“ und immer mehr Sensoren in ­unserer Umwelt.

Unsere Welt wird komplett „sensorisiert“. Das klingt nicht ­zufällig wie „zensuriert“. Datensammel-, -analyse- und -handelsprogramme bewerten und verkaufen uns sekun­den­schnell an den Meistbietenden. ­Zivilisierte Gesellschaften ächten Leibeigenschaft, Sklaverei, Organ- und Menschenhandel als schwere ­Verletzung der Menschenwürde. Warum lassen wir die nichtphysische Form zu? Der Trick: Diese Teile unserer Menschenwürde, nämlich unsere Gedanken und Wünsche, werden „Daten“ genannt und so zu einem Produkt gemacht. Nennen wir es Menschendatenhandel.

Die meisten Menschen erkennen ihre Ohnmacht. ­Resigniert bemerken sie: „Ich kann ja nichts dagegen machen.“ Dabei haben wir ein System geschaffen, das dem Einzelnen Macht gibt: die Demokratie. Nicht zufällig fällt die rechtliche Etablierung der Privatsphäre zeitlich zusammen mit dieser historischen Machtverschiebung von einer kleinen ­Elite zu breiten Teilen der Bevölkerung.

Was weiß Google?

Jetzt hat sich die Macht erneut verschoben, wieder zu einer kleinen Gruppe hin. Schon 2010 erklärte Googles Executive Chairman Eric Schmidt: „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, woran du denkst.“ Was weiß Google 2015?

Wissen ist Macht. Deshalb dürfen sie alles über uns wissen, aber wir nichts über sie. Auf den dafür nötigen kommunikativen Trick fallen sogar Richter herein, etwa in einem BGH-Urteil zugunsten der Schufa Anfang 2014: Algorithmen und Bewertungsmodelle haben sie zu untrennbaren Teilen des Unternehmens, quasi seiner Seele, ernannt. Und die ist Geschäftsgeheimnis. Dasselbe gilt in etwas anderer Form für die Geheimdienste, über deren Instrumente wir auch nichts erfahren sollen. Quod licet Iovi, non licet bovi.

Der Staat besitzt die Regel- und Strukturmacht, doch Unternehmen die noch mächtigere Gedankenhoheit – und dank vermeintlich gratis zur Verfügung gestellter Suchmaschinen, Sozialer Netzwerke, Navigationssysteme, Ratgeberprogramme und zahlreicher anderer Alltagserleichterer auch die Mittel zur Massenmanipulation. Apples Smartwatch tippt Ihr Handgelenk schon an wie ein mahnender Finger. Das Gewaltmonopol des Staates ist das Gewaltmonopol ­jener Unternehmen, die Wahlen in diesem Staat entscheiden. Es wird Zeit, sich die Macht zurückzuholen!

Was jetzt geschieht: Schlussverkauf

Genau das soll uns ein neues Geschäftsmodell ermöglichen. Als ich es 2012 zu Beginn meiner Arbeit an ZERO entwarf, dräute es am realen Horizont, seit 2014 tauchen monatlich neue Anbieter auf wie Datafairplay, ­Datacoup, Handshake, Meeco oder Luth Research. Statt den Gewinn der Daten anderen zu überlassen, können wir unsere Daten nun selbst sammeln und verwerten. Manche Anbieter geben ihren Kunden dafür bereits 100 Dollar – pro Monat! Doch merken Sie etwas? De facto öffnet das Modell lediglich den bislang nur Unternehmen zur Verfügung stehenden Datenhandelsmarkt für uns alle. Jetzt können wir uns selbst verkaufen. Ein Faust’scher Handel – „Lass sie glauben, es war ihre Idee“ in Vollendung! Wie eine Figur aus „ZERO“ bemerkt: „Datensouveränität ist auch nur ein Business-Modell“.

Das zeigt, wovon wir eigentlich sprechen: nicht von der Macht neuer Technologien und ihrer Schöpfer. Wir sprechen von der Macht einer Ideologie – der altbekannten freien Marktwirtschaft. So frei, dass man wieder mit Menschen handeln darf. Kapitalismus at its best, Marcuses „eindimensionaler Mensch“, Version 4.0.

Das zweite Erfolgsgeheimnis der neuen Kaiser: Definiere und beherrsche die Währung einer Gesellschaft. Unsere Wünsche, Träume, Wertvorstellungen und Taten sind eine berechenbare Kurve wie der Kurs einer Aktie. Handelbar sind Mut, Selbstbewusstsein, Gesundheit oder Familiensinn, und als nächstes sind natürlich Derivate darauf denkbar. Endlich besitzen Werte einen Wert!

Daten als Währung

In ZERO entwerfe ich als konsequente Weiterentwicklung bestehender geschlossener Systeme eine öffentliche Börse für den Handel dieser Werte. Das Produkt sind wir, die Währung sind unsere „Daten“. Je bessere Daten wir liefern, desto wertvoller ist das Produkt „Ich“. Welch ein Antrieb, sich laufend zu verbessern! „It’s selfie time!“, rufen die Kinder, zücken das Smart­phone und trainieren ihr Kameragesicht. Immer populärer werden digitale Ratgeber zur Selbstverbesserung, die uns gesünder, leistungsfähiger und erfolgreicher machen sollen. Ja und, was soll daran schlecht sein, dass es uns besser geht?

Das hängt davon ab, was „besser“ bedeutet. Woher wissen Sie, dass die Ratschläge wirklich in Ihrem Sinn sind? Facebook hat zugegeben, seine Nutzer zu Laborratten gemacht zu haben. Wessen Suchergebnisse zeigt uns Google wirklich? Wie errechnen die Schufa und ­andere Credit Rater unsere Kreditwürdigkeit – und entscheiden damit darüber, ob wir etwas kaufen dürfen oder nicht?Dynamische Preisgestaltung“ arbeitet längst mit individuellen Preisen für das gleiche Produkt – auch vor dem (digitalen) Regal sind wir längst nicht mehr alle gleich (viel wert). Warum empfiehlt Ihnen das Diätprogramm gewisse Nahrungsmittel wirklich? Führt uns das Navi auf dem schnellsten Weg ans Ziel – oder doch an ­einer Tankstelle der Kette vorbei, mit der der Navibetreiber einen Deal hat?

Übrigens: Der Verzicht auf Internet, Handy, Kundenkarten und Ratgebersoftware hilft nicht. Ich nenne das den Mineralwasser-Effekt: Zwischen lauter durchsichtigen Wassertropfen sind Luftbläschen umso besser sichtbar – und handelbar. Nur ihr Wert ist geringer.

Technologien nützen dennoch

Wir müssen uns Gedanken über die Technologien machen. Denn die können überaus nützlich sein, sogar Leben retten. Wesentlich intensiver nachdenken jedoch müssen wir über die Gesellschaftsform, in der wir leben und in der wir sie einsetzen wollen. Doch wie auch immer diese aussehen wird, die Technologien verändern sie, verschieben etwa Entscheidungs- und Verantwortungsstrukturen. Im selbstfahrenden ­Auto etwa muss bei einem Unfall nicht mehr der Lenker, sondern die Steuerungssoftware entscheiden, ob der Wagen in den Motorradfahrer links oder das Kind am Straßenrand rechts knallt. Muss sie natürlich nicht, sondern vorab der Programmierer. Und vor ihn setzt der Gesetzgeber – hoffentlich – den rechtlichen Rahmen, ­also letztlich wir Wähler in einer funktionierenden Demokratie, wenn wir noch in einer solchen leben.

Was machen dynamische Preisgestaltung und von Gesundheits-Apps überwachte Versicherungstarife mit einer Gesellschaft, die sich bislang an – einigermaßen – gleichem Recht für alle orientierte? Was werden wir mit Personen tun, die mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten Stunden ein Verbrechen begehen? (In ­diversen Ländern ermordet man auf Basis solcher Programme per Drohne bereits Terrorverdächtige – oder Unschuldige.) Das sind nur einige Beispiele von vielen.

Was geschehen wird: Restmensch?

Moderne Programme lernen und entscheiden. Wir erleben den Advent der künstlichen Intelligenz. Auch in hochqualifizierten Berufen treten Menschen mittlerweile nicht mehr gegen Menschen an, sondern gegen Maschinen. In Schach und Jeopardy besiegten sie uns schon vor Jahren, Finanz- und Rechnungswesen, Militär, Medizin, Juristerei, Journalismus und andere übernehmen sie gerade. (Aus zahlendichten Datensätzen schreiben Programme in amerikanischen Nachrichtenagenturen bereits Wirtschafts- und Sportberichte.)

In der Industrialisierung haben wir das Handeln automatisiert und es weitestgehend den Maschinen übergeben. Mit der KI automatisieren wir nun das Denken und Entscheiden. Dabei müssen diese KI gar kein eigenes Bewusstsein entwickeln wie in Science-Fiction-Geschichten. Die schiere Menge und Komplexität der Systeme wird sie für uns unbeherrschbar machen. Immerhin ist die Machtfrage dann geklärt. Geben wir uns keinen Illusionen hin: „Kreativität, Empathie und andere urmenschliche Eigenschaften werden die Maschinen nie lernen“, glauben wir heute. So wie unsere Vorfahren meinten, Weben, Schustern, Schriftsetzen und derlei komplexe Tätigkeiten würden Maschinen nie beherrschen.

Wir reden von einer kopernikanischen Wende, die das Menschenbild zutiefst umgestalten wird – und damit unser Gesellschaftsmodell. Erwerbsarbeit? Demokratie? Selbstbestimmung? Bildung? Welche Rolle spielt der Mensch noch in diesem System? Wer definiert sie? Wir? Die Maschinen? Der derzeit beste Schachspieler ist ein Team aus KI und mehreren Menschen …

viaWünsche und Werte im Ausverkauf – bild der wissenschaft.

Vital-Radio: Herzfrequenz & Co. über WLAN überwachen

Eine neue Technologie erlaubt es, über ein Gerät im W-Lan-Router Herzfrequenz und Atem zu messen. Auf Distanz und ganz unauffällig. Die Entwickler träumen vom Einsatz in Krankenhäusern. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Man betritt den Raum, nichtsahnend, und wird erfasst: Atem, Herzschlag, Position, Gesten, alles wird aufgezeichnet, man merkt es nicht. Gut, wenn es zu unserem Besten geschieht, etwa um unserer Gesundheit willen. Schlecht, wenn ein solches System beispielsweise in einem Büro installiert wäre, um die Aktivität der Mitarbeiter zu erfassen. Fitness-Tracker und -Apps sind mittlerweile ein nicht zu unterschätzender Millionenmarkt. Neu ist aber, dass das Tracking auch durchgeführt werden kann, ohne dass derjenige es merkt.

„Vital-Radio“ nennt sich die neue Technologie, und sie ist klein genug, um in einem handelsüblichen W-Lan-Router untergebracht zu werden. Sie scannt die Umgebung – auf einer ganz ähnlichen Frequenz wie auch das W-Lan-Signal – nach Mustern, die auf Lebensformen hindeuten, misst die Entfernung zu ihnen und zeichnet dann Atemfrequenz und Herzschlag auf. Die Genauigkeit beträgt laut eines Forschungspapiers auch auf eine Entfernung von acht Metern noch über 98 Prozent.

Was Vital-Radio misst, sind Bewegungen: Das regelmäßige Heben und Senken eines Brustkorbs und der Pulsschlag etwa an der Halsschlagader – auch winzigste Vibrationen, die das menschliche Auge kaum erfassen kann. Und das sogar durch Wände hindurch. Schwierigkeiten hat das System bisher nur bei Personen, die in Bewegung sind. Und Menschen und Tiere kann es derzeit auch nicht zuverlässig unterscheiden.

„Atem und Herzschlag wären für Krankenhäuser interessant, wenn man Menschen überwachen möchte, ohne etwas direkt am Körper befestigen zu müssen“, sagt Fadel Adib, ein Mitglied des Forschungsteams, das am Massachusetts Institute of Technology (MIT) an der Entwicklung beteiligt war. Bei der Computerkonferenz CHI in Seoul, Südkorea, wurde die Technik der Öffentlichkeit vorgestellt, die Zeitschrift „New Scientist“ berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe darüber.

Wenn diese Daten jedoch erfasst werden können, kann man schnell auch Schlüsse daraus ziehen, etwa auf die Gefühle der im Umkreis erfassten Lebensformen. Und wenn Körperbewegungen erfasst werden, ist es nur ein kleiner Schritt, aus der Körpersprache auf die Intention einer Person zu schließen. Als Teil eines Smart Homes könnte Vital-Radio helfen, eine Umgebung angenehmer zu machen, wenn der Bewohner sich nicht wohlfühlt. Geräte oder Heizung könnten sich gestisch steuern lassen. Das wäre etwa für ältere Personen interessant. Als nächsten Schritt möchte das MIT-Team daran arbeiten, auch den Herzschlag von ungeborenen Kindern zu messen.

Ja, Vital-Radio kann helfen, und seine Erfinder haben sicherlich allerbeste Absichten. Man kann sich aber auch vorstellen, dass es in öffentlichen Gebäuden wie Flughäfen oder Bahnhöfen zum Einsatz kommt, um besonders nervöse Personen aus Sicherheitsgründen zu identifizieren. Oder, wenn es günstig und unauffällig genug ist, auch in Alltagssituationen wie Bewerbungsgesprächen. Es wird nämlich niemand gefragt, ob er überwacht werden will oder nicht. Vital-Radio misst einfach – und verrät alles. Und man bekommt es nicht einmal mit.

viaVital-Radio: Herzfrequenz & Co. über WLAN überwachen.

Big Data und die Emotionserkennung in Gesichtern

An die Weitergabe unserer Aktivitäts- und Standortdaten haben wir uns fast gewöhnt. Doch sind wir auch bereit, unser Seelenleben preiszugeben? Neue Technologien kundschaften nun unsere Gefühle aus.

Maschinenliebe ist im Trend. Im Film „Her“ von Spike Jonze verliebt sich der einsame Held in das Betriebssystem „OS1“, das ihn besser versteht, als es ein Mensch je könnte. Und in „Ex Machina“, der im April in die Kinos kommt, ist es eine Roboterfrau mit dem Namen „Ava“, die dem Mann die Augen verdreht und zum Objekt seiner Sehnsüchte wird. Doch findet sich die Vorstellung einer empathischen Maschine schon viel früher, etwa in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“, in der dem Protagonisten Nathanael das Automatenwesen Olimpia als perfekte Gefährtin erscheint. Der Wunsch, im Apparat statt kalter Mechanik echte Gefühle anzutreffen, ist uralt.

Zwar ist die technische Entwicklung noch nicht ganz so weit, aber die ersten Schritte werden gerade gemacht. Computerprogramme, die menschliche Emotionen noch nicht selbst empfinden, aber präzise nachvollziehen können, existieren bereits. So lautet jedenfalls das Versprechen jener aufstrebenden Start-Up-Unternehmen, die sogenannte „emotion analytics“ betreiben und sich Affectiva, Emotient oder Beyond Verbal nennen. Mittels Gesichts- oder Stimmerkennung lesen uns ihre Programme unsere Wünsche und Leidenschaften buchstäblich von den Lippen ab – und das in Echtzeit.

Weltweit 2,5 Millionen Gesichter ausgewertet

Die amerikanische Firma Affectiva etwa konzentriert sich auf die Analyse von Gesichtsmustern. Die wissenschaftliche Basis bildet die Forschung des Psychologen Paul Ekman, der in den siebziger Jahren Pionierarbeit bei der Klassifikation von Gesichtsausdrücken leistete. Ekman schlüsselte auf, welche Muskeln oder Muskelgruppen am Zustandekommen eines bestimmten Gesichtsausdrucks beteiligt sind und entwickelte darauf aufbauend ein Erkennungssystem namens „Facial Action Coding System“ (FACS), mit Hilfe dessen er eine Reihe sogenannter Basisemotionen bestimmte: darunter Freude, Wut, Ekel oder Überraschung. Affectivas Software geht darüber sogar noch hinaus. Mit Hilfe komplexer, selbstlernender Algorithmen ist man in der Lage, ein größeres Spektrum an Emotionen abzubilden als Ekman es vermochte.

Um das Mienenspiel der Probanden zu erfassen, genügt dann eine einfache Webcam. Das Analyseprogramm des Unternehmens, Affdex, weist dem jeweiligen Gesichtsausdruck umgehend eine bestimmte Gefühlsregung zu – im Abgleich mit seinem Datensatz. Und der, Big Data macht es möglich, ist riesig. Affectiva hat weltweit bereits 2,5 Millionen Gesichter in 75 Ländern ausgewertet, ein Ende ist nicht in Sicht. Die globale Reichweite ermöglicht es dem Unternehmen, den Ausdruck von Gefühlen über kulturelle Unterschiede hinweg zu untersuchen. Resultat soll ein universales Modell menschlicher Mimik sein.

Mittlerweile ist Affectiva zum Marktführer der Branche aufgestiegen. Letztes Jahr beschloss man eine Partnerschaft mit Millward Brown, der zweitgrößten Marktforschungsfirma der Welt, die unter anderem Kunden wie Unilever, Kelloggs und Pepsi berät. Durch die Kooperation wird Affectivas Software ab sofort standardmäßig verwendet, um die Reaktion von Konsumenten auf Werbung aller Art zu untersuchen. Außerdem testet man in Zusammenarbeit mit Fernsehsendern die Resonanz des Publikums auf Serienpiloten. Für Rana el Kaliouby, Gründerin und wissenschaftlichen Leiterin des Unternehmens, ist das erst der Anfang. „Wir leben in einer Emotionsökonomie: Gefühle beeinflussen ganz maßgeblich die wirtschaftlichen Entscheidungen, die wir treffen. Emotional involvierte Konsumenten sind das, wonach Unternehmen suchen, denn bei ihnen ist es wahrscheinlicher, dass sie sich an das Produkt erinnern, darüber reden, und es schließlich kaufen.“ sagte sie im Gespräch mit FAZ.NET. Bisher habe sich die Marktforschung auf die Befragung der Konsumenten verlassen, doch mit Hilfe von Emotionsdaten könne man viel präziser bestimmen, was die Menschen bewegt und Produkte optimal darauf abstimmen. Ein Beispiel biete die Konzeption von Filmtrailern: „Man hat immer eine Reihe von Szenen, die man auf unterschiedliche Weise zusammensetzen kann. Unsere Technologie hilft dabei, die besten Szenen auszuwählen, für ein bestimmtes Publikum, eine bestimmte Zielgruppe.“

Affdex ist sogar in der Lage, sogenannte Mikroexpressionen zu registrieren, also die unfreiwilligen, nur Sekundenbruchteile dauernden Veränderungen auf unseren Gesichtern, wenn uns ein Gefühl überkommt. Wir kennen das aus der populären Fernsehserie „Lie To Me“, die sich um einen Ermittler dreht, der über ähnliche Fähigkeiten verfügt. Doch hat die Serie einen realen Hintergrund: Paul Ekman persönlich betreibt ein Unternehmen, das FBI wie CIA berät und Workshops für Agenten anbietet, um sie darin zu schulen, in Verhören Lügner zu identifizieren. Wenn aber Computerprogramme den Job zuverlässiger und automatisiert erledigen können, werden solche Einweisungen bald überflüssig sein. Rana el Kaliouby betont, dass Affectiva die Zusammenarbeit mit Polizei oder Geheimdiensten ablehne. Konkurrenten wie die Firma Eyeris sind aber, wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete, weniger zimperlich.

Flirthilfe für Gefühlsblinde

Auch Affectiva sucht aber für seine Software weitere Anwendungen. So arbeitet man seit kurzem mit ooVoo zusammen, einem Dienst für Videotelefonie. In Zukunft wird man seine Gesprächspartner nicht nur sehen und hören, sondern auch herausfinden können, was sie gerade fühlen. Der Dozent eines Onlinekurses könnte etwa die Aufmerksamkeit seiner Schüler kontrollieren – und ob sein letzter Witz gut ankam. Bei Geschäftsverhandlungen per Videokonferenz könnten die Parteien überprüfen, ob die Gegenseite wirklich mit offenen Karten spielt. Und auch bei Vorstellungsgesprächen lässt sich das Programm nutzen: Bewerber müssten sich dann nicht nur den Augen der Chefs, sondern auch dem unbestechlichen Blick der Kamera aussetzen. Von den unendlichen Möglichkeiten für notorisch eifersüchtige Partner ganz zu schweigen.

Wie eine Welt aussehen könnte, in der computergestützte Emotionsanalyse allgegenwärtig ist, zeigt ein Werbevideo des israelischen Unternehmens Beyond Verbal, das sich anstatt auf Gesichts- auf Stimmerkennung spezialisiert. Flirtanalphabeten verspricht der Sprecher die Lösung all ihrer Probleme: Du bist mal wieder nicht in der Lage, ihre Körpersprache zu deuten? Lass deine mobile App die Sache erledigen – indem du ihre Stimme aufnimmst und feststellen lässt, ob sie sich amüsiert.

Eine neue Dimension des Datensammelns

Zunächst klingt das absurd. Anderseits: Seit Google Maps auf Smartphones zu finden ist, fragt ja auch niemand mehr nach dem Weg. Und wenn ein fetziger Song läuft, dessen Namen man nicht kennt, wird der Musikdetektor Shazam angeworfen, anstatt in der Kneipenrunde zu diskutieren. Wieso also nicht eine App, um sich auf dem Terrain der Gefühle zurechtzufinden? Yuval Mor, Vorstandsvorsitzender von Beyond Verbal, glaubt jedenfalls fest daran, dass seine Technologie helfen kann, sowohl Wohlbefinden als auch psychische Leistungsfähigkeit der Menschen zu verbessern. Er selbst nutze die Smartphone-App – sie heißt übrigens „Moodies“ – etwa auf Konferenzen; so könne er sich vor wichtigen Reden vergewissern, dass er entschlossen und selbstsicher klinge. Auch während des Interviews für diesen Artikel nimmt er sich selbst auf und teilt mir die Ergebnisse mit: „Am Anfang des Interviews zeigt mit die App ‚Selbstkontrolle‘ an. Meine Stimmung veränderte sich dann hin zu Freundlichkeit, mit Weitsicht und Willensstärke als sekundären Emotionen. Am Ende zeigt mir die App, dass ich zufrieden bin, und überzeugt von dem, was ich sage.“

Zehn bis fünfzehn Sekunden an gesprochener Sprache genügen Beyond Verbals Software, die Erkenntnisse aus Physik und Neuropsychologie nutzt, um den Gemütszustand der Sprecher zu berechnen – unabhängig von der verwendeten Einzelsprache. Kommerzielle Verwendung findet die Technologie etwa in Call-Centern, um die Verkaufseffizienz von Mitarbeitern zu verbessern. Denn oft komme es nicht darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt, so Mor. Ist der Klient aufgebracht, und drauf und dran, seinen Vertrag zu kündigen? Oder klingt er zufrieden und aufgeschlossen gegenüber neuen Angeboten? Der Verkäufer kann durch die Sprachanalyse seine Strategie anpassen, das Programm gibt ihm dabei laufend Handlungsvorschläge. So erzielt er jeweils den besten Preis.

So weit, so effizient. Bleibt nur die Frage: Wird hier nicht eine neue Dimension des Datensammelns erreicht? Möchten wir unsere Gefühle den Maschinen wirklich preisgeben? Obwohl wir uns an die freie Zirkulation unserer Aktivitäts- und Standortdaten schon beinahe gewöhnt haben, ist die Erfassung dessen, was wir als unser Intimstes, unser innerstes Wesen begreifen, noch unbekannt. Zwar legen aktuelle Studien nahe, dass auch unsere Facebook-Likes bereits Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit und psychische Disposition erlauben. Doch das Auslesen unserer Gefühle in dem Moment, in dem wir sie empfinden, ist ein Quantensprung.

Welcher Film passt gerade zu deiner Stimmung?

Man nehme die Bedenken der Skeptiker ernst, meinen die Unternehmer und betonen, dass man immer das Einverständnis der Menschen einhole, deren Emotionen aufgezeichnet würden. Sonst aber sei alles eine Sache der Gewöhnung. In der Zukunft werden empathische Maschinen ganz selbstverständlich unseren Alltag bevölkern, glaubt Yuval Mor: „Technische Geräte oder sogar humanoide Roboter werden einem sagen können: ‚Du siehst müde aus. Vielleicht willst du beim nächsten Café Halt machen.‘ Und wenn du ins Kino gehst, wird die Technologie dir einen Film empfehlen, der deiner Stimmung entspricht.“ Rana el Kaliouby meint ebenfalls, dass die Technologie sich durchsetzen und das Leben der Menschen bereichern wird: „Ich denke, in fünf bis zehn Jahren werden all unsere Geräte einen Emotionschip haben, der kontinuierlich unsere Stimmung liest. Dein Smartphone oder deine Smartwatch werden auf deinen emotionalen Zustand reagieren können.“

In „Her“ gibt es eine Szene, in der alle Menschen mit Knopf im Ohr durch die Stadt laufen – scherzend, lächelnd, mit traumverlorenem, glücklichen Blick. Doch sind es nicht andere Menschen, mit denen sie reden, sondern Samantha, das jederzeit aufmerksame, einfühlsame Betriebssystem. Werden Künstliche Intelligenzen am Ende noch die großen Tröster der Menschheit? Oder werden sie uns vielmehr manipulieren, wie es „Ex Machina“ vorführt? Fest steht: Egal, ob wir Wohlwollen oder Unbehagen gegenüber der technischen Entwicklung verspüren – die Maschinen werden es erkennen.

viaBig Data und die Emotionserkennung in Gesichtern.

Terrorismus: Abschirmdienst warnt vor Islamisten in der Bundeswehr

Gewaltbereite Islamisten könnten die Bundeswehr als Ausbildungscamp missbrauchen, fürchtet der Chef des Militärischen Abschirmdienstes. Schon jetzt habe man mehr als 20 frühere Soldaten identifiziert, die nach Syrien und in den Irak gereist sein, um dort zu kämpfen.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) warnt vor der Gefahr, dass sich Islamisten bei der Bundeswehr an Waffen ausbilden lassen. „Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann“, sagte MAD-Präsident Christof Gramm der Zeitung „Die Welt“ (Montag). Man habe bereits mehr als 20 ehemalige Bundeswehrsoldaten identifiziert, die nachweislich ins Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak gereist seien. Aktive Soldaten hätten dies allerdings nicht getan.

Der Militärische Abschirmdienst ist der Nachrichtendienst der Bundeswehr und für deren Sicherheit verantwortlich.

„Einstellung von Islamisten lässt sich kaum verhindern“

Gramm erläuterte, die Zahl derer, die anfällig für extremistisches Gedankengut sind, werde nicht kleiner werden. „Dem muss sich auch die Bundeswehr stellen.“ Der MAD sei rechtlich nur für Angehörige der Bundeswehr zuständig. Vor der Einstellung eines Soldaten, also beim Bewerbungsverfahren in den Karrierecentern, dürfe er nur beraten, aber künftige Soldaten nicht überprüfen. „Wenn da ein einigermaßen intelligenter Islamist vorstellig wird, der die Beweggründe für sein Interesse verschleiert, lässt sich seine Einstellung also kaum verhindern.“

Der MAD-Chef sprach sich dafür aus, seinem Dienst mehr Kompetenzen zu geben. Er müsse in der Lage sein, Bewerber für die Bundeswehr im Vorfeld einem „Basis-Check“ zu unterziehen. „Wir würden gern überprüfen, ob es ernsthafte Zweifel an der Verfassungstreue der zukünftigen Soldaten gibt“, sagte Gramm.

viaTerrorismus: Abschirmdienst warnt vor Islamisten in der Bundeswehr – Inland – FAZ.

Szenario : Wie die Polizei künftig Raser stoppen will

Bald könnte die Polizei Verkehrsrowdys auf Knopfdruck den Motor abschalten. Im Bundestag werden entsprechende Pläne diskutiert. Die Technik ist fast einsatzbereit. Aber es gibt rechtliche Probleme.

Elektronik macht das Autofahren sicherer, komfortabler und sparsamer. Doch die Technik ermöglicht weit mehr, als dem Nutzer vielleicht lieb ist. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Polizei die elektronische Abhängigkeit von Fahrzeugen nutzt, um Autos aus der Ferne außer Betrieb zu setzen.

Wobei „denkbar“ zu wenig gesagt ist, denn es gibt konkrete Pläne. Auf Anfrage der Linken im Bundestag hat die Bundesregierung nun einen Überblick über aktuelle Forschungsprojekte geliefert. Im Behörden-Jargon lautet das Ziel „Anhalten nicht kooperativer Fahrzeuge“. Konkreter heißt das: Die Polizei von morgen stoppt Autos von Kriminellen und Rasern auf Knopfdruck. Der Motor des Autos wird dann heruntergefahren wie sonst ein Computer.

Schon 2015 sollen laut Bundesregierung Geräte einsatzbereit sein, die mit künstlich erzeugten elektromagnetischen Impulsen oder Mikrowellen die in der Nähe befindliche Elektronik von Fahrzeugen blockieren oder zerstören. Bisher verfügte nur das Militär über derartige Technik.

Für den Polizeieinsatz ist sie aktuell noch zu sperrig. Das will die EU nun jedoch bald ändern. Die Vereinbarung der Anwendung derartiger Methoden mit deutschem und europäischem Recht ist laut Bundesregierung aber noch nicht geprüft.

Modul zum Anhalten als Pflichtausstattung

Politik und Polizei arbeiten allerdings auch an einer Alternative. Das europäische Netzwerk Enlets, in Deutschland vertreten durch die Polizeihochschule Münster, prüft zurzeit unter anderem, ob künftig ein Modul zum ferngesteuerten Anhalten als Pflichtausstattung für alle Neuwagen in der EU eingebaut werden soll.

Die Bundesregierung bestätigt ein grundsätzliches Interesse, entsprechende Systeme für die Polizei entwickeln zu lassen. Auch das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und das Bundesverteidigungsministerium hätten sich seit 2005 mit Techniken zum ferngesteuerten Anhalten von Fahrzeugen befasst.

Denkbar ist auch, dass die Technik beispielsweise zum Stoppen eines Geisterfahrers angewandt wird.

Nicht beteiligt ist Deutschland an der Entwicklung von Drohnen zum Stoppen von Fahrzeugen. Diese Technik wird aktuell von der EU-Kommission innerhalb des Projekts Aeroceptor entwickelt. Derartige Drohnen wären die ersten unbemannten Flugkörper im Polizeieinsatz, die nicht mehr ausschließlich der Überwachung dienen.

viaSzenario : Wie die Polizei künftig Raser stoppen will – NachrichtenMotor – DIE WELT.